(1) T. liegt inmitten einer rund 20 km langen und bis zu zwei Kilometer breiten Talweite entlang der Mosel, die beidseitig durch ansteigende Felsformationen begrenzt wird. T. erfuhr bereits in der Antike eine Entwicklung zum Hauptort des Trevererstammes unter Kaiser Augustus. Die Stadt entstand am Schnittpunkt der Mosel mit einer wichtigen Fernverbindung, die vom Mittelmeerraum über Lyon herkommend zu den Legionslagern an Rhein und Lippe führte. Seit 18/17 v.Chr. gab es eine Brücke über die Mosel. Im 2. Jahrhundert n.Chr. erlebte T. einen politischen Aufschwung, der sich in einem Ausbau der Stadt äußerte: T. wurde Sitz des Finanzprokurators der Provinzen Belgica sowie der beiden Germanien. Zur Zeit des unter Usurpatoren vom Reichsverband losgelösten Imperium Galliarum avancierte T. seit 272 zur Residenz mit eigener Münzstätte, eine Funktion, die T. nach der Wiedereingliederung des Gallischen Sonderreiches ab 286 im Imperium Romanum bis zum Ende des 4. Jahrhunderts beibehielt und zum temporären Aufenthalt zahlreicher Kaiser, Caesaren und Usurpatoren führte. Im Windschatten des ksl.en Hofes florierte die T.er Christengemeinde mit einer lückenlosen, bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts zurückreichenden Bischofsliste und einem imposanten Kirchenkomplex, aus dem der Dom und die Liebfrauenkirche hervorgehen sollten. Im Osten der Stadt entstand ein ausgedehnter Palastbezirk. Nebenresidenzen wurden während der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Konz an der Mündung der Saar in die Mosel und moselabwärts in Pfalzel eingerichtet.
Nach dem Ende der römischen Herrschaft und der Entstehung des Fränkischen Reiches traten im Verlauf des 6. Jahrhunderts die Trierer Bischöfe in die Rechtsnachfolge des römischen Staates und etablierten von T. aus eine in das Umland ausgreifende Regionalherrschaft, die sich bis in das 8. Jahrhundert zur faktischen Adelsherrschaft entwickelte. Von Karl dem Großen wurde dieser »Bischofsstaat« zerschlagen und dessen Einkünfte einer Grafschaft zugewiesen. Wenig später gelang es dem T.er Erzbischof Hetti (814/16-847), die Vorrangstellung der T.er Kirche gegenüber den Bm.ern Metz, Toul und Verdun dauerhaft durchzusetzen, auch das Domkapitel geht wohl auf ihn zurück. Durch königliche Privilegierungen der Jahre 897 bis 902 erlangten die T.er Erzbischöfe eine dominierende Position im Machtgefüge ihrer Kathedralstadt. Diese konnte unter bedeutenden Ebf.en wie Poppo (1016-1047) und Albero (1132-1152) gefestigt und ausgebaut werden. Doch erst Erzbischof Johann I. (1189-1212) sicherte sich nach der wohl 1197 erfolgten Übertragung der pfgf.en Stiftsvogtei die weltliche Herrschaft über große Bereiche der Stadt. Die damit verbundene Hochgerichtbarkeit wurde in der Folgezeit durch einen ebf.en Schultheißen ausgeübt. Spätestens seit dieser Zeit residierten die Erzbischöfe dauerhaft in der zur Burganlage umfunktionierten Palastaula (Basilika). Als Standort der Hauptkirche der Erzdiözese war T. lange Zeit vornehmlicher Aufenthaltsort der Ebf.e.
Die landesherrliche Residenzfunktion erlebte eine Blüte während der langen Amtszeit Erzbischof Balduins (1307-1354) aus dem Hause der Grafen von Luxemburg. Unter den Ebf.en Kuno II. (1362-1388) und Werner (1388-1418), die beide dem rechtsrheinisch begüterten Adelsgeschlecht von Falkenstein entstammten, setzte ein Prozess der Residenzverlagerung nach Koblenz und Ehrenbreitstein ein, was langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung T.s zur Folge haben sollte. Das Domkapitel blieb hingegen durchgehend in T. T. war seit dem 14. Jahrhundert Hauptort des sog. Obererzstifts, während Koblenz als Pendant des östlich gelegenen Niedererzstifts fungierte. Die ebf.e Münzstätte in T. verlor während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ihre Bedeutung als Hauptmünzstätte an Koblenz und wurde um 1430 (mit Ausnahme einer kurzzeitigen Wiedereröffnung 1519/20) stillgelegt. Dennoch wurde seit der Wende zum 17. Jahrhundert unter den Kurfürsten Lothar von Metternich (1599-1623) und Philipp Christoph von Sötern (1623-1652) T. soweit ausgebaut (Anlage des Schlosses), dass es weiterhin als Residenz dienen konnte, die gelegentlich aufgesucht wurde, von einigen Ebf.en wie bspw. dem letzten Kft.en Clemens Wenzeslaus (1768-1794) nur noch dreimal.
