Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Koblenz

Koblenz

(1) K., an der Mündung der Mosel in den Rhein gelegen, hat möglicherweise keltische Wurzeln. Im 1. Jahrhundert n.Chr. erfolgte unter den Römern der Aufbau einer Militärsiedlung (»Confluentes«); 49 n.Chr. wurde eine Brücke über den Rhein zum rechtsrheinischen Ufer beim heutigen Ehrenbreitstein errichtet. Das Kastell wurde im 5. Jahrhundert aufgegeben. Unter den Merowingern gab es einen Königshof, wo sich König Childebert II. 585 aufhielt, so dass man K. als königliche Pfalz einstufen kann. Kirchlich gehörte der Ort zum Sprengel des Trierer Ebf.s, der sich Ende des 8. Jahrhundert auf rechtsrheinisches Gebiet erweiterte und damit K. eine zentrale Stellung im Erzstift zukommen ließ. Die zentrale Lage kommt in den reichspolitisch wichtigen Vorverhandlungen 842 zum Vertrag von Verdun des folgenden Jahres zum Ausdruck. 860 kamen die Könige der drei neuen Teilreiche in K. zusammen, um ihre Konflikte beizulegen. 1018 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Trierer Erzbischof Poppo von Babenberg (reg. 1016-1047) den Kg.shof K. mit Zoll, Münze und dem Stift St. Florin. Damit ging die Reichsgewalt über K. an den Trierer Erzbischof über. Im Erzstift Trier fiel K. seit dem Hochmittelalter als Hauptort des östlichen Teils, des Niedererzstiftes, eine besondere Rolle zu. Seit Ende des Mittelalters und während der frühen Neuzeit nahm K. gegenüber Trier, dem Sitz des Obererzstiftes und eigentlicher Metropolitansitz, den Vorrang ein als kfl.er Herrschaftsmittelpunkt und Residenzstadt. Bis zum Ende des Alten Reiches änderte sich daran nichts.

(2)Bereits im 1./2. Jahrhundert n.Chr. wurde die Region um K., das Neuwieder Becken, von den Römern infrastrukturell und militärisch erschlossen. Rhein und Mosel dienten als Hauptverkehrswege, K. bildete hierbei einen Knotenpunkt, was sich förderlich auf den Ausbau der Siedlung auswirkte. Hieran konnte die hochmittelalterliche Entwicklung anschließen. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde K. Zollstätte für die Rheinschifffahrt. Die Einnahmen wurden von Erzbischof Poppo dem Stift St. Simeon in Trier geschenkt. Im 12. Jahrhundert waren auch die K.er Schöffen an der Ausübung des Zollregals beteiligt, auf den sie Anspruch erhoben, was in der Folge zu Spannungen mit St. Simeon führte. Auch für die Mosel erhielt K. eine eigene Zollstätte. Beide Zollstätten, an denen die K.er Bürger besondere Vorrechte hatten, fielen gegen Mitte des 13. Jahrhunderts wieder zurück an das Erzstift und bildeten eine wichtige Einnahmequelle. 1347 bzw. 1412 wurden die K.er Rheinzölle dann in die nahe gelegenen Orte Kapellen (Stolzenfels) und Engers verlegt, bis K. im 17. Jahrhundert wieder eine Zollstation erhielt.

Die Wirtschaftskraft der Stadt war zunächst nicht sehr ausgeprägt, verbesserte sich jedoch wesentlich im Laufe des 15. Jahrhunderts, als die Erzbischöfe verstärkt von K. aus regierten. K. wurde 1430 zur alleinigen Münzstätte des Erzstifts und erhielt 1419/1430 ein Kaufhaus. Der letzte Trierer Kurfürst, Clemens Wenzeslaus von Sachsen (reg. 1768-1801), förderte zur wirtschaftlichen Besserung von Stadt, Umland und Erzstift 1783 den Zuzug von Protestanten zur Errichtung von Fabriken. Eine Buchdruckerei wird um 1700 erstmals erwähnt; 1757 erhielt sie ein Druckmonopol für den Bereich des Niedererzstiftes, 1771 wurde sie Hofbuchdruckerei.

