Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

Zurück zur Liste

Blomberg

Blomberg

(1) B. (Blomenberg, Blumenberg auch Mons florum) liegt etwa 20 km östlich von Detmold auf einem markanten Bergsporn über dem Tal des Diestelbachs. Gegründet wurde B. (wie auch die Stadt Horn, ca. 15 km südwestlich B.s) durch den Edelherrn Bernhard III. zur Lippe (ca. 1194-ca. 1265) im Zeitraum 1230-1255. Nach Lippstadt 1185 und Lemgo um 1190 wurden die Neugründungen des 13. Jahrhunderts entscheidend für die Konsolidierung der Herrschaft Lippe im Raum östlich des Teutoburger Waldes. Weiterhin dürfte die Lage am Schnittpunkt mehrerer Fernhandelswege für die Ortswahl entscheidend gewesen sein: Das waren insbesondere die von Köln bzw. Dortmund kommende »Kölnischen Landstraße«, die von B. aus weiter nach Braunschweig und Magdeburg führte und in Teilen als Hellweg bezeichnet worden ist, sowie der von Kassel nach Bremen führende Fernhandelsweg.

Das stark befestigte B. wurde von den Edelherren zur Lippe, die seit 1528 den Gf.entitel führten, häufig als Residenz genutzt: nach 1306, nach der kurzfristigen Landesteilung von 1344, dann um 1400, als Wilbasen zur dynastischen Grablege wurde und die Grafschaft Sternberg als Pfand an Lippe kam. Nach dem Wiederaufbau der 1447 in der Soester Fehde zerstörten Stadt gab es in B. Ansätze zur Ausbildung einer ständigen Residenz. Die Wilbaser Grablege der Edelherren wanderte in die Stadtmauern, ein Judenfriedhof für ganz Lippe entstand vor dem Heutor. Ab 1481 findet sich die für Residenzbildungen typische Etablierung einer Heiltumsweisung. Nach Lemgo waren in und um B. die meisten Vasallen des Landesherrn ansässig. Der B.er Hof pflegte enge ökonomische Beziehungen zum Lemgoer Handel, aber v.a. zu Handel und Handwerk am Ort. Seit Mitte der 1460er Jahre hielt sich Bernhard VII. zur Lippe (1429-1511) zunehmend in Detmold auf. Ab 1493 diente die Burg B. seinem Sohn Simon [V.] als Zweitresidenz. Nach dem Tod seines Vaters 1511 residierte er als dessen Nachfolger in Detmold. Seiner zweiten Gemahlin, Magdalena von Mansfeld, wurde die B.er Burg als Witwensitz zugesprochen. Vor dem Hintergrund einer möglichen Vereinigung der Grafschaften Pyrmont-Spiegelberg und Lippe finden sich seit den 1560er Jahren wieder gewichtige Indizien für Pläne, den Hof im Fall einer Personalunion gegebenenfalls wieder nach B. zu verlegen.

Als möglicher Residenzort verlor B. mit dem Tod Graf Simons VI. 1613 jegliche Bedeutung. Testamentarisch hatte er Amt und Burg B. der Nebenlinie Lippe-Brake zugewiesen. Diese neue Zugehörigkeit des Amtes B. zur Nebenlinie bei gleichzeitigem Verbleib der Stadt in der Städte-Kurie der herrschenden Linie Lippe-Detmold war fortan Ursache von zahlreichen Konflikten. Der politische Niedergang B.s war damit vorprogrammiert. 1739 kamen Burg und Amt B. an die Fürsten von Schaumburg-Lippe. Im lippischen B. stationierten diese eine Bückeburger Garnison.

(2) Eine durch den Flurnamen »Alt-Blomberg« bezeugte Vorgängersiedlung, vier Kilometer westlich B.s, ist archäologisch bisher nicht nachgewiesen. Auch ist die seit Johannes Piderits Chronik von 1627 immer wieder aufgestellte Behauptung, dass es bereits um 1200 eine Burg mit vorstädtischer Siedlung gab, bis heute strittig. Für die Stadtgründung kommen am ehesten die Jahre um 1240 in Betracht. 1255 wird ein Stadtrichter genannt. Eine eigene Münze gab es von 1247 bis ins 14. Jahrhundert Ihre Sterlingspfennige finden sich von Irland über Skandinavien bis nach Lettland. 1608-1618 wurden erneut Münzen in B. geprägt. Die Stadt, das geht aus einem Privileg der Neustadt Lemgo von 1283 hervor, hatte das gleiche Recht wie Lippstadt, Lemgo und Horn verliehen bekommen. Die Stadtanlage war gegliedert nach dem auch in anderen lippischen Städten anzutreffenden Dreistraßenschema: Nach Eintritt der Kölnischen Landstraße durch das Niedere Tor in die Stadt zweigten von der Hauptstraße zwei Nebenstraßen ab, die sich vor dem Austritt der Landstraße aus dem Heutor dann wieder mit der Hauptstraße vereinten (mit einer rechtwinkligen Abknickung an Markt und Rathaus). Die Burg befindet sich im Westen der Stadt.