Zur Nebenresidenz entwickelte sich im 12. Jahrhundert das rund sechs Kilometer flussabwärts gelegene Pfalzel (heute zu T. gehörend). In den östlichen Bereich des dortigen spätantiken Palastes wurde um 700 ein adeliges Nonnenkloster errichtet, das Erzbischof Poppo im 11. Jahrhundert in das Kanonikerstift St. Marien umwandelte. Erzbischof Albero von Montreuil (1132-1152) erbaute - da ihm der T.er Burggraf Ludwig von der Brücke den Zugang zur Kathedralstadt verweigerte - in die westlich der Stiftsbauten gelegenen spätrömischen Ruinen seine zeitweilige Residenz. Ausbaumaßnahmen sind unter Erzbischof Heinrich II. von Finstingen (1260-1286) bezeugt. Pfalzel erhielt in einem von König Karl IV. 1346 ausgestellten Sammelprivileg Stadtrechte nach Frankfurter Vorbild. Der Ort wurde womöglich unter Erzbischof Boemund II. von Saarbrücken Amtssitz (1355 erste Erwähnung eines officiatus); 1381 ist erstmals ein Kellner bezeugt. 1372 wurde ein ebf.er Zoll und 1518 kurzzeitig eine Münze in Pfalzel eingerichtet. Eine Ummauerung wurde seit dem späten 14. Jahrhundert angelegt und bis in das 16. Jahrhundert hinein immer wieder ausgebaut. Häufige Aufenthalte sind für die beiden Erzbischöfe aus dem Haus Falkenstein, Kuno und Werner, überliefert, die Pfalzel ihrer Kathedralstadt vorzogen. Für Jakob von Sierck (1439-1456) avancierte die Burg mit 160 nachgewiesenen Aufenthalten zur wichtigsten Residenz. Unter den Ebf.en Johann II. und Jakob II. von Baden (1456-1503 bzw. 1503-1511) war er neben Ehrenbreitstein und Koblenz der am dritthäufigsten aufgesuchte Ort im jeweiligen Itinerar. Der Niedergang setzte mit den Zerstörungen von Ort und Residenz 1552 auf Veranlassung Markgraf Albrechts von Brandenburg und 1673/74 durch französische Truppen ein.
(2) Die Stadtgemeinde als politischer Verband ist in ihrer Entwicklung ab dem Hochmittelalter zu erkennen. Seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts treten ebf.e Ministeriale als eigenständige Gruppe in Erscheinung (1066 Ermordung des zum Erzbischof ernannten Konrad von Pfullingen; 1131 Coniuratio gegen die Wahl Alberos von Montreuil zum Ebf.). Aus dem Kreis der ebf.en Dienstmannschaft wurde das aus 14 Mitgliedern bestehende Schöffenkolleg unter Vorsitz eines Schöffenmeisters rekrutiert. Schöffen werden 1169 erstmals genannt, sie führen nachweislich seit 1172 das wohl 1147/48 auf ebf.e Initiative angefertigte, mit einem Durchmesser von 12,4 cm größte Stadtsiegel in Europa. Dieses Kolleg entwickelte sich im Verlauf des 13. Jahrhunderts zu einer genossenschaftlichen Körperschaft, das neben dem Beisitz im Hochgericht zunehmend Verwaltungs- und Repräsentationsaufgaben der Stadtgemeinde ausübte. Ihren Familien entstammten etliche Palastschöffen der seit dem frühen 13. Jahrhundert überlieferten ebf.en Palastgerichtsbarkeit (mit eigenem Siegel) mit ihrer Zuständigkeit über die weitläufige ebf.e Grundherrschaft (bestehend bis 1794). Oftmals waren die Inhaber eines Schöffenstuhls zugleich Mitglieder der 30 Personen umfassenden Wechslerhausgenossenschaft (Privilegierung 1236), die den Münzwechsel in der Stadt dominierte. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde im Zuge innerstädtischer Auseinandersetzungen das Machtmonopol der führenden Schöffenfamilien in Frage gestellt. Nachdem Erzbischof Dieter von Nassau 1303 den städtischen Rat von 14 Schöffen um 14 weitere Vertreter aus den Gewerben (9) und der Gemeinde (5) erweitert hatte, wurde durch Erzbischof Balduin 1309 zunächst der Führungsanspruch der alten Schöffengeschlechter wiederhergestellt, doch 1344 sind erneut Zunftvertreter im Rat bezeugt. Seit 1365 setzte sich das Ratsgremium neben Schöffen aus vier Vertretern der St. Jakobsbruderschaft (Repräsentationsorgan der Gemeinde) und zehn Delegierten der Zünfte (vier Weber und jeweils zwei Metzger, Bäcker sowie Gerber) zusammen. Diesen als »große Ämter« bezeichneten Gewerben gelang eine Abgrenzung von den übrigen »kleinen Ämtern« (Kürschner, Krämer, Schneider, Fassbinder, Schmiede, Schiffer, Zimmerleute, Dachdecker, Steinmetzen), deren Beteiligung am politischen Regiment zurückgedrängt wurde. 1396 schlossen sich jedoch die vier großen und neun kleinen Ämter zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber dem Stadtherrn zusammen.
