Das Projekt „Runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen (RuneS)“ widmet sich der Erforschung des ältesten eigenständig entwickelten Schriftsystems innerhalb der germanischen Sprachen, der Runenschrift.

Ziel des Projektes ist es, die runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen systematisch, überregional und zeitlich übergreifend zu untersuchen. Durch den vergleichenden Ansatz werden dabei die Grenzen der traditionell getrennt betrachteten „Schriftsysteme“ des älteren fuþark, jüngeren fuþąrk und des Anglo-Frisian fuþorc überschritten. Im Mittelpunkt steht der mediale Aspekt der Schriftlichkeit mit seinem Fokus auf der Materialität von Zeichen und Text, die „Runische Graphematik“.

In zeitlich gestaffelten Untersuchungen wird der Vorgang der runischen Verschriftung der germanischen Sprachen und die Entstehung und weitere Entwicklung einzelner, regional unterschiedlicher runischer Schriftsysteme dokumentiert, vergleichend beschrieben und erklärt. Das Ziel ist eine systematische und funktionale Analyse aller auf den Denkmälern der untersuchten Teilcorpora erhaltenen Zeichen. Dies bedeutet, dass in einem ersten Abschnitt jedes Zeichen graphtypologisch beschrieben und klassifiziert, sowie, soweit wie möglich, eine Funktion ermittelt wird. Die dabei ermittelten runischen Zeichen werden in einen Systemzusammenhang gestellt. In einem zweiten Abschnitt werden die Entwicklung der Schriftsysteme sowie die systeminternen und -externen Gründe und Auslöser für diese Entwicklung Gegenstand der Untersuchung sein.

Das Ergebnis der digital gestützen graphematischen Forschungen ist die erste digitale Plattform für runische Graphematik (siehe RuneS-Datenbank).

Den Forschungen voraus geht die Konzeption und Entwicklung einer einheitlich strukturierten digitalen Korpusgrundlage, die auch noch ausstehende editorische Grundlagenarbeit und weitere theoretisch-methodische Vorarbeiten umfasst.

Kiel (Projektkoordination)

Dr. Christiane Zimmermann