Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Burg an der Wupper

Burg an der Wupper

(1) Weit entfernt von wichtigen Handelswegen und Fernstraßen wurde das novum castrumbzw. novus mons, das heutige B., im 12. Jahrhundert von den Herren von Berg errichtet. Der Bau auf einem steil abfallenden Höhenrücken an der Mündung des Eschbachs in die Wupper entstand, nachdem Graf Adolf II. von Berg (†ca. 1170) die ursprüngliche Stammburg, Burg Berge in Odenthal-Altenberg, dem Zisterzienserorden übertragen hatte. 1363 erhielt B. Rechte einer Freiheit. 1390 wird eine Brücke über die Wupper erwähnt.

Nach dem Aussterben der Limburger Linie des Hauses Berg fiel die Grafschaft 1348 an eine Nebenlinie der Markgrafen von Jülich. 1380 wurde Berg zum Herzogtum erhoben und 1423 mit dem Herzogtum Jülich vereinigt. 1521 erfolgte die Vereinigung mit dem Herzogtum Kleve nach dem Erlöschen des Hauses Heimbach. 1614 wurde der Erbfolgestreit um Jülich-Kleve-Berg mit dem Vertrag von Xanten beendet. Das Gebiet des ehemaligen Hzm.s Jülich-Berg und damit auch Burg an der Wupper fiel an das Haus Pfalz-Neuburg und wurde Teil des Kfm.s Pfalz.

Bis hinein ins 16. Jahrhundert zählte B. zu den vier Hauptorten der Grafschaft bzw. des Hzm.s Berg und galt bis etwa 1380 als Hauptresidenz. In dieser Zeit war hier der wichtigste Aufbewahrungsort für Urkunden. Herzog Wilhelm III. (†1511) ließ die Burg für seine Hochzeit mit Sibylle von Brandenburg (†1524) im Jahr 1481 ausbauen. 1496 fand die Verlobung der fünfjährigen Maria von Jülich-Berg mit dem sechsjährigen Johann von Kleve-Mark statt, 1536 die Verlobung Sibylles von Jülich-Kleve-Berg mit dem späteren Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. 1539 wurde B. zum Witwensitz der Herzogin Maria von Jülich-Berg (†1543), zu dem wohnte für viele Jahre ihre unverheiratete Tochter Amalie (†1586) hier. Bis 1660 fungierte die Burg teilweise als Jagdschloss.

In den Jahren 1530 und 1535 wurde B. verpfändet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg geschleift, danach diente sie bis 1807 als Sitz des Kellners und des Richters des Amtes Bornefeld. Den Bedeutungsverlust der ehemaligen Hauptresidenz zeigt ein Eintrag im Schlösser-Verzeichnis des Hzm.s Berg von 1695, der B. nur noch als Kellnerei-Haus bezeichnet. Heute gehört B. zu Solingen.

(2) B. entstand aus der Burganlage, um die herum sich Burgmannen ansiedelten. Seit dem 13. Jahrhundert ist eine Siedlung unterhalb der Burgmauern bezeugt. Erst die Ansiedlung der Johanniter gegen Ende des 12. Jahrhunderts innerhalb des äußeren Mauerrings ließ eine Ortschaft im eigentlichen Sinne entstehen. Um 1350 entwickelte sich mit Unterburg ein zweiter Siedlungskern außerhalb der Burgmauern. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfolgte eine weitere Ausdehnung der Bebauung mit Wohnhäusern.

Die Burg, die der späteren Freiheit ihren Namen gab, wurde zwischen 1218 und 1225 von Graf Engelbert II. von Berg (gleichzeitig Erzbischof Engelbert I. von Köln) (†1225), ausgebaut. Er ließ die äußeren Burgmauern errichten. Im 13. Jahrhundert wurde eine landesherrliche Kornmühle außerhalb der Burg eingerichtet.