Im Spätmittelalter hatte K. etwa 2600 Einwohner. Zur Mitte des 18. Jahrhundert lebten circa 6900, 1794 etwa 8500 und unter französischer Verwaltung 1808 schließlich rund 9300 Personen in der Stadt (gegen Ende des 18. Jahrhunderts größer als Trier). Der Neubau des Schlosses 1786 und der Umzug des Hofes von der rechten auf die linke Rheinseite sowie die Anlegung der Neustadt spielten dabei sicher eine Rolle. Viele hohe landesherrliche Beamte nahmen dort ihre Wohnung, während Bürger und Kaufleute eher in der Altstadt wohnten. Für die ältere Zeit bildeten mit 56% vor allem Zuwanderer aus dem näheren Umkreis von 30 km die größte Gruppe der Neubürger. Am Ende des 18. Jahrhunderts stand ein Fünftel der Einwohner im Dienst des Kurfürsten, während Handwerker und Kaufleute 47% der Bevölkerung ausmachten.

Ob und wann K. formell Stadtrechte verliehen bekommen hat, ist nicht bekannt. Erzbischof Arnold II. von Isenburg (reg. 1242-1259) sicherte die Stadt durch Errichtung der nahe gelegenen Burgen Lahneck und Stolzenfels und förderte den Ausbau der Stadtmauer, der 1276-1289 weiter vorangetrieben wurde. Die außerhalb liegenden Ortsteile an Mosel und Rhein wurden 1252 in den Befestigungsring miteinbezogen. Die Burg Ehrenbreitstein und Burg Stolzenfels (Sitz eines kurtrierischen Amtmanns mit Kontrolle über den Rheinzoll zu Kapellen) waren zu jener Zeit die bevorzugten Aufenthaltsorte der Trierer Erzbischöfe, wenn sie sich im Niedererzstift aufhielten. Auch der für die Etablierung der Stadtherrschaft entscheidende Rückerwerb der Vogteirechte über die Stadt aus den Händen der Grafen von Nassau fällt in die Regierungszeit Ebf.s Arnold II. Von dessen Nachfolger, Erzbischof Heinrich II. von Finstingen (reg. 1260-1286), wurde das Domizil der Stadtadelsfamilie von der Arken 1277-1305 gegen den Willen und kämpferischen Widerstand der Bürgerschaft zur ebf.en Burg (»Alte Burg«) ausgebaut. Damit konnte der Erzbischof nun auch im Stadtgebiet residieren. Im Verlauf der Auseinandersetzung hatte sich die Stadt jedoch mehrmals dem Begehren des Ebf.s widersetzt und ihm den Zutritt zur Stadt verweigert, den er sich schließlich gewaltsam verschaffte und die Stadt unterwarf. Das Verhältnis der K.er Bürger gegenüber den Trierer Kurfürsten blieb auch im 15. Jahrhundert, sofern die Erzbischöfe sich dort aufhielten, angespannt. Die Unruhen in der Stadt 1436 anlässlich der Huldigung für Erzbischof Rhaban von Helmstatt (reg. 1430-1439) sind hierfür ein Beispiel. Gleichwohl waren sämtliche Trierer Kurfürsten darauf bedacht, im Anschluss an ihre Wahl die Huldigung der Stadt K. entgegenzunehmen, was vor allem im 16. Jahrhundert zu zeremoniellen Großereignissen unter Einbindung von Bürgerschaft und Geistlichkeit führte. K. bzw. Burg Ehrenbreitstein wurden seit dem 15. Jahrhundert zum Sitz der kfsl.en Kanzlei und des Archivs. Die dort tätigen Amtsträger waren zum Teil auch in der städtischen Verwaltung aktiv, wie das Beispiel des Peter Maier von Regensburg (um 1460-1542) belegt: Er diente vier Ebf.en als Sekretär und Archivar, zugleich war er in der Stadt als kaiserlich bestellter Notar des geistlichen Gerichts und darüber hinaus als Schöffe, Unterschultheiß und Schultheiß der Stadt tätig; mit anderen zusammen war er ferner an der Gründung der St.-Anna-Bruderschaft beteiligt, und 1531 trat er als Schlichter bei den gewalttätigen Ausschreitungen K.er Bürger gegen ihre jüdischen Mitbürger auf. Die drei Aufenthaltsorte der Erzbischöfe in K. hatten lange Bestand, bis sie zunächst durch den Bau der Philippsburg auf der rechten Rheinseite unter Erzbischof Johann Philipp von Walderdorff (reg. 1756-1768) und dann vor allem durch den Bau des Schlosses durch den letzten Kurfürsten, Clemens Wenzeslaus, abgelöst wurden.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur ebf.en »Alten Burg« ließ Erzbischof Balduin von Luxemburg (reg. 1307-1354) 1343 eine Steinbrücke über die Mosel bauen (bis zum 18. Jahrhundert das letzte große Bauwerk in der Stadt).

