Sanskrit-Wörterbuch der buddhistischen Texte aus den Turfan-Funden

Arbeiten mit Handschriften in der klassischen Kultursprache Indiens

In Ruinenstätten und verlassenen Höhlenklöstern entlang der nördlichen der beiden alten "Seidenstraßen" in Ostturkistan, der heute zur Volksrepublik China gehörenden Provinz Xinjiang, wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von russischen, englischen, französischen, japanischen, schwedischen und vier deutschen Expeditionen archäologische Grabungen durchgeführt. Dabei wurde eine große Anzahl von Manuskripten in zahlreichen verschiedenen Sprachen entdeckt, zu einem erheblichen Teil in Sanskrit, der klassischen Kultursprache Indiens.

Ein großer Teil dieser Handschriften gelangte in die nach einem der Hauptfundorte benannte "Turfan-Sammlung" in Berlin und wurde zum Forschungsgegenstand der "Turfanforschung". Wie sich bei der Bearbeitung der Handschriften herausstellte, beinhalten diese neben "wissenschaftlicher Literatur" (Grammatik, Metrik, Astronomie, Medizin) und anderen Texten vor allem buddhistische Sanskrit-Texte, die überwiegend zum Kanon der Sarvāstivādin gehören, einer buddhistischen Schule des "Hīnayāna", die vom Nordwesten Indiens aus entscheidend zur Ausbreitung des Buddhismus in Zentral- und Ostasien beigetragen hat.  Inzwischen wurden viele der Texte editiert und zum Teil auch übersetzt. Die Katalogisierung der Sanskrithandschriften dieser "Turfan-Sammlung" war ein ebenfalls in Göttingen ansässiges Projekt der Akademie der Wissenschaften (Katalogisierung der orientalischen Handschriften in Deutschland: Sanskrithandschriften aus den Turfanfunden).

Das in der Göttinger Arbeitsstelle entstandene Sanskrit-Wörterbuch der buddhistischen Texte aus den Turfan-Funden (SWTF) ist ein zweisprachiges Sanskrit-Deutsch Wörterbuch, das die lexikographische Erschließung dieser frühen buddhistischen Literatur zum Ziel hatte. Durch die Ausführlichkeit der Zitate sowie die bis auf wenige Ausnahmen vollständige Aufnahme von Wortschatz und Belegstellen der ausgewerteten Texte hat das Wörterbuch sowohl den Charakter einer speziellen Konkordanz wie auch den einer allgemeinen Phraseologie des buddhistischen Sanskrits der kanonischen Sarvāstivāda-Texte.

Die im Wörterbuch berücksichtigten Texte dürften einen Großteil der gängigen Phrasen des buddhistischen Sanskrits enthalten. In den maßgeblichen Wörterbüchern des klassischen Sanskrit von O. Böhtlingk und R. Roth (erschienen 1855-1875 und 1879-1889) und M. Monier-Williams (erschienen 1899) ist buddhistisches Textmaterial nur sehr spärlich vertreten; dasselbe gilt auch für andere Sanskrit-Wörterbücher. Das Wörterbuch des "Buddhist Hybrid Sanskrit" von F. Edgerton (erschienen 1953) beschränkt sich auf einen Teil des Wortschatzes der buddhistischen Sanskrit-Literatur unter dem Gesichtspunkt der Laut- und Formenlehre und berücksichtigt vornehmlich Abweichungen vom klassischen Sanskrit. Darüber hinaus waren zur Zeit der Veröffentlichung dieser Wörterbücher die im SWTF erfaßten Texte größtenteils noch nicht zugänglich. Daher leistete das SWTF einen bedeutsamen Beitrag zur indischen Lexikographie.

Das Wörterbuch erschien in Lieferungen zu 80 Seiten; zusammen 29 Lieferungen, die 4 Bänden umfassen. Seit 2017 liegt es abgeschlossen im Druck vor. Band I (Vokale), Band II (k-dh) und Band III (n-m) wurden 1994, 2003 und 2008 veröffentlicht (Herausgeber: Heinz Bechert† und Klaus Röhrborn; Wissenschaftliche Mitarbeiter (in alphabetischer Reihenfolge): Andreas Bock-Raming, Sven Bretfeld, Jin-il Chung, Siglinde Dietz, Jens-Uwe Hartmann, Petra Kieffer-Pülz, Michael Schmidt, Georg von Simson, Martin Straube, Klaus Wille). Vom vierten Band an war Jens-Uwe Hartmann als Herausgeber des Wörterbuchs tätig. Das Projekt wurde im Rahmen des Akademienprogramms durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern gefördert; die Veröffentlichung steht unter dem Patronat der Union Académique Internationale in Brüssel.

