Hof und Residenz im spätmittelalterlichen Deutschen Reich (1200–1600)
Vom Zeremoniell bis zu den Frauenzimmern
Warum hat sich im spätmittelalterlichen Deutschen Reich keine allesbeherrschende Hauptstadt gebildet, wie es in England und Frankreich der Fall war? Warum bestand stattdessen im Reich eine Vielzahl von Herrschaftsmittelpunkten?
Unter anderem diese Fragen stellte sich der Göttinger Landeshistoriker Hans Patze. Sie gaben den Anstoß für die Einrichtung der Residenzen-Kommission im Jahre 1985, die sich seitdem der Untersuchung von Residenzen und Höfen des Deutschen Reiches zwischen 1200 und 1600 widmete und mit denjenigen in anderen Ländern Europas verglich. Die föderale Struktur Deutschlands wurde dabei an einer ihrer Wurzeln erforscht: der Entstehung der landesherrlichen Residenzen, die auf das engste mit dem Wachstum der Höfe verbunden war.
Damit eng verbunden sind kultur-, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Fragestellungen, die den Alltag, das Zeremoniell, die Hofordnungen, das Frauenzimmer, Erziehung und Bildung, die höfische Ökonomie und anderes mehr betreffen. Die Ergebnisse wurden u. a. in der Reihe "Residenzenforschung" veröffentlicht. Darüber hinaus sammelte die Kommission die deutschen Hofordnungen und als weitere Quelle die europäischen Reiseberichte der damaligen Zeit und veröffentlichte diese in Form analytischer Bibliographien.
Die Mitteilungen der Residenzen-Kommission (1990-2012 inkl. Sonderhefte) sind ab 2020 über den Dokumentenserver der Akademie res doctae verfügbar. Seit 2016 gibt es auch eine Online-Version des vierbändigen Handbuchs Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich.