(1) B. erscheint um das Jahr 1000 als »portus« an dem Fluss Senne (ndl. Zenne) an einer Stelle, wo eine Flussquerung möglich war und ein deutlich aufragender Hügel nah an das rechte bzw. östliche Ufer trat, und wo zudem eine west-östliche, Flandern mit dem Rheinland verbindende Straße die Senne kreuzte, die weiter nordwärts in die Dijle und weiter in die Schelde mündet und den Verkehr von B. an die Nordsee ermöglichte. Südöstlich B.s liegt der große Sonienwald (frz. forêt de Soignes, ndl. Zoniënwoud), der den Hzg.en von Brabant und denen von Burgund sowie ihren Nachfolgern als Jagdgebiet diente.
B. gehörte zum hochmittelalterlichen Gau Brabant. Landgebiet und die entstehende Stadt wurden von den Grafen von Löwen, den späteren Hzg.en von Brabant, im frühen 11. Jahrhundert (wieder) eingenommen. Unter ihnen wurde die Stadtentwicklung wesentlich gefördert (gfl.e Münzstätte in der ersten Hälfte des 11. Jh.s). Spätestens um 1050 ließ sich die fürstliche Familie in B. nieder, was sich in der gleichzeitigen Gründung eines Säkularkapitels neben dem Coudenberg äußerte. Ab dem Beginn des 12. Jahrhunderts ist eine fürstliche Burg direkt neben dem Kapitel bezeugt. Zwischen der oberen und der unteren Siedlung gründete der Herzog 1134 eine neue Handwerkerstadt um eine Marien-Kapelle (Viertel La Chapelle), die er mit mehreren, etwas unterhalb gelegenen Märkten ausstattete. Auf dem Sablon/Zavel (Name abgeleitet von sandiger Freifläche, frz. Sablon, ndl. Zavel, Bezeichnung für [groben] Sand), gelegen zwischen dem Coudenberg und der Marienkapelle, gab es einen Pferdemarkt, ehe diese Fläche im 15./16. Jahrhundert zur Erweiterung der fsl.en Burganlage und der Anlage von Stadthöfen hochrangiger Adelsfamilien diente. Unterhalb des Abhangs entstand die untere Stadt mit dem Portus und einer Kaufleutesiedlung mit dem großen Marktplatz (heute Grand-Place) und einer dem Hl. Nikolaus geweihten Kirche. Diese Siedlung setzte sich auf dem Westufer der Senne fort.
1356 kam B. als Folge des Brabanter Erbfolgestreits kurzfristig unter die Herrschaft der Grafen von Flandern. Doch konnte Herzogin Johanna von Brabant (reg. 1356-1406) sich durchsetzen, sie und ihr Ehemann Wenzel von Luxemburg (†1383), Bruder Kaiser Karls IV., wurden 1356 als Landes- und damit als Stadtherren anerkannt. Unter ihnen blieb B. als Aufenthaltsort bedeutsam wie auch nach dem Dynastiewechsel zu den Hzg.en von Burgund-Valois, die ab 1404/06 in Brabant regierten. Insbesondere der alternde Herzog Philipp der Gute (reg. 1419-1467) ab etwa 1455/57 ist zu nennen, ansonsten teilte sich B. die Funktion als Aufenthaltsort mit vielen anderen Städten der burgundischen Niederlande, vornehmlich den flämischen Brügge, Gent und Lille. Im Zuge dessen ließen sich hzl.e Behörden in B. nieder: 1404 die Brabanter Rechenkammer, 1420 Rat (Obergericht) von Brabant, auch kamen seit 1465 gelegentlich die Generalstände (d.h. Stände des gesamten burgundisch-niederländischen Herrschaftskomplexes) in B. zusammen. Unter Karl dem Kühnen (reg. 1467-1477) setzte eine Entfremdung ein, die sich darin äußerte, dass für etwas über 50 Jahre Mecheln (frz. Malines, ndl. Mechelen) Behörden-, Witwen- und Statthalterinnensitz wurde. Die Auseinandersetzung zwischen Maximilian I. und den Generalständen 1482-1492 ging relativ glimpflich an B. vorbei, hatte aber zur Folge, dass die Machtposition B.s geschwächt wurde, was im 16. Jahrhundert seine Fortsetzung fand. Faktisch als Landstadt ging B. im Territorium auf (während die großen flämischen Städte ihre relative Unabhängigkeit wahrten).
Im 16. Jahrhundert wurde unter den spanischen Habsburgern wiederum B. bevorzugt, kurzfristig bereits unter Karl V. 1515-1517, dann ab 1530 als Standort der Statthalterinnen und der höheren Behörden, den Kollateralen Räten (Staatsrat, Privatrat und Finanzrat). B. blieb auch in der Folge als Sitz der vom spanischen König eingesetzten Statthalter Hauptstadt der Spanischen Niederlande. Eine Ausnahme stellen während des Aufstands die Jahre 1577-1585 das, als die Stadtherrschaft mit Erlaubnis des ständischen Statthalters Wilhelm von Nassau in Händen der Calvinisten lag; 1580-1584 hatte sich die Regierungsspitze vor den kriegerischen Ereignissen nach Namur zurückgezogen. 1598-1621 waren die Spanischen Niederlande aufgrund einer innerdynastischen Regelung selbständig, da sie von König Philipp II. seiner Tochter Isabella Clara Eugenia und ihrem Ehemann Albrecht VII. von Österreich übereignet worden waren; sie hatten ihren Hof in B., der wichtig war als kulturelles und politisches Zentrum für die Gegenreformation. B. blieb weiterhin Regierungs- und Behördensitz für die mit dem Westfälischen Frieden 1648 formal anerkannten Spanischen Niederlande und weiter ab 1714 für die Österreichischen Niederlande, die als Ergebnis des Spanischen Erbfolgekriegs gebildet wurden, und einem Generalstatthalter unterstanden, der die Regierung durch einen Bevollmächtigten Minister ausüben ließ, dem eine bisher in Brabant nicht bekannte und umfangreiche Verwaltung unterstand. Einen Einschnitt stellte die Brabanter Revolution von 1789 und ihre Niederwerfung im Folgejahr dar. 1795 wurde B. mit den Niederlanden der französischen Republik angeschlossen.
(2) Unterschiedliche Höhenlagen im Senne-Tal leisteten einer Differenzierung der Siedlung Vorschub. Auf der sich auf der Ostseite des Tals erhebenden Anhöhe entstand die herrschaftliche Siedlung, von der nach Westen den Hügel hinab die Handwerker- und Kaufleutesiedlung entstand, die sich bis über das andere, sanft ansteigende und siedlungsgünstige Senne-Ufer erstreckte. Quer dazu entstand im 12. Jahrhundert eine nord-südliche Siedlungsachse, die von Gemüsebauern und Handwerkern bewohnt wurde (Viertel um die Katharinen-Kirche und den »Warmoesbroek« [frz. Marais-aux-Légumes, dt. Gemüsebruch]). Das Verhältnis dieser Siedlungskerne blieb während der gesamten Vormoderne im Großen und Ganzen erhalten. Der Hafenbetrieb bzw. Umschlagplatz verlagerte sich etwas nach Nordosten zum Katharinenviertel, vor allem nach Eröffnung des Willebroek-Kanals 1561 und der Einrichtung eines neuen Hafens durch die Stadt und eines neuen Getreidemarkts. Im frühen 17. Jahrhundert entstand ein neues bürgerliches Wohnviertel im Norden, dem vormaligen Warmoesbroek. Noch im 12. Jahrhundert wurde beim Hafen ein Fischmarkt geschaffen, beim Großen Platz Hallen für Tuche, Fleisch und Brot. Hinzu kamen mehrere Mühlen an der Senne. Auch in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts begann der Bau einer Stadtmauer, die sich anfänglich auf die wirtschaftlichen Kernzonen beschränkte und die Viertel der Gemüsebauern, das von La Chapelle und den Zavel ausschloss. Zudem entstanden im 13. Jahrhundert eine ganze Reihe von Mühlen an der Senne. Wichtigste Gewerbe waren die Goldschmiede, Metall- und Lederverarbeitung und vor allem die Herstellung von Luxustuchen, die ihren europaweit bedeutsamen Höhepunkt im 14. Jahrhundert kannte. Als Reaktion auf den Brabanter Erbfolgestreit wurde zwischen 1357 und 1389 von der Stadt eine zweite, größere Mauer errichtet, welche auch die Vororte und die hzl.e Burg auf dem Coudenberg umschloss. Diese Befestigung genügte bis zum Ende des Alten Reichs, 1671/72 ergänzt um moderne Festungswerke.
Eine Gemeinde bildete sich 1229-1235 heraus, als der Herzog nach schweren Ausschreitungen mit den führenden Geschlechtern übereinkam, dass das Stadtgebiet von der hzl.en Rechtsprechung befreit und einem Stadtrecht unterstehen sollte, inkl. der Befreiung von Steuern und des Gerichtsstandes (Bürger durften nur von sieben städtischen Schöffen verurteilt werden). Außerdem durfte die Gemeinde eine Kasse unterhalten, die sich aus Strafzahlungen füllte, und ein Schöffengericht bilden, das unter Vorsitz des »amman« als Vertreter des Stadtherrn tagte und dem die Urteilsausführung oblag. Die Schöffen entwickelten sich zu einer durch Kooptation ergänzten Einrichtung, bei der die Abtretenden ihre Nachfolger vorschlugen und dem Stadtherrn nur ein Vetorecht zustand, falls ihm ein Kandidat misshagte. Die dennoch bestehende Abhängigkeit vom Stadtherrn äußerte sich in der Beilegung der innerstädtischen Parteiung zwischen den Geschlechtern und reich gewordenen Handwerkern und weiteren Gruppen, die 1303-1306 bestand, welche der Herzog durch einen Kompromiss löste, der vorsah, dass ein Wahlgremium der »Sieben Geschlechter« (frz. »Sept Lignages«) eingerichtet wurde mit der Auflage, dass die Mitglieder Patrone der schöffenfähigen Familien zu sein hatten. Nachdem erneut Missstände bei der Schöffenstuhlbesetzung aufgetreten waren (Durchsetzung von Parteien, Ausschluss einiger Geschlechter), setzte Stadtherrin Johanna 1375 einen neuen Modus durch, bei dem die Sieben Geschlechter dem Stadtherrn drei Kandidaten pro Geschlecht vorzuschlagen hatten, von denen er die ihm geeigneten auswählte; faktisch wurde der Stadtherr zum Wähler. Auch blieb der Stadtherr durchgehend bedeutsam, was die Organisation der Handwerker angeht, sie erfolgte im 14. Jahrhundert als Kompromiss zwischen Gemeinde und Stadtherrn. Nach einer durch eine dynastische Krise und wirtschaftliche Schwierigkeiten bedingten Revolte 1421 setzten Regent Philippe de Saint-Pol und dessen Bruder und Nachfolger Herzog Johann IV. eines den Sieben Geschlechtern parallelen Gremiums für die Handwerker bzw. Zünfte ein, welch beide zusammen das »Gesetz« (frz. »la Loi«, ndl. »de Wet«) bildeten. Im 15. Jahrhundert entspann sich ein Konflikt um die Rechtsprechung über die Pfahlbürger. 1445 und erneut 1461 unterband Herzog Philipp der Gute die städtischen Ansprüche auf jegliche Gerichtsbarkeit außerhalb ihrer Freiheit. Konflikte des 16. Jahrhunderts waren weniger gravierend und betrafen Einzelfragen.
Im 14. Jahrhundert besaß B. dank der Finanzlage die größten Gestaltungsmöglichkeiten. Die Stadt konnte die Aufsicht über die städtische Infrastruktur (Mühlen, Kran, Waage, Hallen, erste Befestigung) erkaufen und mit den anderen Städten Brabants in die Verwaltung des Landes vordringen (Urkunden von Kortenberg 1312 und »Feierlicher Einzug« 1356). Dem Amann kam als Mittler zwischen Stadtherrn und Gemeinde große Bedeutung zu. Inhaber des Amts stammten teils aus dem B.er Bürgertum, teils aus dem Adel, wie überhaupt einige Bürger, Kleriker, Juristen und Adlige Funktionen bei Hof und in der Stadt ausübten, was die Durchlässigkeit beider Bereiche für Angehörige der Führungsschicht verdeutlicht, spezielle Meister-Handwerker erhielten Aufträge vom Hof und der Stadt.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts trieb der kriegsbedingte Geldbedarf des Stadtherrn diesen zum Zugriff auf die Stadt, was wiederum die Stadt zur Erschließung weiterer Einnahmequellen führte. Der Niedergang der Tuchindustrie hatte weitreichende wirtschaftliche und soziale Folgen. Die engere Integration Brabants in den Herrschaftskomplex der Herzöge von Burgund ab 1430 bedeutete eine Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten des Stadtherrn und seines Apparats. Um den wirtschaftlichen Niedergang aufzuhalten ergriff die Stadt kostspielige Maßnahmen (Absenkung der Importzölle, Schaffung von freien Markttagen mit hzl.er Unterstützung), auch um die Attraktivität B.s für den Hof zu steigern. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde ungefähr ein Drittel der Einnahmen für Geschenke an Hofangehörige und Baumaßnahmen zugunsten des Hofs aufgewendet.
Die Ausgabenfreude zugunsten der Landesherren hatte desaströse Folgen für die Finanzlage, was dem Landes-/Stadtherren eröffnete, sich in die innerstädtische Verwaltung einzumischen, was zu einer weiteren Annäherung von städtischer Führungsschicht und Hof bzw. landesherrlichen Amtsträgern führte und zu einer Distanzierung gegenüber den Handwerkern. Dieses führte wiederholt zu Aufständen, die in der Veröffentlichung des Luyster van Brabant 1699 führte, einer Kompilation älterer Rechte Brabants, welche die Zunftvorsteher König Karl II. von Spanien überreichten zur Erinnerung an die städtischen Privilegien. Eine Beschneidung der zünftischen Rechte war die Folge (Ergänzungs-Reglement von 1700), wogegen es im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts immer wieder Revolten gab mit der Hinrichtung des Zunftvorstehers François Anneessens u.a. 1719 als Kulminationspunkt.
Allgemeine Bedeutung erlangten die Herstellung von Luxustuchen und Gold- und Silberfäden und Seide verarbeitenden Luxusteppichen im 15.-17. Jahrhundert und die Etablierung von Kunsthandwerkern und Künstlern wie Pieter Breughel, deren Erzeugnisse nicht nur in den vermögenderen, sondern auch mittleren Privathaushalten verbreitet waren (belegt für das 17. Jh.). Im 17. Jahrhundert setzte mit der Einwanderung fremder Spezialisten, die die Nähe des Hofs suchten, die Herstellung feiner Gläser, Fayencen, Majoliken und Porzellan ein. International berühmt wurde die Spitzenklöppelei, die ihren Ruhm über den Palast auf dem Coudenberg erhielt. Als weitere Gewerbe sind der Karosseriebau, Raffinerien von Salz und Zucker und Ölmühlen zu nennen, die auf Befehl des Rats von Brabant sich niederließen, welcher der Stadt die Vergabe des Bürgerrechts auferlegte. Diese neuen Gewerbe standen außerhalb der alten Zünfte, weswegen sie sich scharfer Kritik von dieser Seite ausgesetzt sahen. Unter der österreichischen Herrschaft ab 1716 erhöhte sich einerseits der Steuerdruck, andererseits wurden neue Gewerbe gefördert, wogegen sich sofort Widerstand erhob, der im Aufstand 1719 mündete.
Die Einwohnerzahl schwankte im Spätmittelalter um ca. 20000 (1300) bis ca. 26000 (1400), ansteigend auf ca. 33000 (1500), stieg aber in der frühen Neuzeit auf ca. 50000 (um 1600), 78000 (um 1700), ca. 58000 (um 1750), wieder ca. 75000, davon ca. 20000 Handwerker (um 1785), und ca. 68000 (1800). Für das 18. Jahrhundert lässt sich die Größe des in der Regierung, den Behörden und in den Haushalten deren Mitglieder beschäftigten Personals auf etwa 10% der gesamten Einwohnerschaft beziffern.
(3) B. gehörte im Mittelalter zur Diözese Cambrai, ab 1559 zur neugeschaffenen Erzdiözese Mecheln. Seit Anfang des 12 Jahrhunderts war B. Sitz eines Dekans, seit 1272 eines Archidiakons. Die beiden ältesten Kirchen waren Saint-Géry in der Nähe des Portus und Saint-Michel in der Oberstadt, von der archäologisch belegt ist, dass sie älter als das St. Gudula-Kapitel aus der Mitte des 11. Jahrhunderts ist. Mit dem Ausbau der Stadt kamen zahlreiche Kirchen hinzu: 1. Als Gründung der Kaufleute St. Nikolaus in der Niederstadt mit einem Hospital, die zum geistlichen Zentrum des Viertels um den Großen Platz werden sollte, 2. im nordwestlichen Handwerker- und Gemüsebauernviertel die Katharinen-Kapelle als Ausgründung der Pfarre in Molenbeek, 3. in dem Viertel zwischen der unteren und der oberen Stadt um die hzl.en Märkte die von einer Kaufleutebruderschaft gegründete Kirche Saint-Jean-au-Marais mit einem Hospital (bis zum Ende des Alten Reichs von der Stadt kontrolliert), 4. auf demselben Hügel wie der Coudenberg die St. Jakobskirche als Oratorium, wo der Herzog Ende des 12. Jahrhunderts ein kleines Regularkapitel der Augustiner einrichtete, und 5. im Viertel La Chapelle die Marien-Kirche (Notre-Dame), eine hzl.e Gründung für die Handwerker in der Neustadt. Ergänzt wurden diese durch mehrere Kapellen des 14./15. Jahrhunderts, von denen die auf dem Zavel hervorzuheben ist, Notre-Dame du Sablon (dt. Hl. Maria des Sandes oder auf dem Sand), die im frühen 14. Jahrhundert von der Bruderschaft der Armbrustschützen gegründet wurde.
Die Pfarrechte der gesamten Stadt lagen bei dem Kollegiatkapitel auf dem Coudenberg, das mit Unterstützung der Stadtherren streng über diese wachte und die Gründung neuer Einrichtungen durchsetzte, die ihre Gebühren und Prerogativen erhöhen sollten.
Ältestes Männerkloster war das der Franziskaner, gegründet 1238 auf dem Abhang zur Oberstadt, Karmeliter entstanden um 1258, Sackbrüder kurz nach 1271, Alexianer oder Celliten um 1368 und Dominikaner um 1465. Frauenklöster entstanden am Rande der Kaufleutesiedlung im Katharinen-Viertel und um die Kirche Saint-Géry. Zu nennen sind Viktorinerinnen oder Weiße Damen um 1235, Beginenhof vom Weingarten um 1250 und Schwarze Schwester oder Celitinnen um 1348. Isabella von Portugal, Gemahlin Philipps des Guten, veranlasste um 1432 die Niederlassung von Kanonikerinnen vom Berge Sion neben der Kollegiatskirche, die der Windesheimer Kongregation angehörten.
Hauptkirche der Stadt war das fürstliche Kapitel St. Gudula, deren Kirche zunächst dem Hl. Michael geweiht war; er wurde Patron der Stadt. Später wurden die Reliquien der Hl. Gudula übertragen (heute St. Michaels und Gudula-Kathedrale). Das Kapitel blieb bis ins 18. Jahrhundert ein institutionelles Bindeglied zwischen Stadt und Hof bzw. Regierung. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der romanische Bau aus dem frühen 11. Jahrhundert durch einen gotischen Bau, beginnend mit dem Chor, ersetzt, abgeschlossen um 1500. Sowohl die Herzöge als auch die Stadt trugen zur Finanzierung bei (Glasfenster zeugen vom Mäzenatentum), daneben standen die kirchlichen Einkünfte. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ließ Ehzg.in Isabella einen neuen Zugang (rue Isabelle) anlegen, um die Heiligtümer besser bei Prozessionen herumführen zu können. Das Recht zur Pfründbesetzung stand dem Herzog zu, in der frühen Neuzeit den Kollateralen Räten übertragen.
Eine ähnliche Funktion als Bindeglied zwischen Stadt und Hof erfüllte die Marienkirche auf dem Sand, die Ausgangspunkt einer bedeutenden Prozession (»Ommegang«) war.
Die Reformation wirkte sich in B. als Krise aus, als zum habsburgischem Land gehörende Stadt wurden die Lutheraner auch in B. nachdrücklich verfolgt (erste Hinrichtungen 1523, sich bis 1560 hinziehend). 1577-1585 herrschte in B. eine calvinistische, Bilderstürme organisierende Regierung, bis sie militärisch von spanisch-habsburgischen Truppen vertrieben wurde. Sogleich setzte eine scharfe Gegenreformation ein, die zur Niederlassung neuer Konvente führte: Jesuiten 1586, Kapuziner 1587, Augustiner 1589. Höhepunkt dessen war die Zeit der Ehzg.e Albrecht und Isabella 1598-1621. 1607 gründete Isabella in B. den ersten Konvent der Barfüßigen Karmeliter in den Niederlanden in der Nachbarschaft des Coudenberg. 1621 unterstützte sie die Gründung eines Jesuiten-Konvents auf dem Sand. 1625 (als Statthalterin) unterstützte sie die Gründung eines Konvents der Augustinerkanonikerinnen durch Marguerite de Lalaing und ihren Ehemann Florent de Berlaymont. Durch ihre Teilnahme trug sie bei zum Aufschwung örtlicher Prozessionen, insbesondere der von Laken (frz. Laeken), einem Dorf nördlich B.s, die von ihrem Startpunkt in B. entlang des neuen Kanals verlief, ein Weg, der zu einer Promenade des hohen Adels wurde und den Namen »Allée verte« (dt. Grüner Weg) erhielt. Im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts kamen eine ganze Reihe weiterer Konvente hinzu (Annuntiatinnen, Apostolinerinnen, Englische Benediktiner, Erlöserinnen [Birgitten], Paulaner, Oratorianer, Ursulinen, Visitantinnen [Salesianerinnen], …). Ergebnis war, dass es beim Ende des Alten Reichs 39 geschlossene Bereiche geistlicher Einrichtungen gab, die 10% der Stadtfläche intra muros ausmachten.
(4) B. gehörte durchweg zu den größeren Städten und kennt daher eine reiche, zwischen Stadt und Herrschaft verwickelte Baugeschichte. Herrschafts- und Stadtbereich waren durch die Höhenlage vorgegeben. In der Oberstadt prägte die Burg bzw. das Schloss Coudenberg die Anlage, sukzessive vergrößert und modernisiert mit finanzieller Unterstützung der Stadt. Ihr Bestand seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ist gut belegt. Der Park wurde mehrmals im 14.-17 Jahrhundert erweitert und verschönert (1731 zusammen mit dem Palast abgebrannt). Herzog Anton von Burgund schuf vor dem Palast einen Platz (Place des Bailles), auf dem Feste, Turniere, aber auch Hinrichtungen stattfanden. In der Frühzeit unter Philipp dem Guten und durch ihn erzwungen von der Stadt finanziert wurde 1431-1437 an der Hügelseite, von der Stadt gut sichtbar, die Aula magna angefangen, deren Baumeister 1452-1461 Guillaume de Vogel und Jean van Ruysbroeck waren, die auch für die Stadt am Rathaus arbeiteten (eventuell handelt es sich um eine Vergeltung für die Errichtung des sehr repräsentativen Rathauses, das den Palast in den Schatten stellte). Fertiggestellt wurde die Aula erst 1553.
Im direkten Umfeld des Palasts, im Sand-Viertel, ließen sich im 15./16. Jahrhundert zahlreiche Adelsfamilien nieder. Als besondere, bisweilen fulminante Stadthöfe sind zu nennen die der Familien Bournonville-Mérode, Arenberg, Egmond, Culemburg, Ligne, Thurn und Taxis, u.a. Die Erschließung des bis ins frühe 14. Jahrhundert so gut wie unbebauten Sand-Viertels war ein städtisch-herrschaftliches Vorhaben. Die dort im frühen 14. Jahrhundert errichtete Kapelle war Mittelpunkt der Bruderschaft der Armbrustschützen, einer zur Gemeinde gehörenden Organisation. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts diente sie der Gemeinde als Treffpunkt und dazu, die Verbundenheit mit dem Fürsten sowie den Vorrang vor den anderen brabantischen Städten (v.a. Antwerpen) darzustellen; aussagekräftig ist in dieser Hinsicht die Legende der Überführung einer Marienstatue, die der Herzog Johann III. gerettet haben soll und zu deren Schutz die Armbrustschützen aufgerufen sind. Hieran wurde alljährlich mit einer von Hof und Stadt finanzierten Prozession (»Ommegang«) gedacht, zu der der Herzog eingeladen wurde. Die Herzöge waren Ehrenmitglieder der Bruderschaft, die sich aus der vermögenden Oberschicht rekrutierte. Die Kapelle wurde Mitte des 15. Jahrhunderts repräsentativ vergrößert. Herzog Karl der Kühne ließ eine Straße direkt zum Palast anlegen. Der Ommegang führte von der Kapelle zum Großen Platz, herrschaftliche und gemeindliche Zentren verbindend. Im 17. Jahrhundert erhielten die Armbrustschützen ein Saalgebäude, »Domus Isabellae«, errichtet im Auftrag Ehzg.in Isabellas. Die frühneuzeitlichen Huldigungsumzüge berührten Kollegiatkirche, Großen Platz und Coudenberg.
Um das Gudula-Kapitel herum bildete sich ein größeres Kleriker-Viertel mit geistlichen Einrichtungen und Schulen.
In der Niederstadt repräsentierte sich die Gemeinde, vornehmlich mit dem 1389-1455 geschaffenen Großen Platz und dem beeindruckenden Rathaus mit 96 m hohen Turm und reich geschmückter Fassade. Mehrmals fanden anlässlich dynastischer Ereignisse auf dem Großen Platz Turniere statt, die von der Gemeinde finanziert wurden, welche zur städtischen Selbstdarstellung im höfischen Rahmen dienten (Mario Damen). Bis ins 18. Jahrhundert diente er der Landesherrschaft auch für Hinrichtungen. Ab dem späten 15. Jahrhundert wurde die bauliche Präsenz des Landesherrn stärker, d.h. in einer Phase, als B. als Amtsstadt zu verstehen ist. Die Brothalle, dem Rathaus gegenüber, fiel nach 1477 an den Stadtherrn und wurde 1515-1531 umgebaut zum Sitz der kgl.en Steuer- und Justizverwaltung (»Haus des Königs«), in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fanden weitere Behörden ihre Unterkunft.