1432 kam es während der sogenannten Manderscheider Fehde um die Besetzung des Ebf.sitzes zu einer Verfassungsänderung, in deren Folge der an der Spitze der Stadtverwaltung stehende Schöffenmeister durch zwei Bürgermeister (genauer: einen Schöffen- und einen Zunftbürgermeister) ersetzt wurde. Dennoch blieb der ratsfähige Personenkreis auf eine exklusive Gruppe beschränkt. Wesentliche Vorrausetzung für eine Mitgliedschaft war die 1455 festgelegte Abkömmlichkeit der Amtsinhaber. Im Verlauf des gescheiterten Reformationsversuchs von 1559 verlor die Weberzunft den bis dahin dominanten Einfluss im Rat, als viele ihrer Mitglieder, die den Theologen Caspar Olevian unterstützt hatten, die Stadt verlassen mussten. Nachdem sie zunächst ihrer drei Sitze verlustig gingen, verfügten sie dann seit 1562/62 wieder - wie die anderen Ämter - über zwei Sitze, bei einer Sollstärke des Rates von 24 Personen.
Die weitgehend unabhängige Stellung, die der Stadtrat im Verlauf des Spätmittelalters erreicht hatte, änderte sich grundlegend am Ende des 16. Jahrhunderts, als die Stadt 1580 einen zwölf Jahre andauernden Prozess vor dem Reichskammergericht um ihre Reichsunmittelbarkeit verlor, wodurch T. de jure zu einer kfl.en Landstadt wurde. Dieser Sachverhalt kommt in der 1580 von Erzbischof Jakob von Eltz erlassenen neuen Stadtverordnung, der nach ihm benannten Eltziana, zum Ausdruck. An der Spitze der Stadtverwaltung stand jetzt ein den beiden Bürgermeistern übergeordneter kfl.er Statthalter, zudem wurde den im Rat vertretenen fünf Schöffen ein ebf.er Schultheiß hinzugefügt, womit eine weitreichende stadtherrschaftliche Kontrolle der Stadt erreicht worden war; hinzu kamen nun 18 Meister der Zünfte. Diese neue Verfassung blieb - abgesehen von geringen Veränderungen - bis zum Jahr 1794 bestehen.
Zuverlässige Angaben zur Einwohnerzahl sind erst für das Spätmittelalter (Vermögenssteuerliste von 1363/64) möglich, welche 2470 Familienvorstände aufführt, jedoch die innerstädtischen Areale geistlicher Immunitäten (etwa den Bering von St. Irminen oder den Dombezirk) ausspart. Demnach dürfte die Trierer Bevölkerung damals rund 10 000 Einwohner umfasst haben. Im 16. Jahrhundert ging die Bevölkerungszahl deutlich zurück. Von 1579/80 bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts bewegte sich die Einwohnerzahl konstant um 5500 Einwohner (ohne Klerus, Adel und Juden). Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges sank die Bevölkerung auf deutlich weniger als 4000 Personen ab, 1653 lebten nur noch etwa 33000 Einwohner in T. In den folgenden Jahrzehnten gab es einen Anstieg auf 6750 (1753) und ca. 8000 (um 1800).
