(1) B. liegt in Geldern etwa 16 km westlich Nimwegens an der Maas in einem Gebiet zwischen den Flüssen Maas und Waal, welche namengebend sind für einen Landstrich, dem »Land van Maas en Waal«. B. ist heute ein Dorf, gehört jedoch zu den ältesten Städten Gelderns und dürfte bereits im Hochmittelalter eine gewisse Bedeutung als Handelsort gehabt haben. In B. hatten die Herren von B., die erstmals um 1080 erwähnt wurden, ihren Sitz. Im 12./13. Jahrhundert wussten sie zwischen Geldern und Brabant ihre Unabhängigkeit zu wahren und errichteten eine selbständige Herrschaft. Eine Burg in B. wird um 1255 erwähnt. Aufgrund der runden Form der Burg, die trotz verschiedener Zerstörungen erhalten blieb, ist davon auszugehen, dass die Burg bereits seit dem 11. Jahrhundert bestand. Bereits im 12. und 13. Jahrhundert wird es in der Nähe der Burg ein Dorf mit einer Kirche gegeben haben. Aus den schriftlichen Quellen ist jedoch nicht sicher abzuleiten, ob B. bereits im 13. Jahrhundert eine Stadt war. Eine Stadtrechtverleihung ist nicht überliefert. Auf dynastischem Weg (Dietrich van Batenburg, der letzte Herr aus dem Haus B., starb 1315) geriet die Herrschaft in die Hände der Familie von Bronkhorst, die ihrem Rang nach Bannerherren des geldrischen Grafen bzw. seit 1339 Hzg.s waren. Die Bronkhorst waren ein mächtiges Geschlecht, das große Gebiete in dem sog. geldrischen »Achterhoek« in Besitz hielten und im 14. Jahrhundert eine Hauptrolle in den innergeldrischen Parteienkonflikten zwischen den Bronkorst und den Heekeren spielten. Für die Herren von Bronkhorst war der Erwerb B.s von großer Bedeutung, da sie auf diese Weise in dem Gebiet zwischen Maas und Waal fest Fuß fassen konnten. 1315 hatte Willem I. van Bronkhorst (ca. 1315-1328) Johanna von B., die Erbtochter Dietrichs und Margaretes von B., geheiratet. Ob und inwieweit die Herren von Bronkhorst ihre Besitzungen von B. oder von Bronkhorst (gelegen bei Zutphen) aus verwalteten, ist unbekannt. 1317 erhielt Willem I. van Bronkhorst vom römisch-deutschen König Ludwig IV. B. als Lehen, im gleichen Jahr erhielt er das Recht zur Zollerhebung und zum Münzschlag. Willem fiel 1328 bei der Schlacht von Hasselt im Dienst des Fbf.s von Lüttich, seine Frau überlebte ihn bis zu ihrem Tod 1351. 1349 wurde Johanna von B. durch den römisch-deutschen König Karl IV. mit B. belehnt. Ob Johanna B. als Witwensitz nutzte, ist unbekannt. Alle ihre Kinder (Gijsbert V. van Bronkhorst [†1356], Dietrich [†vor 1351] und Baldewijn [†1344]) nannten sich noch »Herr von B.«, was für einen Sonderstatus der Herrschaft B. im umfangreichen Bronkhorster Güterkomplex spricht (bei den späteren Herren zu »Bronkhorst-B.« zusammengezogen).
1408 wurden Burg, Stadt und Herrschaft Batenburg durch Dietrich von B. an Walraven von Berlair, den Herren von Helmond verpfändet. Dessen Sohn Jan von Berlair verpfändete B. 1412 an Herzog Anton von Brabant, für den die Herrschaft in der Auseinandersetzung mit dem Herzogtum Geldern ein wichtiger Brückenkopf darstellte. Gijsbert von Bronkhorst eroberte 1413 die verstärkte Stadt B. zurück, während Herzog Rainald IV. von Geldern die Pfandsumme ablöste. Herzog Rainald IV. trat B. an seinen Bastardsohn Wilhelm von Wachtendonck ab, der mit Hermana von Bronkhorst verheiratet war. Stadt, Burg und Herrschaft kamen 1432 durch Kauf wieder zurück in die Hände der Bronkhorst.
Bis 1641 blieb die Burg B. im Besitz der Herren von Bronkhorst, dann ging sie in den Besitz der Grafen von Horn über; Johanna van Bronkhorst-B.-Steyn hatte Burg und Stadt mit in ihre Ehe mit Johan Belgicus van Horne gebracht. Sie starb 1676 in B. Aus ihrer Ehe ging Willem Adriaan II. van Horne hervor (1633-1694), dessen Tochter Isabella Justine 1701 Graf Ernst von Bentheim-Steinfurt (†1713) heiratete. Ob sie nach dem Tod ihres Ehemanns B. als Witwensitz nutzte (sie starb 1734), ist nicht bekannt. B. blieb im Besitz der Grafen von Bentheim-Steinfurt und wurde aus der Ferne verwaltet, vor Ort versahen beauftragte Amtleute die Verwaltung.
