Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Einblicke in die Arbeit des Projektes

Hauptaufgabe des Projektes ist die Übersetzung der Texte des Tempels von Edfu. Ausgangspunkt sind hierbei die Abschriften de Rochemonteix und Chassinats. So findet sich z.B. in Chassinat's Edfou VII auf Seite 321 folgender Hieroglyhentext:

Die Bearbeitung dieses Textes durch das Projekt findet sich schließlich im Übersetzungsband ‚Inschriften des Tempels von Edfu I/2' auf Seite 612. Es handelt sich um eine sogenannte Ritualszene, in welcher der König dem Gott eine Lotusblüte darreicht:

An anderer Stelle wird der Tempel in allen Details mitsamt seinen Maßen beschrieben. Die antiken Autoren gingen hierbei von Innen nach Außen durch den Tempel und beschrieben die einzelnen Baukomponenten. Sie gaben jedoch nicht nur die Maße und Proportionen an, sondern begründeten diese fallweise. Zudem nennen sie uns die Namen der einzelnen Räume und geben ihre jeweilige Funktion an. Unsere Kenntnis von der Nutzung der einzelnen Räume entstammt diesen Texten. Auch das folgende Beispiel findet sich im Übersetzungsband ‚Inschriften des Tempels von Edfu I/2' auf Seite 24:

Die Bearbeitung durch das Edfu-Projekt liest sich folgendermaßen:

Neben der Übersetzung der Texte haben sich im Laufe der Jahre zusätzliche Aufgabenbereiche ergeben, die den Übersetzungsvorgang zu optimieren helfen, bzw. eine Übersetzungsarbeit fallweise überhaupt erst möglich machen.

Eine dieser Aufgaben besteht in der Kollationierung der Texte, welche von de Rochemonteix und Chassinat abgeschrieben wurden. Hierzu fahren die Mitglieder des Projektes in unregelmäßigen Abständen nach Ägypten und vergleichen die Abschriften direkt mit dem Originaltext im Stein. Wenngleich die heutigen Arbeitsbedingungen ungleich besser sind, als zu de Rochemonteix’ Zeit, so erschweren doch auch heute noch zahlreiche Faktoren die Arbeit vor Ort.

So machen Vogelkot oder Bienennester die Hieroglyphen oft unleserlich. Auch moderne Restaurationsarbeiten zerstören oder korrumpieren oftmals Hieroglyphen. Aus diesem Grund wurde schon vor Jahren damit begonnen, auf den Kollationierungskampagnen Photomaterial zu erstellen, um einerseits vom Schreibtisch aus noch einmal einen Blick auf die Texte werfen zu können, andererseits aber auch, um zu dokumentieren, wie sich der Befund im Laufe der Jahre verändert. Auch wenn moderne Photos oft mehr erkennen lassen, als dies zu Chassinats Zeit möglich war, so kommt es doch auch vor, dass alte Bilder einen besseren Befund zeigen, als das moderne Erscheinungsbild eines Textes. Das Photo-Archiv des Projektes umfasst zurzeit mehr als 22.000 Aufnahmen. Hinzu kommen noch einmal ca. 15 Stunden Videomaterial.

Ebenso wie das Photo-Archiv ein unerlässliches Werkzeug für die Übersetzungsarbeit darstellt, so ist auch die Datenbank des Projektes ein elementares Hilfsmittel. Da die meisten Texte Zerstörungen aufweisen und zudem oft inhaltlich schwer zu verstehen sind, ist die Suche nach Parallelen unabdingbar, um die Übersetzungslücken zu füllen.

Der hierfür eigens programmierte Edfu-Explorer vereint als Datenbank die überwiegende Zahl der Materialien des Projektes. Neben den Texten der Bände Edfou V-VIII sind dies vor allem die Götterliste, die Ortsnamenliste und die Wörterliste. Zudem kann die Textdatenbank unmittelbar auf die zum Datensatz gehörenden Photos, die entsprechende Chassinat-Seite, sowie digitalisierte Kollationierungen zugreifen.

Im Laufe der Jahre haben sich immer wieder Menschen für den Tempel von Edfu begeistern können und die Vertreter des Edfu-Projektes in der Hoffnung angesprochen, etwas für das Projekt bewirken zu können. So auch, als Dr. Uwe Bartels im Jahre 2003 damit begann, unentgeltlich und nur von seiner Begeisterung für den Tempeln getragen, die Strichzeichnungen für den Pylonen (Edfou VIII) und die Außenseite der Umfassungsmauer (Edfou VII) anzufertigen, welche bis dahin unpubliziert geblieben waren. Dieses Werk liegt mittlerweile als eigenständiger Band der Edfu-Reihe vor.



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