Enge wirtschaftliche Verbindungen bestanden mit Köln. Wichtigstes Exportgut war der Wein. Träger der hoch- und spätmittelalterlichen Weinproduktion (49 Keltern während der ersten Hälfte des 14. Jh.s) waren die geistlichen Institutionen, die durch Stadt- und Wirtschaftshöfe vertretenen Zisterzienserabteien des Umlandes sowie die Schöffenfamilien. Seit dem späten 14. Jahrhundert erfolgte ein Niedergang in der Weinwirtschaft, der auch durch die Einführung neuer Rebsorten (Riesling, Rotweinreben) nicht kompensiert werden konnte. Der T.er Weinumschlagplatz hatte in der Folgezeit - trotz des Baus eines Kranes 1413 (ein weiterer folgte 1774) - nur noch regionale Bedeutung. Bedeutsames Exportgewerbe im Spätmittelalter war die Wolltuchproduktion, wobei vor allem das Elsass und bis in das 17. Jahrhundert hinein die Frankfurter Messe als Absatzorte dienten.
Innerhalb der städtischen Berufsstruktur sind in dem »T.er Stadtrecht« von ca. 1190 Vorsteher einzelner Gewerbe (Metzger, Schuster, Weber) genannt. Daneben gab es die um 1215 erstmals erwähnte Gruppe der ebf.en Kammerhandwerker (Kürschner, Schuhmacher, Schmiede, Metzger), die allerdings nur einen geringen Teil der in T. arbeitenden Personen jener Gewerbe ausmachte. Sie arbeiteten für den ebf.en Hof und nahmen innerhalb ihres jeweiligen Berufszweiges eine begehrte Sonderstellung ein. Neben den seit Anfang des 14. Jahrhunderts als politische Zünfte hervortretenden genossenschaftlichen Verbänden hat es weitere Fraternitates wie etwa jene der Eisenwarenhändler gegeben, deren Statuten 1285 bestätigt wurden. Der hohe Differenzierungsgrad - auch nichtzünftiger - Gewerbe wird aus der Vermögenssteuerliste von 1363/64 ersichtlich. Von den veranschlagten Haushaltsvorständen sind rund 1050 mit einer Berufsbezeichnung versehen: Textilgewerbe 159 Nennungen, Weinproduktion und -vertrieb 137, leder- und fellverarbeitende Berufe 145, Nahrungsmittegewerbe 100, Bauhandwerker 87, metallverarbeitende Berufe 79, Transportwesen 52, Handel 48 sowie schließlich »Fahrendes Volk« mit 16 Eintragungen.
Der Organisationsgrad der Gewerbe zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird in einem erneuten Verbundbrief 1514 ersichtlich. Als neue Gewerke erscheinen Leineweber, Bartscherer, Weinknechte, Köche, Sackträger, Weinschröter sowie den nach ihren bei zwei Bettelordenskonventen gelegenen Versammlungslokalen benannten Bruderschaften der Winzer zu den Predigern und zu den Augustinern.
(3) T. kannte eine seit der Spätantike kontinuierliche Existenz kirchlicher Einrichtungen mit dem Dom (St. Peter-Patrozinium) und der Liebfrauenkirche als Zentrum. Die Anfänge des Domkapitels gehen auf Erzbischof Hetti (814/816-847) zurück, das sich im 13. Jahrhundert gegenüber den T.er Schöffenfamilien abschloss, so dass sich der Domklerus in der Folgezeit aus dem Adel vornehmlich der T.er Kirchenprovinz rekrutierte. T. war Sitz eines von fünf Archidiakonaten des Ebm.s und seit der Wende zum 13. Jahrhundert - und damit vergleichsweise früh - Sitz des Offizialats, des geistlichen Gerichts, das im Spätmittelalter bis zu 200 Personen (darunter Advokaten, Notare und Schreiber) beschäftigte.
Um 1000 setzte sich die Sakralausstattung T.s neben dem Dom und der Liebfrauenkirche unter anderem aus vier Benediktinerabteien (St. Maximin, St. Eucharius, St. Maria ad Martyres, St. Martin), einem Benediktinerinnenkloster (St. Irminen-Oeren) und zwei Männerstiften (Domkapitel, St. Paulin) zusammen. Um 1042 kam das Kollegiatstift St. Simeon mit der Doppelkirchenanlage im antiken Nordtor (Porta Nigra) hinzu. Seit dem 12. Jahrhundert ließen sich eine Reihe jüngerer Orden und Angehörige anderer religiöser Bewegungen nieder. So gründeten die Ritterorden der Templer nahe der Moselbrücke (vor 1180), der Deutschorden in der heutigen Deutschherrenstraße (vor 1245) sowie die Johanniter (vor 1293) Niederlassungen. Seit 1134 bestand ein Frauenkonvent der Büßerinnen (Reuerinnen). Südlich der Stadtmauer befand sich ein seit 1232 den Zisterziensern unterstelltes Nonnenkloster (Löwenbrücken), das im 17. Jahrhundert in die Stadt an den Pferdemarkt verlegt wurde. An Bettelorden ließen sich schon früh Konvente der Dominikaner in der Predigerstraße (1223), der Dominikanerinnen (1235) zunächst auf dem heutigen Petrisberg sowie der Franziskaner in der heutigen Jesuitenstraße (vor 1238) nieder. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kamen ein in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgelöster Konvent der Sackbrüder am Pferdemarkt (vor 1263), die Augustiner-Eremiten am heutigen Augustinerplatz (vor 1271) sowie die Karmeliter an der Ecke von Böhmer- und Fleischstraße (vor 1287) hinzu. Im Jahr 1330 wurde auf Betreiben Erzbischof Balduins von Luxemburg das Kartäuserkloster St. Alban südwestlich der Stadtmauern gegründet (seit 1780 nach Konz verlagert).
