Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Düsseldorf

Düsseldorf

(1) D., erstmals um 1135 als Dusseldorp erwähnt, entstand an der Mündung der Düssel in den Rhein. Im Hochmittelalter gehörte die Region zur Duisburg-Kaiserswerther Grafschaft, diese wiederum zum Herrschaftsgebiet der Ezzonen. Der größte Teil des späteren Stadtgebiets gehörte den Herren von Tyvern, die ihren Besitz 1189 an die Grafen von Berg verpfändeten. Ab etwa 1260 erbauten diese direkt an der Düssel-Mündung eine Burg. Brücken oder wichtige Straßen gab es nicht, doch verliehen zu Mitte des 13. Jahrhunderts die Grafen von Berg dem Ort ein Fähramt. 1288 erhielt D. Stadtrecht, 1377 wurde ein Rheinzoll eingerichtet.

Nach dem Aussterben des Hauses Berg 1348 fiel der Besitz zunächst an eine Nebenlinie der Markgrafen von Jülich. 1380 wurden die Grafen von Berg zu Hzg.en erhoben, 1423 mit dem Herzogtum Jülich vereinigt, 1521 überdies mit dem Herzogtum Kleve. Ab etwa 1480 gewann D. Bedeutung als Residenzstadt. Einen dynastiegeschichtlichen Einschnitt stellte der söhnelose Tod Herzog Johann Wilhelms I. 1609 dar, dem seine Schwiegersöhne Johann Sigismund von Brandenburg (†1620) und Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (†1653) gleichermaßen nachfolgten und beide D. als Residenz nutzten, was sich als sehr belastend erwies. Mit dem Vertrag von Xanten 1614 wurde der zwischen ihnen bestehende Streit beendet und das Herzogtum geteilt, wobei der jülich-bergische Landesteil mit der Residenz D. an das Haus Pfalz-Neuburg fiel. Nach dem Tod Johann Wilhelms II. 1716 verlor D. seine Funktion als Residenzstadt, diente aber weiterhin als Nebenresidenz für den in Heidelberg, ab 1720 in Mannheim und ab 1778 in München weilenden Hof.

Dennoch wurde die Stadt von den Kurfürsten weiter ausgebaut und erhielt 1769 den Sitz des Jülich-Bergischen Oberappellationsgerichts. Zwischen 1806 und 1813 war D. unter napoleonischer Herrschaft nochmals kurz Residenzstadt des Ghzm.s Berg.

(2) Die Erhebung D.s zur Stadt durch Graf Adolf V. (†1296) 1288 steht im Zusammenhang mit der Niederlage des Kölner Ebf.s in der Schlacht von Worringen, die den Grafen veranlasste, das vom Erzbischof beanspruchte Geleitsrecht auf dem Treidelpfad entlang des Rheins aufzuheben. Die ursprüngliche, nur aus zwei Straßen bestehende und etwa 3,8 ha ausmachende Siedlung hatte zunächst weder Wall noch Grabensicherung, sondern verfügte nur über ein festes Haus, das Löwenhaus (heute Liefergasse 9), in der Nähe der Burg als Sammelstelle herrschaftlicher Einnahmen. Die bergischen Grafen förderten D., das dem gfl.en Amtmann von Angermund unterstand, zunächst nicht sonderlich, doch wurde der höchstwahrscheinlich schon vorher begonnene Ausbau der Befestigung vorangetrieben. 1322 wird erstmals ein Stadttor erwähnt, an der östlichen Seite entstand eine 1335 erstmals bezeugte Vorstadt. Die Erhebung zum Herzogtum 1380 ließ einen Ausbau der Stadt notwendig erscheinen, Herzog Wilhelm II. (†1408) stellte die Mittel für einen Ausbau nach Süden hin zur Verfügung, 1384 wurde ein zweiter größerer Mauergürtel mit insgesamt vier Toren errichtet und 1394 erfolgte eine nochmalige Stadterweiterung, durch die das Areal auf 22,5 Hektar vergrößert wurde.