Die städtische Verwaltung lag in den Händen von Schöffen, seit 1182 begleitet von einem Bürgerausschuss und seit 1254 vom Stadtadel. Mit Regierungsbeginn Ebf.s Diether von Nassau (reg. 1300-1307) konstituierte sich 1300 der Rat, 1272 erstmals erwähnt, und entwarf neue Statuten für die Stadt. Unter dem Stadtadel stachen als älteste Familien hervor die von der Arken, vom Kirchhof, vom Burgtor und von Bachem. Als auswärtige Edelbürger gewann K. 1332 mit den Grafen von Katzenelnbogen die mächtigsten Herren am Mittelrhein. Viele Ritterfamilien der näheren Umgebung ließen sich als Bürger nieder, was sich im Bau entsprechender Stadthöfe äußerte (von der Arken, Waldbott von Bassenheim, Schenk von Schmidtburg, Boos von Waldeck, von der Leyen/Nickenich, von Breitbach-Bürresheim, von Eltz-Rübenach, von Metternich, von Solemacher). Von bürgerlichem Repräsentationswillen zeugen das Zunfthaus der Kaufleute und der Krämerbau. Im 14./15. Jahrhundert verzeichnete die Stadt an die 20 Zünfte, die seit 1366 im Stadtrat vertreten waren. In der frühen Neuzeit nahm der Kurfürst verstärkt Einfluss auf die Zünfte (im 16. Jahrhundert 14, teilweise überörtlich zu Handwerkerbünden zusammengeschlossen), insofern die Zunftordnungen seiner Bestätigung bedurften. Zunehmender Verlust der Kaufkraft und Anstieg der Konkurrenz führten das Handwerk seit dem 16. Jahrhundert in eine Krise, die bis ins 18. Jahrhundert reichte und den Eingriff des Kurfürsten erforderlich machte. Einem entsprechenden Maßnahmenkatalog von Erzbischof Clemens Wenzeslaus stimmte der Stadtrat 1776 zu.

Durch die Polizei-Ordnung (»Leyana«) Erzbischof Johanns VI. von der Leyen (reg. 1556-1567) wurde der Stadt 1562 (vorsorglich gegen deren Bestrebungen nach Autonomie und Reichsunmittelbarkeit) ein Platz als Landstadt im Territorialgefüge des Trierer Erzstifts zugewiesen. Damit konnte K. seine Stellung als Haupt- und Residenzstadt weiter ausbauen. Erzbischof Jakob III. von Eltz (reg. 1567-1581) ordnete die Rechtsprechung, weil es vorher erheblichen Streit zwischen Stadtrat und Kurfürst wegen der 1515 eigenführten Schöffengerichtsordnung gegeben hatte. Der gerichtliche Instanzenzug reichte nun von den Untergerichten des Kurstaates über die beiden Schöffengerichte zu K. und Trier bis zum eigens in K. eingerichteten kfsl.en Hofgericht als höchster Rechtsinstanz.

Infolge der Französischen Revolution kamen seit Anfang der 1790er Jahre immer mehr Flüchtlinge aus Frankreich nach K. K. wurde zur »Hauptstadt des auswärtigen Frankreichs« (Petry 1965, S. 183). Nach der endgültigen Flucht des letzten Ebf.s wurde K. Ende 1794 von den Franzosen besetzt und blieb bis 1813 in deren Hand.

(3)K. war im Mittelalter Sitz zweier Stifte und zahlreicher Ordensniederlassungen. Die Kirche St. Kastor, nahe der Mündung der Mosel in den Rhein und außerhalb der alten Stadtbefestigung gelegen, wurde 836 errichtet. Seit 1347 war St. Kastor Stift und dessen Propst (mit den Rechten eines Archidiakons) Pfarrer der gleichzeitig gebildeten Großpfarrei K., zu der die erstmals 1182 erwähnte und zentral gelegene Liebfrauenkirche sowie die umliegenden Dörfer Kapellen, Waldesch, Moselweiß, Pfaffendorf und Lützelkoblenz gehörten. Zu Ehren des Hl. Florin wurde gegen Mitte des 10. Jahrhunderts eine frühere Marienkapelle (vermutlich Pfalzkapelle) diesem geweiht und gleichzeitig dort ein Stift errichtet. Die Stiftsherren von St. Florin und St. Kastor waren vielfältig mit der kfsl.en Verwaltung vernetzt. So hatten im 14.-16. Jahrhundert verschiedene spätere Erzbischöfe Stiftsämter dort inne. Das ebf.e Offizialat in K. tagte im Gebäude von St. Florin, wo viele Offizialatsgeistliche bepfründet waren. Dem Stift St. Kastor kamen ein herausragender Stellenwert als Tagungsort von Kg.en (836/860) und eine besondere sakrale Bedeutung als Grablege mehrerer Erzbischöfe (Kuno und Werner von Falkenstein, gest. 1388/1418) zu.

In der Kernstadt, aber auch vor der Stadtmauer sowie im gegenüberliegenden Ehrenbreitstein, ließen sich seit dem 12. Jahrhundert Orden mit zum Teil je eigenen Männer- und Frauenkonventen nieder: zu nennen sind Augustiner-Eremiten, Augustinerinnen, Benediktiner (Beatusberg sowie Propstei Siegburg in Güls), Benediktinerinnen (Oberwerth), Dominikaner (Weißergasse), Dominikanerinnen (Görgengasse), Franziskaner, Franziskanerinnen, Kapuziner, Karmeliter, Kartäuser, Zisterzienserinnen (Wallersheim, Metternich).

Krankenpflege, Armenfürsorge und Schulausbildung wurden vom Stifts- und Pfarrklerus, verschiedenen Niederlassungen von Beginen sowie den Orden wahrgenommen. 1239 schenkte Engelbert von der Arken das von ihm errichtete Armenhaus in der heutigen Löhrstraße dem Stift St. Florin zur Nutzung als Hospital (Hl.-Geist-Spital). Das ältere, zu Anfang des 12. Jahrhundert von Erzbischof Bruno von Bretten/Lauffen (reg. 1102-1124) in der Nähe von St. Florin errichtete St.-Nikolaus-Spital wurde 1216 dem Deutschen Orden übertragen, der in K. seine erste Komturei am Rhein errichtet hatte. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gelangten beide Hospitäler dann in städtische/landesherrliche Hand. Zudem lassen sich seit 1295 Apotheken in Koblenz nachweisen.

Die Niederlassung des Deutschen Ordens wurde im 13. Jahrhundert Ballei, der unter anderem die Kommenden Köln und Mainz unterstellt wurden. Die K.er Ballei, deren Gebäude namengebend für das »Deutsche Eck« wurde, war unmittelbar dem Hochmeister des Ordens unterstellt.

Seit dem 14. Jahrhundert wurden Bruderschaften mit Bezug zu den ansässigen geistlichen oder weltlichen Institutionen gegründet, so die Bruderschaften der Weinknechte, der Winzer, der Sackträger und der Fischer (Kellerei Ehrenbreitstein), oder die St.-Nikolaus-, die Rosenkranz-, die Dreifaltigkeits- und die Elendigenbruderschaft. In der St.-Anna-Bruderschaft waren die Angehörigen der landesherrlichen Kanzlei geschlossen vertreten.

Die Anfänge einer jüdischen Gemeinde reichen zurück ins 12. Jahrhundert Trotz Schutzprivilegs des Ebf.s von 1264 fanden in der Stadt zwischen 1265 und 1349 fünf Pogrome statt. Unter Erzbischof Richard von Greiffenklau (reg. 1511-1531) wurden die seit über hundert Jahre vertriebenen Juden 1518 wieder aufgenommen, bald nach Richards Tod 1531 aber wieder verfolgt. 1573 wurden sie aus dem gesamten Erzstift ausgewiesen. 1618 erließ Erzbischof Lothar von Metternich (reg. 1599-1623) eine Judenordnung, die bis 1794 in Kraft blieb und die Niederlassung von Juden wieder gestattete.

Die Reformation blieb zwar nicht ohne Einfluss, führte jedoch zu keinen größeren Verwerfungen. So veranstaltete der Dominikanerorden 1524 eine öffentliche Disputation über die neue Lehre. Die Erzbischöfe Johann VI. von der Leyen (reg. 1556-1567) und Jakob III. von Eltz (reg. 1567-1581) erreichten, dass der Katholizismus die bestimmende Konfession blieb.

1580 wurde die Niederlassung von Jesuiten durch Erzbischof Jakob III. eingeleitet und 1583 offiziell bestätigt. Große Bedeutung erlangte diese Niederlassung für die Ausbildung der kurtrierer Geistlichkeit, indem ihr 1585 das neugegründete Priesterseminar unterstellt wurde. Darüber hinaus kam auch die Stadtbevölkerung in den Genuss der Ausbildung: Das Jesuitenkollegium erhielt einen Schulbau (drei Klassen mit 120 Schülern). Später erwuchs hieraus das Jesuitengymnasium, das nach Aufhebung des Ordens 1774 als kfsl.es Kolleg fortgeführt wurde. 1663 richteten die Jesuiten eine Mädchenschule ein. Besonders im 18. Jahrhundert führten die Jesuiten Volksmissionen durch. Neben der Schülersodalität gründeten sie Sodalitäten für Kleriker, Bürger, Handwerker und Frauen.

(4)Als Rathaus diente seit 1353 der Adelshof Monreal und später (1675-1805) das 1419/1430 erbaute Kaufhaus. Innerhalb der Stadt hielten sich die Kurfürsten gelegentlich in der »Alten Burg« auf. Seit dem 14. Jahrhundert übernahm Burg Ehrenbreitstein vorrangig Residenzfunktion, zumal sie über eine Kapelle verfügte, in der zeitweise das Kopfreliquiar des Apostels Matthias aufbewahrt wurde, daneben einen der Versorgung der Erzbischöfe dienenden Fischweiher aufwies, und nicht zuletzt Sitz der kurtrierischen Kellerei und der Kanzlei mit dem Archiv war.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde K. fast zur Hälfte zerstört; extrem verheerend wirkte sich auch der Pfälzische Erbfolgekrieg 1688 aus. Die von Erzbischof Karl Kaspar von der Leyen (reg. 1652-1676) errichteten Festungswerke haben gehalten, wie auf dem »Plan de la ville de Coblentz et chasteau d’Hermensthin« von 1689 gut zu erkennen ist. Der Wiederaufbau vor allem der Altstadt wurde von den kurtrierischen Baumeistern Johann Christoph Sebastiani und Johann Honorius Ravensteyn im Auftrag Ebf.s Johann Hugo von Orsbeck (reg. 1676-1711) ausgeführt und führte zur barocken Prägung des Stadtbilds. Im Laufe der langen Friedenszeit des 18. Jahrhunderts kam es unter den Ebf.en Franz Georg von Schönborn (reg. 1729-1756) und Johann Philipp von Walderdorff (reg. 1756-1768), dann vor allem aber unter dem letzten Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen (reg. 1768-1801), zu einer regen Bautätigkeit: das Dikasterialgebäude als Sitz der kfsl.en Verwaltung auf der rechten Rheinseite in Ehrenbreitstein sowie die daneben errichtete Philippsburg als Residenz, die nahe gelegenen Sommerschlösser in Kärlich, Schönbornslust und Engers mit entsprechenden Gartenanlagen, und schließlich das von Clemens Wenzeslaus errichtete, 1786 fertig gestellte prächtige K.er Schloss sowie die von ihm initiierte Neugestaltung der Stadt mit Anlage der Neustadt, der Clemensstadt (siehe den Stadtplan von Dilbecker, 1794).

Gefördert wurden zu dieser Zeit Prozessionen. Unter Erzbischof Clemens Wenzeslaus wurden besonders die Fronleichnamsprozessionen unter reger Beteiligung von Bevölkerung, hochrangigen geladenen Gästen und dem Kurfürsten festlich begangen, zugleich aber reduzierte er die Anzahl der kirchlichen Festtage im Erzstift erheblich, da sie seiner Ansicht nach nicht angemessen begangen wurden.

Zu bildlichen Darstellung des Stadtraumes siehe unten unter (7).

(5)Im Rahmen der weltlichen Verwaltung stand die Stadt in Beziehung zu den umliegenden Ortschaften, die auch im Bereich der geistlichen Zuständigkeit der Großpfarrei K. lagen. Zum Umland (Oberwesel, Remagen, Zell) verkehrten regelmäßig Schiffe. Insbesondere der Absatz von Wein und der Tuchhandel waren von Bedeutung. Handelsbeziehungen bestanden nach Frankfurt, Köln und in die Niederlande. Das erste Jahrmarktsprivileg stellte Kaiser Heinrich VII. 1309 auf Bitten seines Bruders, Ebf.s Balduin, aus. Vermutlich aber bereits zur Mitte des 11. Jahrhunderts wurde im Rahmen der Übertragung des Rheinzoll-Tarifs an das Stift St. Florin ein Jahrmarkt ausgerichtet.

Den Städten Trier und K. kam nach der sogar die Reichsstädte Boppard und Oberwesel einbeziehenden Arrondierung des weltlichen Territoriums durch Erzbischof Balduin von Luxemburg (reg. 1307-1354) Zentral- und Residenzfunktion für die beiden großen Herrschaftsbereiche, Nieder- und Obererzstift, zu. Der Erzbischof hielt sich seitdem öfter und länger in K. auf als in dem eigentlich dem Kurstaat seinen Namen gebenden Trier. K. hatte bis zum Ende des Alten Reiches durchgehend größere Bedeutung als faktischer Regierungssitz der Trierer Kfs.en.

Die Stadt diente auch als Ort für reichspolitisch wichtige Hoftage im Früh- (842, 860) und im Hochmittelalter (1105 Vorbereitung der Abdankung Kaiser Heinrichs IV. bei einem Treffen mit seinem Sohn Heinrich V.; 1138 Wahl Konrads III. zum Kg.; 1198 Schlacht zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV.; 1204 Fürstentag der Gegner Philipps). Unter Erzbischof Balduin fand 1338 ein glanzvoller Hoftag zu Ehren Kaiser Ludwigs des Bayern statt, als dieser König Eduard III. von England traf, der um Beistand zum Erwerb der französischen Krone nachsuchte, und auf dem wichtige reichspolitische Bestimmungen gefällt wurden. Zu Auseinandersetzungen Kurtriers mit der Stadt kam es im Bistumsstreit (»Manderscheider Fehde«) um die Nachfolge des 1430 verstorbenen Ebf.s Otto von Ziegenhain, bei der der päpstlich eingesetzte Rhaban von Helmstatt aus K. fliehen musste. König Maximilian I. hielt 1492 in K. einen Reichstag zur Vorbereitung eines Zuges gegen den französischen König ab.

(6)Ansätze zur Residenzenbildung zeigten sich in K. seit dem 13. Jahrhundert mit dem Bau der Alten Burg, der Burg Stolzenfels unmittelbar rheinaufwärts, dann wesentlich ausgeprägter seit dem 14. Jahrhundert mit Burg Ehrenbreitstein und seit der frühen Neuzeit mit der ebenfalls noch rechtsrheinisch gelegenen Philippsburg unterhalb Ehrenbreitsteins und schließlich gegen Ende des 18. Jahrhundert mit dem nun tatsächlich das Stadtbild beherrschenden kfsl.en Schloss, das den Residenzcharakter der Stadt durch die Inszenierung glanzvoller Bankette hervorhob. Durch die Hinwendung der Erzbischöfe an die Rheingegend im 14. Jahrhundert entwickelte sich K. zusammen mit Burg Ehrenbreitstein zur Residenzstadt (Kerber, Residenz 1991, S. 136). Die für die Region und das gesamte Erzstift Trier zentralisierenden Funktionen der Stadt spiegeln sich in deren gegenüber Trier zunehmenden Bedeutung als Verwaltungsmetropole des Kurfürsten Städtische Autonomiebestrebungen konnten die Kurfürsten vor allem im 13. und 16. Jahrhundert erfolgreich abwenden. Gegen Ende des Alten Reiches kam es unter dem letzten Kurfürsten, Clemens Wenzeslaus, zu einem kulturellen Aufschwung mit der Lizenzierung einer Buchhandlung (1772) und einer Zeitung (1785), der Gründung einer Lesegesellschaft (1784) und einer öffentlichen Bibliothek (1785) sowie dem Bau eines Theaters (1787, mit der Auflage, auch öffentliche Konzerte zu veranstalten). Seit Mitte des 17. Jahrhunderts unterhielten die Kurfürsten darüber hinaus ein Hoforchester und beschäftigten Hofmaler (herausragend im 18. Jahrhundert Januarius Zick und Heinrich Foelix). Sophie von La Roche (1730-1807), Ehefrau des Konferenzministers von Kurfürst Clemens Wenzeslaus, unterhielt 1771-1780 als Schriftstellerin in K. den ersten Literatursalon am Mittelrhein mit breiter Ausstrahlung auf ganz Deutschland, hatte Kontakte zu führenden Schriftstellern der Zeit.

(7)Archivalische Quellen befinden sich zum ganz überwiegenden Teil im Landeshauptarchiv Koblenz (LHAKo Bestand 1, Erzstift und Kurfürstentum Trier: Urkunden, Kopiare, Akten; Bestand 701, Karten) sowie im Stadtarchiv Koblenz (StAK, Bestand 623, Stadt Koblenz: Urkunden, Akten).

Günther, Wilhelm: Codex Diplomaticus Rheno-Mosellanus. Urkunden-Sammlung zur Geschichte der Rhein- und Mosellande, der Nahe- und Ahrgegend, und des Hundsrückens, des Meinfeldes und der Eifel. Bd. 1-5, Koblenz 1822-1826. - Brower, Christoph, Masen, Jakob: Metropolis ecclesiae Trevericae, hg. von Christian von Stramberg. Koblenz 1855. - Beyer, Heinrich, Eltester, Leopold, Goerz, Adam: Urkundenbuch zur Geschichte der mittelrheinischen Territorien. Bd. 1-3, Koblenz 1860-1874 (Nachdruck Aalen 1974). - Goerz, Adam: Regesten der Erzbischöfe zu Trier von Hetti bis Johann II. 814-1503. Trier 1861 (Nachdruck Aalen 1969). - Goerz, Adam: Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier in kurzen Auszügen. Teil 1-4, Koblenz 1876-1886. - Bär, Max: Urkunden und Akten zur Geschichte und Verwaltung der Stadt Koblenz bis zum Jahre 1500. Bonn 1898 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 17).

