Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Arnsberg

Arnsberg

(1) Die spätere Stadt A., gelegen im Sauerland an der Ruhr, geht zurück auf die von Graf Friedrich dem Streitbaren von A. (†1124) um 1100 auf dem »Adlerberg«, dem Schlossberg, östlich gegenüber der ihm gehörenden Rüdenburg (»Alte Burg«) errichteten neuen Burg; ob bereits mit diesem Neubau die Anlage einer Stadt beabsichtigt war, ist ungewiss. Die Stadt entstand unterhalb der neuen Burg, die auf der schmalsten Stelle eines nach Süden in das Ruhrtal hineinragenden und von der Ruhr halbinselartig umflossenen, steil abfallenden Bergrückens lag. Von der neuen Burg und der Burg- bzw. Residenzstadt aus vermochten die Grafen von A. ein Territorium auszubauen, das bis 1371 bestand, als mit dem Tod des letzten und kinderlosen Grafen Gottfried IV. die Familie ausstarb. Bereits zu Lebzeiten übertrug er 1368 seine Grafschaft an den Erzbischof von Köln, dessen Herzogtum Westfalen erst durch diesen Vorgang seine innere Geschlossenheit erhielt.

A. wurde hierdurch Amtsstadt, in der anfänglich der »A.er Drost« als oberster Amtmann der Grafschaft A. und später daneben auch der als »Marschall von Westfalen« fungierende oberste Amtmann des Herzogtum Westfalens als Statthalter des Kölner Kurfürsten seinen Sitz hatte. 1482 erscheint ein »Landdrost«, der im Auftrag des Kurfürsten die Herrschaft ausübte, später die als »Landdrost und Räte« bezeichnete zentrale Regierungsbehörde. In A. tagten die Landstände, zudem befand sich hier mit dem ebf.en Oberkellner der für die landesherrlichen Grundherrschaftskomplexe zuständige Amtmann. Für die Wälder und Forsten war daneben der Oberjägermeister zuständig. Zudem nutzten nach 1368 die Kölner Erzbischöfe die A.er Burg als Neben- oder Wechselresidenz, insbesondere während des Sommers, um Lehnstage abzuhalten, den Landtagen beizuwohnen oder im wildreichen A.er Wald zu jagen. Erzbischof Friedrich von Saarwerden (reg. 1370-1414) hielt sich häufig - manchmal monatelang - hier auf. Seine Nachfolger suchten A. regelmäßig auf, zwei Kölner Kurfürsten starben hier. Während der Soester Fehde (1444-1449) wurde die Burg zum Hauptquartier des Kurfürsten Auch nach der Zerstörung des Schlosses im Siebenjährigen Krieg 1762 wurde A. von den beiden letzten Kölner Kurfürsten wiederholt aufgesucht, wobei meist der Landsberger Hof als Unterkunft diente. 1794 begann mit der Flucht des Kölner Domkapitels und der Domschätze mit den Reliquien der Hl. Drei Könige nach A. eine besondere Phase der kurkölnischen Herrschaft. A. war quasi als Sitz des im Kloster Wedinghausen untergebrachten Domkapitels bis 1803 Bf.ssitz, die Kloster- und Pfarrkirche avancierte zur »Kathedralkirche«. 1802/03 ließ der Landgraf von Hessen-Darmstadt das Herzogtum Westfalen besetzen und installierte in A. eine Provinzregierung. 1815 wurde Westfalen dem Königreich Preußen zugesprochen, das 1816 einen neuen Regierungsbezirk einrichtete, dessen Sitz A. wurde (und bis heute ist).