Darüber hinaus unterhielten seit dem 12. Jahrhundert mehrere auswärtige Abteien Höfe in der Stadt. Beginen sind seit 1228 überliefert, zeitweilig gab es in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts neun Beginenhäuser. Südlich T.s sowie auf dem gegenüber gelegenen Moselufer befanden sich seit dem späten 13. Jahrhundert zwei Leprosorien. Mitte des 14. Jahrhunderts sind darüber hinaus 13 Pfarreien und zehn, zumeist an geistliche Institutionen angeschlossene Hospitäler und wenigsten fünf an Klöstern und Stiften etablierte Schulen nachgewiesen. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts kam es zur Gründung mehrerer Tertiarengemeinschaften, die sich der Leitung eines Bettelordenskonventes unterstellten.
Insbesondere der Dom fungierte als Grablege für zahlreiche Erzbischöfe Auf dem hochmittelalterlichen Stadtsiegel wurde T. als »Sancta Treveris« apostrophiert. 1035 erfolgte auf Betreiben Erzbischof Poppps die von Papst Benedikt IX. vorgenommene Heiligsprechung des in T. verstorbenen griechischen Anachoreten Simeon. Von großer, auch überregionaler Bedeutung wurde die dauerhafte Installierung einer Grabtradition des Losapostels Matthias. Die bereits im 11. Jahrhundert erkennbaren Anfänge der Matthiasverehrung mündeten in die feierliche Erhebung der Matthiasgebeine in St. Eucharius 1127. Diese waren angeblich von der ebenfalls in T. verehrten Mutter Kaiser Konstantins, Helena, nach T. gebracht worden. Die kultische Verehrung wurde 1147/1148 durch Papst Eugen III. während seines T.-Aufenthaltes sanktioniert. Auch die Verehrung des Hl. Rocks, der nahtlosen Tunika Christi, ist im Hochmittalter überliefert. Die Erfolgsgeschichte der Hl.-Rock-Wallfahrt setzte erst nach der Öffnung des Hochaltares im Jahr 1512 in Anwesenheit Kaiser Maximilians I. ein.
Die neue Lehre Luthers konnte sich in T. nicht festsetzen. 1522 versuchte der reformatorisch gesinnte Söldnerführer und Anführer der rheinischen und schwäbischen Ritterschaft im Landauer Bündnis, Franz von Sickingen, T. einzunehmen, doch scheiterte dies. 1559 gab es einen erfolglosen Reformationsversuch durch den aus T. stammenden Calvinschüler Caspar Olevian. Nach Ausweisung des Reformators und seiner Anhänger ließen sich 1560 die ersten Jesuiten in T. nieder, 1561 eröffneten sie ein Gymnasium. 1570 wurde ihnen von Erzbischof Jakob von Eltz das Areal des verlagerten Franziskanerkonventes überlassen, wo sie in der Folgezeit ihr Kolleg errichteten. In der Jesuitenkirche liegt der Theologe Friedrich Spee (†1635) begraben.
Eine jüdische Gemeinde ist erstmals zum Jahr 1066 bezeugt. Im Vorfeld des Ersten Kreuzzuges kam es 1096 zu Verfolgungen. Die Gemeinde verfügte über einen Friedhof und in ihrem zentral gelegenen Viertel am Hauptmarkt über eine Synagoge, ein Kultbad, ein Gemeindehaus und ein Hospital. 1338 lebten dort mehr als 300 Juden, was einen Bevölkerungsanteil von etwa drei Prozent ausmachte. Bedeutende jüdische Finanziers (Muskinus, Jakob Daniel, Michael von Bingen) hatten zwischen etwa 1323 und 1346 wichtige Positionen in der Finanzverwaltung Erzbischof Balduins von Luxemburg inne. Den Pogrom des Jahres 1349 überlebten nur wenige Gemeindemitglieder, und in der Folgezeit siedelten sich nur wenige jüdische Familien wieder an. 1418/19 erfolgte die Ausweisung aus dem gesamten Erzstift. Erst an der Wende zum 17. Jahrhundert wurde eine neue Judengemeinde zugelassen. 1689 erreichte sie mit 19 Familien und 166 Personen die höchste Kopfzahl (ca. 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerung).