Bildliche Darstellungen: Älteste Stadtansicht von Koblenz, um 1525, zugeschrieben Anton Woensam von Worms (Fresko, Liebfrauenkirche Oberwesel). - Deutsch, Manuel: Stadt Koblenz, 1549 (Holzschnitt in: Münster, Sebastian, Cosmographey, Basel 1598). - Senfftel, Johann Jakob: Koblenz am 1. Juli 1632 (Nachstich nach Merian). - Ladouzes (?): »Plan de la ville de Coblentz et chasteau d’Hermensthin«, 1689 (LHAKo, Best. 702, Nr. 59). - Leopold, Joseph Friedrich: Confluenz - Coblenz, um 1700 (Kupferstich). - Plan der Stadt Koblenz, 1730 (Bibliothek des Görres-Gymnasiums Koblenz). - Kilian, Georg Chr.: Stadtansicht von Koblenz, um 1760 (Nachstich im Formular eines Handwerkerbriefes, Stadtarchiv Koblenz). - Manskirsch, Gottfried Bernhard: Volksfest auf dem zugefrorenen Rhein mit Stadtansicht, 1767 (Ölgemälde, Mittelrhein-Museum Koblenz). - Probst, Georg Balthasar: Neue Churfürstliche Residenz zu Coblenz, um 1787 (kolorierter Kupferstich, Mittelrhein-Museum Koblenz). - Lang, Joseph Gregor: Die Reise auf dem Rhein von Mainz bis Andernach. Koblenz 1789 (darin verschiedene Kupferstiche). - Lang, Joseph Gregor: Voyage sur le Rhin. Neuwied 1791 (darin verschiedene Kupferstiche). - Dilbecker, Johann Peter: »Plan der Stadt Koblenz«, 1794 (LHAKo, Best. 702, Nr. 58, sowie StAK, Best. K, Nr. 279).

(8)Haxel, Edwin: Verfassung und Verwaltung des Kurfürstentums Trier im 18. Jahrhundert, in: Trierer Zeitschrift 5 (1930) S. 47-88. - Michel, Fritz: Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Koblenz. Koblenz 1937 (Nachdruck Düsseldorf 1981) (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 20,1). - Michel, Fritz: Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte. München 1954 (Nachdruck München 1986) (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, 1). - Michel, Fritz: Die Geschichte der Stadt Koblenz im Mittelalter. Trautheim 1963. - Rheinland-Pfalz und Saarland, hg. von Ludwig Petry, Stuttgart 1965 (Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, 5) S. 178-184. -2000 Jahre Koblenz. Geschichte der Stadt an Rhein und Mosel, hg. von Hans Bellinghausen, Boppard 1973. -Dollen, Busso von der: Der haupt- und residenzstädtische Verflechtungsraum Koblenz/Ehrenbreitstein in der frühen Neuzeit. Köln 1979 (Schriften zur Rheinischen Gesichte, 3). - Eiler, Klaus: Stadtfreiheit und Landesherrschaft in Koblenz. Untersuchungen zur Verfassungsentwicklung im 15. und 16. Jahrhundert. Wiesbaden 1980 (Geschichtliche Landeskunde, 20). -Geschichte der Stadt Koblenz. Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit, hg. von Ingrid Bátori, Dieter Kerber, Hans Josef Schmidt und der Energieversorgung Mittelrhein GmbH, Koblenz. Bd. 1-2, Stuttgart 1992. - Ennen, Edith: Koblenz - eine rheinische Stadt. In: Bátori, Kerber, Schmidt 1992, S. 13-24. - Kerber, Dieter: Die Anfänge einer Residenz der Trierer Erzbischöfe. In: Bátori, Kerber, Schmidt 1992, S. 121-136. - Kerber, Dieter: Bürger und Einwohner im Mittelalter. In: Bátori, Kerber, Schmidt 1992, S. 271-285. - Kerber, Dieter: Wirtschaft im Mittelalter. In: Bátori, Kerber, Schmidt 1992, S. 313-332. - François, Etienne: Bevölkerungs- und Sozialstrukturen im 18. Jahrhundert. In: Bátori, Kerber, Schmidt 1992, S. 286-312. - Koelges, Michael: Handel und Gewerbe in der frühen Neuzeit. In: Bátori, Kerber, Schmidt 1992, S. 333-347. - Kerber, Dieter: Herrschaftsmittelpunkte im Erzstift Trier. Hof und Residenz im späten Mittelalter. Sigmaringen 1995 (Residenzenforschung, 4). - Heimes, Daniel: Sozialstruktur und soziale Mobilität der Koblenzer Bürgerschaft im 17. Jahrhundert. Trier 2007. - Krümmel, Achim: Das »Huldigungsbuch« des Peter Maier von Regensburg. Edition und Kommentierung. Koblenz 2010 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 113). - Brommer, Peter, Krümmel, Achim: Höfisches Leben am Mittelrhein unter Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Trier (1739-1812). Zum 200. Todesjahr des letzten Trierer Kurfürsten. Koblenz 2012 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 114).

Achim Krümmel