Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Aremberg

Aremberg

(1) A. liegt in der Eifel, genauer im Ahrgebirge, etwa 50 km südwestlich von Bonn, etwa 60 km westlich von Neuwied, etwa 35 km südlich von Euskirchen. Im Gegensatz zum Ort schreiben sich die Herren von Arenberg. A. liegt am Westhang eines das Umland weithin überragenden Vulkankegels, der ebenfalls den Namen A. trägt, und auf dem sich die Burg A. befand. Östlich und südlich umfließt die Ahr den Berg. A. war der Hauptort der um 1300 erscheinenden »heyrschaf von Arnberch«, 1417 erstmals »lande von Arberg« genannt. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Herrschaft Arenberg, die mit ihren ca. 8800 ha, 15 Dörfern und ca. 2300 Einwohnern (1782) recht klein war. Größte und zentral gelegene Siedlung in der Herrschaft und daher bedeutender als A. war das Dorf Lommersdorf, vier Kilometer westlich A.s. Eventuell war für die Geschicke der Familie bzw. der Herrschaft im Hoch- und Spätmittelalter der Umstand entscheidend, dass in der Nähe A.s der von Koblenz nach Aachen führende Landweg, der bereits in römischer Zeit bedeutend war, den als »Königsstraße« bezeichneten Landweg von Bonn nach Trier kreuzte. Zudem war seit Mitte des 16. Jahrhunderts die Eisenverarbeitung im Gebiet der Herrschaft bedeutsam (aber nicht im Ort A. selbst). Versuche der Herzöge von Jülich (direkte nördliche Nachbarn), die Herrschaft A. als Lehen an sich zu ziehen, schlugen fehl.

Die Herrenfamilie ist seit dem 12. Jahrhundert belegt, zunächst als Burggrafen der Erzbischöfe von Köln, als solche hatten sie auch in Köln eine Machtstellung inne. Im 13. Jahrhundert schwankte ihre Benennung zwischen Herren und Grafen 1279 wurde das Bggf.enamt an den Kölner Erzbischof verkauft. 1281 starb die ältere Linie der Herren von Arenberg aus, die überlebende Tochter Mathilde heiratete 1299 ein Mitglied der Familie der Grafen von Mark, Eberhard, der sich hinfort ebenfalls von Arenberg nannte und nach dem Tod seines Vaters den Gf.entitel führte (Linie von der Marck-Arenberg [zur Unterscheidung von der gfl.en Hauptlinie]). Über zwei Verwandte, Adolf und Engelbert, die 1313-1364 den Lütticher Bf.sstuhl bekleideten, vermochte die Familie Besitzungen im Bistum Lüttich und angrenzenden Gebieten zu erwerben, wodurch sich das Interessensgebiet der Familie in die Maasgegend verlegte, was bedeutsam werden sollte. Die dort agierenden Familienmitglieder behielten den Gf.entitel, während die in A. ansässige Linie den Herren-Titel führte. 1456 erhielt einer der westlichen Familienzweige durch die Heirat mit Marguerite de Bouchout das Bggf.enamt von Brüssel, 1509 folgte die Verleihung des Gf.entitel durch Kaiser Maximilian I. an alle männlichen Mitglieder der Familie. 1544 endete mit dem Tod Roberts die männliche Linie von der Marck-Arenberg. Seine 20jährige Schwester Margaretha heiratete 1547 Jean de Ligne Herr von Barbançon, dem Hennegauer Adel angehörend. Als Katholik stand er in den Niederlanden auf Seiten der spanischen Habsburger gegen die reformierten Stände. Die Nähe zu den Habsburgern bzw. zum Reichsoberhaupt zahlte sich aus durch Förderung seitens der Ks.: 1571 verlieh Maximilian II. der Herrschaft das Prägerecht für Gold- und Silbermünzen, die ausschließliche Rechtsprechung u.a. zu, 1576 wurde die Herrschaft Arenberg zur »gefürsteten Gft.« erhoben, womit die Mitgliedschaft im Reichstag verbunden war. 1606 wurde vom französischen König Heinrich IV. die im Hennegau gelegene Stadt Edingen (Enghien) mit Umland gekauft, was zu einer Verlagerung des Wohnsitzes und des Hauptaktionsfeldes führte und für den Ort A. einen weiteren Bedeutungsverlust zeitigte. Durch Einheirat in die Hennegauer Adelsfamilie von Croÿ; und die Erbfolge nach Aussterben von deren Hauptlinie erhielt Graf Karl von Arenberg 1612 das Herzogtum Aarschot. 1644 empfing die Familie Arenberg von Kaiser Ferdinand III. den eponymen Hzg.stitel für alle männlichen und weiblichen Mitglieder. Zwischen Rhein, Maas und Mosel war damit das einzige Herzogtum dieses Gebiets entstanden, eines der kleinsten Fsm.er des Alten Reichs (es gab weiterhin Gebietserweiterungen: Kerpen, Fleringen und Gillenfeld), dessen Regierung aber außerhalb des Hzm.s lag; in A. ließen sich die Herren bzw. Grafen oder Herzöge seit etwa 1500 durch einen Amtmann bzw. Statthalter vertreten (ab 1555 durch ein illegitimes Mitglied der Familie), die Burghut oblag einem Bggf.en.