(2) Eine förmliche Verleihung von Stadtrechten an B. ist nicht überliefert. Der Ort B. war von einer Mauer umgeben und hatte zwei Tore. Die ksl.en Belehnungen der Herren von B. zeigen auch, dass B. eine Stadt war. So spricht der Reichslehnbrief Karls IV. von 1349 ausdrücklich von der »civitas« B. Auch in den Reichslehnbriefen von 1449, 1481 und 1531 werden »Schloss und Stadt mit der Herrschaft zu B.« verliehen. Der unklare rechtliche Status dürfte Gijsbert von Bronkhorst (1328-1356) dazu veranlasst haben, B. ein städtisches Gesicht zu verleihen. Gijsbert erweiterte den Ort nach Süden an die Maas. Der Maasdijk wurde verlängert und verlegt und erhielt einen rechteckigen Verlauf. Er wurde zur Hauptachse des Ortes, was der Stadt eine quadratische, regelmäßige Form gab und ihr einen höheren Status verlieh. Entlang der neuen Hauptachse entstand eine neue Bebauung, durch die offenbar eine repräsentative Hauptstraße geschaffen werden sollte. Die Stadt sollte die Macht und den Einfluss der Herren von B. mit der neuen Domäne B. symbolisieren. Dabei verstärkten sie B. als strategische Grenzbefestigung.
B. dürfte höchstwahrscheinlich seit dem Hochmittelalter eine Entwicklung als Handels- und Hafenort erlebt haben, sodass modellhaft vor- und frühstädtische Formen bereits für das 13. und frühe 14. Jahrhundert unter den Herren von B. anzunehmen sind.
Im 15. Jahrhundert dürfte eine Entwicklung zu dörflichen Strukturen eingesetzt haben, bei der die landwirtschaftliche Produktion vorherrschend war. Von höher entwickeltem Handwerk und Dienstleistungen lässt sich aufgrund der Quellenlage nichts festmachen. Stadtbrände und Zerstörungen, vor allem während des niederländischen Aufstands, dürften das Ihre zum Verlust der Städtischkeit beigetragen haben, indem ein Wiederaufbau ausblieb. Die Prägung durch die Landwirtschaft schlägt sich auch in der 1531 erstmals erwähnten Windmühle nieder, einer herrschaftlichen Bannmühle.
(3) B. verfügte über eine Kirche mit dem St. Viktor-Patrozinium (eventuell hatte die Urpfarre das Willibrord-Patrozinium), B. dürfte daher Sitz einer Pfarrei gewesen sein. Noch heute sichtbar sind zugemauerte gotische Fenster und Bauelemente in Chor und Sakristei, die auf eine Errichtung im 13. Jahrhundert schließen lassen, wie auch die Existenz eines romanischen Taufsteins aus dem frühen 13. Jahrhundert eine solche nahelegt.
1443 bzw. 1444 erfolgte die Umwandlung der B.er Pfarrkirche, die zum Kölner Erzbistum gehörte, in eine Stiftskirche auf Ersuchen Dietrichs II. von Bronckhorst-B., der sie mit immerhin zwölf Kanonikerpfründen, an deren Spitze ein Dekan stand, ausstattete. Da die Dotierung der Dekans- und der zwölf Kanonikerpfründen und die Versorgung einer so großen Zahl an Kanonikern durch die Erhebung der B.er Pfarrkirche zu einer Stiftskirche allein sicher schwierig geworden wäre, wurde mit Zustimmung des Propstes von Xanten, in dessen Archidiakonat B. lag, die Inkorporation der Pfarrkichen von Maasbommel und Horssen in das B.er Kapitel vorgenommen. Die Aufstellung der Einkünfte aus den drei Pfarrkirchen B., Maasbommel und Horssen ergibt die Dotierung der Kanonikerpfründen mit durchschnittlich 30-40 Rheinischen Goldgulden. Dietrich von Bronckhorst-B. reservierte für sich und seine Erben das Patronatsrecht und behielt sich das Präsentationsrecht für vakante Pfründen vor, was die Versorgung von Familienangehörigen und Verwandten ermöglichte.
