(1) S. (mhd. Sleyde/Sleiden, mlt. Sleyda, »Abhang«) liegt am nördlichen Rand der Eifel, heute nahe der Grenze zu Belgien. Im Mittelalter lag die Stadt auf den Verkehrsachsen Köln-Trier und Köln-Reims. Durchflossen wird S. von der nord-südlich fließenden Olef, die im benachbarten Gemünd in die Urft mündet. Über die Olef führte eine zu einem unbekannten Zeitpunkt gebaute Brücke.
Die Linie der Edelherren von S. entstand in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts infolge einer Erbteilung der Herren von Blankenheim; 1115 nennt sich Gerhard I. von Blankenheim auch Herr von S. Als eigentlicher Begründer der Linie der Edelherren von S. gilt Konrad von Blankenheim. Seit 1343 ist ihr Verhältnis als Lehnsmannen der Grafen bzw. Herzöge von Luxemburg gesichert. Die S.er Burg wird erstmals 1198 urkundlich erwähnt. Es hat den Anschein, als sei das S.er Stadtgebiet erst zu dieser Zeit erschlossen worden. Nachdem die Edelherren von S. 1435 im Mannesstamm erloschen waren, fiel 1442 die Regentschaft über S. kurzzeitig Graf Heinrich II. von Nassau-Diez zu, Ehemann der Erbtochter Irmgards von S. Um das Jahr 1450 ging die Herrschaft an dessen Schwager Dietrich III. von Manderscheid (†1498) über, Gatte Elisabeths von S. Von ihm ausgehend begründete sich neben den Linien Manderscheid-Blankenheim und Manderscheid-Kail auch die Linie Manderscheid-S., unter der die kleine Eifelherrschaft insbesondere unter Dietrich IV. »dem Weisen« (reg. 1501-1551) eine durch eine ertragreiche Eisenproduktion finanzierte Blüte erlebte. Dieser war eng mit dem Kölner Erzbischof Hermann von Wied verbunden, unterhielt Kontakte zum Jülicher Hof und pflegte Beziehungen zu Kaiser Karl V. Die Manderscheider Zeit endete 1593 mit dem Tod seines kinderlosen Enkels Dietrich VI. (reg. 1560-1593).
Anschließend kam es zu teils heftig ausgetragenen Erbstreitigkeiten. Dietrich VI. hatte als Lutheraner testamentarisch festgelegt, dass die S.er Stadtpfarre protestantisch zu bleiben habe. Anspruch auf die Nachfolge erhob allerdings sein katholischer Schwager Graf Philipp von der Marck (reg. 1593 und 1613), der nach kurzer militärischer Besetzung der S.er Burg sogleich 1593 die Wittumsherrschaft der überlebenden Frau Dietrichs VI., Elisabeths von Stolberg, anerkennen musste. Während dieser Zeit der ungeklärten Herrschaftsverhältnisse erging 1602 erstmals eine Einladung zum Reichstag an den Inhaber der Grafschaft S., wohl ohne dass eine Erhebung der Herrschaft zur Grafschaft erfolgt wäre, zudem bereits die Manderscheider den Gf.entitel trugen. Erst Ernst von der Marck (reg. 1613-1654) nahm S. schließlich 1613 für seine Familie dauerhaft in Besitz. 1682 bis 1697 war S. als Luxemburger Lehen mit Frankreich reuniert. Zwischen 1693 und 1697 entzog der Kaiser dem mit Frankreich sympathisierenden Haus von der Marck kurzzeitig die Grafschaft und übertrug sie Graf Hugo Franz von Königseck-Rothenfels. Nachdem die Linie von der Marck 1773 erloschen war, ging die Grafschaft S. an die Herzöge von Arenberg über. Ludwig Engelbert »der blinde Hzg.« (reg. 1778-1794) war letzter Graf von S. Nach französischer Besetzung und Annexion von 1794 bis 1815 fiel die Grafschaft an das Königreich Preußen und wurde Teil der Rheinprovinz.
(2) In einem ksl.en Privileg von 1309 wurde die Talsiedlung als »munitio« bezeichnet, wohl als befestigter Burgflecken bzw. als gefreites Dorf zu verstehen. 1343 wurde in einer Urkunde deutlich zwischen Burg, Vorburg und »Dahl« unterschieden. Der Begriff Stadt fällt erstmals 1451 in einem herrschaftlichen Schatzregister, 1535 ist immer noch von einem »Flecken zu der Schleyden« die Rede. Als Abschluss der Entwicklung gilt das kaiserliche Marktprivileg von 1575; der Marktplatz befand sich auf dem heute noch Driesch genannten Platz am Ufer der Olef.