1291 werden erstmals ein Pleban sowie Ratsherren und Gemeinde erwähnt. Erhaltene Ratslisten legen nahe, dass zunächst auch Niederadelsfamilien zu den Ratsgeschlechtern zählten. Der zwölfköpfige Stadtrat wurde jährlich am Dreikönigstag (6. Januar) gewandelt; in der Regel wechselten sich alter und neuer Rat ab. Den meist aus der Bürgerschaft rekrutierten herrschaftlichen Stadtrichter dürfte es in B. von Beginn an ebenso gegeben haben wie das Gremium der »Bauermeister« aus den vier Stadtteilen. Das Gremium der Zunftvertreter (Dechen, Verordnete der Ämter) wird nach 1450 genannt: diese Vertretung der Zünfte (in B. Ämter oder Gilden genannt) hieß »Meinheit«. Der amtierende »Kleine Rat« besorgte das laufende Regierungsgeschäft, gravierende Fälle aber beriet und entschied er nur zusammen mit dem Alten Rat, den Bauermeistern und den Verordneten der Ämter; die vier Gremien bildeten den »Großen Rat«.

Unterste Ebene der Gerichtsverfassung, zuständig bei einfachen Streitfällen, waren die Bauermeister. Der Stadtrat und der Stadtrichter bildeten die nächsten Instanzen; sie übten die Niedergerichtsbarkeit aus und konnten Bürger gefangen setzten. Das regelmäßig in oder vor der Stadt tagenden Gogericht war für das ganze Amt B. zuständig, während das nach Bedarf einberufene Hoch- und peinliche Gericht, auch Femegericht (unter Vorsitz eines Freigrafen) genannt, in Wilbasen vor den Toren der Stadt zusammentrat; später auch im »Wilbasen-Saal« des Rathauses. Die B.er Ratsherren begegnen hier als Gerichtsschöffen. Höchste Instanzen in der Herrschaft Lippe waren in der frühen Neuzeit das Hof- und Kammergericht.

Stadtrechtlich exemt blieben die Burganlage sowie die mehr als fünf Burgmannenhöfe bzw. Niederadelssitze, die Klerikerhäuser und das Augustinerchorherrenkloster. Wenn der Edelherr nicht selbst auf der Burg anwesend war, leitete ein Vogt das Amt Blomberg.

Die Einwohnerzahl dürfte mit starken Schwankungen nach 1447 zwischen 1200 bis 2200 Einwohnern gelegen haben. Ein Schoßregister von 1535 verzeichnet 199 schoßpflichtige Bürger und fünf Bruderschaften (ohne Kleriker, Kloster und Stadtadel). Zünfte, in B. »Ämter«, gelegentlich »Gilden« genannt, sind erst im 15. Jahrhundert belegt. Sie dürften jedoch älter sein: Das gilt insbesondere für die Organisation der Kaufmannschaft, für deren Existenz es um 1400 starke Indizien gibt. Die Höker erhielten 1502 eine neue Zunftordnung, Ordnungen von Schneider-, Kramer-, Schuhmacher-, Schmiede-, Leineweber-, Bäcker-, Zeugmacher- und Tischleramt sind überliefert. Das Braueramt umfasste alle brauberechtigten Bürger, die im Wechsel auch Ausschankrechte erhielten, bevor 1721 ein städtisches Brauhaus errichtet wurde. Alle landbesitzenden Bürger waren in der Hausleutebruderschaft organisiert. Der Beginn der Fuhrleute-Bruderschaft ist ungeklärt. Die Schuhmacher, das Textilgewerbe und später auch die Stuhlbauer arbeiteten exportorientiert. Die Schuhmacherei wurde später zum größten Handwerk der Stadt: Um 1600 gab es etwa 50, um 1800 über 100 Meisterbetriebe. Jahrmärkte waren der Laurentiusmarkt am 10. August und der Martinimarkt am 11. November, der Tag des B.er Kirchen- und Stadtpatrons. Ein alter, überregional bedeutsamer Markt wurde am 21. September (Tag des Hl. Matthäus) bei Wilbasen im Süden der Feldmark, abgehalten. Heute wird »Wilbasen«, das Jahrhunderte lang als größter Pferdemarkt der Region galt, um den 10. September begangen.