Das 1288 verliehene Stadtrecht basierte auf dem von Ratingen, doch erhielt D. nur eingeschränkte Rechte. Neben der Errichtung einer Befestigung wurde eine teilweise Befreiung von Beden zugestanden. Zudem wurde die Jahr- und Tag-Regelung eingeführt, was die Aufnahme ins Bürgerrecht betraf. Das Gericht wurde mit acht Schöffen besetzt. Darüber hinaus wurden zwei Jahrmärkte à sechs Tagen pro Jahr und montags ein Wochenmarkt eingerichtet. Wirtschaftlich bedeutsam war der zollfreie Warentransport in der gesamten Grafschaft Berg. Erst 1371 erhielt D. das Recht, Meß- und Wiegegelder zu erheben, womit D. erstmals über eigene Einnahmen verfügte. Kaiser Karl IV. (†1378) verlieh 1377 einen Rheinzoll (erhalten sind Zollordnungen und -tarife von 1487 und 1597). 1432 erhielten die Bürger weitere Privilegien, wie die Befreiung von außerordentlichen Zahlungen und Dienstfuhren, 1446 folgten weitere zum Betrieb von Mühlen und der Fischerei.

Organe der städtischen Selbstverwaltung finden sich in der Erhebungsurkunde nicht, sie sind erst 1303 (Bürgermeister) und 1358 (Rat) nachweisbar. Zunächst oblag die Verwaltung offenbar dem Schöffenkolleg. Die Blutgerichtsbarkeit wurde bis 1555 von einem landesherrlichen Gericht in Kreuzberg (bei Kaiserswerth) bzw. Ratingen ausgeübt. Der Rat umfasste 1358 vier Personen. Erst im 15. Jahrhundert entstand das Kollegium der Zwölfer, das gemeinsam mit den Schöffen und dem Rat den Bürgermeister wählte. Die enge Verflechtung von Hof und Stadt ab etwa 1480 führte dazu, dass städtische Ämter, vor allem Ratsstellen, zunehmend von Hofleuten besetzt wurden, aber auch umgekehrt gelangten Städter in höfische bzw. landesherrliche Ämter. So war im späten 17. Jahrhundert Bürgermeister Jesser zugleich Rechenmeister und stand als solcher unter dem Landrentmeister.

Bis ins 15. Jahrhundert war D. weitgehend agrarisch geprägt, als erstes handwerkliches Gewerbe erscheint der Bekleidungssektor (Weber im 14. Jahrhundert, Walkmühle 1380, Schuhmacher 1382), daneben die Kesselschmiede (1382), 1440 wird ein Schneider erwähnt. Früher noch sind erste Hinweise auf Handel (Erwähnung eines Schiffers 1306). Bezeichnenderweise handelt es sich bei der ersten bekannten Zunft (in D. Amt) um die innerstädtischen Weinfasstransporteure, die Weinschröder (Amtsordnung 1417), was für eine relativ bedeutende Stellung des Handelsverkehrs spricht. Die zeitlich nächsten Ordnungen wurden 1472 für die Schuster und Gerber verabschiedet. Bei seinen seltenen Aufenthalten in D. im 14./15. Jahrhundert wurde der Güterbedarf des Hofes durch Importe aus Neuss und Köln gedeckt. Nach der Entwicklung zur Residenzstadt finden sich als hof- und herrschaftsnahe Gewerke Geschützgießer (Ende 16. Jh.), Pliesterer (Gips- bzw. Kalkverputzer, Stukkateure) und Uhrmacher (beide Anfang 17. Jh.s), weiter sechs Kürschner (1570), die neben den Gewerken der Lebensmittelbereitung, Bekleidungsherstellung und des Hausbaus vorhanden waren. Um 1570 gab es insgesamt 180-190 Handwerksmeister, doch sind bis 1641 nur sieben Amtsordnungen überliefert. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten 400 bis 500 Familien unmittelbar vom kfl.en Hof und dessen Aufträgen. Die einzige ausführliche Marktordnung stammt von 1546, Kran- und Waageordnungen entstanden später.

Zur Zeit der Stadterhebung hatte D. etwa 300 bis 400 Einwohner. Genauere Angaben gibt es für das 15. Jahrhundert, als von ca. 2200 Personen auszugehen ist. Um 1561 lag die Einwohnerzahl bei ca. 4700 Personen. 1703 gab es rund 8500 Einwohner und 1745 gut 10000, in den 1790er Jahren wuchs die Einwohnerzahl weiter auf etwa 20000 an.