Für 1479 ist belegt, dass 111 Haushalte zur Eichelmast berechtigt waren, wonach auf 700 bis 800 Einwohner geschätzt worden ist. Nach dieser Zeit dürfte die Einwohnerzahl tendenziell gestiegen sein, wie sich aus einem verstärkten Lebensmittelimport im 16. Jahrhundert schließen lässt. Vor allem infolge der Rekatholisierung kam es ab den 1630er Jahren zur Abwanderung zahlreicher Familien. 1688 wurden 77 Haushalte mit 360 Personen gezählt. 1705 zählte man in der Pfarre insgesamt 556 Seelen katholischer und 588 Seelen lutherischer oder reformierter Konfession (die wenigen Juden nicht mitgezählt), wovon auf die Stadt 172 Katholiken und 86 Protestanten fielen, insgesamt unter 300 Einwohner. Im Laufe des 18. Jahrhunderts erholte sich die Einwohnerzahl allmählich.
Die Verwaltung des Tals oblag zunächst wohl einem Schöffengericht, das für 1267 als Hochgericht bezeugt ist. Im 16. Jahrhundert kamen sieben Ratsherren und zwei Bürgermeister hinzu, die ein 1580 und 1586 als Vierzehner bezeichnetes Gremium bildeten, das de facto einen Stadtrat darstellte. Diese Amtsträger wurden vom Grafen ernannt.
Das Schöffengericht unterstand dem Oberhof in Aachen. 1622 ist als Obergericht das in Holchenbach bezeugt, welchem zudem die Schöffengerichte in Sistig und Wildenburg unterstanden. Die Schöffen konnten Urkunden ausstellen und besiegeln. Kirchliche Urkunden unterzeichnete neben den S.er Schöffen auch der Steinfelder Abt. Das erhalten gebliebene Schöffensiegel von spätestens 1447 zeigt innerhalb der Umschrift »S[igilium] Scabinor[um] de Sleyda« unterhalb dreier zinnenbewehrter Mauertürme zwei männliche Figuren, die das herrschaftliche Wappen mit dem S.er Löwen umrahmen. Die Figuren stellen vermutlich die Stadtheiligen St. Philippus und St. Jakobus dar. Neben dem Schöffengericht bestand ein Berggericht, das für Streitigkeiten in Berg- und Hüttenangelegenheiten zuständig war.
Eine Stadtbefestigung, wohl eine aus Olef und Dieffenbach gespeiste Wall-/Grabenanlage, ist erstmals 1309 urkundlich bezeugt, ehe im Laufe des 14. Jahrhunderts feste Mauern hinzukamen. Es gab zwei Tore, das östliche Gangfurtstor und das südliche Pfortentor. Außerdem gab es einige kleinere Tore, Porzen genannt, deren Nutzung an ein gfl.es Privileg geknüpft war. In die Stadtbefestigung waren andere Bauwerke eingebunden, so die Olefbrücke, das Kloster sowie eine Reihe von Wohngebäuden, die nach dem Stadtbrand von 1603 unmittelbar an oder auf die Mauer gebaut wurden. Die Stadtbefestigung wurde 1689 und 1702 von französischem Militär zerstört, anschließend notdürftig wiederhergerichtet und um 1800 größtenteils abgebrochen.
Stand zu Beginn wohl vor allem die Waldwirtschaft im Mittelpunkt, so wurde im 14. und 15. Jahrhundert, vor allem aber unter den Grafen von Manderscheid der Abbau und die Verhüttung von Eisenerz aus den Tälern von Olef und Urft bedeutsam; gefördert wurden Eisen und Blei. 1438 werden vier Hütten und fünf Hammerwerke im Oleftal erwähnt. Die Edelherren von S. übten als Reichsvögte das Bergregal aus, worauf auch die Abtei Steinfeld Ansprüche erhob, bis 1575 der Kaiser zugunsten S.s entschied. Verkauft als Stabeisen oder weiterverarbeitet zu landwirtschaftlichen Geräten, Kammrädern für Mühlen, Kamin- und Herdplatten sowie Geschützen begründete das Eisengewerbe einen wachsenden Wohlstand, der sich auf die unterstützenden Gewerke erstreckte. Ein Schatzregister von 1451 nennt eine ganze Reihe weiterer Hofstätten und Berufe, darunter zwei Weber, einen Brauer, einen Müller, zwei Walkmüller, zwei Ölmüller, vier Schuhmacher, einen Krämer, einen Schlosser, einen Schmied, einen Scherer, einen Bartscherer und einen Pfeifer. 1471 erscheint ein Geschützgießer, 1522 ein Büchsenmacher, 1552 ein Glasmacher, 1583 ein Hutmacher und 1610 ein Goldschmied. Hinzu kam ein reger Handel mit Weinen vor allem von der Mosel und der Ahr, es gab mehrere Schankwirtschaften. Auch der Wohlstand der S.er Bürgerschaft wuchs, so ist für das Jahr 1520 ein hinterlassenes Privatvermögen von nahezu 15000 Gulden belegt.