(2) A. lag an Wegeverbindungen, die den nördlich des gebirgigen Sauerlands in ostwestlicher Richtung verlaufenden Hellweg nach Süden (»Alter Frankfurter Weg«) und zur »Heidenstraße« sowie ostwärts mit dem Kasseler Becken verbanden. Diese verkehrliche Erschließung dürfte die Entwicklung A.s begünstigt haben. Seinen Anfang hatte der Ort vermutlich in 13 Familien, die sich 1114 in den Schutz Graf Friedrichs des Streitbaren von A. begeben hatten. Im Anschluss an die südliche Vorburg entstand nach Süden hin die sog. Alt- oder Oberstadt, die ein markantes Oval mit dem südlichen Haupttor, dem Glockenturm, bildete und den Südzugang zur Burg sicherte. In der Oberstadt bzw. Vorburg lagen die Höfe der gfl.en Burgmannen, in der frühen Neuzeit der landsässigen Adelsfamilien und kfl.en Amtsträger (so der kurfürstliche Oberkellner Hermann Dücker ab 1627). Das tiefer liegende südliche Gelände der Neu- oder Unterstadt wurde ab ca. 1190 planmäßig bebaut. Von der breiten, als Marktstraße angelegten Nord-Süd-Achse (Straßenmarkt) zweigen rechtwinklig Querstraßen ab. Vor ihrem Südtor, der Klosterpforte, trafen die Wege zur östlichen Ruhrbrücke (Klosterbrücke) und zum 400 m entfernten Stift Wedinghausen (mit der Pfarr- und Klosterkirche) zusammen. Das Stift hatte sich 1238 auf eigene Kosten an die Stadtbefestigung angeschlossen. In der hierüber ausgestellten Urkunde bestätigte Graf Gottfried II. die älteren Freiheiten der Bürger. Erst nach dem großen Stadtbrand 1600 wurden die zwei »Stette A.« (Alte bzw. Oberstadt und Neue bzw. Unterstadt) rechtlich größtenteils vereinigt. Die Kurfürsten förderten die Einwohnerentwicklung, um genügend Unterbringungsmöglichkeiten bei Anwesenheit des Hofes oder für Einquartierungen zu haben. Bis zum Stadtbrand 1799 blieb der spätmittelalterliche Befestigungsring bestehen (anschließend abgerissen). Der als Straßenmarkt angelegte »Alte Markt« lässt auf regen Marktbetrieb schließen, wobei die Hallen am Rathaus bis zum Brand 1709 zentrale Bedeutung hatten (Hallenstraße). Im 17. Jahrhundert pendelte die Einwohnerzahl um 1000, im 18. Jahrhundert waren die Zahlen etwas höher.

Die Sozialstruktur A.s wurde durch die Residenz-, Regierungs- und Garnisonsfunktion stark beeinflusst. So sind neben den üblichen Gewerken der Bekleidungsherstellung, des Hausbaus und der Nahrungsmittelbereitung Buchbinder, Brillenmacher, Uhrmacher, Goldschmiede, Maler, Bildhauer, Musiker, Kapellmeister, Trompeter, Pauker, Tanzlehrer, Hofgärtner, Ärzte, Apotheker, Perückenmacher, Bader und Feldscher nachzuweisen. Nach dem Stadtbrand von 1600 wurden 1608 vier Zünfte (in A. »Ämter«) benannt: »Sehewicker« (»Schleswiger«, gemeint Kaufleute), Bäcker, Schuhmacher und Schmiede.

Neben dem normalen Marktbetrieb gab es zwei Jahr- und Pferdemärkte. Kurfürst Ferdinand gewährte nach dem Dreißigjährigen Krieg zwei weitere Jahrmärkte.

(3) Ursprünglich gehörte der A.er Raum zur St. Petri-Pfarre in Hüsten. Eine Kapelle auf der Neuen Burg in A. wird 1114 erwähnt. Die Seelsorge in A. (Ober- und Unterstadt) übernahm das Prämonstratenserkloster Wedinghausen, das bei einer bereits 1124 erwähnten Kirche von Graf Heinrich I. gestiftet und 1173 vom Kölner Erzbischof bestätigt wurde, wobei es Pfarrrechte für A. und Umgebung erhielt. Die ältere Kirche dürfte wohl dem Hl. Laurentius geweiht gewesen sein, sie diente seit der Beisetzung Graf Friedrichs des Streitbaren 1124 als Grablege der A.er Grafen Das Kloster wurde von den Grafen und später von den Kurfürsten sehr gefördert. Grabdenkmäler belegen, dass Adelsfamilien die Klosterkirche bevorzugt als Grablege nutzten (z.B. von Rüdenberg, von Fürstenberg, von Landsberg, von Dücker, von Wrede). Bis zur Säkularisation 1803 behielt das Kloster ein hohes Ansehen. Kloster und Stadt waren Gegner des Episode bleibenden Reformationsversuchs des Kölner Ebf.s Gebhard Truchsess von Waldburg 1582.

