Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

SAPERE

Scripta Antiquitatis Posterioris ad Ethicam REligionemque pertinentia Schriften der späteren Antike zu ethischen und religiösen Fragen

Sapere-Zitat für den Monat März

Ὁ γὰρ Σάμιος Πυθαγόρας τὸν σοφὸν ἄλλ’ οὐδὲ<ν ἢ> θεάμονά φησιν εἶναι τ[ν τε ὄντων καὶ γιγνομένων· παραγγεῖλαι γὰρ αὐτὸν εἰς τὸν κόσμον, ὥσπερ εἰς ἀγῶνα ἱερὸν, ἐφ’ ᾧ θεάσασθαι τὰ γιγνόμενα. […]

ἔστι μὴν ἅττα καὶ προαναφωνεῖσθαι νόμος ἐν τοῖς θεάτροις, καὶ δεῖ τινα προεξελθόντα διαλεχθῆναι τῷ δήμῳ τί μετὰ μικρὸν ὄψεται. Οὗτος οὐ πλημμελεῖ· τῷ γὰρ ἀγνωθέτῃ διακονεῖται, πὰρ’ οὗ καὶ μαθὼν οἶδεν, οὐ πολυπραγμονήσας εἰδέναι οὐδὲ διὰ τοῦτο κινήσας τὰ ἀκίνητα, καὶ μαθόντα γεσιγᾶν δεῖ, πρὶν ἐπειχθῆναι δημοσιεῦσαι, ὅτε γε οὐδὲ ἀεὶ τοὺς ἀγωνιστὰς εἰδέναι τὸν καιρὸν τῆς ἀγωνίας ὀ νόμος ἐφίησιν, ἀλλὰ περιμένειν δεῖ καταπεμπόμενον τῆς προόδου τὸ σύνθημα. Οὕτως, ᾧ μὴν κοινοῦται θεὸς τὰς παρασκευὰς (τῶν ἀποκειμένων ἐμβίων τῇ φύσει) [...] ἐχεμυθείτω.

 

Pythagoras von Samos sagt, dass der Weise nichts anderes sei als ein Betrachter des Seienden und des Werdenden. Er sei in die Welt bestellt wie in einen heiligen Wettkampf, damit er das Werdende als Zuschauer verfolgt. […] Es gibt das Gesetz, im Theater bestimmte Dinge vorab zu verkünden, und so muss jemand auftreten und dem Volk mitteilen, was es binnen Kurzem sehen wird. Dieser macht keinen Fehler. Denn er hilft dem Wettkampfrichter, er hat seine Kenntnisse von ihm, war aber nicht ungebührlich neugierig nach diesem Wissen, hat auch nicht deswegen „das, was man nicht bewegen darf, bewegt“, und es ist erforderlich, dass er sein Wissen solange verschweigt, bis er den Auftrag bekommt, es öffentlich zu machen, da das Gesetz nicht einmal zulässt, dass die Schauspieler den Zeitpunkt ihres Auftritts kennen, sondern auch sie auf das Signal zum Auftritt, das zu ihnen geschickt  wird, warten müssen. So hat auch der, dem ein Gott die Einrichtungen der Dinge […] mitteilt, […] zu schweigen. 

 

Synesios von Kyrene. Ägyptische Erzählungen oder Über die Vorsehung. Sapere-Bd. 21, S. 110-112. (Synes. Logos II. 8,1-8,4).

 

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