Ein städtebaulicher Einschnitt bedeutete die Bombardierung B.s durch die Franzosen 1695, bei der ungefähr 4000 Häuser und elf Kirchen bzw. Konvente zerstört wurden. Der anschließende, schnelle Wiederaufbau (zur Verhinderung eines Exodus) geschah in Kooperation zwischen Stadt und Generalstatthalter Maximilian-Emanuel von Bayern und co-finanziert von den umgebenden Großstädten Antwerpen, Löwen und Mecheln, für deren Handel B. entscheidend war, zudem begünstigt durch Aufhebung der Zunft- und Zuzugsbeschränkungen. Beim Wiederaufbau konnte sich nur an einigen markanten Orten der Generalstatthalter mit seinem Wunsch nach Neuzuschnitt der Parzellen durchsetzen, so am Dinant-Platz, am vom Sand hinabführenden Abhang, am Münzplatz, wo eine Oper entstand, hingegen nicht an der Ostseite des Großen Platzes, wo nur eine geschlossene Fassadenfront den Einzelhäusern vorgesetzt wurde. Im 18. Jahrhundert setzte ein allseitiger Verfall der landesherrlichen Gebäude ein, bezeichnend ist der Brand des Coudenberg 1731, woraufhin die Regierung in den benachbarten Hof Nassau umzog. Die Ruine blieb 40 Jahre stehen, »Cour brulée« genannt (»abgebrannter Hof«). 1775-1781 wurde die Ruine durch einen neoklassischen Bau ersetzt, dessen Errichtung von der Stadt betrieben wurde, unterstützt von der Regierung, die eine Umlage auf alle geistliche Einrichtungen des Landes verhängte. Zum Ensemble gehörte der Königsplatz und ein großer Park, umgeben von Bürgerhäusern und inmitten eine Statue zu Ehren von Kaiserin Maria Theresia.
(5) B. kannte eine städtische Freiheit (»franchise«), die über die Mauern hinausgriff, da die Stadt vom Ende des 13. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Dörfern erwerben konnte, in denen daraufhin das Stadtrecht galt. Die Ausweitung war zum einen Ausdruck eines politischen Willens der Stadt, wurde zum anderen ab dem frühen 16. Jahrhundert von der Regierung unterstützt. Am Anfang der Entwicklung stand 1295 das Recht der Stadt, auch in den umliegenden Dörfern die städtischen Normen zur Bierherstellung und -verkauf durchzusetzen und zu besteuern. Bis zum 15. Jahrhundert entstand ein Kreis mit einem Radius von etwa 22 km um die Stadt, in dem Verbot des Handels mit Grundnahrungsmitteln galt, genannt »banlieue des quatre lieux« (ndl. vier milen, dt. »Bannmeile der Vier Meilen«). Die Stadt unterhielt innerhalb dieses Bezirks ein Netz von gepflasterten Straßen (1459 zwölf). Im 17. Jahrhundert bürgerte sich für den Bereich des Stadtrechts der Ausdruck de Cuype, »la Cuve« (dt. soviel wie Behälter, Bottich), ein.
B. war seit dem 12. Jahrhundert Sitz eines landesherrlichen Amtsbezirks, der »ammannie«, abgeleitet von der Bezeichnung des Amtmanns. In diesem Bereich konnte die Stadt einen zunächst schwachen Einfluss geltend machen, den sie aber nutzte, um den Amann zunehmend beiseite zu drängen bis dahin, dass die Einziehung der landesherrlichen Bede in ihren Händen lag und sie die von ihr zu zahlende Summe auf das Umland umlegen konnte. Der Zugriff verstärkte sich noch, als im 15. Jahrhundert für die Einziehung der Bede ganz Brabant in vier Quartiere eingeteilt wurde (neben B. Antwerpen, Löwen, ’s-Hertogenbosch) und B. Hauptstadt seines Quartiers wurde, das um die Amannie des wallonischen Brabants beträchtlich erweitert worden war.
Einen großen Erfolg für die B.er Wirtschaft bedeutete die Anlage des Willebroek-Kanals 1550-1561, die nur mit Unterstützung der Regierung und gegen die Interessen der Anrainer (vor allem Mechelns) durchgesetzt werden konnte; die Schifffahrt über die Senne war zunehmend schwieriger geworden. Wichtig war der Kanal für B., um in Antwerpen Anschluss an den internationalen Handel zu erhalten. 1531 hatte B. nach längeren Verhandlungen von Kaiser Karl V. die Erlaubnis zum Bau erhalten.
Mit Verlegung des Regierungssitzes folgten auch die Thurn und Taxis als kaiserliche Postmeister mit ihrem niederländischen Sitz von Mecheln nach B., wo sie am Sand einen Stadthof (mit Grabkapelle) errichteten.
Um 1700 ließen die Brabanter Stände mit Unterstützung der Regierung die großen Wege, die B. mit den benachbarten Zentren verbanden (1704: Mons, Gent, Löwen und Mecheln) zu Chausseen ausbauen, Charleroi kam 1750, Luxemburg 1772 hinzu; B. befand sich damit inmitten eines radialen Wegesystems.
(6) Als Residenzstadt i.e.S. fungierte B. seit dem Hochmittelalter für die Herzöge von Brabant bis 1430, teilte sich die Rolle aber mit Löwen (frz. Louvain, ndl. Leuven). Mit dem Übergang in den burgundisch-niederländischen Herrschaftskomplex musste B. sich diese Funktion mit anderen Städten teilen. Eine Ausnahme stellen die Jahre des alternden Herzog Philipps des Guten dar (etwa 1455/57-1467). Unter Karl dem Kühnen hatte 1473-1477 Mecheln als Verwaltungshauptstadt allgemeinere Bedeutung und behielt diese bis 1530. In der Folge fungierte B. als Sitz der Statthalter der Spanischen, ab 1714 Österreichischen Niederlande, womit B. für die längste Zeit seit 1430 als Amtsstadt zu klassifizieren ist (mit Ausnahme der Zeit von Ehzg. Albrecht und seiner Frau Isabella 1598-1621, nach Albrechts Tod 1621 blieb Isabella Statthalterin bis zu ihrem Tod 1633). Gründe für die Bevorzugung B.s waren die Möglichkeit zu Versorgung der gehobenen höfischen Ansprüche, die Anwesenheit von finanzkräftigen Kreditgebern, das Vorhandensein eines Jagdgebiets und nicht zuletzt eine dem Hof entgegenkommende Haltung der Stadt, was größere dynastische Feiern, Geschenke, Steuererleichterungen für Hofmitglieder und landesherrliche Amtsträger, den Bau von Stadthöfen (Croÿ;, Nassau, Kleve-Ravenstein, Kanzler von Brabant) u.a. angeht.