Vor den Besetzungen der Österreichischen Niederlande durch französische Revolutionstruppen zog sich die hzl.e Familie nach A. zurück, was aber nicht lange währte, da 1794 Revolutionstruppen das Land links des Rheins besetzten, womit auch A. unter französischer Verwaltung stand. A. kam als Mairie (Bürgermeisteramt) zum Kanton (Kreis) Adenau im Rhein-Mosel-Departement. 1795 und 1797 verlor die Familie alle ihre Besitzungen in der Eifel, wurden hingegen mit Meppen und dem vormaligen Vest Recklinghausen, einem kurkölner Amt, abgefunden (Hzm. Arenberg-Meppen mit Meppen und Recklinghausen als Haupt- bzw. Residenzstadt). Mit dem Frieden von Lunéville 1801 wurde das Herzogtum A. direkt Frankreich einverleibt. Nach dem Wiener Kongress im Jahre 1815 wurde das Gebiet dem Königreich Preußen zugeordnet.

(2) Der durchweg klein bleibende Ort hatte das Recht eines Tals bzw. Talfreiheit, vom Umfang der Rechte zwischen Dorf und Stadt einzuordnen. Eine Urkunde über die Verleihung dieses Rechts ist nicht bekannt, die Entwicklung dürfte ähnlich wie in anderen Eifelstädtchen (Nürburg, Blankenheim, Schleiden u.a.) verlaufen sein, ist aber schlechter dokumentiert. Der Ort entstand etwa 100 Meter unterhalb der Burg vor dem Anstieg des Wegs zur Burg, auch der heutige Weg beschreibt eine Serpentine (Burgstraße, Gartenstraße). Im 15. Jahrhundert findet sich für die Talsiedlung die Bezeichnung in deme dale, später thal. Um 1470 dürfte sie mit einer Mauer und einem Graben umschlossen gewesen sein. Als Tal verfügte A. über einen Bürgermeister (wie es sie auch in den Arenberger Dörfern Antweiler und Dorsel gab), daneben wohl über sieben Schöffen. Ein Schöffeneid ist von 1755 überliefert, ob er in dieser Form für die vorherigen Jahrhunderte galt, ist fraglich. Die ländliche Bevölkerung war zu Frondiensten verpflichtet (aber nicht zur Burghut, da die Einwohner den Ort bewachen mussten), belegt ist die Versorgung der Burg bei Anwesenheit des Herrn.

Es gibt indirekte bzw. schwache Hinweise auf die Verarbeitung von Eisen gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch in A. (Neu 1988, S. 231), für das 16. Jahrhundert auch auf Burg A., wo ein Büchsenmeister arbeitete (ebd., S. 240); in Lommersdorf hingegen wurde Brauneisenerz abgebaut, gewonnen und verarbeitet und zur Waffenfabrikation nach Lüttich versandt. Ansonsten dürfte in A. die Landwirtschaft, die in den Hochlagen der Eifel vergleichsweise geringen Ertrag lieferte, so gut wie komplett prägend gewesen sein. Schafhaltung war vorherrschend, auch die Herrschaft verfügte zu Mitte des 16. Jahrhunderts eine Herde (die in Wanderschäferei gehalten werden musste), 1615 wurden 400 Schafe nach Edingen überführt. Kuh- und Schweinehaltung verstärkte sich im 18. Jahrhundert Der Dreißigjährige Krieg stellte einen wirtschaftlichen Einbruch dar. Wirtschaftlich und hinsichtlich der kommunalen Ausstattung stand A., für das im Jahr 1815 234 Einwohner belegt sind, hinter dem deutlich größeren Lommersdorf zurück.

