Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

Zurück zur Liste

Bonn

Bonn

(1) B. liegt auf einem hochwassergeschützten steilabfallendem Ufer am Rhein, der bedeutendsten Wasserstraße im Westen des Alten Reichs. Etwa zehn Kilometer südlich B.s tritt der Rhein aus dem Mittelgebirge und verändert seinen Charakter zum Tieflandstrom. Dieser Wandel hatte für B. im Gegensatz zu Köln nur eine geringe Bedeutung, da B. zu sehr im Trichter der Kölner Bucht liegt; zum wichtigsten Umschlagplatz am Rhein entwickelte sich Köln. B. war durch den Rhein im Osten und durch die Gumme und deren Sümpfe im Westen geschützt, Verteidigungsanlagen wurden lediglich im Norden und Süden benötigt. Durch B. führte eine Nord-Süd-Straße und der entlang des Rheins befindliche Treidel- oder Leinpfad, zudem gab es eine ab 1314 bezeugte, vom Erzbischof privilegierte Rheinfähre. Größere Bedeutung hatte B. für den Erzbischof wegen des Rheinzolls, der eine ertragreiche Einkommensquelle darstellte; das 1350 erstmals erwähnte (aber wohl ältere) Zollhaus diente im Spätmittelalter mehrmals als Ort politischer Verhandlungen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde in B. ein landesherrliches Amt eingerichtet, dessen Bezirk in etwa dem des hochmittelalterlichen Landgerichts entsprach. Erzbischof Hermann von Hessen (1480-1508) bestimmte 1487 B. oder Brühl zum Sitz eines Statthalters für Zeiten seiner Abwesenheit.

Im Spätmittelalter hielten sich einige Erzbischöfe häufiger, andere weniger in B. auf. Für die landesherrliche Verwaltung wurden eine Kanzlei und Registratur zunächst in Brühl, spätestens unter Erzbischof Ruprecht von der Pfalz (1463-1478/80) ab 1467 in Poppelsdorf und auf der Godesburg eingerichtet (letztere Anlagen sind beide wegen ihrer räumlichen Nähe für die Geschichte B.s wichtig). Erst Erzbischof Hermann V. von Wied (1515-1547) begann ab 1525 mit der Errichtung einer Kanzlei in B. selbst, die auch dem Hofrat als Sitz diente. Zur Residenzstadt erhoben wurde B. schließlich 1597 von Erzbischof Ferdinand von Bayern, 1601 verlegte er seinen Sitz faktisch nach B., 1620 wurde mit dem Bau des noch erhaltenen Schlosses (heute Teil der Universität) begonnen, ab dieser Zeit wechselten zudem die kfl.en Zentralbehörden nach B. Als kurkölnische Hauptlandesfestung wurde B. 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen zerstört, im Spanischen Erbfolgekrieg 1702-1714 von den Kaiserlichen (Ebf. Joseph Clemens war ein Bündnis mit Frankreich eingegangen, deswegen 1706 in die Reichsacht geraten) und verbündeten Niederländern belagert.

In direkter Nachbarschaft B.s liegt der Ort Poppelsdorf (knapp zwei Kilometer vom B.er Marktplatz entfernt, heute Teil B.s), wo sich eine ebf.e Burg befand, die bis 1341 dem Propst des B.er Cassiusstifts verpfändet war, als sie von Erzbischof Walram von Jülich ausgelöst oder gekauft wurde. Seitdem blieb sie durchgehend ebf.er Besitz, Aufenthalte des Ebf.s sind seit 1350 belegt, vermehrt seit Beginn des 15. Jahrhunderts Nach Ausbau der Befestigung um 1400 diente sie außerdem als Archiv, gelegentlich als Ort politischer Verhandlungen sowie als Gefängnis. Im 16. Jahrhundert diente die Burg als Jagdsitz, bis sie im Truchsessischen Krieg 1583 weitgehend zerstört wurde. Ab 1715 wurde im Rahmen der Umgestaltung der B.er Residenz unter Erzbischof Joseph Clemens in Poppelsdorf eine größere Schlossanlage, genannt Clemensruhe, errichtet (fertiggestellt 1740) und mit einer Allee direkt mit dem B.er Schloss verbunden.

Zur Residenzlandschaft um B. ist ferner die Godesburg bzw. der Ort Godesberg (heute Alt-Godesberg) hinzuzurechnen, gelegen acht Kilometer südlich B.s. Auf dem Godesberg wurde im frühen 13. Jahrhundert die Burg Godesburg errichtet zur Sicherung des Verkehrs auf dem Treidelpfad entlang des Rheins, von dem ein Wegezoll erhoben wurde. Seit dem 14. Jahrhundert diente sie, mittlerweile zu einer der stärksten Burgen Kurkölns ausgebaut (zudem mit Tiergarten versehen), als Sitz eines Amtmanns sowie auch als Archiv (bis ins frühe 16. Jh.). Der unterhalb der Burg gelegene Ort Godesberg entwickelte sich zu einem größeren Dorf mit selbständigen Handwerkern (u.a. Kerzengießer zur Versorgung des auf der Burg weilenden ebf.en Hofs) und einem Kaufmann sowie einem Viehhändler. Das Agieren der nur lokal bedeutenden Adelsfamilie der Herren von Godesberg ist schlecht überliefert. Trotz ihrer Bedeutung (Ebf. Friedrich von Saarwerden [1370-1414] hielt sich häufiger hier auf) wurde die Burg phasenweise verpfändet, u.a. 1450-1452 an den Berner Patrizier Ludwig von Diesbach. 1790-1792 wurde von Erzbischof Max Franz von Österreich (1784-1801) in Godesberg die Redoute errichtet, ein Ballhaus, das daneben stehende Haus an der Redoute war das Hoftheater.

(2) B. kennt eine lange, archäologisch belegte Siedlungstradition, die in vorrömischer Zeit einsetzte. Auch geht der Name B. auf eine vorrömische Bevölkerung zurück. Nach der Eroberung durch die Römer 55 v.Chr. wurde ein Auxiliarkastell (ungefähr im Bereich des heutigen Rathauses) errichtet, nördlich davon ein Legionslager. Der römerzeitliche Siedlungsschwerpunkt lag nördlich des späteren Orts. Das südlich des Lagers befindliche Gräberfeld diente in der Spätantike dem christlichen Kult der Hl.en Cassius und Florentius. Da die christliche Bevölkerung nahe bei ihren Heiligen wohnen wollte, verschob sich in Spätantike/Frühmittelalter der Siedlungsschwerpunkt allmählich nach Süden zur Stiftskirche St. Cassius (sicher 691/692 bestehend), obwohl mit der Dietkirche (Volkskirche) in der Südwestecke des nördlich gelegenen Legionslagers die Taufkirche der Gemeinde weiter bestehen blieb. Strittig ist, ob 804 erstmals die Siedlung um St. Cassius genannt wurde. Zumindest war die Siedlung bedeutender als ein einfaches Dorf, da es einen Markt für den Güteraustausch gab. Noch in fränkische Zeit reichen die Anfänge der Pfarrkirchen St. Martin bei dem Stift und der Pfarrkirche St. Remigius am Römerplatz.

881 wurde B. von den Normannen niedergebrannt. Spätestens davon hat sich das ehemalige Römerkastell mit der Dietkirche nicht mehr erholt. Das Stift hingegen gewährte der Bevölkerung einen besseren Schutz, die in deren Bereich durch Händler und Handwerker heranwachsende Siedlung gewann an Bedeutung. Wenn auch zunächst unbefestigt, erhielt sie wohl unter Erzbischof Hermann II. (1036-1056) einen Markt. Während das Stift selbst seit dem 11. Jahrhundert eine Mauer gehabt haben dürfte, ist eine Ummauerung der Marktsiedlung erst seit 1244 belegt. In jedem Fall rührt die Ausbuchtung der mehrfach erneuerten Stadtbefestigung nach Südwesten aus dieser Zeit. Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts hat der Rat vor allem die Stadttore mit Bastionen versehen lassen. Im späten 17. Jahrhundert wurde B. mit französischer Unterstützung zur Hauptlandesfestung Kurkölns ausgebaut. Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts setzte der Verfall der Festungsanlage ein, bis sie im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde.

Wirtschaftlich prägend war der Weinhandel, jedoch nicht so dominierend wie in Köln. Handwerk und Handel hatten vornehmlich lokale Bedeutung. Eine Konzentration von Goldschmieden am Markt bereits im 14./15. Jahrhundert zeigt in Ansätzen eine Funktion B.s als Einkaufsort für den Hof. Grundsätzlich blieb der ebf.e Hof auf Überschüsse aus den um B. gelegenen Höfen angewiesen. Nachrichten über Zünfte sind erst seit 1483 überliefert. In der Verfassung spielten die im sog. Zwölfter-Gremium vertretenen Zünfte nur eine geringe Rolle gegenüber dem Stadtrat, ja im 17. Jahrhundert legte dieser eine offen zunftfeindliche Politik an den Tag. Für einen Ausgleich sorgten ebf.e Kommissare.

Angaben über die Bevölkerungszahl gewährt erst das Lagerbuch von 1620, welches 487 steuerpflichtige Häuser nennt (ohne Großteil der Häuser von Geistlichen oder geistlichen Anstalten), was auf ungefähr 4000 Einwohner schließen lässt. Diese Größenordnung, eher geringer, dürfte auch für das Spätmittelalter zutreffen. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl deutlich auf etwa 6600 (1732) und auf 10135 (1790) an, was wohl auf die Residenzfunktion zurückzuführen ist.

Die Gerichtsrechte lagen seit dem frühen Mittelalter bei dem Erzbischof von Köln, spätestens seit dem 12. Jahrhundert hingegen bei den Grafen von Sayn. Deren Erben haben die Rechte dem Kölner Erzbischof 1302-1322 wiederum verkauft. Seitdem hat letzterer durch seine Amtleute die hohe Gerichtsbarkeit ausgeübt. Die Schöffen des Hochgerichts oder Hochherrengerichts tagten dreimal jährlich auf dem Münsterplatz. Dazu kamen verschiedene Hofgerichte unterschiedlicher Territorialherren. Ein B.er Stadtgericht ist erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus dem Landgericht eximiert worden. Spätestens seit dem Privileg Erzbischof Siegfrieds von Westerburg von 1286 verfügte das Stadtgericht über eigene, jährlich gewählte maiores. Mit ihnen war wohl ein Rat gemeint, auch wenn das Wort im Privileg selbst nicht gebraucht wird. Bürgermeister gab es spätestens seit 1373, wenngleich die Schöffen vor allem des Hochherrengerichts wie des Stadtgerichts nach wie vor die Hauptrolle spielten. Über die Schöffen vor allem des Hochherrengerichts wie der verschiedenen Hofgerichte, die zum Teil ebenfalls unter der Oberhoheit des Ebf.s standen, haben letztere immer wieder auf die Stadtverfassung Einfluss ausüben können. Im 16. Jahrhundert wurden die Kompetenzen des Stadtgerichts eingeschränkt. Die nach der Zerstörung B.s 1689 erlassene Polizeiordnung regelte das öffentliche Leben bis zum Ende des Alten Reichs. In den 1760er und 70er Jahren griff Premierminister Caspar Anton von Belderbusch als der zu dieser Zeit politisch führende Mann weit in die durch schlechtes Finanzgebaren in Unordnung geratene städtische Selbstverwaltung ein, wodurch der Rat auf dem Gebieten der Haushalts- und Rechnungswesen, der Zünfte und der Armenfürsorge nicht mehr eigenständig agieren konnte.

Seit dem 17. Jahrhundert profitierte nur ein Teil der B.er Bevölkerung von der Anwesenheit des kfl.en Hofs, zumal dieser die Niederlassung weiterer Adelshaushalte veranlasste, was den Kreis der Konsumenten höherwertigerer Produkte erweiterte. Im 17. und 18. Jahrhundert gibt es Anzeichen für deutliche soziale und kulturelle Grenzen zwischen dem Zunftgewerbe treibenden einfachen und mittleren Bürgertum, das die Mehrheit der Einwohnerschaft ausmachte, und den auf den Hof ausgerichteten gelehrten bürgerlichen Räten und Adelshaushalten, die von der Anwesenheit des Hofs direkt profitierten. Indiz für eine ökonomische Spaltung ist der Auszug der kein Auskommen findenden Schustergesellen 1760. Demgegenüber stand, dass im 18. Jahrhundert zeitweise 20 Goldschmiede anwesend waren sowie einzelne, im Wein-, Textil- und Lebensmittelhandel tätige italienische Kaufleute (Familien Bona, Broggia u.a.) in B. lebten. Nur kurzfristig wirksam waren mehrere Manufakturen, die von französischen Unternehmern und Arbeitern betrieben wurden und auf den Luxusbedarf des Hofs ausgerichtet waren (Keramik-, Seifen- und Kerzenproduktion). Seitens der Landesherrschaft wurde ein Arbeitshaus gegründet.

(3) Seit dem frühen Mittelalter (sicher seit 691/692) bestand die Stiftskirche St. Cassius und Florentius (heue Münster), in welcher sich das Grabmal des 1473 für abgesetzt und 1478 vom Kaiser zur Amtsresignation gezwungenen Erzbischof Ruprechts von der Pfalz (†1478) befindet. Als Pfarrkirche ist seit 795 die Dietkirche in der Südwestecke des alten römischen Legionslagers zu nennen. An ihr wurde wohl um 1075 ein Nonnenkloster errichtet, das spätestens 1483 in ein adliges Damenstift umgewandelt wurde. Die Pfarrkirchen St. Remigius (795), St. Martin (804) und St. Gangolf (1254) lagen in der weiteren Immunität des Stifts St. Cassius. Dazu kamen seit dem 13. Jahrhundert weitere Klöster, nämlich seit 1274 das der Minoriten und seit 1324 das Augustinerinnenkloster Engeltal. Ferner nahm die Zahl der Klausen, der Begarden und der Beginen seit 1279 zu. Ferner gab es in der Stadt mehrere Hospitäler, zunächst, eventuell schon im Frühmittelalter, am Stift, sicher ein Ägidius-Spital seit 1112. Nachdem 1454 das letzte Spital gestiftet worden war, scheint es in der frühen Neuzeit zu keinen weiteren Gründungen gekommen zu sein. Der Propst des Cassius-Stifts war seit dem 12. Jahrhundert zugleich Archidiakon im südlichen Gebiet der Kölner Diözese.

Die erste Bruderschaft war die seit 1333 am St. Cassius-Stift bestehende Priesterbruderschaft Johann Evangelist. 1386 kam die Marienbruderschaft an der Minoritenkirche hinzu. 1473 stiftete Erzbischof Ruprecht eine Sebastiansbruderschaft für die städtischen Schützen. Dazu traten Bruderschaften der Bürger und Zünfte an Pfarrkirchen und Klöstern. Erst 1666 gründete Erzbischof Maximilian von Bayern eine Hofbruderschaft zum Hl. Joseph. Ihm folgte Erzbischof Joseph Clemens von Bayern mit der Erz- und Hofbruderschaft zum Hl. Michael. Wie es auch sonst nachweisbar ist, haben die Namen der Bruderschaften gewechselt. Manche gingen endgültig ein, andere wurden erneuert.

Die Judengasse wurde schon seit dem 14. Jahrhundert nicht mehr von Juden bewohnt. Dennoch haben sich Juden in B. aufgehalten. 1715 erwarb die Judenschaft einen Teil des ehemaligen Predigerhofes und errichtete dort die neue Judengasse mit einer eigenen Synagoge. Dem Kft.en waren die Juden durch ein besonderes Judengeld und durch Anleihen verpflichtet.

1542-1548 gab es einen Versuch Ebf.s Hermann von Wied (1515-1547), zunächst eine Reform, sodann die Reformation einzuführen, er scheiterte aber an der altgläubigen Bevölkerung und vor allem am Reichsoberhaupt. In B. kam es im Gegensatz zu anderen Orten des Kfm.s nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Der 1577 zum Erzbischof gewählte Gebhard II. Truchsess von Waldburg neigte ebenfalls dem protestantischen Glauben zu; wegen seines Verhältnis zur Gerresheimer Stiftsdame Agnes von Mansfeld wurde er von ihren Brüdern zur Eheschließung gezwungen, die in B. begangen wurde. Hierauf wurde er 1583 exkommuniziert und des Amts enthoben, was den sog. Truchsessischen Krieg auslöste. Im selben Jahr wählte das Domkapitel Ernst von Bayern als neuen Erzbischof, der die Verfügungen seines Vorgängers rückgängig machte. Unter dessen Nachfolger Ferdinand von Bayern (1612-1650) wurde die Gegenreformation intensiv vorangetrieben. Im Rahmen der konfessionellen Auseinandersetzungen siedelte sich seit dem 16. Jahrhundert die moderneren Orden wie die Jesuiten (erster Versuch 1557, 1590 erste kleine Niederlassung, 1648 Beginn des Kirchenbaus, 1650 zum Kolleg erhoben), Kapuziner (1618, Neubau der Kirche 1750, 1897 abgebrochen) und Franziskaner-Rekollekten (1624), Kapuzinessen (1629) sowie die Welschnonnen (1664) an. 1627 eröffneten die Jesuiten eine Schule für Jungen und Mädchen, die Stadt hatte hierfür zwei Gebäude errichtet; die Jesuitenschulen sollten die bisher existierenden fünf privaten Schulen ersetzen. 1669 gab es erste Pläne zur Errichtung eines Gymnasiums durch die Jesuiten, die vom Kurfürsten gefördert wurden, zur Errichtung kam es jedoch erst 1673. Der Bekehrungseifer der Jesuiten äußerte sich u.a. darin, dass das Bekenntnis zum katholischen Glauben Bestandteil des Bürgereids wurde. Kennzeichnend war auch die Schaffung zahlreicher neuer Stiftungen an der Jesuitenkirche.

Bildungs- und kulturgeschichtlich bedeutsam ist der Umstand, dass es ab etwa 1770 zur Aufnahme von Aufklärungsgedanken kam, was sich nicht auf den Hof beschränkte, sondern sich auch auf das höhere Bürgertum erstreckte (eine bürgerliche Lesegesellschaft, die sich im Rathaus traf, wurde erst im 19. Jahrhundert gegründet), daneben entstand eine Deutsche Stadtschule. 1777 wurde die Akademie B. gegründet (1786 mit dem vom Kaiser verliehenen Recht zur Verleihung des Licentiats- und Doktortitels versehen), maßgeblich gefördert von ebf.en Premierminister Caspar Anton von Belderbusch. Aus ihr ging die 1815 gegründete Universität hervor. In den 1790er Jahren blieb es trotz der Sympathien vieler Intellektueller für die Französische Revolution ruhig (anders als in Mainz und Koblenz), es traten sogar Rat und die im Zwölfter-Gremium vertretenen Zünfte gemeinsam auf, um sich auf dem Landtag zugunsten einer gerechten Besteuerung aller Stände auszusprechen.

(4) Im Spätmittelalter sind Eingriffe des Ebf.s in die bauliche Gestaltung der Stadt und des Stifts nicht nachgewiesen. Bei ihren wenigen Besuchen übernachteten die Erzbischöfe während des Spätmittelalters im Zollhaus am Rhein oder in einem der ihm zugehörenden Höfe, wo auch fremde Gesandtschaften empfangen wurden, 1338 sogar der englische König Gelegentlich wurde eines der Häuser der Kanoniker des Cassius-Stifts genutzt. 1268 ist zwar von einer Kapelle im B.er Palast des Ebf.s die Rede, doch steht der Nachweis vereinzelt dar. Als Zeichen der ebf.en Gerichtshoheit befand sich auf dem Münsterplatz ein Löwenmonument, »Wölfchen« oder »Leopard« genannt. Eine heraldische Repräsentation des Ebf.s im Spätmittelalter ist nicht bekannt. Das zu einem unbekannten Zeitpunkt errichtete Rathaus, das auch als Kaufhaus diente, stand an der Südseite des Marktes; 1495, eventuell auch bereits 1490, diente es als Raum für Hochzeitsfeiern von Hofangehörigen. Der heute noch existierende Rokoko-Bau entstand 1737/38 nach Plänen des Hofbaumeisters Michael Leveilly.

Als erster markanter ebf.er Bau ist die unter Erzbischof Hermann von Wied ab 1525 errichtete Kanzlei zu nennen, die Erzbischof Salentin von Isenburg (1567-1577) wohl seit 1574/75 mit dem Zollhaus zu einem schlossartigen Anwesen ausbauen ließ. 1620 musste dieses einem Neubau weichen, dem auch mehrere Kanoníker- und Bürgerhäuser sowie einer (oder mehrere) ebf.e Höfe zum Opfer fielen. Während der Belagerung B.s 1689 wurde das Gebäude weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau setzte 1695 ein, 1697-1702 fortgesetzt und seit 1715 als offene Schlossanlage vollendet. Der Mittelteil fiel 1777 einem Feuer zu Opfer und wurde nicht wieder aufgebaut. Ein bestimmendes Element war der Schlossgarten sowie die Allee (eigentlich als Kanal geplant, aber nicht realisiert), die als Sichtachse zwischen dem Schloss und der im Truchsessschen Krieg 1583 zerstörten Burg und dem erst 1715 errichteten Schloss Clemensruhe in Poppelsdorf (per Kutsche zu befahren nur vom Kurfürsten und Hofmitgliedern, die weitere Bevölkerung musste die erst 1756 fertiggestellte Meckenheimer Allee benutzen). Mehrere Häuser von Bürgern und geistlicher Einrichtungen wurde für den Schlossbau abgerissen.

Im 16. und vor allem im 17. Jahrhundert kamen zahlreiche, in Stein gebaute, geräumige Höfe adliger kfl.er Amtsträger und reicher Kaufleute hinzu, für die hin und wieder drei oder vier Bürgerhäuser weichen mussten. Auch wenn sie nicht das Stadtbild prägten, so bildeten sie dennoch durch ihre Größe und Ausstattung ansehnliche Blickpunkte. Insbesondere Erzbischof Ferdinand von Bayern drang darauf, dass seine Räte in B. wohnten. 1640 klagte die Stadt auf einem Landtag über den Ankauf von 50 Bürgerhäusern durch den Erzbischof zugunsten von geistlichen Einrichtungen und Hofangehörigen bis hinab zu Köchen und Trabanten. Um dieselbe Zeit begannen die Jesuiten mit dem geplanten Grunderwerb des von Markt, Wenzelgasse, Bonngasse, Gudenauergasse gebildeten Häuserblocks. Weit ausgreifende Pläne zur Umgestaltung B.s wurden von Erzbischof Joseph Clemens ab 1715 (nachdem dieser aus dem wegen seiner profranzösischen Haltung seit 1702 währendem Exil zurückgekehrt war) ergriffen, zum größten Teil aber nach dessen Tod 1723 von seinem Nachfolger Clemens August (1723-1761) umgesetzt. Zu Verlusten älterer Bausubstanz kam es in den Jahrzehnten um 1900 und während des Zweiten Weltkriegs.

Das Stadtsiegel zeigt im Mittelalter keinen Bezug auf Kurköln. Erst das Sekretsiegel der Stadt von 1690 belegt das kurkölnische Stiftskreuz. Anders hingegen das Siegel der Schöffen des Hochherrengerichts, das 1356 das kurkölnische Stiftskreuz zeigt (frühere Nutzung nicht ausgeschlossen). Jedenfalls bezeugen beide Siegel den geringen Rückhalt, den der Erzbischof während des Spätmittelalters in B. genossen hat.

Pläne und Risse der in und um B. gelegenen Schlösser sowie der Gärten sind mehrfach erhalten, die Stadt als solche hingegen, vom Rhein aus gesehen, fand eine Darstellung durch Franz Hogenberg 1575 (kolorierter Kupferstich). Eine Vogelschauansicht, bei der die St. Gangolfkirche fehlt, fertigte Peter Pfannschmidt (auch Pannensmit) als Kupferstich 1588 an. In Meisners »Politisches Schatzkästlein« (Frankfurt 1627) findet sich ein Stich B.s, vom anderen Rheinufer aus gesehen. Eine Radierung Wenzel Hollars von 1635 zeigt B. von Süden, eine weitere, zwischen 1629 und 1639 entstandene vom Rhein. B. fand Eingang in die Meriansche Topographie (1646), einmal aus der Sicht vom Rhein, sodann auch als Vogelschauplan. 1674 fertigte Abraham Stock ein Gemälde an, das das B.er Rheinufer von Süden zeigt. Die von Franzosen belagerte Festung und Stadt sind zu sehen auf einem Stich von J.P. Richermo von 1689 (hierüber auch ein Flugblatt, erschienen Hamburg 1689), hingegen nur die Festungsanlagen zeigt ein Stich des Niederländers Charles Allard von 1703. Zu nennen sind neben einer Tuschezeichnung (B. von Norden zeigend) von Mathieu Xhouret von 1730 mehrere Kupferstiche des 18. Jh.s: das belagerte B. zeigt ein unbenannter Kupferstich von 1703, eines Anonymus von 1703 (mit falscher Bezeichnung der St. Gangolfskirche als Mathäuskirche), der die Stadt in einer Phantasielandschaft zeigt, etwas realistischer ein Kupferstich von Johann Georg Ringlin von 1710. B. von Süden zeigt ein Kupferstich von Charles Dupuis 1790, aus derselben Richtung gibt es ein Guckkastenbild von Balthazar Friedrich Leizel, ebenfalls 1790. Aus dem 18. Jahrhundert sind zahlreiche Veduten auch von Dörfern und Schlössern der Umgebung überliefert. Der Marktplatz ist zu sehen auf einem Guckkastenbild von Balthazar Friedrich Leizel (nach einem Bild von François Rousseau) von 1777, auf einem aus der Werkstatt François Rousseaus stammenden Gemälde (um 1785), das den Einzug Koadjutors Max Franz zeigt, und auf einem Stich von Charles Dupuis von 1790. Einen Teil der städtischen Bebauung gibt der Bauplan aus dem Atelier Robert de Cotte von 1715 wieder. Gelegentlich ist B. auf Bildern des Rheins und des Flussverkehrs zu sehen (so auf Kupferstich eines niederländischen Großfloßes von Jan Evert Grave von 1796).

(5) Zentrale Bedeutung hatte B. als Münzstätte unter den Merowingern sowie den Ottonen. Kaiser Konrad II. übertrug das B.er Münzrecht dem Kölner Erzbischof Pilgrim (1021-1036). Ab 1339 (Goldmünzen) ließen die Erzbischöfe mehr oder weniger regelmäßig in B. Münzen prägen, bis 1481 die Prägetätigkeit zugunsten von Deutz aufhörte. Erst 1635 wurde die Münzstätte wieder nach B. zurückverlegt, wo sie mit Unterbrechungen bis 1777 betrieben wurde.

Einen Wochenmarkt mag es schon zu Mitte des 11. Jahrhunderts gegeben haben. Sicher hat Erzbischof Walram von Jülich (1332-1349) zu einem unbekanntem Zeitpunkt einen Wochenmarkt und einen Pferdemarkt gestiftet. Zur Stärkung der Einkünfte des Cassius-Stifts verlieh Erzbischof Reinald von Dassel einen dreitätigen Jahrmarkt, den Katharinenmarkt, den er 1166 nochmals bestätigte, doch blieb dieser für die B.er Wirtschaft ohne Bedeutung. Der Katharinenmarkt wurde 1450 nochmals von Erzbischof Dietrich von Moers privilegiert. Hinzu kamen im 16. Jahrhundert zwei weitere Jahrmärkte, die sogenannten Petersmärkte, die der Bedarfsdeckung der Bevölkerung und eventuell auch des B.er Hofes dienten. Wichtigster Markt für die in B. ansässigen Handwerker und Kaufleute war Köln, von wo auch der ebf.e Hof höherwertige Artikel bezog. Lebensmittel wurden aus den ebf.en Besitzungen in der B.er Umgebung bezogen, gelegentlich auf dem städtischen Markt zugekauft.

In B. hergestellte Waren gingen nicht in den Export, sie besaßen so gut wie keine überörtliche Bedeutung. Wenn sich gelegentlich sogar Italiener ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in B. niederließen, so geschah dieses im Umfeld des Hofes. B. fungierte vorwiegend als Nahmarkt für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs. Größere Bedeutung erhielt der B.er Markt eigentlich nur durch den Weinhandel, stand aber auch hierin im Schatten Kölns. Der in B. erhobene ebf.e Zoll betraf vornehmlich den Durchgangsverkehr auf dem Rhein.

B. trat 1256 dem Rheinischen Städtebund bei und nahm auch am letztlich erfolglosen Landfrieden von 1281 teil, der sich gegen Erzbischof Siegfried von Westerburg richtete (der B. jedoch weiterhin förderte). Vielleicht schon 1290 ist B. als Oberhof für andere Schöffenstühle nachweisbar. Im weiteren Verlauf des Spätmittelalters erstreckte sich die Zuständigkeit im Wesentlichen auf die Städte im südlichen Teil der Kölner Bucht und am mittleren Rhein, die ihre Urteile den B.er Schöffen zur Begutachtung und Entscheidung vorlegten. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Zuständigkeit des B.er Schöffengerichts noch erweitert, schlief aber während des 16. und 17. Jahrhunderts ein. Stände als ein das Herrschaftsgebiet des Ebm.s repräsentierendes Organ bildeten sich erst 1435, wobei die Städte den vierten Stand bildeten.

(6) Um ca. 1250 lässt sich B. formell als Stiftsdorf verstehen, urbane Institutionen bildeten sich in dem von der Einwohnerzahl her jedoch als kleinere Mittelstadt zu begreifendem Ort langsam aus (Rat wohl 1286, Bürgermeister 1373, Zünfte ab 1483). Neben B. dienten auch Poppelsdorf und die Godesburg seit dem 14. Jahrhundert den Ebf.en als Aufenthaltsorte, die den südlich Kölns gelegenen rheinischen Teil ihres Herrschaftsgebietes bevorzugten. Als Residenzstadt im Vollsinne ist B. im 17. und 18. Jahrhundert zu bezeichnen. Eingriffe des Stadtherrn in die städtische Autonomie kamen in dieser Zeit immer wieder vor. Soziale und kulturelle Verflechtungen eines Teils der Bürgerstadt mit dem Hof sind mit der Residenznahme seit dem späten 16. Jahrhundert zu beobachten. Nur ein Teil der Einwohnerschaft profitierte von der Anwesenheit des Hofs. Wirtschaftliche Beziehungen beschränkten sich hingegen auf die Versorgung des Hofs mit Lebensmitteln, Luxuswaren bezog der Hof vorwiegend aus Köln oder von einzelnen Hoflieferanten, auch italienischen Kaufleuten, die sich seit dem späten 17. Jahrhundert in B. niedergelassen hatten. Nur gelegentlich lassen sich finanzielle Beziehungen zu Stadtbürgern und Adligen, die landesherrliche Ämter innehatten, feststellen. Beziehungen zu B.er Bürgern gab es in erster Linie durch den ergiebigen B.er Rheinzoll, der mit anderen Zöllen das Rückgrat der ebf.en Einnahmen bildete. Kulturgeschichtlich bedeutsam war die Zeit der Aufklärung, die Gründung der Akademie 1777 als Vorläufer der Universität ist hervorzuheben. In der von Hof, Adel, Räten und Bürgern mit ihren Salons gebildeten Öffentlichkeit wuchs der 1770 geborene Ludwig van Beethoven auf, der als Musiker der ebf.en Hofkapelle bis 1792 in B. tätig war, ehe er sich zu Studienzwecken nach Wien begab. Kurzfristig (1778-1784) wirkte der Lessing-Freund Gustav Friedrich Großmann als Leiter des Hoftheaters. Anders als in Mainz oder Koblenz kam es in Folge der Französischen Revolution in B. nicht zu Jakobiner-Aufständen.