(3) Die Kirche St. Lambertus, Besitz des Kölner Stifts Sankt Ursula, wird erstmals 1159 in einer päpstlichen Urkunde erwähnt. 1209 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Mit der Stadtgründung 1288 einher ging eine Ausweitung des religiösen Lebens. Papst Nikolaus IV. erlaubte im selben Jahr die Ansiedlung von Kanonikern, seine Tätigkeit nahm das um die Pfarrkirche gegründete Stift 1303/06 auf. Erheblich ausgebaut wurde das Stift unter der zeitweise als Regentin für ihren noch unmündigen Sohn herrschenden Margarete von Ravensberg-Berg (†1389), die es zu einem Wallfahrtsort ausbaute, und ihrem Sohn Herzog Wilhelm II. (reg. 1360-1408) und seiner Frau Anna von der Pfalz (†1415), die Pfründen für die Stellen des Propstes, Scholasters, Thesaurars und Kantors sowie zehn weitere Präbenden stifteten. Zudem schenkten sie dem Stift bedeutende Reliquien, wie die des Hl. Apollinaris, der seither in D. als Stadtpatron verehrt wird. Durch den Ankauf umliegender Häuser und Grundstücke entstand eine Stiftsimmunität.

1370 wurde mit dem Bau einer neuen dreischiffigen Kirche begonnen (Weihe 1394), deren Patrozinien die Hl. Maria, Thomas, Lambertus, Apollinaris, Severin und Anno waren. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Stiftskirche über 40 Geistliche und zwölf Altäre.

Hzg. Wilhelm der Reiche (†1592) war der erste bergische Herrscher, der nicht mehr in der alten Grablege im Altenberger Dom beigesetzt wurde, sondern in der D.er Stiftskirche. Wolfgang Wilhelm (†1653) vollzog in dieser Kirche 1613 geheim seine Konversion zum Katholizismus (1614 veröffentlicht). 1642 wurde die hzl.e Grablege in die Hofkirche Sankt Andreas verlegt, die 1622 als Kirche für die Jesuiten gegründet worden war.

Neben diesen Kirchen entstand 1445-1455 die Kreuzherrenkirche in der Ursulinengasse. Sie geht auf eine romanische Kapelle zurück, die auf dem Grund der Herren von Eller stand, die hier auch ein Hospital errichtet hatten, das 1407 (oder 1443) von den Kreuzbrüdern übernommen wurde. Seit dem Ausgang des 14. Jahrhunderts wurde das Hospital zunehmend mit Stiftungen von Bürgern und hzl.en Amtsträgern versehen.

1621 wurde der Bau einer Kirche für die seit 1617 in D. lebenden Kapuziner begonnen. Auch Franziskaner kamen in die Stadt. Die ersten Frauenorden entstanden mit den Coelestinerinnen-Annunciaten und den Karmelitessen, später folgten die Cellitinnen und Ursulinen.

Zwischen 1683 und 1687 wurde die erste lutherische Kirche (Berger Straße) erbaut. Zeitgleich errichtete auch die reformierte Gemeinde eine Kirche (Bolkerstraße). Mit der Maxkirche entstand 1735-1743 in der Schulstraße eine weitere katholische Kirche.

Eine Schule gab es bereits im Spätmittelalter, 1392 wird ein Scholaster erwähnt. Auf Betreiben der hzl.en Räte wurde 1545 ein Gymnasium gegründet.

Hzg. Wilhelm der Reiche, der ein Anhänger des Humanismus und der Devotio moderna war, schloss die Juden von seiner Toleranzpolitik aus, 1554 wies er sie aus D. aus. Im 17. Jahrhundert siedelten sich gegen Widerstand der Stadt wieder Juden an. Erst 1706 gab es einen Rabbiner, gegen Ende des 18. Jahrhunderts lebten etwa 26 jüdische Familien in D.