So gut wie das gesamte 17. Jahrhundert war eine wirtschaftliche Krisenzeit, bedingt zunächst durch den vollständigen Stadtbrand 1603 und mehrmals wiederkehrende Besetzungen durch fremde Truppen. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte wieder ein Aufschwung ein.
(3) Das kirchliche Leben war eng verbunden mit der benachbarten kurkölnischen Prämonstratenserabtei Steinfeld, mit der sich die S.er Herren bzw. Grafen bis ins 16. Jahrhundert hinein vor allem um Ländereien und Einkünfte stritten. Gründungsjahr der Pfarrgemeinde war 1214, als Konrad I. offenbar anlässlich einer Romwallfahrt der Abtei Steinfeld die bereits bestehende Burgkapelle übertrug. Diese Burgkapelle scheint für die wachsende Gemeinde bald nicht mehr ausgereicht zu haben, weswegen bis 1230 am Standort der heutigen Schlosskirche eine kleine Kapelle als Steinfelder Filiale entstand, die wohl St. Philippus und St. Jakobus gewidmet war, außerdem erhielt die Gemeinde das Recht, einen Friedhof anzulegen. Alle der Pfarre zustehenden Rechte und Einkünfte verblieben bei der Abtei. Die Gläubigen hatten weiterhin Taufen und Hochzeiten in der Mutterkirche St. Andreas in Steinfeld durchzuführen. Taufrecht erhielt die S.er Kirche 1315. Wann sie zu Pfarre erhoben worden ist, ist unbekannt, die Kapelle wurde 1412 als »parochialis ecclesiae« bezeichnet. Die Pfarrer, Steinfelder Ordensgeistliche, wurden vom Steinfelder Abt investiert.
1526 stiftete Dietrich IV. die Mittel zur Errichtung eines Hospitals mit eigener Kapelle, das zugleich Krankenhaus, Armenhaus und eine Art Altenheim war. Nach einem Brand 1603 wurden Hospital und Kapelle wieder aufgebaut, die Kapelle stand seit 1619 leer.
Mit den Grafen von Manderscheid als Ortsherren kam Bewegung in die kirchliche Entwicklung. Der als fromm geltende Dietrich IV., der 1515 eine Hl. Land-Wallfahrt unternahm, bemühte sich darum, die Streitigkeiten mit der Abtei beizulegen. 1515-1525 ließ er die alte Kapelle zur dreischiffigen Hallenkirche, der Schlosskirche St. Philippus und St. Jakobus, ausbauen. 1539 erwarb er im Gegenzug für Zehntrechte von der Abtei das Patronatsrecht und löste die Pfarre damit von der Steinfelder Mutterkirche. Dietrich IV. stand den Ideen der Reformation zumindest tolerant gegenüber. 1542 predigte Martin Bucer in der S.er Schlosskirche, für den in Straßburg mit Sleidanus und Sturmius zwei berühmte Söhne der Stadt tätig waren. Den endgültigen Bruch mit der römischen Kirche vollzog jedoch erst Dietrich VI. Unter ihm wurde 1569 mit dem aus Antwerpen geflohenen Matthias Stadtfeld der erste lutherische Pfarrer eingesetzt. Gegen die in S. sowie in der Nordeifel tätigen Wiedertäufer ging Dietrich VI. trotz eines 1548 geschlossenen Bündnisses mit den Nachbarherrschaften Dreiborn und Reifferscheid halbherzig vor. Erst 1586/87 verfügte er deren Ausweisung.
