Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

SAPERE

Scripta Antiquitatis Posterioris ad Ethicam REligionemque pertinentia Schriften der späteren Antike zu ethischen und religiösen Fragen

Zitat aus Plutarchs "Dialog über die Liebe"

ἡμεῖς δὲ πολλὴν μὲν Ἔρωτος ὁμοιότητα πρὸς τὸν ἥλιον ὁρῶμεν οὖσαν. Πῦρ μὲν γὰρ οὐδέτερός ἐστιν, ὥσπερ οἴονταί τινες, αὐγὴ δὲ καὶ θερμότης γλυκεῖα καὶ γόνιμος ἡ μὲν ἀπ' ἐκείνου φερομένη σώματι παρέχει τροφὴν καὶ φῶς καὶ αὔξησιν, ἡ δ' ἀπὸ τούτου ψυχαίς […]

καὶ μὴν οὔτε σώματος ἀγύμναστος ἕξις ἥλιον οὔτ' Ἔρωτα δύναται φέρειν ἀλύπως τρόπος άπαιδεύτου ψυχῆς· ἐξίσταται δ' ὁμοίως ἑκάτερον καὶ νοσεῖ, τὴν τοῦ θεοῦ δύναμιν, οὐ τὴν αὐτοῦ μεμφόμενον ἀσθένειαν. Πλὴν ἐκείνη γε δόξειαν ἂν διαφέρειν, ᾗ δείκνυσιν ἥλιος μὲν ἐπίσης τὰ καλὰ καὶ τὰ αἰσχρὰ τοῖς ὁρῶσιν, Ἔρως δὲ μόνων τῶν καλῶν φέγγος ἐστί, καὶ πρὸς ταῦτα μόνα τοῦς ἐρῶτας ἀναπείθει βλέπειν καὶ στρέφεσθαι, τῶν δ' ἄλλων πάντων περιορᾶν.

 

Wir unsererseits finden es zunächst einleuchtend, daß eine große Übereinstimmung zwischen Eros uηd der Sonne besteht. Keiner der beiden besteht aus Feuer, wie manche meinen; vielmehr strahlt ein Glanz, eine wohltuende und zeugungskräftige Wärme, einerseits von der Sonne aus und spendet dem Körper Ernährung, Licht und Wachstum; aιιf der anderen Seite geht von Εros dieselbe Wirkung auf die Seelen aus. […] Weiter: Weder vermag ein Körper ohne sportliche Kräftigung die Sonne ohne Beschwerden zu ertragen noch eine Seele ohne Charakterbildιιng den Εros; beide werden in ähnlicher Weise überreizt und krank, und man schiebt dann die Schuld auf die Macht des Gottes statt auf die eigene Schwäche. Allerdings kann man insofern einen Unterschied feststellen, als die Sonne für den Betrachter in gleicher Weise Schönes und Häßliches sichtbar macht, Εros aber ausschließlich ein Glanz des Schönen ist und die Liebenden verlockt, allein darauf zιι schauen und sich diesem zuzuwenden, alles andere unbeachtet zu lassen.

 

Dialog über die Liebe. Plutarch, Amatorius. Sapere-Bd. 10, S. 102f. (Plut. am. 19, 764B).

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