Die humanistische Toleranzpolitik der Herzöge verhinderte zunächst größere konfessionelle Auseinandersetzungen. D. wurde zu einer trikonfessionellen Stadt mit einer katholischen Mehrheit, etwa zehn Prozent Reformierten und fünf Prozent Lutheranern. Erst die Übernahme der Herrschaft durch das protestantische Haus Pfalz-Neuburg 1614 und der Übertritt des designierten Hzg.s Wolfgang Wilhelm 1613/14 zum Katholizismus führte zu schweren Auseinandersetzungen zwischen römisch-katholischen, lutherischen und reformierten Hofangehörigen und Stadtbewohnern. Der eingesetzte lutherische Statthalter und Wolfgang Wilhelms katholische Ehefrau Magdalene von Bayern (†1628) machten gemeinsam Front gegen den reformierten Bürgermeister der Stadt. Das Gemeindehaus der Calvinisten wurde geschlossen und die öffentliche Religionsausübung verboten, reformierte Schöffen und Ratsherren ihrer Ämter enthoben. Die nun am Hof tätigen Jesuiten betrieben eine massive Gegenreformation. Dass dennoch jeder Einwohner seine Konfession behalten durfte, lag an den Abmachungen des Xantener Vertrages (1614) zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg. 1672 kam es zu einem Religionsvergleich zwischen beiden Herrscherhäusern, der langfristig die freie und öffentliche Religionsausübung für alle Konfessionen gewährleistete.

Die Jesuiten belebten das Bruderschaftswesen. 1619 wurde die Sodalität für Herren und Gelehrte gegründet, kurz darauf Bruderschaften für Bürger, die Ursula-Gesellschaft und 1636 die Junggesellen-Sodalität.

(4) Im 14. Jahrhundert gab es bedingt durch die Erhebung Bergs zum Herzogtum die ersten großen städtebaulichen Veränderungen. Die Stadtfläche wurde deutlich erweitert auf das Sechsfache der ursprünglichen Umfangs. Ein massiver Zuzug, allen voran von Handwerkern und Amtsträgern, setzte ein. Ein neuer Düsselgraben mit Mauerring wurde angelegt und eine dreiflügelige Burg- bzw. Schlossanlage wurde errichtet. Erste adelige Höfe, von denen der Quadenhof zu nennen ist, wurden erbaut.

In baulicher und topographischer Hinsicht war die Umgestaltung und Erweiterung der Burg zu einem Schloss in den Jahren 1548-1559 bedeutsam. Ein Ball- und ein Pagenhaus ergänzten das Ensemble. Hof und Verwaltung wurden zu dieser Zeit zusehends größer, so dass das Schloss durch weitere Gebäude in der Stadt ergänzt wurde. Um 1560 wurde mit dem Bau der »Alten Kanzlei« begonnen. In die gleiche Zeit fällt die erste Erwähnung eines Marstallgebäudes (1564). In den folgenden Jahrhunderten wurde das Schloss mehrfach erweitert und umgebaut.

Auch die Befestigung wurde zu Mitte des 16. Jahrhunderts deutlich verstärkt, mit dem Bau einer Zitadelle wurde begonnen, doch geriet dieser ins Stocken, vermutlich weil der Jülicher Zitadelle größere Bedeutung beigemessen wurde. 1595 wurden für D. als landesherrliche Gebäude Kanzlei, Hofgericht, Archiv, Artillerie und Munitionsdepot genannt.

Unter Pfalzgraf Philipp Wilhelm (†1690) begann 1673 eine erneute Erweiterung des Stadtgebiets in den Bereich der unvollendeten Zitadelle und im Norden im »Neuen Werk«, wo sich bereits der Ursulinenorden niedergelassen hatte. Sein Nachfolger Johann Wilhelm setzte den Ausbau fort und sicherte Neuansiedlern Steuerfreiheiten zu. Andererseits führten gleichzeitig hohe Abgaben zur Abwanderung zahlreicher Stadtbewohner nach Duisburg und Neuss.