1473 erfolgte die Eröffnung der Universität unter ebf.er und städtischer Beteiligung, die seit den 50er Jahren des 15. Jahrhunderts betrieben worden war. Die Stadt stellte der Neugründung den Teil eines ehemaligen Schöffenhofes zur Verfügung. In seiner Nähe entstanden in der Folgezeit mehrere Wohn- und Kosthäuser für Studenten (Bursen). Erst mit der Niederlassung der Jesuiten seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewann die Universität an Bedeutung.
(4) Die spätantike Ummauerung verfiel seit dem Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert, so dass T. bis in das hohe Mittelalter hinein eine offene Stadt war. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts wurde mit dem Bau einer neuen, im Westen und Norden teilweise dem Verlauf der römischen Befestigungen folgenden Stadtmauer begonnen, an der bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts gearbeitet wurde. Das somit gesicherte Areal umfasste eine Fläche von nur noch 138 ha. Nach Belagerungen und Besatzung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bzw. während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) wurde die weitgehend geschleifte Stadtummauerung von 1721-1723 durch eine neue Befestigung ersetzt. Sie blieb bis zu ihrem Abriss nach 1875 in ihren Grundzügen bestehen.
In Spätmittelalter und früher Neuzeit prägte eine dichte Bebauung entlang der Verbindungsachse von der Römerbrücke im Südwesten bis zum Hauptmarkt und Dombering und etwas weiter bis zum Stift St. Simon (Porta Nigra) im Norden das Stadtbild. Während des gesamten Untersuchungszeitraums kanalisierte - mit kurzen Unterbrechungen - die steinerne, aus dem 2. Jahrhundert stammende Römerbrücke die Verkehrsanbindung nach Norden und ins Luxemburgische. Ein weitgehend offen verlaufender Stadtbach durchfloss Trier von Süden nach Norden. Er wurde - seit dem 10. Jahrhundert erwähnt - vom Altbach südöstlich der Stadtummauerung abgeleitet. Die Bebauung ist von der Mosel durch einen breiten Streifen agrarischer Nutzflächen getrennt. Aus dem Hochmittelalter stammten noch über 20 bis zu fünf Geschosse zählende Wohntürme, die seit dem Spätmittelalter in Domkurien und Hofanlagen T.er Familien aufgegangen sind. Ins späte 10. Jahrhundert gehört die Anlage der St. Gangolfkirche als Marktkirche, die im 15. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt wurde. Die Kirche ist komplett von Häusern bzw. Buden umgeben und durch ein kleines Tor vom Markt zu erreichen. Durch eine Stiftung der T.er Bürgermeisterwitwe Adelheid von Beßlich konnte der Turm ab 1507 auf 62 m aufgestockt werden. Der erstmals 1363/64 genannte Rathauskomplex zwischen Fleisch- und Brotgasse umfasste neben den Ratsstuben, das Kaufhaus mit ausgedehnten Kelleranlagen, das Zeughaus, den städtischen Bauhof sowie seit 1455 ein Brauhaus bzw. ab 1515 eine Ratskapelle. Das städtische Repräsentations- und Festhaus, ein turmartiger Bau am Hauptmarkt, die Steipe, wurde um 1430 errichtet und 1481-1483 umgebaut. Das an der Fleischgasse gelegene St. Jakobhospital, dessen Anfänge in das späte 12. Jahrhundert zurückreichen, wurde durch die St. Jakobsbruderschaft unterhalten, die sich personell aus Mitgliedern der T.er Schöffengeschlechter zusammensetzte. In den 1430er Jahren gelangte das Hospital in die Verfügungsgewalt der Stadtgemeinde, die es als Kreditgeber in die städtische Politik einband und zum Aufbau eines vor den Stadtmauern gelegenen bescheidenen städtischen Territoriums instrumentalisierte.