Die St. Viktorskirche diente schließlich auch als Grablege der Familie. So ließ sich Gijsbert I. von Bronckhorst-B. (†1429) auf einer Grabplatte als Ritter in Wappenrüstung - jedoch ohne Helm - in andächtiger Pose darstellen, das Haupt auf einem Kissen gebettet, die Hände zum Gebet vor der Brust verschränkt. Aus seinem Mund flattert ein Spruchband mit dem (rekonstruierten) Text: »miserere me(i) Deus«. Zu seinen Füßen ruht ein Hund. An Kopf- und Fußende der Grabplatte sind zu beiden Seiten Gijsberts Wappenschilde abgebildet: rechts oben ein weißes Schild, links von Gijsbert das Wappen B.s (Andreaskreuz mit vier Schafschererscheren, rechts unten zu seinen Füßen ein Schild mit Karfunkeln, links unten ein Schild bedeckt mit drei Rosen). An den vier Ecken der Grabplatte sind die vier Evangelisten allegorisch abgebildet. Da der Grabstein beschädigt wurde, ist die Umschrift nur noch teilweise erhalten und lesbar. Die unvollständige Inschrift nennt Namen, Titel und Sterbetag Gijsberts von Bronckhorst-B.
1484 stiftete Heinrich von Bronckhorst mit Zustimmung Jakobs von Bronckhorst-B. (*zu Nimegen, †1516 in Brüssel) zwei Lesemessen und vier Memorien mit Seelmessen. Die Kirche besaß bereits zuvor zwei Pfründen zu Ehren Unserer Lieben Frau und zu Ehren der Hl. Katharina.
In der Kirche standen Altäre, die Maria, Maria Magdalena, Katharina, Gregorius und Laurentius geweiht waren. 1555 war der Herr von B. in einen Prozess mit dem Kapitel verwickelt. Im Rahmen des Aufstands der Niederlande fiel die Kirche 1566 dem Bildersturm und weiteren Zerstörungen zum Opfer. 1569 erhob der Bischof von Roermond B. zu einem Dekanat, zu dem auch die Pfarreien von Maas und Waal gehören sollten. Das war jedoch nicht von Dauer, B. wurde mit dem alten Dekanat von Nimwegen vereinigt. Im 17. Jahrhundert wurden Turm und Schiff als Dorfkirche wieder aufgebaut, 1619 wurde sie zur Grablege der Grafen von Horn bestimmt.
(4) Burg B. geht zurück auf eine Motte des 12. Jahrhunderts Die im Laufe der Jahrhunderte zu einem Schloss erweiterte Anlage wurde während der Besetzung durch die revolutionären Franzosen so gut wie vollständig vernichtet. Über ihr Aussehen unterrichtet eine Zeichnung von J. de Grave von 1674 (überliefert in »Het Gelders Archief« in Arnheim) sowie ein genauerer Kupferstich von H. Spelman von 1740 (aus Erfgoedcentrum Rozet in Arnheim). B. besaß, wie zu erschließen ist, eine Befestigung mit zwei Stadttoren, wobei die Lage des Maastores (»Maaspoort«) nicht bekannt ist; im 19. Jahrhundert waren die Fundamente des anderen Tores, des Appelternsepoorts (benannt nach dem Dorf Appeltern westlich B.s), sichtbar. Bereits im 15. Jahrhundert soll die Befestigung aufgehoben worden sein. Der heutige (sehenswerte) Baubefund gibt den dörflichen Charakter der frühen Neuzeit wieder.
(5) Die Stadt war Zentrum für die Bewohner der Herrschaft B., in der auch die Bauerschaften Lienden, De Hoef, De Ham und De Laak lagen. Als Stadt der Herren von B. nahm die Stadt nicht an den geldrischen Ständeversammlungen teil. B. war bis ins frühe 17. Jahrhundert Sitz einer Münze der Herren von B., die wegen des geringen Metallgehalts ihrer Münzen in weitem Umkreis einen schlechten Ruf hatte; 1443 soll ein B.er Münzmeister in Deventer wegen Falschmünzerei hingerichtet worden sein. Über eine Einbindung in den Fernhandel ist nichts bekannt. Mitgliedschaften in Städtebünde sind nicht belegt.
(6) Da der Ort im frühen 14. Jahrhundert noch Sitz der Herren von B. war und im 17. Jahrhundert (eventuell auch im 18. Jh.) als Witwensitz diente, lässt sich die Stadt mit etwas guten Willen zu den Residenzstädten rechnen, stellt aber hinsichtlich der schwierigen Überlieferungslage, die keine näheren Aussagen erlaubt, einen Sonderfall dar. Über B. ist wenig bekannt, da die Stadtgeschichte nicht umfassend aufgearbeitet worden ist. Von daher lässt sich über die Funktion als Residenzstadt wenig sagen, erst recht nicht über die Verflechtung von Stadtgemeinde und Hofgesellschaft.
(7) B. hat kein altes Stadtarchiv, Bestände finden sich in Arnheim, Het Gelders Archief.
Abbildungen der Burg aus dem 18. Jh. sind zu finden in Het Gelders Archief, Bestand »Topografisch-historische Atlas Gelderland: Prenten, tekeningen, kaarten, portretten en historieafbeeldingen« (im Internet unter www.geldersarchief.nl/bronnen/archieven?mizig=210&miadt=37&micode=1551&miview=inv2 [letzter Zugriff 29. Aug. 2022]).
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