1323 ließ Graf Wilhelm von A. auf der Grenze zwischen Ober- und Unterstadt für seine Vasallen, Ministerialen und Burgmannen eine dem St. Georg geweihte, nur von der Oberstadt zugängliche Kapelle errichten, die zusammen mit dem benachbarten Turm der Stadtbefestigung (Glockenturm) wie eine Stadtkirche wirkt.

Kfs. Maximilian Heinrich von Bayern siedelte nach seinem Regierungsantritt 1650 die Jesuiten an, die anfangs im Schloss wohnten, die Schlosskaplanei versahen und die St. Georgskapelle nutzten. 1652 wurde die »Missio Maximiliana« fundiert und ein eigenes Haus errichtet (1667 neues Haus mit eigener Kapelle, diese 1689 vergrößert, nach Zerstörung 1762 wieder aufgebaut). Eine zweite Jesuitenmission, die »Missio Ferdinandea«, wurde 1682 vom Paderborner Bischof Ferdinand von Fürstenberg ins Leben gerufen; beide existierten bis zur Ordensaufhebung 1773 nebeneinander.

1685 kamen überdies zwei Chorfrauen des Hl. Augustinus (sog. »Französische Nonnen« bzw. »Welschnonnen«) als Mädchenerzieherinnen aus Paderborn nach A. Unterstützt von Adelsfamilien erwarben sie ein Haus am Markt, welches umgebaut und mit einer Kapelle versehen wurde. Nach Querelen mit der Stadt und dem Wedinghauser Abt zogen sie 1718 wieder nach Paderborn.

Östlich der Stadt jenseits der Ruhr wurde 1721 »am Brückenplatz« eine St. Johannes Nepomuk-Kapelle errichtet, für die die Landstände des Hzm.s Westfalen einen Altar mit Wappen gestiftet hatten. Da die Verehrung des Hl. Nepomuk beliebter wurde, erfolgte ein 1749 fertiggestellter Neubau, den die Landstände wiederum finanziell unterstützten.

An der Südseite des sog. Spital- oder Küsters-Graben befand sich ein 1282 erstmals erwähntes Hospital bzw. Infirmarium des Klosters Wedinghausen, das von der Gf.enfamilie und reichen Bürgern sehr gefördert wurde. 1503 scheint es nicht mehr bestanden zu haben. Zur Isolierung ansteckender Kranker (Lepra, Pest) befand sich im 17. Jahrhundert außerhalb der Stadt im Walpketal (sogenanntes »Seufzertal«) ein Siechenhaus (Leprosorium).

Nach dem Stadtbrand von 1600, bei dem alle Archivalien verbrannten, wurden die Statuten erneuert und u.a. der alten »Bruderschafft S. Sebastiani der alten Schützen« gedacht. Das Kloster Wedinghausen und die Jesuiten förderten im Rahmen der Gegenreformation die Bildung mehrerer religiöser Bruderschaften.

Kloster Wedinghausen unterhielt im 14. Jahrhundert eine Schule, die spätestens um 1600 einging. Den Interessen reicher Bürger, des landsässigen Adels und der hohen Beamten kam das Kloster entgegen, als es im Dreißigjährigen Krieg unter Mitwirkung von Stadt und Landständen 1643 das Gymnasium Laurentianum gründete.

Ob im 14. Jahrhundert Juden in A. ansässig waren, ist unklar. Der jüdische Leibarzt des Kurfürsten hatte beim Stadtbrand von 1600 seinen Besitz verloren, so dass er nach Münster verzog. Als 1667 ein jüdischer Fleischer sich in A. niederlassen wollte, fand er gegen den Widerstand der Kaufleute, Krämer und Schlachter Unterstützung beim Landdrosten. Schließlich wurde der Stadt 1671 ein Privileg erteilt, das Juden den Wohnsitz in A. verbot, ihnen den Handel aber gestattete.