(3) B. gehörte zum Bistum Paderborn, Archidiakonat Steinheim. Zur Zeit der Stadtgründung bestand im B.er Becken bereits eine Kirchspielstruktur. Die B.er Gemeinde mit ihrer Pfarrkirche St. Martini wurde im Gefolge der Stadtentstehung von Reelkirchen abgepfarrt. Die vor 1618 abgerissene Laurentiuskapelle soll es Piderit zufolge bereits vor der Stadtgründung gegeben haben. Der Altar der Burgkapelle war St. Michael geweiht. Die nah am Rathaus errichtete Pfarrkirche St. Martini hatte im Spätmittelalter mindestens fünf Altäre: den Hochaltar des Hl. Martin, den Altar der Hl. Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria und der Hl. Drei Magier, den St. Annenaltar, den Frühmessealtar der Hl. Katharina und den Altar des Hl. Stephan. Zu den Altären sind Bruderschaften bekannt: Die Martinsbruderschaft, die Bruderschaft Unserer Lieben Frau, die Annenkommende und die Stephansbruderschaft (der Hausleutegilde); auch eine Katharinenbruderschaft dürfte es gegeben haben (es war im 15. Jahrhundert der meistbestiftete Altar). Ferner gab es die in der Region vernetzte Gertrudis-Bruderschaft, deren Mitglieder das Siechenhaus vor den Toren der Stadt an der Brücke bei Wilbasen betreuten (Abriss nach 1724).

Überregional bedeutsam war auch die bei Wilbasen liegende Kapelle Unserer Lieben Frau (Ersterwähnung 1398; Abriss der Ruine nach 1750). Zum dortigen Marienbild führte die älteste lippische Wallfahrt. In der Kapelle konnten um 1400 ein Jubiläumsablass, aber auch andere hochrangige Ablässe erworben werden. 1429 verlegten die Edelherren zur Lippe ihre Grablege aus der Lemgoer Marienkirche nach Wilbasen.

Eine andere, weit erfolgreichere Wallfahrt entstand 1460, nachdem eine B.erin 45 geweihte Hostien gestohlen und aus Angst vor Verfolgung in einen Brunnen geworfen hatte. Zahlreiche Wunder am Brunnen zogen Pilger von den Niederlanden über Norddänemark bis nach Tallinn an. 1462 wurde eine Kapelle über dem Brunnen errichtet und bald danach betrauten Bernhard VII. und sein Bruder, der Paderborner Bischof Simon III., die Augustinerchorherren aus Möllenbeck mit der Betreuung der Pilgerscharen. 1468 wurde ihr Kloster gegründet (1473 geweiht); der Hauptaltar stand über dem »Wunderbrunnen«. Zum Kloster gehörten ein Hospital, ein Wirtschaftshof sowie zwei Gasthäuser für weibliche und männliche Pilger. Der Paderborner Bischof Simon III. zur Lippe etablierte 1481 ein Heiltumsfest, bei dem alle Reliquien des Klosters öffentlich »gewiesen« wurden. Es entstand die dem Brunnenaltar zugeordnete »Bruderschaft des Heiligen Sakraments und der seligen Jungfrau« (1469), in der sich insbesondere Mitglieder der Ratsfamilien und Angehörige der niederadligen Geschlechter des Landes zusammenfanden. Einigen Adligen gelang es, eine Grablege für ihre Familie im Kloster zu erwerben (von Donop, von Freismissen, von Haxthausen). Im Kloster entstand zudem eine überregional bedeutsame Schule. Nach 1495 wurde die Klosterkirche zur Grablege der lippischen Dynastie, wo im 17. und 18. Jahrhundert auch Mitglieder lippischer Nebenlinien bestattet wurden. Die Franziskaner aus Höxter besaßen eine Terminei in B.