Mit den Grafen von der Marck begann ab 1613 eine Rekatholisierung. Die lutherische Gemeinde wurde von der Schlosskirche in die Kapelle des Hospitals verdrängt, von 1619 bis 1786 war der lutherische Gottesdienst gänzlich verboten. Den S.er Protestanten wurde später gestattet, den Gottesdienst im benachbarten Gemünd zu besuchen, wohin sich wirtschaftlich führende protestantische Familien zurückgezogen hatten. Ab 1643 entstand an der Stelle des alten Hospitals ein Kloster von Franziskaner-Minoriten. Als Pfarrer wurden ab 1641 ausschließlich Jesuiten eingesetzt. Dennoch blieben die Protestanten weiterhin in der Mehrheit, die Verhältnisse änderten sich erst um 1700. Allmählich arrangierte man sich, im Frühjahr 1786 begann der Bau der evangelischen Kirche am Driesch (1788 geweiht).
Mit dem durch die Eisenproduktion einhergehenden Wohlstand ging ein Bildungsaufschwung einher. 1505 wird erstmals eine Schule erwähnt, an der wohl vor allem Lehrer unterrichteten, die zuvor in Köln und Trier studiert hatten, wie der oft erwähnte Johannes Neuerburg. Aus der Schule gingen die Humanisten und Reformatoren Johannes Sleidanus (1506-1556) und Johannes Sturmius (1507-1589) - der gemeinsam mit dem späteren Grafen Dietrich V. die S.er Schule besuchte, welchen er später als friedliebend, um sein Volk bemüht und auf Eintracht zwischen allen Schichten bedacht beschrieb - hervor, die beide später in Straßburg für den Reformator Martin Bucer tätig waren. Für die Zeit 1470-1552 sind mindestens 13 Studenten aus der Herrschaft S. ermittelt worden, die an der Kölner Universität immatrikuliert waren, darunter der spätere S.er Pfarrer Hirt und der Bronsfelder Laurenzius Sifanus, seit 1559 Professor in Köln und seit 1568 in Straßburg tätig.
1309 erhielt Friedrich III. von S. das kaiserliche Privileg, Juden anzusiedeln. Sie ließen sich dauerhaft wohl erst nach 1648 in S. nieder. Für das 18. Jahrhundert sind höchstens drei Familien belegt, sie unterhielten private häusliche Betgemeinschaften.
(4) Geprägt wird das Stadtbild durch die erhöht liegende Burg bzw. Schloss, von der herab nach Osten der Hauptstraßenzug »Am Markt« zum Hospital bzw. dem 1643 entstandenen Kloster führte. Die Schlosskirche liegt am Übergang von der Burg zur Stadt an der Straße »Vorburg«, die Stadt bildete sich südlich dessen bis zum Ufer der Olef, über die eine Brücke zur »Schloßauel« und zum »Burggarten« führt. Am Olefufer lag auch der Marktplatz. Fachwerkhäuser einfacher Bauart, entstanden meist nach dem Stadtbrand von 1603, prägten das Stadtbild, vor 1700 gab es mit Ausnahme der Vorburg offenbar kein einziges aus Stein gebautes Gebäude in der Stadt. Mit dem sog. Löwenhaus, das seinen Namen von einem der einstigen Inhaber, einem nicht näher identifizierten »Meister Löwen« trägt, ist für 1439 ungeachtet dessen auch ein repräsentativerer bürgerlicher Bau bezeugt.
Die im 12. Jahrhundert entstandene Burganlage wurde mehrmals umgestaltet, zuletzt nach den Zerstörungen der Reunionskriege und der Erbfolgekriege zu Beginn des 18. Jahrhunderts zum Schloss umgebaut. Die ältesten erhaltenen Darstellungen der Burg stellen ein Stich von Merian der Ältere um 1620 und zwei Kupferstiche von Daniel Meisner aus dem Jahr 1624 dar. Von 1515 bis 1525 entstand unter der Leitung des Baumeisters Jakob von Kyllwald die heutige Schlosskirche. Hervorzuheben sind die vor 1535 vermutlich in einer Kölner Werkstatt entstandenen Glasgemälde der Schlosskirche, auf denen sich u.a. Dietrich IV. als Stifter zusammen mit seiner Gattin Margareta von Sombreff verewigen ließ. Von den einst zahlreichen Grabmälern der Schlosskirche sind nur wenige erhalten geblieben. Besonders zu nennen sind die stark verwitterte Grabplatte des 1419 verstorbenen S.er Edelherren Konrad V., die heute in der Kirchenmauer gegenüber des Westportals steht, sowie das Grabdenkmal Dietrichs IV., das dessen Enkel Dietrich VI. 1590 setzen ließ. In neuerer Zeit wieder zusammengesetzt wurde der zeitweilig zerlegte und als Kommunionsbank genutzte Sarkophag Sibyllas von Hohenzollern-Sigmaringen (†1621), der ersten Gattin Graf Ernsts von der Marck.