Die vielen kurzfristigen Aufenthalte der Fürsten in B. dürften nur geringe Auswirkungen auf die städtische Wirtschaft gehabt haben, stellten vielmehr eine Belastung für die Stadtkasse dar. Hofrechnungen Herzogin Johanna von Brabants aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts belegen Einfuhren aus Flandern, Wallonisch Brabant, Hennegau und der Champagne. Der prächtige burgundische Hof bezog seine Waren von überallher, der Einfluss auf die örtliche Wirtschaft dürfte gering gewesen sein, aber wahrscheinlich zur Spezialisierung hofnahen Gewerbes (Luxuswaren, Luxuslebensmittel) und zur Ausweitung des Dienstleistungssektors (Herbergen) geführt haben. Die B.er Teppichweberei hatte ihren Höhepunkt im 15.-17. Jahrhundert für einen höfischen Abnehmerkreis in und außerhalb der Niederlande. Der wenn auch weniger glänzende Hof Ehzg. Albrechts und Isabellas zu Beginn des 17. Jahrhunderts dürfte größere Auswirkungen auf die städtische Wirtschaft gehabt haben als der der burgundische Herzöge, da er so gut wie ausschließlich auf lokale Anbieter zurückgriff.
Die Ausgabenfreude der Stadt war eine Art Folgsamkeit dem Fürsten gegenüber, womöglich ausschlaggebend für die Wahl als Hauptstadt. Der Wendepunkt lag im 15./16. Jahrhundert Vor 1400 waren die Brabanter Herzöge abhängig von den städtischen Finanzen und deswegen gezwungen, Teile ihrer Kompetenzen abzugeben, was die Ausdehnung der städtischen Macht (auch räumlich) begünstigte. Im 15. Jahrhundert änderte sich dies Verhältnis, selbst die großen Städte der Niederlande (so auch B.) wurden der landesherrlichen Macht unterworfen, was dazu führte, dass die Städte sich dem Fürsten gegenüber in einem guten Licht darstellen mussten, wehrhaft wurden sie nur, wenn ihre Privilegien bedroht waren: B. trotzte immer wieder in Fällen, die den Rechtsstand ihrer Bürger betrafen, den landesherrlichen Amtsträgern. Im Viertel um den Großen Platz schuf die Stadt einen Kontrapunkt gegen den fsl.en Ausbau des Coudenberg, dessen sich die Stadt außerdem auch noch annahm. Die Stadt führte eine Politik zur Befestigung der stadt-/landesherrlichen Macht, die wiederum ihre eigene Stellung begünstigte (ein Gleichgewicht, das nachzuvollziehen der modernen Forschung schwer fällt). Das Prestige der Stadt war eng geknüpft an die Funktion als fürstliche Stadt, die Anwesenheit des Hofs und an die regierende Dynastie, das die Stadt aber zur Not gegen eben diese Fürsten zu wahren wusste.
Mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts ließ die Finanz- und damit die politische Durchsetzungskraft B.s nach, die Stadt wurde an die landesherrliche Macht gebunden. Die städtische Elite zog die landesherrlichen Ämter den städtischen vor. Die Verteidigung genuin städtischer Interessen oblag hinfort den handwerklichen Eliten. Die Zunahme der Zentralität B.s war ein Ergebnis einer Interessensübereinstimmung zwischen Hof/Regierung und einer protektionistischen Stadt hinsichtlich der Tuchindustrie und dem Handel. Ausdruck dessen war der Bau des Willebroek-Kanals im 16. und der Landstraßen im 18. Jh.
(7) Die schriftliche Überlieferung findet sich in drei Brüsseler Archiven: 1. »Archives de la Ville de Bruxelles« (AVB) bewahrt das städtische Schriftgut. Die wichtigsten Register sind beschrieben bei Wauters, Alphonse: Inventaire des cartulaires et autres registres faisant partie des archives anciennes de la ville de Bruxelles, 2 Bd.e, Brüssel 1888-1894 und Pergameni, Charles: Les archives historiques de la ville de Bruxelles, Brüssel 1943; 2. in den »Archives de l’État à Bruxelles« (AEB) befindet sich das Schriftgut der Brabanter Körperschaften (Lehnshof, Forsten, Landstände, Brüsseler Zollkammer), aber auch städtischer Einrichtungen (Schöffengreicht, Notariate); 3. »Archives Générales du Royaume« (AGR) enthalten die Bestände, die bei den zentralen Einrichtungen entstanden sind (Kollaterale Räte, Rechenkammern, spezielle Einrichtungen), aber auch die Zeugnisse einiger führender Adelsfamilien. Die Akten zum Bau des Willebroek-Kanals sind zum größten Teil veröffentlicht in Wauters, Alphonse: Documents concernant le canal de Bruxelles à Willebroek, Brüssel 1882. Die Hofgerichtsbarkeit ist untersucht worden mit Edition der Edikte von Stevens, Xavier: Recueil d’Ordonnances et de règlements constitutifs des juridictions auliques de la cour de Bruxelles (XVIe-XVIIIe siècles), in: Bulletin de la Commission royale pour la publication des Anciennes Lois et Ordonnances de Belgique 46 (2005) S. 51-113. Für alte Karten und den größten Teil der bildlichen Darstellungen siehe: Danckaert, Lisette: Bruxelles, cinq siècles de cartographie, Tielt-Knokke-Heist 1989. Die Bestände des AVB wurden umfangreich genutzt in der Wiederauflage des grundlegenden Werks: Henne, Alexandre, Wauters, Alphonse: Histoire de la ville de Bruxelles, Brüssel 1975 (Or. 1845). - Le peintre et l’arpenteur. Images de Bruxelles et de l’ancien duché de Brabant, hg. von Véronique Van de Kerckhof, Helena Bussers und Véronique Bücken, Brüssel 2000. - Hamme, Marcel Van: Bruxelles jadis. La ville et les évènements historiques tels que les artistes les ont vus, Antwerpen-Brüssel 1975.