Die B.er Chorherren zählten zu den ersten Anhängern Martin Luthers in Lippe. Zu Beginn der Reformation verließen die meisten von ihnen das Kloster. Dessen umfangreicher Besitz wurde 1533 an den Landesherrn verkauft. Der B.er Rat ging nach Erlass der lutherischen Kirchenordnung 1538 eher zögerlich zur neuen Lehre über. Das Kirchenvermögen und Teile der Klostereinnahmen kamen bald in städtische Hand. Sie dienten nun der Finanzierung der »deutschen Schulen« für Jungen und Mädchen und einer Armenkasse. Das klösterliche Gasthaus für Männer wurde zum Armenhaus; im Gästehaus für Pilgerinnen wohnten jetzt Schulmeister und Kirchendiener. Nach 1538 spielte B. als Vorort einer der drei neu entstandenen Kirchenprovinzen Lippes zunächst eine führende Rolle. Erster lutherischer Pfarrer war Konrad Meyer. Nachfolger wurde 1557 Jobst Piderit, Sohn des Lemgoer Reformators Moritz Piderit. Jobst Piderit stiftete 1572 die erste städtische Bibliothek, in die Bücher des ehemaligen Klosters eingingen. Sein Sohn Johannes Piderit, erster lippischer Chronist, übernahm dessen Pfarramt 1584 (†nach 1639).

Juden waren schon vor 1486 in B. ansässig. Der für alle lippische Juden zuständige Friedhof lag vor dem Heutor (1486 und 1500 erwähnt). Weitere Zeugnisse jüdischen Lebens gibt es in den Jahrzehnten um 1600. Nach 1613 wurden alle Juden aus Lippe verwiesen, darunter drei B.er Familien. Ab 1661 gab es wieder kontinuierlich Juden in der Stadt (1766: 66 Personen).

(4) Die Burg, die an einem nach Westen steil abfallenden Gelände lag, war im Norden und Osten durch einen Graben von der Stadt getrennt. Burg- und Stadtmauer bildeten eine gemeinsame Befestigung. Es gab drei Stadttore: Das Niederntor im Süden (nach 1520 im Stil der Renaissance erneuert), das Heutor im Osten und das Neue Tor im Norden. Die Stadtmauer wurde verstärkt durch mindestens elf Türme und zwei Bastionen.

Der Palas im Süden der Burg stammt aus dem Mittelalter. Die Burganlage wurde nach 1450 umfassend erneuert, erweitert und verstärkt. Unter Bernhard VIII. (reg. 1547-1563) setzte erneut eine Modernisierung von Burg und Vorwerk ein, die in Erwartung einer Personalunion Lippes mit der Grafschaft Pyrmont-Spiegelberg dann unter Graf Hermann Simon zur Lippe-Pyrmont als Vormund des künftigen Simons VI. noch forciert worden ist. Der Nordflügel der Burg war 1567 fertiggestellt. Repräsentatives Gebäude wurde der zwischen 1560 und 1569 entstandene Ostflügel mit Utlucht und reichem Schnitzwerk. Er gilt als einer der schönsten Bauten der Weserrenaissance. Ein 1572 errichtetes Amtshaus markierte im Norden die Grenze des umfangreichen Burgareals zur Stadt hin.

In den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts scheint es Bestrebungen der Nebenlinie Lippe-Brake gegeben zu haben, Burg B. als Nebenresidenz auszubauen. Die 1679 im Vorwerk, innen am Südtor, eingelassenen Wappen zeugen ebenso davon wie der Ausbau des fünf Kilometer südöstlich gelegenen Schlosses Schieder zur Sommerresidenz.

Die stadtbildprägende Pfarrkirche St. Martini wurde 1447 bis auf den Turm zerstört, der Wiederaufbau erfolgte in gotischem Stil (das Kirchenschiff 1833 abgerissen). Größtes Bauprojekt war neben Burg und Stadtmauer das Augustinerchorherrenkloster. Ein ganzes Stadtviertel wurde dazu umgebaut, Bürgerhäuser und Burgmannshöfe mussten weichen. Im nördlichen Kreuzgangtrakt kam im Gefolge der Reformation die Rektorschule unter (1651 dann die deutsche Schule). Nach 1450 begann eine erst um 1620 abflauende Hochzeit des bürgerlichen Bauens. Zahlreiche Fassaden tragen nach 1550 Inschriften und das renaissancetypische Schnitzwerk (herausragend das Haus Kuhstraße 38 von 1606).