In Verzeichnissen des 15. Jahrhunderts wird das niedere Hofpersonal ersichtlich, weniger als zehn Personen umfassend; ob dieses aus dem Ort A. rekrutiert wurde, ist unklar. Um 1600 sprang die Personalstärke auf der Burg stark an. Als höhere Amtsträger sind ein Rentmeister, Hofmeister und Kaplan zu nennen, auch deren Rekrutierung ist unklar. 1600/01 gab es eine vierköpfige Wachtmannschaft unter einem Kapitän. Immerhin gab es während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in A. einen Schneider namens Daniel, der die Kleidung der Herrin Margaretha von der Marck-Arenberg nähte, 1555-1560 wohnte ein aus Lüttich geholter Gartenmann in A., der für die Gestaltung des Burggartens gewonnen worden war.

(3) In A. gab es zunächst nur eine Kapelle (1306 erwähnt), die kirchlich dem Kölner Eifeldekanat unterstand. Bis zu einem unbekannten Zeitpunkt war A. nach Lommersdorf eingepfarrt, ab dann gab es in A. eine eigene Kirche, war somit Pfarrort (wie auch Rohr, Antweiler und Dorsel; die anderen Dörfer der kleinen Herrschaft bildeten jeweils zu zweit eine Kirchengemeinde). Der Pfarrer war zugleich Burgkaplan, mit Auflösung der Hofhaltung in A. wurde dieses Amt aufgehoben. 1783 wurde die Pfarrkirche erneuert, der ältere Bau verschwand vollständig. Das Patronats- sowie das Aufsichtsrecht übten über alle Pfarreien der Herrschaft die Herren von Arenberg aus, die auch für eine reiche Ausstattung des Kirchenvermögens sorgten. Über Fragen der Kirchenaufsicht gab es immer wieder Streit mit dem ebf.en Dekanat oder dem Erzbischof von Köln selbst. Die Linie von der Marck-Arenberg blieb im 16. Jahrhundert katholisch (andere Linien in den Niederlanden wandten sich dem Calvinismus zu). 1669 wurde unter Leitung des Pfarrers eine Schutzengelkapelle errichtet, um die herum sich eine Schutzengelbruderschaft bildete, die vom Papst mit Ablässen versehen wurde.

(4) Vermutlich in das Jahr 1205 zu datieren ist die erste Erwähnung der Burg A. Burg und Talsiedlung liegen mehrere Hundert Meter voneinander entfernt. Im direkten Umfeld der Burg entstand die Vorburg mit dem Wohnsitz des Burgmanns (1571 Familie von Meil, später von Arberg). Die Burg ist nach Verkauf an privat zur Baustoffgewinnung abgerissen worden, aus den Überresten wurde 1854 ein Aussichtsturm erbaut.

Seit dem 16. Jahrhundert hielten sich die Herren von Arenberg nur noch selten in A. auf, dennoch setzten 1555 größere Erweiterungen ein. Aus der Korrespondenz Gf.in Margarethas († 1599) mit dem Intendanten wird die Instandhaltung der Burg deutlich, über deren schrumpfende Ausstattung Inventare von 1542, 1546 und 1617 (nach Tod Karls von Arenberg) Auskunft geben. Nach Ankauf Edingens (Enghiens) 1606 wurden weite Teile der Ausstattung des Schlosses von A. nach dort verlegt, die Burg zur Festung ausgebaut. Im Rahmen der französischen Reunionspolitik wurde 1682 die Festung besetzt, aller Waffen beraubt und zerstört. Nach 1700 wurde sie von den Hzg.en wieder aufgebaut, als diese auch die Eisenverarbeitung im Arenberger Gebiet förderten.

In das Wappen des Orts fand das Wappenbild der Herren Eingang, auf rot drei goldene Mispelblüten 2 : 1.

Eine Abbildung gibt es von der Burg aus dem Jahr 1671, die das Ergebnis des Ausbaus zur Festung mit dreifacher Umwallung und Abriss der Gebäude bis auf den Bergfried seit den 1640er Jahren zeigt. Die Talsiedlung erscheint als Signatur auf einer Karte des Jahres 1680. Zu erkennen ist eine Ummauerung mit drei Türmen und zwei Toren, das Haupttor befand sich im Westen an der Straße nach Lommersdorf, ein kleineres auf der Südseite an der Straße nach Antweiler und zur Ahr. Im Osten zum steil ansteigenden Weg zur Burg war der Ort offen, d.h., dass die Talsiedlung als eine Art erweiterte Vorburg fungierte. Ein Plan von 1682/83 zeigt ca. 50 Gebäude, darunter die Kirche mit ummauertem Kirchhof und Pfarrhaus.