(4) Städtebaulich geprägt war A. durch die Burg bzw. das Schloss im Norden und das Kloster im Süden, zwischen denen sich die in Ober- und Unterstadt geteilte Siedlung entwickelte. An der Grenze zwischen beiden Stadtteilen stand die Kapelle St. Georg.

Kennzeichnend waren das Rathaus (1313/1321 Schöffenhaus, um 1450 Rathaus) und die vielen, meist von einer Mauer umgebenen Adelshöfe. Repräsentative Häuser von hohen Beamten und reichen Bürgern standen an der breiten Marktstraße (Alter Markt) bzw. an der Schlossstraße. Kurfürst Ernst von Bayern ließ nach 1600 in der Neuen Stadt am Markt für seine Favoritin Gertrud von Plettenberg ein Stadtschloss errichten (Landsberger Hof, heute Sauerland-Museum). Herrschaftliche Gebäude zeigten das kurkölnische Wappen (so z.B. das Schlosstor, Gut Obereimer), die Adelshöfe und repräsentativen Beamtenhäuser oft das Familienwappen (z.B. von Landsberg, von Weichs, Honkamp).

Das Rathaus, das seit dem 16. Jahrhundert auch von den Landständen (als Zeichen der Unabhängigkeit vom Landesherrn) genutzt wurde, konnte nach dem Brand 1709 mit deren Hilfe schnell wieder aufgebaut werden. Bemerkenswert ist, dass das Rathaus nicht nur dem Stadtrat und den Landständen, sondern auch der Landesherrschaft als Kanzleigebäude diente. Alle drei Institutionen nutzten es zudem als Archiv. Die Repräsentationsräume im Obergeschoss waren symbolträchtig ausgestaltet, u.a. mit lebensgroßen Gemälden aller Landesherren seit Kurfürst Ernst von Bayern (1554-1612). Als Pendant zum 1777 errichteten Brunnen auf dem Bonner Markt kann der Maximiliansbrunnen von 1779 auf dem Marktplatz gelten, ein Geschenk Kurfürst Maximilian Friedrichs an die westfälische Hauptstadt, zu dessen Baukosten die Stadt ein Viertel beitragen musste. Die Brunnensäule zeigt auf der Westseite das kurkölnische Wappen, auf der Ostseite das kurfürstliche Monogramm und auf der Süd- und Nordseite Lobinschriften auf den Landesherrn.

Repräsentativ angelegt war zudem das von den Landständen geplante und 1783 begonnene Zuchthaus. Der dreiflügelige Neubau erinnert - stark verkleinert - an das zerstörte kurfürstliche Schloss.

Hielten die Kurfürsten sich in A. auf wurden höfische Festlichkeiten und Jagden veranstaltet, u.a. Preisschießen auf Scheiben, die bevorzugt auf dem kfl.en Gut zu Obereimer, am Jägerhaus oder im kfl.en Tiergarten jenseits der Ruhr ausgerichtet wurden. An diesen konnten manchmal Vertreter der Landstände oder städtische Honoratioren teilnehmen.

Stadtansichten von Arnsberg sind in erstaunlich großer Anzahl bis zum Ende des 18. Jhs. erhalten (Reissland 1996). Die älteste (Braun/Hogenberg, um 1580) zeigt A. von Westen. Sie diente weiteren Stadtansichten des 17. Jahrhunderts (so u.a. Merian 1647) zur Vorlage. Die von Rudolph von Essl gezeichnete und von Christoph Metzger 1669 gestochene Darstellung bietet eine Kombination aus Ansicht und Grundrissplan. Aus dem Jahr 1669 ist auch die einzige Ostansicht des 17. Jhs. bekannt, der Hintergrund eines Gemäldes von Henning Strothmann, welcher nur das Schloss mit der Oberstadt bis zum Glockenturm und dann das Kloster Wedinghausen zeigt. Aus dem 18. Jahrhundert sind an verlässlichen Darstellungen nur Zeichnungen des unter Kurfürst Clemens August ab 1724 umgebauten Schlosses sowie der Stadt und ihrer Umgebung von 1729 vorhanden. Zwei handgezeichnete Pläne des unter Kurfürst Maximilian Heinrich eingerichteten Tiergartens von 1653 und um 1660 zeigen kleine Teile der Stadt, dagegen viele Details ihrer westlichen und nördlichen Umgebung. Grundrisse von Teilen der Stadt liegen erst ab dem 18. Jahrhundert vor. Die über die Belagerung, Beschießung und Sprengung des Schlosses 1762 angefertigten Pläne dienten vornehmlich militärischen Zwecken und sind hinsichtlich der Stadt und der Schlossanlage nicht immer verlässlich.