Das Selbstbewusstsein der Stadt zeigte sich im repräsentativen Neubau des Rathauses 1587. An der Schau- und Marktseite prangen die Wappen der Graf zur Lippe und der Stadt. Inschriftenbänder zeigen lateinische, hoch- und niederdeutsche Sinnsprüche. Erste literarische Werke gelehrter B.er Autoren entstanden. Das Rathaus hatte zwei Säle, einen Ratskeller, Archiv und Waffenkammer, ab 1572 auch eine Bibliothek. Vor dem Rathaus stand ein Richterstuhl mit (erhaltener) Steinsäule. Vor 1620 werden außerdem erwähnt: Richterhaus, Wechselbank, Wehme, Franziskaner-Terminei, Schulen, Küsterhaus, Kantor- und Lehrerhaus, Priesterhäuser, Kornhaus, Leiterhaus, Spielmannshaus und Abdeckerhaus.

(5) B. gehörte seit dem 13. Jahrhundert zu den Städten, die, neben Vertretern der Ritterschaft, dem Landesherrn mit Rat und Tat zur Seite standen. Mehrmals war B. an Bündnissen und Friedensschlüssen der Landesherren beteiligt, so am »Pactum Unionis« von 1368, der die Unteilbarkeit des Landes festlegte, oder am Friedensbündnis von 1470. Die lippischen Lehnstage von 1411 und 1467 fanden auf der »Wüsten Stelle« vor der B.er Burg statt. In der frühen Neuzeit gehörte B. zur Städtekurie des Landtags. Ort der Landtage war häufig das Dorf Cappel (an der Grenze der B.er Feldmark). Der Landtag von 1599 tagte auf dem großen B.er Rathaussaal.

Vor dem Heutor lagen der Richtplatz mit Galgen und der für ganz Lippe zuständige »Begräbnisplatz der Juden«. B. hatte um 1500 nach Lemgo das zweitgrößte städtische Territorium lippischer Städte. Im Nordosten bildete die Amtslandwehr die Grenze zur Grafschaft Pyrmont, im Süden zum Hochstift Paderborn.

Beachtenswert ist die häufige Erwähnung B.er Fuhrleute in den Rintelner Landzöllen der 1570er Jahre. B.er Schumacher vertrieben ihre Ware seit im 16. Jahrhundert im norddeutschen Raum. B.er Kaufleute und Amtsträger waren zudem eng vernetzt und versippt mit Lemgoer Führungsgruppen. Auf diese Weise dürfte B. bis ins frühe 17. Jahrhundert hinein am Hansehandel beteiligt gewesen sein.

(6) Burg und Stadt B. zusammen bildeten im Spätmittelalter eine der stärksten Festungen des Landes. Die Stadt war neben Brake/Lemgo bevorzugte Residenz der Edelherren zu Lippe. Nach 1450 verstärkte Bernhard VII. die Festung B. aufwändig. Vieles deutet darauf hin, dass er die Stadt zur ständigen Residenz machen wollte. Der massive Umbau des nördlich der Burg gelegenen Stadtteils zum Zielort einer Fernwallfahrt nach 1460 und der Ausbau des dortigen Klosterareals ließen den Edelherrn häufiger nach Detmold ausweichen. Nach 1493 hielt Bernhards Sohn Simon [später der V.] sich mit seiner Frau und seinem Gefolge häufig in B. auf. Nach dem Tod seines Vaters 1511 entschied er sich für Detmold. In Erwartung eines Zusammenschlusses der Grafschaften Pyrmont und Lippe wurde das gesamte Burgareal nach 1560 im Renaissancestil um- und ausgebaut. Die Hoffnung der Stadt, einmal Residenz zu werden, musste 1614 endgültig begraben werden: Amt und Burg B. fielen für mehr als zwei Jahrhunderte an eine lippische Nebenlinie, die Stadt selbst blieb Landstadt unter der Detmolder Dynastie. In der frühen Neuzeit war die Burg B. weiterhin Sitz des Amtes B. Die Rechnungen des Burgvogtes belegen die enge Vernetzung von Burgpersonal und Bürgerschaft. Bei der Neuorganisation der Landeskirche nach der Reformation konnte B. seine Position als Vorort einer lippischen Kirchenprovinz anfänglich behaupten. Dies und weitere wichtige zentralörtliche Funktionen aber gingen im 17. Jahrhundert verloren, andere wurden schwächer und neue mussten aufgebaut werden.