Noch 1427 wurde das alte Zollhaus als Rathaus genutzt. 1470 zog die Verwaltung der Stadt in das »Haus zum Schwarzen Horn«, um 1500 zog sie in ein Haus am Marktplatz. 1567 entstand das seither mehrfach umgebaute neue Rathaus durch den Duisburger Heinrich Tußmann. Seit dieser Zeit war auch die Tuchhalle im Rathaus integriert. Ebenfalls am Marktplatz entstanden eine Fleischhalle und die städtische Waage. 1712 wurde das Reiterstandbild des Jan Wellem genannten Pfalzgrafen Johann Wilhelm II. auf dem Markt errichtet.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden mehrere adelige und großbürgerliche Häuser gebaut, so etwa das Palais Schaesberg in der Ritterstraße, das Grupellohaus am Marktplatz, das Speeische Palais und das Hondheimsche Palais. Hinzu kamen landesherrliche Bauten wie das Kriegskommissariat an der Akademiestraße. Insbesondere in der Regierungszeit Johann Wilhelms (†1716) erfuhr D. eine beachtliche wirtschaftliche, kulturelle und städtebauliche Entwicklung, die sich unter Kurfürst Karl Theodor von Pfalz(-Bayern) (†1799) fortsetzte. Er vor allem hat in und um die ehemalige Residenzstadt zahlreiche neue Gebäude und Schlösser errichten lassen, so das nördlich des Hofgartens vor den Toren der Stadt gelegene Schloss Jägerhof (1752-1763) sowie das im Hofgarten 1769-1770 errichtete Hofgärtnerhaus. Außerdem erweiterte er die Stadt durch die im Bereich des unbebauten Zitadellengeländes angelegte Carlstadt, wofür er die innere Stadtbefestigung abreißen ließ. Zu erwähnen ist ferner die von Johann Wilhelm gegründete und von Karl Theodor geförderte Gemäldegalerie, die 1805 nach München verlegt wurde und den Grundstock der Alten Pinakothek bildet.

Als erste bildliche Darstellung D.s ist ein Stich Frans Hogenbergs anlässlich der hzl.en Hochzeit 1585 zu nennen, der sich in der ausführlichen Festbeschreibung des Dietrich Graminäus befindet. Aus dem 17./18. Jahrhundert gibt es mehrere Pläne. Als Stadtansichten sind zu nennen: Auf der in Mathias Merians der Ältere Topographie befindlichen Stadtansicht (1647) sind von Westen aus die rheinseitige Befestigung sowie das Schloss und die wichtigsten Kirchen zu sehen. Eine Zeichnung des Ldgf.en Moritz von Hessen-Kassel (†1632) von 1629 bietet eine vollständige Ansicht des Schlosses. In der von Erich Philipp Ploennies angefertigten, allerdings nicht publizierten Landesbeschreibung des Hzm.s Berg von 1715 findet sich eine weitere Darstellung. Die Erweiterung um die unter Kurfürst Johann Wilhelm angelegte Neustadt zeigt der von C.A. Vellink angefertigte Plan von 1747.

(5) D. gewann erst allmählich eine Rangstellung im Hinblick auf die umliegenden Städte. Die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts belegte Schiffsanlegestelle und das Stapelrecht verliehen D. eine besondere Stellung für den wirtschaftlichen Austausch innerhalb der Grafschaft Berg und für den Handel auf dem Rhein. Dieses sorgte dafür, dass D. sich zu einem Hauptort in der Grafschaft entwickelte, was sich darin ausdrückte, dass die Herzöge ab etwa 1480 D. als Aufenthaltsort bevorzugten. Als überregional bedeutsame höfische bzw. politische Ereignisse sind zu nennen, dass 1585 in D. die Vermählung des Erbprinzen Johann Wilhelm (†1609) mit Jakobe von Baden (†1597) begangen wurde, die als prunkvollste Hochzeit des 16. Jahrhunderts gilt. 1498 war D. Tagungsort einer päpstlichen Kommission, die im Streit zwischen den Kölner Bürgern und dem Erzbischof Hermann IV. (†1508) vermitteln sollte. Als Residenzstadt war D. Mitglied der sich im 15. Jahrhundert entwickelnden Landstände. Im 16. Jahrhundert war D. neben Lennep, Wipperfürth und Ratingen eine der vier Städte, die als sog. »Hauptstädte« die Gesamtheit der Städte auf den Landtagen vertraten, weswegen es bis ins 17. Jahrhundert regelmäßig zu Verhandlungen mit den »Unterstädten« kam. D. trug wie die anderen Hauptstädte eine höhere Steuerlast mit.

Speziell unter Herzog Wilhelm dem Reichen und seinem Erzieher Konrad Heresbach (†1576), der eng mit Erasmus von Rotterdam (†1536) befreundet war, wurde D. zu einem über Jülich-Berg hinaus bedeutendem Zentrum des Humanismus und der Devotio moderna.