(8)Sosson, Jean-Pierre: Les »pourvances« de l’hôtel des ducs de Brabant à Bruxelles dans la seconde moitié du XIVe siècle. L’apport des comptes de fournitures (1366-1372), in: Milieux naturels, espaces sociaux. Études offertes à Robert Delort, hg. von Élisabeth Mornet und Franco Morenzoni, Paris 1997, S. 495-501. - Prinsen en poorters. Beelden van de laat-middeleeuwse samenleving in de Bourgondische Nederlanden 1384-1530, hg. von Walter Prevenier, Antwerp 1998. - Le quartier royal, hg. von Arlette Smolar-Meynart und André Vanrie, Brüssel 1998. - Peuter, Roger De: Brussel in de achttiende eeuw. Sociaal-economische structuren en ontwikkelingen in een regionale hoofdstad, Brüssel 1999. - La cathédrale des Saints-Michel-et-Gudule, hg. von Guido-Jan Bral, Brüssel 2000. - Deligne, Chloé: Bruxelles et sa rivière. Genèse d’un territoire urbain (12e-18e siècle), Turnhout 2003. - Stabel, Peter: For Mutual Benefit? Court and City in the Burgundian Low Countries, in: The Court as a Stage. England and the Low Countries in the Later Middle Ages, hg. von Steven Gunn und Antheun Janse, Woodbridge 2006, S. 101-117. - Dickstein-Bernard, Claire: La construction de l’Aula Magna au palais du Coudenberg, in: Annales de la Société royale d’Archéologie de Bruxelles 67 (2006) S. 51-76; 68 (2007) S. 35-64. - Loir, Christophe: Un espace urbain d’une étonnante modernité: le quartier royal, in: Espaces et parcours dans la ville. Bruxelles au xviiie siècle, hg. von Kim Bethume und Jean-Philippe Huys, Brüssel 2007, S. 31-58. - Charruadas, Paulo, Waha, Michel de: Centralité religieuse et développement urbain. Note sur la fixation du doyenné de Bruxelles aux 11e-12e siècle, in: Cahiers Bruxellois 41 (2009) S. 43-72. - Cammaert, Olivier: L’iconoclasme sous la République calviniste à Bruxelles, in: Des villes en révolte. Les »Républiques urbaines« aux Pays-Bas et en France pendant la deuxième moitié du XVIe siècle, hg. von Monique Weis, Turnhout 2010, S. 47-52. - Damen, Mario, Stein, Robert: Collective memory and personal memoria. The Carthusian monastery of Scheut as a crossroads of urban and princely patronage in fifteenth-century Brabant, in: Mémoires conflictuelles et mythes concurrents dans les pays bourguignons (ca. 1380-1580), Turnhout 2012, S. 29-48. - De Jonge, Krista: La Cour à la Ville, ou une capitale moderne en devenir. Le cas de Bruxelles, in: Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft. Kulturen integrativer und konkurrierender Beziehungen in Residenz- und Hauptstädten vom 14. bis ins 19. Jahrhundert, hg. von Jan Hirschbiegel, Werner Paravicini und Jörg Wettlaufer, Ostfildern 2012 (Residenzenforschung, 25), S. 179-193. - Billen, Claire: La construction d’une centralité. Bruxelles dans le duché de Brabant au bas Moyen Âge, in: The Power of Space in Late Medieval and Early Modern Europe. The cities of Italy, Northern France and the Low Countries, hg. von Marc Boone und Martha Howell, Turnhout 2013, S. 183-195. - De Laet, Veerle: At home in seventeenth-century Brussels. Patterns of art and luxuary consumption in private households, in: Embracing Brussels. Art and Culture in the Court City, 1600-1800, hg. von Leen Kelchtermans, Katlijne Van der Stighelen und Koenraad Brosens, Turnhout 2013, S. 11-20. - Coudenberg Palace Brussels: From Medieval Castle to Archaeological Site, hg. von Vincent Heymans, Brüssel 2014. - Damen, Mario: The town as a stage? Urban space and tournaments in late medieval Brussels, in: Urban History 43 (2015) S. 47-71. - Stabel, Peter, Duerloo, Luc: Du réseau urbain à la ville capitale? La cour et la ville aux Pays-Bas du bas Moyen Âge aux temps modernes, in: La cour et la ville dans l’Europe du Moyen Âge et des Temps Modernes, hg. von Léopold Courbon und Denis Menjot, Turnhout 2015, S. 37-52. - Charruadas, Paulo: La sociogenèse du milieu échevinal, la révolte de 1303-1306 et l’institution des »sept lignages« à Bruxelles, in: Cahiers Bruxellois 50 (2018) S. 9-58. - Charruadas, Paulo, Vannieuwenhuyze, Bram: La ville en puzzle. Continuités et discontinuités entre Bruxelles et ses campagnes au Moyen Âge, in: Subaltern City? Alternative and peripheral urban spaces in the pre-modern period, hg. von Peter Clark und Denis Menjot, Turnhout 2019, S. 23-44.