(5) Seit der Grafenzeit verfügte A. über Nutzungsrechte in den südlich und östlich gelegenen Waldungen. Im Westen konnte die Stadt 1507 die Walperberge sowie 1667 das Wredenholz erwerben.

Insbesondere zu der am Hellweg liegenden Hansestadt Soest pflegte A. enge Beziehungen, auch nachdem diese 1444/49 kleve-märkisch geworden war. Auf den dort stattfindenden Hansetagen vertrat A. die sechs Städte und sieben Freiheiten der Grafschaft A. Diese trafen sich zu kleinen Hansetagen im A.er Rathaus. 1608 trat A. aus der Hanse aus.

Nach dem Ausscheiden Soests aus dem zu Kurköln gehörigem Herzogtum Westfalen 1444 fehlte dem Land eine dominierende Hauptstadt. Unter den Mitgliedern der Städtekurie nahmen vier »Hauptstädte« (Brilon, Geseke, Rüthen, Werl) die wichtigste Rolle ein. Brilon gebührte in den Ständeversammlungen der Vorsitz, doch kam A. als Residenz- und Regierungshauptstadt und Landtagsort bis 1803 eine besondere Position zu.

Eine Besonderheit stellte die A.er Freigerichtsstätte vor der Oberstadt »in dem Baumhofe unter der Burg an der Oleypforten« dar. Bereits im 14. Jahrhundert maßen die Grafen von A. ihrem dortigen, unter Königsbann richtenden Freigrafen besondere Bedeutung zu. Nachdem König Sigismund 1422 den Kölner Erzbischof zum Statthalter über die westfälischen Freigerichte eingesetzt hatte, erlangte das A.er Gericht als Oberfreistuhl der westfälischen Veme reichsweite Bedeutung. Versammlungen der Freigrafen und -schöffen mit teilweise hunderten Teilnehmern sind belegt. In ihrem Umfeld entstanden bedeutende Rechtskodifikationen wie die A.er Reformation der Veme 1437. A. wurde durch den Oberfreistuhl im ganzen Reich und darüber hinaus bekannt.

(6) Als Residenz- bzw. Burgstadt lässt sich A. unter den Grafen von A. verstehen, die allerdings nur bis 1368 die Stadtherrschaft innehatten. Unter den Kurfürsten bzw. Ebf.en von Köln fungierte A. als Amts- bzw. Hauptstadt für das Herzogtum Westfalen, welche aber oft von den Landesherren aufgesucht wurde, weswegen A. genauer als »Nebenresidenzstadt« zu bezeichnen ist. Äußeres Kennzeichen ist die Nutzung der Gf.enburg und ihr Umbau zum Schloss. In der Stadt konzentrierten sich seitdem landesherrliche und landständische Funktionen, die im 15. Jahrhundert für das gesamte, um die Grafschaft A. vergrößerte Herzogtum Westfalen wichtig waren. Im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größe in Westfalen wies A. Besonderheiten auf, was die Zusammensetzung und Gliederung der Einwohnerschaft anging. Landesherrliche und landständische Amtsträger stellten ein Element dar, das in anderen Städten fehlte. Diese Amtsträger waren wirtschaftlich bessergestellt und besaßen ein höheres Sozialprestige. Durch Ratsämter und Taufpatenschaften oder die Teilnahme an Stadtfesten (Schützenfest) integrierten sie sich in die höhere städtische Gesellschaft. Die Hauptstadtfunktion dürfte sich, da dauerhaft und kontinuierlich, stärker ausgewirkt haben als die Residenzfunktion, da die Kurfürsten wenn auch häufig, so doch stets nur kurzfristig in A. weilten.