(7) Die wichtigsten Quellen liegen im Stadtarchiv Bonn (reiche Überlieferung, im Kontrakten-Protokoll-Buch von 1752-1753 finden sich beispielsweise Grundrisse bürgerlicher Wohnhäuser) und im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (LAV NRW), Abteilung Rheinland, in Duisburg. Hinzu kommen Urkunden und Akten in verschiedenen Archiven des Rheinlands. - Archiv für die Geschichte und Statistik des Vaterlandes, Bd. 1, Bonn 1785.

Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 4 Bde., Düsseldorf 1840-1858. - Lacomblet, Theodor Joseph: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 2 Bde., Düsseldorf 1854. -Pick Richard: Ein altes Lagerbuch der Stadt Bonn, Bonn 1870. - Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, 12 Bde., bearb. von Friedrich Wilhelm Oediger, Rudolf Knipping, Wilhelm Kisky, Wilhelm Janssen und Norbert Andernach, Bonn/Köln/Düsseldorf 1901-2001. - Wisplinghoff, Erich: Die Kellnereirechnungen des Amtes Godesberg aus den Jahren 1381-1386, in: Bonner Geschichtsblätter 15 (1961) S. 181-268.

(8)Clemen, Paul: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Bonn, Düsseldorf 1905. - Philippson, Alfred: Die Stadt Bonn. Ihre Lage und räumliche Entwicklung, Bonn 21951 (ND 1989). - Niessen, Joseph, Ennen, Edith: Geschichte der Stadt Bonn, 2 Bde., Bonn 1956-1962. - Ennen, Edith: Die Bonner Märkte, in: Beiträge zur Wirtschafts- und Stadtgeschichte. Festschrift Hektor Amann, Wiesbaden 1956, S. 55-64. - Droege, Georg: Verfassung und Wirtschaft in Kurköln unter Dietrich von Moers (1414-1463), Bonn 1957 (Rheinisches Archiv, 50). - Dietz, Josef: Topographie der Stadt Bonn, 2 Bde., Bonn 1962-1963 (Bonner Geschichtsblätter, 16-17). - Ennen, Edith, Höroldt, Dietrich: Vom Römerkastell zur Bundeshauptstadt, Bonn 31976. - Bonn, bearb. von Klaus Flink, Köln 21978 (Rheinsicher Städteatlas, I, 6). - Müller, Hans: Oberhof und neuzeitlicher Territorialstaat, Aalen 1978 (Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte, N.F., 20). - Geschichte des Erzbistums Köln, 5 Bde., bearb. von Friedrich Wilhelm Oediger, Wilhelm Janssen, Hansgeorg Molitor und Eduard Hegel, Köln 1979-2008. - Geschichte der Stadt Bonn, Bd. 3-4, hrsg. von Dietrich Höroldt, Bonn 1984. - Janssen, Wilhelm: Regierungsform und Residenzbildung in Kurköln und anderen niederrheinischen Territorien des 14. und 15. Jahrhunderts, in: Territorien und Residenzen am Niederrhein, Kleve 1993 (Klever Archiv, 14), S. 151-169. - Militzer, Klaus: Die Versorgung des kurkölnischen Hofes, in: Alltag bei Hofe. 3. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, hg. von Werner Paravicini, Sigmaringen 1995 (Residenzenforschung, 5), S. 41-65. - Geschichte der Stadt Bonn, Bd. 1, hg. von Manfred van Rey, Bonn 2001. - Bonner Stadtgeschichte kurzgefasst, hg. von Manfred van Rey, Bonn 22006. - Militzer, Klaus: Verwaltete Herrschaft. Die kurkölnischen Residenzen im Spätmittelalter, Wien/Köln/Weimar 2019 (Veröffentlichungen des Historischen Vereins für den Niederrhein, N.F., 4), bes. S. 145-189, zu Poppelsdorf S. 189-195, zu Bad Godesberg S. 195-216, zum Itinerar der Erzbischöfe S. 103-108.

Klaus Militzer (†)