Den östlichen Abschluss der hoch- und spätmittelalterlichen Stadt bildete die antike Palastaula (»Konstantinsbasilika«), sowie der Dom, an dessen Südseite die Liebfrauenkirche errichtet wurde, deren um 1230 begonnener Neubau zu den frühesten gotischen Kirchen Deutschlands gehört. Der Dom erhielt unter Erzbischof Richard von Greiffenklau (reg. 1511-1531) einen Südwestturm, der höher als die städtische Gangolfskirche sein musste. Im Hochmittelalter wohnten die Erzbischöfe in dem südlich der Liebfrauenkirche gelegenen Bf.shof. Spätestens seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert nutzten die Erzbischöfe dauerhaft die zur Burganlage umfunktionierte Palastaula. Trotz des Weggangs der Erzbischöfe nach Koblenz erfolgte seit der Wende zum 17. Jahrhundert der Ausbau der ebf.en Burg zum Schloss als Vierflügelanlage, wobei die spätantike Palastaula als Westflügel einbezogen wurde. Nördlich des Hochschlosses wurde das Niederschloss mit dem Marstall im Osten (1944 zerstört) sowie im Nordwesten mit dem Roten Turm als Kanzlei- und Archivgebäude errichtet. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erfuhr der Palast noch einmal umfangreiche Änderungen (u.a. Neubau des Südflügels).
Ebf. Heinrich I. ließ 958 auf dem Markt das Marktkreuz errichten als Zeichen der ebf.en Hoheit und der Marktgerichtsbarkeit. Auf dem Markt befindet sich auch der Petrusbrunnen, der 1594/95 unter Erzbischof Johann von Schönenberg (reg. 1581-1599) errichtet wurde und sein Wappen trägt.
T. ist mehrmals bildlich dargestellt worden. Als erste auf die Realität bezugnehmende Darstellung gilt die Abbildung in Sebastian Münsters Cosmographie von 1548, die auf eine Zeichnung des Trierer Stadtarztes Simon Reichwein zurückgeht. Ihr ist das Bild im Städteatlas von Braun/Hogenberg 1572 an die Seite zu stellen. In Merians bekannter Topographie findet sich im Teil über das Erzbistum Mainz (1646) ein Kupferstich, der auf Sebastian Münster basiert.
(5) Die Stadt und das nähere Umland, die T.er Talweite, bildeten durch ein enges Beziehungsgeflecht eine untereinander verbundene Einheit, die ursprünglich auf die um die Kathedralstadt gelegene ebf.e Grundherrschaft zurückging, und deren Ausdehnung aus dem Geltungsbereich zweier Gerichtsbezirke, dem erstmals im sogenannten »ältesten Stadtrecht« (um 1190) mit zugehörigen Ortschaften erwähnten Hochgericht und dem aus einem Hofgericht hervorgegangenen Bauding, ersichtlich wird. Im 14. Jahrhundert wurden die Bewohner der zugehörigen, im Süden bis Konz an der Saarmündung sowie im Norden bis Pallien und St. Paulin reichenden Siedlungen von der T.er Stadtgemeinde als unser mitburgere bezeichnet. Ein Gerichtsbild von 1589 zeigt die zugehörigen Ortschaften. Eine geringere Ausdehnung erreichte das außerhalb der hochmittelalterlichen Stadtummauerung gelegene Gebiet des städtischen Territoriums, das das gesamte ehemals antik ummauerte Areal und ferner die auf dem westlichen Moselufer befindlichen Siedlungen Überbrücken und Pallien sowie im Norden Teile der Ortschaften Maar und Mergen umfasste. Lediglich einige Immunitäten geistlicher Institutionen blieben ausgeklammert. Darüber hinaus zählten auch die nordöstlich bzw. östlich T.s gelegenen Täler des Aveler und des Olewiger Baches zur städtischen Gemarkung. Die Besitzungen, Einkünfte und Rechte der T.er Schöffenfamilien konzentrierten sich im Spätmittelalter vor allem auf die westliche Südeifel, den Hochwald und die Mittelmosel. Die Herkunftsorte der Kreditnehmer T.er Geldverleiher kamen im selben Zeitraum aus dem Linksrheinischen, insbesondere der Südeifel, dem Hunsrück, aber auch aus dem Saarland und dem Luxemburgischen.
T. war nicht Mitglied von Städtebünden, über eine Beteiligung an Landständen ist nichts bekannt.
(6) T. war als Kathedralstadt bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts die Hauptresidenz der T.er Oberhirten, bis diese in einem länger andauernden, sich bis ins frühe 16. Jahrhundert erstreckenden Prozess von den an der prosperierenden Rheinachse gelegenen Residenzen in Koblenz und Ehrenbreitstein abgelöst wurde. Die T.er Stadtgemeinde behauptete seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von sich, freie Reichsstadt zu sein und wurde im Verlauf des 15. Jahrhunderts auch immer wieder zu Reichstagen eingeladen. 1580 verlor sie einen zwölf Jahre andauernden Prozess vor dem Reichskammergericht und musste in der Folgezeit ihren Status als kurfürstliche Landstadt akzeptieren.