 

Veröffentlichungen

Neueditionen einschlägiger Texte und andere relevante Materialien sind regelmäßig in Beiheften erschienen. Im Rahmen der im Jahre 1973 gegründeten "Kommission für buddhistische Studien" wurden vier internationale interdisziplinäre Symposien zur Buddhismusforschung durchgeführt, deren Ergebnisse jeweils in den Abhandlungen der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen veröffentlicht worden sind; die Verhandlungen des zweiten und des dritten Symposions standen in engstem Zusammenhang mit der Erschließung und Einordnung der kanonischen buddhistischen Überlieferungen aus den Turfan-Funden.
 

1. Sanskrit-Wörterbuch

Sanskrit-Wörterbuch der buddhistischen Texte aus den Turfan-Funden und der kanonischen Literatur der Sarvāstivāda-Schule. Begonnen von Ernst Waldschmidt im Auftrage der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. hrsg. von Heinz Bechert u.a. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

2. Beihefte

 3. Symposien

  • Buddhism in Ceylon and Studies on Religious Syncretism in Buddhist Countries. (Symposien zur Buddhismusforschung, I). Report on a Symposium in Göttingen, edited by Heinz Bechert. Göttingen 1978 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phil.-Hist. Klasse, Dritte Folge, Nr. 108).

  • Die Sprache der ältesten buddhistischen Überlieferung. The Language of the Earliest Buddhist Tradition. (Symposien zur Buddhismusforschung, II). Hrsg. von Heinz Bechert. Göttingen 1980 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phil.-Hist. Klasse, Dritte Folge, Nr. 117).

  • Zur Schulzugehörigkeit von Werken der Hīnayāna-Literatur. (Symposien zur Buddhismusforschung, III). Hrsg. von Heinz Bechert. Zwei Teile. Göttingen 1985-1987 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phil.-Hist. Klasse, Dritte Folge, Nr. 149, 154).

  • The Dating of the Historical Buddha. Die Datierung des historischen Buddha. (Symposien zur Buddhismusforschung, IV). Edited by Heinz Bechert. Drei Teile. Göttingen 1991-1997 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phil.-Hist. Klasse, Dritte Folge, Nr. 189, 194, 222).

 

Materialien

Die hier der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Materialien sind nur als Nachschlagewerke für den privaten Gebrauch gedacht. Die verwendeten Abkürzungen sind die des SWTF.

  1. Index Étienne Lamotte, Le traité de la grande vertu de sagesse de Nāgārjuna (Mahāprajñāpāramitāśāstra). 5 Bde. Louvain-La-Neuve 1949–1980.
    In den Index aufgenommen sind die zumeist in kursiver Schrift in Klammern angegebenen Sanskritwörter, in geringem Umfang auch Pāliwörter. Längere Zitate aus Sanskrit-Werken sind nicht berücksichtigt.
  2. Konkordanz DĀ (U.H.)

 

Personen

Herausgeber: 
Prof. Dr. Jens-Uwe Hartmann

Leitungskommission:
Prof. Dr. Jens-Uwe Hartmann (München, Vorsitz) | Prof. Dr. Michael Job (Göttingen) | Prof. Dr. Jens-Peter Laut (Freiburg) | Prof. Dr. Thomas Oberlies (Arbeitsstellenleiter; Göttingen) | Prof. Dr. Klaus Röhrborn (Göttingen) | Prof. Dr. Lambert Schmithausen (Hamburg) | Prof. Dr. Georg von Simson (Göttingen)

Redaktor: 
Dr. Jin-il Chung

Wissenschaftliche Mitarbeit:
PD Dr. Andreas Bock-Raming | Dr. Martin Straube | Dr. Klaus Wille

Sekretariat:
Annette Justus