(7) Archivalien finden sich im Stadt- und Landständearchiv Arnsberg (nur nach 1600), insbesondere Statuten der Stadt, die Morgensprache, Steuerregister, Stadtrechnungen, Einwohnerverzeichnisse. Ebenso ist das Landesarchiv NRW Abt. Westfalen in Münster zu nennen, wo auch das Archiv des Klosters Wedinghausen aufbewahrt wird, das eine gewisse Ersatzüberlieferung für die Zeit vor 1600 darstellt. Das Pfarrarchiv der katholischen Propsteigemeinde St. Laurentius (Mikrofilme im Archiv des Erzbistums Paderborn) bewahrt Kirchenbücher seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

Essl, Rudolph von: Compendium und kurtze Beschreibung der Graffschafft und Statt Arnßberg in Westphalen, wie und welcher Gestalt Dieselbe dem Churcölnischen Westphalen und Engern incorporirt und was sich nach Dato in diesen uniirten Ländern remarcables und Denckwürdiges zugetragen hat… 1669, in: Seibertz, Johann Suibert: Quellen der westfälischen Geschichte, Bd. 3, Arnsberg 1869, S. 368-405.

Fahne, Anton: Urkundenbuch des Geschlechts Meschede, Köln 1862. - Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden, hg. von Theodor Joseph Lacomblet, 4 Bd.e, Düsseldorf 1840-1858. - Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter 313-1414, 12 Bd.e, Bonn, Köln, Düsseldorf 1901-2001 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 21). - Seibertz, Johann Suibert: Quellen der westfälischen Geschichte, 3 Bd.e, Arnsberg 1857, 1860 und 1869. - Seibertz, Johann Suibert: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, 3 Bd.e, Arnsberg 1839-1853. - Westfälisches Urkundenbuch. 1/2. Bd.: I. Regesta historia Westfaliae (-1125), bearb. und hg. von Heinrich August Erhard, Münster 1847; II. Regesta historia Westfaliae (1126-1200), bearb. und hg. von Heinrich August Erhard, Münster 1851; 5. Bd.: Die Papsturkunden Westfalens, 1: Bis zum Jahre 1304, bearb. von Heinrich Finke, Münster 1888; 7. Bd.: Die Urkunden des kölnischen Westfalens 1200-1300, bearb. vom Staatsarchiv Münster, Münster 1908, Register Münster 1919; 11. Bd.: Die Urkunden des kölnischen Westfalens 1301-1325, bearb. von Manfred Wolf, Münster 1997-2005. - Wilmans, Roger, und Philippi, Friedrich: Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen. 2 Bd.e, Münster 1867-1881.

Reissland, Ingrid: Oldt Aarenspergh, diu feine… Arnsberg in historischen Stadtbilddarstellungen. Ein Kompendium für Heimatfreunde und Graphiksammler, Arnsberg 1996 (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg, 22).