(7) Zum Alltag am Hof, zur Baugeschichte der Burg wie zu den Beziehungen von Stadt und Hof ausgesprochen ergiebig: die B.er Ämterrechnungen der Jahre 1456-1459, 1462-1464, 1494-1512: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. Ostwestfalen-Lippe (LAV NRW OWL) L 92 Z Nr. 987-89 und 991-94. Editionen der Rechnungen 1389-1450 (M. Mersiowsky) und 1456-1464 (U. Meier) erscheinen ab 2023. Vgl. bis dahin Mersiowsky, Mark: Die Anfänge territorialer Rechnungslegung im deutschen Nordwesten. Spätmittelalterliche Rechnungen, Verwaltungspraxis, Hof und Territorium, Stuttgart 2000 (Residenzenforschung, 9), Blomberg: S. 206-224. Für die Mitte des 16. Jahrhunderts sind aufschlussreich die drei Briefbücher im Stadtarchiv Blomberg, Altes Archiv II-1b 8-10. Für die Zeit nach der Zerstörung der Stadt im Jahr 1447 finden sich im Stadtarchiv Blomberg ebenfalls umfangreiche Bestände, erfasst im: Index Librorum Civitatum (https://docplayer.org/56201137-Blomberg-nordrhein-westfalen.html). Ältere Quellen aus der Zeit vor 1447 sowie weitere Bestände, etwa zum Augustinerchorherrenkloster, liegen im LAV NRW OWL, insbesondere unter L 1, 5, 31, 32, 65 u. 66. Quellen aus dem 18. Jahrhundert, die z.T. auch ältere Überlieferungen wiedergeben, unter denen sich darüber hinaus alte Kartenwerke und Planskizzen befinden, werden verwahrt im Niedersächsischen Landesarchiv (NLA), Abt. Bückeburg, Bestand 34: Fürstlich Schaumburg-Lippische Hofkammer: Oberamt Blomberg 1577-1879; ebd. L1 IV Da Nr. 105-109 (Landzölle).

Piderit, Johannes: Chronicon comitatus Lippiae, Das ist: Ejgentliche und Außführliche Beschreibunge Aller Antiquiteten vnd Historien der Vhralten Graffschafft Lipp. Rinteln 1627.

Wehlt, Hans-Peter: Bürgerbuch der Stadt Blomberg von 1593 bis 1933, Detmold 1974 (Lippische Geschichtsquellen, 6).

700 Jahre Stadt Blomberg 1283-1983, hg. aus Anlaß des Stadtjubiläums von der Stadtverwaltung Blomberg in Verbindung mit der Stadtsparkasse Blomberg. Zusammengestellt von Heinz-Walter Rolf, Rudolf Schlingmann und Hans-Peter Wehlt aus Beständen des Stadtarchivs Blomberg, des Staatsarchivs Detmold und der Lippischen Landesbibliothek, Blomberg 1983.

Lippe. Erfassung westfälischer Ortsansichten vor 1900, bearb. von Michael Schmitt und Patrick Schuchert, Münster 2007, Blomberg: Abb. Nr. 115-143 (Westfalia Picta, X).

(8)Thelemann, Ernst: Chronik der Stadt Blomberg (Manuskript 1944), Typoskript Blomberg 1969. - Rolf, Heinz-Walter: Blomberg. Geschichte - Bürger - Bauwerke, Blomberg 1981. - Stiewe, Heinrich: Hausbau und Sozialstruktur einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870, Detmold 1996. - Meier, Burkhard: Lippische Residenzen. Schlösser und Burgen zwischen Teutoburger Wald und Weser, Detmold 1998. - Johanek, Peter: Art. »Lippe«, in: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, hg. von Werner Paravicini, Teil 2: Grafen und Herren, Ostfildern 2012, Bd. 1, S. 883-886 (Residenzenforschung, 15, 4, 1). - Zoremba, Dieter: [Juden in] Blomberg, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, hg. von Karl Hengst, Münster 2013, S. 278-284. - Kümper, Hiram: Miscellanea Blombergense. Quellen und Beiträge zur Stadtgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Bielefeld 2015. - Meier, Ulrich: Wallfahrt, Wunder, Arbeit. Die ambivalente Lebenswelt der Blomberger Augustinerchorherren, in: Die Reformation in Westfalen, Bd. 1: »Langes« 15. Jahrhundert. Übergänge und Zäsuren, hg. von Werner Freitag und Wilfried Reininghaus, Münster 2017, S. 51-89. - Meier, Ulrich, Stiewe, Heinrich: Blomberg, Münster 2022 (Historischer Atlas westfälischer Städte, Bd. 15). - Meier, Ulrich: Schloss Blomberg. Kritische Betrachtungen zur Baugeschichte von Burg und Stadtbefestigung, in: Burgen, Schlösser und Städte in Ostwestfalen-Lippe und Umgebung, hg. vom Marburger Arbeitskreis für europäische Burgenforschung, in: Burgenforschung Bd. 6 (in Vorbereitung).

Ulrich Meier