Runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen (RuneS)
Das älteste Schriftsystem der germanischen Sprachen
Das Projekt "Runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen" (RuneS) widmete sich bis 2025 der Erforschung des ältesten eigenständig entwickelten Schriftsystems innerhalb der germanischen Sprachen, der Runenschrift. Als Kommunikationsmedium war diese Schrift in unterschiedlichen Ausformungen in großen Teilen des heutigen Europa (mit Zentren im deutschsprachigen Raum, in Großbritannien und Skandinavien) über einen Zeitraum von mehr als 1.400 Jahren verbreitet, sie ging der lateinischen Schriftlichkeit in diesen Sprachen voraus und existierte lange Zeit neben dieser.
Ziel des Projektes war es, die runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen systematisch, überregional und zeitlich übergreifend zu untersuchen. Durch den vergleichenden Ansatz wurden dabei die Grenzen der traditionell getrennt betrachteten "Schriftsysteme" des älteren fuþark, jüngeren fuþark und des Anglo-Frisian fuþorc überschritten. Im Mittelpunkt der Forschungen stand der mediale Aspekt der Schriftlichkeit mit seinem Fokus auf der Materialität von Zeichen und Text, die "Runische Graphematik".
In zeitlich gestaffelten Untersuchungen wurden der Vorgang der runischen Verschriftung der germanischen Sprachen und die Entstehung und weitere Entwicklung einzelner, regional unterschiedlicher runischer Schriftsysteme dokumentiert, vergleichend beschrieben und erklärt. So konnte eine systematische und funktionale Analyse aller auf den Denkmälern der untersuchten Teilcorpora erhaltenen Zeichen vorgenommen werden. Dies bedeutet, dass in einem ersten Abschnitt jedes Zeichen graphtypologisch beschrieben und klassifiziert sowie, soweit wie möglich, eine Funktion ermittelt wurde. Die dabei ermittelten runischen Zeichen wurden in einen Systemzusammenhang gestellt. In einem zweiten Abschnitt wurden die Entwicklung der Schriftsysteme sowie die systeminternen und -externen Gründe und Auslöser für diese Entwicklung Gegenstand der Untersuchung .
Das Ergebnis der digital gestützen graphematischen Forschungen ist die erste digitale Plattform für runische Graphematik, die RuneS-Datenbank.