(7) Die wesentlichen Archivbestände zu Trier befinden sich im Landeshauptarchiv Koblenz (LHAK) sowie im Stadtarchiv (STAT) und in der Stadtbibliothek Trier (STBT) sowie im Bistumsarchiv Trier (BATR). Da eine urkundliche städtische Überlieferung nur sehr rudimentär erhalten ist, müssen Informationen vor allem über die Bestände der geistlichen Institutionen gewonnen werden, die im LHAK lagern (darunter Bestand 1 A, Urkunden des Erzstifts Trier, und 1 C, Kopialüberlieferung der Trierer Erzbischöfe). Die serielle städtische Überlieferung wird im STAT aufbewahrt (darunter die Bestände Ta 12, Rentmeistereirechnungen, sowie Ta 18, Vermögenssteuerlisten von 1363/64 und 1374/75).
Scotti, Johann Josef: Sammlung der Gesetze und Verordnungen, welche in dem vormaligen Churfürstentum Trier über Gegenstände der Landeshoheit, Verfassung, Verwaltung und Rechtspflege ergangen sind, vom Jahre 1310 bis zur Reichs-Deputations-mäßigen Auflösung des Churstaates Trier am Ende des Jahres 1802, Düsseldorf 1832. -Regesten der Erzbischöfe von Trier von Hetti bis Johann II., 814-1503, bearb. von Adam Goerz, Trier 1861 (ND Aalen 1969). - Trierer Stadtrechnungen des Mittelalters. 1. Heft: Rechnungen des 14. Jahrhunderts, hg. von Gottfried Kentenich, Trier 1908 (Trierisches Archiv Ergänzungsheft, 9). - Quellen zur Rechts- und Wirtchaftgeschichte der rheinischen Städte. Kurtierische Städte I. Trier, hg. von Friedrich Rudolph, Bonn 1915 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 29).
(8)Kentenich, Gottfried: Geschichte der Stadt Trier von der Gründung bis zur Gegenwart, Trier 1915, Ndr. 1979. - Laufer, Wolfgang: Die Sozialstruktur der Stadt Trier in der frühen Neuzeit, Bonn 1973 (Rheinisches Archiv, 86). - Zenz, Emil: Trier im 18. Jahrhundert. 1700-1794, Trier 1981. - Holbach, Rudolf: Stiftsgeistlichkeit im Spannungsfeld von Kirche und Welt. Studien zur Geschichte des Trierer Domkapitels und Domklerus im Spätmittelalter, Trier 1982 (Trierer Historische Forschungen, 2). - Matheus, Michael: Trier am Ende des Mittelalters. Studien zur Sozial-, Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte der Stadt Trier vom 14. bis 16. Jahrhundert, Trier 1984 (Trierer Historische Forschungen, 5). - Trier in der Neuzeit, hg. von Kurt Düwell und Franz Irsigler, Trier 1988 (2000 Jahre Trier, Bd. 1). - Kerber, Dieter: Die Itinerare der Trierer Erzbischöfe - Ansätze zur Residenzbildung, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 56 (1992) S. 112-147. - Clemens, Lukas: Trier - Eine Weinstadt im Mittelalter, Trier 1993 (Trierer Historische Forschungen, 22). - Clemens, Lukas: Sigillum palatii nostri. Anmerkungen zur frühesten überlieferten Darstellung der Trierer Palastaula (sogen. Basilika), in: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 27 (1995) S. 56-70. - Kerber, Dieter: Herrschaftsmittelpunkte im Erzstift Trier. Hof und Residenz im späten Mittelalter, Sigmaringen 1995 (Residenzenforschung, 4). - Weisenstein, Karl: Das kurtrierische Münz- und Geldwesen vom Beginn des 14. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, Koblenz 1995 (Veröffentlichung der Gesellschaft für Historische Hilfswissenschaften, 3). - Trier im Mittelalter, hg. von Hans Hubert Anton und Alfred Haverkamp, Trier 1996 (2000 Jahre Trier, Bd. 2). - Stadt Trier. Altstadt, bearb. von Patrick Ostermann, Worms 2001 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, 71.1). - Clemens, Gabriele, Clemens, Lukas: Geschichte der Stadt Trier, München 2007. - Stadt Trier. Stadterweiterung und Stadtteile, bearb. von Ulrike Weber, Worms 2009 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, 71.2).