(5) A. war in rechtlicher Hinsicht ein mit Talrecht ausgestattetes Burgdorf. Zentrale Funktion kam in der kleinen Herrschaft dem größeren Dorf Lommersdorf zu, das Zentrum des Erzbergbaus war (die Erze wurden vor allem zur Ahr in die Eisenwerke Antweiler und Ahrhütte gebracht und dort verhüttet), und wo sich das Hauptgericht (mit 21 Schöffen) für das Herrschaftsgebiet befand. Lommersdorf war auch Marktort, zudem gab es zwei Jahrmärkte. Überdies gab es dort ebenfalls eine Burg. In der Herrschaft Arenberg gab es als einzige Verwaltungsgliederung die Gerichte in Mülheim, Dorsel, Antweiler und A., denen das zu Lommersdorf übergeordnet war. Höherwertige Waren bezog man von den Märkten in (Bad) Münstereifel (ca. 20 km nördlich A.s), Mayen (ca. 40 km südöstlich) und Luxusgüter aus Köln (ca. 80 km nördlich). In Münstereifel wurde 1625 am Jesuiten-Kolleg ein Gymnasium eingerichtet, dass die nächstgelegene Möglichkeit zur höheren Schulbildung bot.

(6) Der kleine Ort A. lässt sich trotz seiner rechtlichen Qualität als Tal nur schwer der Gruppe der Residenzstädte zurechnen. In dieser Hinsicht scheint der Ort Lommersdorf wichtiger gewesen zu sein, wo sich das Hauptgericht der Herrschaft Arenberg befand, außerdem war er mit vier Kilometern Entfernung leicht von der Burg A. aus zu erreichen (zu Pferd in etwa einer Viertelstunde). Rechtlich war Lommersdorf aber keine Stadt, sondern Dorf. Dennoch war A. hervorgehoben: Es gab einen Bürgermeister, so daneben nur noch in zwei weiteren Orten der kleinen Herrschaft. Bemerkenswert aber, dass 1820 der Sitz der A.er Bürgermeisterei nach Antweiler verlegt wurde. Die enge Verbindung zur Burg äußerte sich in der baulichen Gestaltung sowie in den Versorgungsdienstleistungen. Zum Aufenthalt diente A. vor allem im Spätmittelalter, ab 1500 nur noch fallweise bzw. gelegentlich.

(7) Der Verbleib der archivalischen Überlieferung der Kommune ist unbekannt. Das herrschaftliche Archiv befindet sich in Belgien in Edingen (Enghien), Archiv Arenberg (AAE). Heranzuziehen sind auch Bestände in Brüssel, Archives Générales du Royaume, Löwen, Universiteitsarchief, Duisburg, Nordrheinwestfälisches Landesarchiv, Abt. Rheinland, Koblenz, Landeshauptarchiv, und in ’s-Hertogenbosch, Erfgoed ’s-Hertogenbosch. Als Besonderheit ist der umfangreiche Briefwechsel der Gräfin Margaretha von der Marck-Arenberg mit ihren Amtleuten in Aremberg zu nennen.

(8) Aremberg in Geschichte und Gegenwart, hg. von Gerold Rosenthal, Aremberg 1987. - Die Arenberger. Geschichte einer europäischen Dynastie, Band 1: Die Arenberger in der Eifel, hg. von Franz-Josef Heyen, Koblenz 1987 (Arenberg en Europa, 1). - Peter Neu: Eisenindustrie in der Eifel. Aufstieg, Blüte und Niedergang, Köln/Bonn 1988 (Werken und Wohnen. Volkskundliche Untersuchungen im Rheinland, 16). - Peter Neu: Die Arenberger und das Arenberger Land, Band 1: Von den Anfängen bis 1616, Koblenz 1989 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 52). - Peter Neu: Aan weerskanten van de Rijn. Het hertogdom Arenberg, in: Arenberg. Portret van een familie, hg. von Mark Derez, Turnhout 2018, S. 47-53.

Isabelle Vanden Hove