(6) 1288 zur Stadt erhoben, verdankte D. seine erste große Blüte Herzog Wilhelm II. (reg. 1360-1408), der das Areal der Stadt nahezu versechsfachen ließ und die Stiftskirche erheblich vergrößerte, Maßnahmen, die höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der Herzogserhebung 1380 zu sehen sind. Ab dem späten 15. Jahrhundert avancierte D. zur wichtigsten Residenzstadt des Hzm.s Jülich-Kleve-Berg. Dominiert wurde sie seit dieser Zeit von den Angehörigen des Hofes, die sowohl Politik und Verwaltung als auch die Architektur der Stadt zu prägen begannen.

D. profitierte von der ständigen Anwesenheit des Hofes durch zahlreiche Stiftungen, Sammlungen und ausgedehnte Stadterweiterungen. Auch die Ansiedlung von Orden und einem Gymnasium sind auf Hofangehörige zurückzuführen. Zudem ermöglichte es die Toleranzpolitik der Herzöge in der frühen Neuzeit, allen drei Konfessionen in der Stadt zu leben.

Die Pfarrkirche St. Lambertus diente zeitweise (1592-1642) als Grablege der Herzöge, die dann in die neu gebaute Hofkirche St. Andreas verlegt wurde. Zu den Formen der Verflechtung zwischen Stadt und Hof ist beispielsweise zu rechnen, dass der Bürgermeister Jesser zugleich landesherrlicher Rechenmeister war.

Auch das Ende von D.s Funktion als Residenzstadt 1716 hemmte die weitere Entwicklung der Stadt nur kurzfristig, denn die inzwischen in Mannheim bzw. München residierenden Kurfürsten förderten den Ausbau D.s weiterhin. Sie wiesen neue Stadtteile aus und ließen neue repräsentative Gebäude errichten, auch wenn sie selbst sich nicht mehr in der Stadt aufhielten. So blieb D.s herausgehobene Stellung innerhalb des Landes auch über den Wegzug des Hofes hinaus gewahrt.

(7) Archivalien befinden sich im Stadtarchiv Düsseldorf sowie im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland. Quellen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte: Bestand LA NRW R, Jülich-Berg I 1381a und StA Düsseldorf I 261.

Graminäus, Diederich: Furstliche Hochzeit, Düsseldorf 1585. - Merian, Mathias: Topographia Germaniae, Bd. 8: Topographia Westphaliae, Frankfurt a.M. 1647.

Oediger, Friedrich: Das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, Bd. 1: Landes- und Gerichtsarchive. Bestandsübersichten, Siegburg 1957. - Oediger, Friedrich: Das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, Bd. 4: Stifts- und Klosterarchive, Düsseldorf 1964. - Lacomblet, Theodor, Harless, Waldemar: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 7 Bde., Köln 1831-1870. - Lacomblet, Theodor: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Kleve und Mark und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden, 4 Bde., Düsseldorf 1840-1857. - Urkundenbuch des Stifts St. Lambertus/St. Marien in Düsseldorf, 1988. - Lau, Friedrich: Rechnungsakten der Stadt Düsseldorf 1427-1449, Düsseldorf 1940.

(8)Lau, Friedrich: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Von den Anfängen bis 1915, Düsseldorf 1921. - Sültenfuss, Paul: Das Düsseldorfer Wohnhaus bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Aachen 1922. - Spohr, Edmund: Düsseldorf, Stadt und Festung, Düsseldorf 1978. - Rümmler, Else: Die Fürstlich Jülische Hochzeit zu Düsseldorf 1585. Das Fest und seine Vorgeschichte, Düsseldorf 1983. - Düsseldorf. Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, hg. von Hugo Weidenhaupt, 4 Bde., Düsseldorf 1988-1990. - Weber, Dieter, Spohr, Edmund: Düsseldorf 1288-1988. Das Bild der Stadt im Wandel der Jahrhunderte, Kleve 1988. - Fimpeler-Philippen, Anette, Schürmann, Sonja: Das Schloß in Düsseldorf, Düsseldorf 1999. - Küffner, Hatto, Spohr, Edmund: Burg und Schloß Düsseldorf. Baugeschichte einer Residenz, Jülich 1999 (Jülicher Forschungen, 6). - Looz-Corswarem, Clemens von: Das Rechnungsbuch der Stadt Düsseldorf aus dem Jahre 1540/41, in: Düsseldorfer Jahrbuch 72 (2001) S. 13-95. - Dross, Fritz: Kleine Düsseldorfer Stadtgeschichte, Regensburg 2007.

Anja Kircher-Kannemann