(8)Féaux de Lacroix, Karl: Geschichte Arnsbergs, Arnsberg 1895 (ND Werl 1971). - Menne, Ferdinand: Arnsbergs Bürgerschaft aus 3 Jahrhunderten (17., 18. und 19. Jahrhundert). Zur 700. Wiederkehr der Stadtwerdung zusammengestellt, Arnsberg 1938. - Berghaus, Peter, Korn, Hans Enno: Münzen, Wappen, Siegel der Stadt Arnsberg, Arnsberg 1971 (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg, 7). - Richtering, Helmut, Brüggemann, Clemens: Abtei Wedinghausen. Propsteikirche St. Laurentius Arnsberg, Arnsberg 1971 (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg, 6). - Stoob, Heinz: Arnsberg, in: Westfälischer Städteatlas, Lieferung 1, Blatt Nr. 2, Dortmund 1975. - Ehbrecht, Wilfried: Territorialwirtschaft und städtische Freiheit in der Grafschaft Arnsberg, in: Zentralität als Problem der mittelalterlichen Stadtgeschichtsforschung, hg. von Emil Meynen, Köln/Wien 1979 (Städteforschung A, 8), S. 125-179. - Höing, Norbert: Das Gymnasium Laurentianum zu Arnsberg, Teil 1: Gründung der Schule und ihre Entwicklung zur Vollanstalt, Arnsberg 1979 (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg, 12). - Bruns, Alfred u.a.: Das Arnsberger Schützenwesen, Arnsberg 1983. - Wahle, Walter: Beiträge zur Geschichte der Stadt Arnsberg, Geseke-Störmede 1988. - Kohl, Wilhelm: Die mittelalterliche Stadt Arnsberg unter besonderer Berücksichtigung ihrer Gründungsgeschichte, in: Siebenhundertfünfzig Jahre Arnsberg. Zur Geschichte der Stadt und ihrer Bürger, hg. vom Arnsberger Heimatbund, Red. Michael Gosmann u.a., Arnsberg 1989, S. 625-644 (wichtig auch die anderen Beiträge). - Höing, Norbert: Das Gymnasium Laurentianum zu Arnsberg, Teil 2: Von 1712 bis 1815, Arnsberg 1990 (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg, 17). - Gosmann, Michael: Zur Frühgeschichte des Dückerschen Hofes (bis 1670), in: Heimatblätter. Zeitschrift des Arnsberger Heimatbundes e.V. 7 (1986) S. 47-57. - Juden in Arnsberg. Eine Dokumentation, hg. von Michael Gosmann, Arnsberg 1991. - Zuflucht zwischen Zeiten 1794-1803. Kölner Domschätze in Arnsberg, hg. von Michael Gosmann, Arnsberg 1994. - Wahle, Walter: Die Missionen der Jesuiten zu Arnsberg, Paderborn 1995. - Liebelt, Katrin: Die Sozialstruktur der Residenzstadt Arnsberg im 17. Jahrhundert, Dortmund 1996 (Untersuchungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte, 14). - Gosmann, Michael: Arnsberg in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in: Der Dreißigjährige Krieg im Herzogtum Westfalen, hg. von Michael Senger, Balve 1998, S. 75-88. - Gosmann, Michael: Seit 250 Jahren St.-Johannis-Kapelle (1749-1999) - und älter!, in: Heimatblätter. Zeitschrift des Arnsberger Heimatbundes e.V. 20 (1999) S. 33-37. - Gosmann, Michael: Die Grafen von Arnsberg und ihre Grafschaft. Auf dem Weg zur Landesherrschaft (1180-1371), in: Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803, hg. von Harm Klueting, Münster 2009, S. 171-202. - Fricke, Eberhard: Die Vemegerichtsbarkeit im kurkölnischen Herzogtum Westfalen, in: Das Herzogtum Westfalen, Bd. 1: Das kurkölnische Westfalen von den Anfängen kölnischer Herrschaft im südlichen Westfalen bis zu Säkularisation 1803, hg. von Harm Klueting, Münster 2009, S. 269-296. - Gosmann, Michael: Nur zur Verschönerung der Stadt? Die Errichtung des Maximiliansbrunnens auf dem Alten Markt in Arnsberg 1777-1779, in: SüdWestfalen Archiv. Landesgeschichte im ehemals kurkölnischen Herzogtum Westfalen und der Grafschaft Arnsberg 11 (2011) S. 104-143. - Gottfrieds Vermächtnis. 650 Jahre Arnsberg bei Köln 1368-2018. Der letzte Graf zwischen Schicksal und Entscheidung. Ausstellung im Stadt- und Landständearchiv im Kloster Wedinghausen Okt. 2018-Jan. 2019, Arnsberg 2018 (Städtekundliche Schriftenreihe über die Stadt Arnsberg, 42; An Möhne, Röhr und Ruhr. Heimatblätter des Heimatbundes Neheim-Hüsten e.V., 68; Wedinghauser Denkanstöße, 5).

Michael Gosmann