Das 1643 gegründete Franziskanerkloster befand sich zunächst in einem Haus neben der seit 1619 leerstehenden Hospitalkapelle, die in das neue Kloster mit eingebunden wurde. Da sich diese bald als zu klein erwies, entstand bis 1669 ein großzügiger barocker Neubau, für den Hospital und Kapelle abgerissen wurden. Zwischen 1683 und 1687 wurde eine neue Klosterkirche im barockem Stil errichtet (1944 zerstört). Ihr Aussehen ist in der Lithographie Nicolas Ponsards von 1831 überliefert worden. Ebenfalls 1526 wurde unterhalb des Schlosses (am Mühlenberg) eine Wassermühle gebaut, deren Graben von der Olef gespeist wurde.
Abweichend von den jeweiligen Adelsgeschlechtern führten Herrschaft bzw. Grafschaft und Stadt als Wappen einen silbernen Löwen auf blauem Grund (heute noch im Wappen der Stadt).
(5) S. war Hauptort der Herrschaft bzw. Grafschaft S., eines kleinen, durch die Eisengewinnung jedoch ertragreichen Territoriums, das neben S. und dem Weiler Gangfort aus den Gerichten Bronsfeld, Kall, Sistig, Wollseifen und Mürringen mit dem Dreiherrenwald (heute in Ostbelgien gelegen) bestand. Überregionale Bedeutung gewann die Stadt durch die Eisengewinnung. Eisenhütten sind für 1450 in den S.er Orten Hellenthal, Kirchseiffen, Müllershammer, Oberhausen und Wiesgen bezeugt, 1693 auch in Gangfort und Olef. Angeregt vom Erfolg der S.er Eisenproduktion entstanden zeitweise in den benachbarten Herrschaften Hütten, die jedoch meist infolge eines Mangels an Holzkohle schließen mussten. Die Gewinnung der zur Verhüttung zwingend notwendigen Holzkohle in den S.er Wäldern führte immer wieder zu Streitigkeiten mit den Grafen, weswegen sie später vor allem aus dem Reichswald in Monschau und aus dem gfl.en Dreiherrenwald bezogen wurde. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ging die Eisenproduktion zurück, verursacht vor allem durch die Spekulation mit den mittlerweile kleinteilig zersplitterten Hüttenanteilen. Die Blütezeit fand schließlich 1603 vorerst ein jähes Ende, als auf dem Marktplatz lagernde Holzkohle Feuer fing und einen fast die gesamte Stadt zerstörenden Brand auslöste. Aufschlussreich für die weitreichenden Beziehungen S.s ist das Kollektenbuch 1603-1605, in dem die für den Wiederaufbau zufließenden Spenden verzeichnet sind. Es erscheinen Städte und Fürsten bis nach Sachsen und dem Harzraum, vor allem die Grafen von der Marck (zu dieser Zeit noch nicht Landesherren) und die Stadt Straßburg, wohin es enge gelehrte Beziehungen gab. Nach dem Brand gab es in der Stadt S. keine Hütte mehr.
Höherwertige Waren mussten eingeführt werden, so aus Aachen und Köln Apothekerwaren und Gewürze, aus Aachen und Antwerpen Hopfen, Lederwaren und Tuche, aus Venlo und Bonn Garn, aus Frankfurt und Köln Papier und Bücher, wiederum aus Köln Kunstgegenstände und Tuch. Hinzu kam Wein von Mosel und Ahr, der mit dem Bannweinzapf ebenfalls einträglich besteuert wurde. S. verfügte über einen Markt, gesichert durch ksl.es Privileg 1575; anzunehmen ist, dass nicht nur S.er Erzeugnisse, sondern auch Waren aus benachbarten Herrschaften umgeschlagen wurden, zahlreiche Handelskontakte sind bekannt.
S. gehörte dem Rheinischen Münzverein an, bezahlt wurde in rheinischen Gulden, wobei nicht eindeutig erkenntlich ist, ob die Manderscheider in S. auch selbst Münzen schlagen ließen, wenn auch zahlreiche Geschäfte belegt sind, die in S.er Währung abgewickelt wurden. Mit verschiedenen Münzedikten zwischen 1562 und 1628 wurde der Umlauf fremder Münzen in S. verboten.
(6) S. fungierte als Burgort bzw. Residenzstadt für die Herren von S. bis Mitte des 15. Jahrhunderts, danach für eine Nebenlinie der Grafen von Manderscheid, ab 1603 für die Grafen von der Marck. Auch wenn die Herrschaft bzw. Grafschaft vergleichsweise klein und in erster Linie von regionaler Bedeutung war, so verlieh die Eisengewinnung einen bedeutenden Wohlstand, der insbesondere den Manderscheidern im Laufe des 16. Jahrhunderts zu einiger Bedeutung in der Nordeifel verhalf; Dietrich IV. von Manderscheid verfolgte überdies wenn auch bescheidene reichspolitische Interessen. Ihre Herrschaftsgebiete, u.a. S., lagen wie eine Pufferzone zwischen den großen Ebm.ern Köln und Trier und dem Herzogtum Jülich-Berg. Davon profitierte auch die Stadt S., wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung sowie die religiöse Aufgeschlossenheit des 16. Jahrhunderts sind dadurch zu erklären; an die Humanisten Sleidanus und Sturmius sei erinnert. S. selbst war indes keine repräsentative, eher eine funktionelle Stadt. Als repräsentativ anzusprechen sind einzig Burg und Schlosskirche, Stadtmauer und Kloster. Unter den Grafen von der Marck wurde S. in größere Konflikte verwickelt, ungefähr gleichzeitig verlor das Eisengewerbe an Bedeutung, mit dessen Niedergang einher ging auch der Abstieg von Stadt und Herrschaft. Erst unter den Arenbergern erholte sich S. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts allmählich wieder.
(7) Im Schleidener Stadtarchiv hat sich ein Teilbestand städtischer Urkunden von 1521 bis 1794 erhalten, ferner die Überlieferung des Hospitals von 1683 bis 1741. Hinzu kommen vereinzelte Archivalien im Archiv der Pfarre St. Philippus und St. Jakobus. Der größte Teil der herrschaftlichen bzw. gräflichen Überlieferung aus Schleiden beherbergt heute das Archiv der Herzöge von Arenberg in Edingen/Belgien, siehe: Inventar des herzoglich arenbergischen Archivs in Edingen/Enghien (Belgien), Teil 1: Akten und Amtsbücher der deutschen Besitzungen, bearb. von Peter Brommer, Wolf-Rüdiger Schleidgen und Theresia Zimmer, Teil 2: Die Urkunden der deutschen Besitzungen bis 1600, bearb. von Christian Renger, zum Druck gebracht von Johannes Mötsch, Tl. 3: Die Urkunden der deutschen Besitzungen, Bd. 2, bearbeitet von Wolf-Rüdiger Schleidgen und Elisabeth Andre, Koblenz 1984, 1997, 2017 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 36, 75, 124).
Als mehr oder weniger verlässliche Quelle darf Schannat, Johann Friedrich: Eiflia Illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel gelten, die ab 1825 von Georg Bärsch in mehreren Bänden herausgegeben wurde.
(8)Müller, Julius Otto: Aus den Eifelbergen, Langenberg 1887. - Peters, Carl Wilhelm: Aus Schleidens Vergangenheit. Bilder aus der Geschichte der katholischen Pfarrei Schleiden, Schleiden 1914. - Janssen, Josef: Das mittelalterliche Schleiden. Geschichte der Stadt und Burg, Schleiden 1927. - Neu, Peter: Geschichte und Struktur der Eifelterritorien des Hauses Manderscheid vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert, Bonn 1972 (Rheinisches Archiv, 80). - Guthausen, Karl, Hinsen, Hermann, Patzelt, Johannes: Schleiden. Vergangenheit und Gegenwart, hg. von der Stadt Schleiden, Schleiden 1975. - Neu, Peter: Die Arenberger und das Arenberger Land, Bd. 2: Die herzogliche Familie und ihre Eifelgüter 1616-1794, Koblenz 1995 [zu Schleiden bes. S. 452-462], Bd. 3: Wirtschaft, Alltag und Kultur im 17. und 18. Jahrhundert, Koblenz 1995 [zur Eisenindustrie im Schleidener Tal und in Kommern, S. 270-275] (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 67, 68). - Hinsen, Hermann: 800 Jahre Schloß Schleiden 1198-1998, Prüm 1998.