Ein Schultheiß findet sich in B. seit 1445. In einem Darlehensbrief von 1487 werden Bürgermeister, Schöffen und Räte genannt. Eine eigenständige Verwaltung dürfte gewiss älter sein, wahrscheinlich entstand sie im Zuge der Verleihung der Freiheitsrechte im Jahr 1363. Seit etwa 1490 wurde den Bürgern Zollfreiheit eingeräumt, 1514 ergänzte der Herzog die Freiheit von Steuern und Abgaben. Hinzu kam die Befreiung vom Dienst auf der Burg, was vor allem im 17. Jahrhundert zu Auseinandersetzungen mit dem landesherrlichen Kellner führte.

Im Zuge der Verlegung der Residenz nach Düsseldorf gaben immer mehr Bewohner ihre Burglehen auf und verließen den Ort. 1653 zerstörte ein Stadtbrand große Teile des Ortsbereichs Unterburg. 1740 waren noch 200 vielfach baufällige Gebäude erhalten.

Zünfte sind seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar, eine Zunftordnung der Schuhmacher ist überliefert. 1546 wurden die Gewandmacher privilegiert und erhielten eine Satzung. Diese wurde 1706 auf die Deckenmacher übertragen. 1573 gab es ein Privileg für die Wüllenhandwerker und Mitte des 16. Jahrhunderts eine privilegierte Gewehrlaufschmiede.

Wichtig für die Wirtschaft des Ortes war der Fischfang in Wupper und Eschbach. Beide Gewässer wurden überdies mit Hilfe von Mühlen für den Betrieb von Schleifkotten und Hammerwerken genutzt.

(3) Um 1170 übertrug Graf Engelbert I. von Berg (†1189) dem Johanniterorden die dem Hl. Pankratius geweihte Burgkapelle. Noch vor dem Jahr 1200 errichteten die Johanniter eine eigene Kirche, urkundlich erwähnt wird diese erstmals 1228, als sie Johannes dem Täufer geweiht wurde. Später entwickelte sich aus diesem Bau die Pfarrkirche, die 1732 als zweiten Patron den Hl. Martin erhielt. 1280 übergab Graf Adolf V. (†1296) Reliquien und Kirchengeräte der Schlosskapelle an die Johanniter.

1553 konvertierte nahezu die gesamte Einwohnerschaft B.s zum lutherischen Glauben. Dies änderte sich im Zuge der Gegenreformation wieder, was zu anhaltenden konfessionspolitischen Streitigkeiten führte. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche teilweise zerstört und danach nur in vereinfachter Form wiederaufgebaut. In Oberburg gab es noch eine kleine, der Mutter Gottes geweihte Kapelle, die vor 1698 errichtet wurde. Eine erste lutherische Kirche entstand zwischen 1731 und 1735, was zu einer endgültigen konfessionellen Spaltung des Ortes in das lutherische Unter- und das katholische Oberburg führte.

(4) Die Architektur B.s ist bis heute durch den bergischen Fachwerkstil mit Schieferhäusern geprägt. Große und herrschaftlich repräsentative Gebäude entstanden erst im 19. und 20. Jahrhundert außerhalb des Ortes.

Das Wappen der Stadt zeigt einen geteilten Schild, der oben den bergischen Löwen mit Schwert beinhaltet und unten ein sechsspeichiges schwarzes Rad, dessen Vorbild aus dem Freiheitssiegel entnommen ist.

Aus dem Jahr 1689 bzw. 1732 existiert eine Karte der alten Freiheit B. des Landmessers Johann Pauls.

(5) Die ursprüngliche Bedeutung B.s wird in einer Urkunde des Jahres 1247 deutlich, in der der Ort als eines der vier Zentren der Grafschaft Berg bezeichnet wird. Der Wegzug des Hofes 1521 führte dazu, dass B. in eine eher isolierte Lage geriet. Weder gab es einen nennenswerten Handel noch Jahrmärkte oder Messen. Auch über Besitzungen des Ortes außerhalb des direkten Umlandes ist nichts bekannt. B. konnte sich über den Status einer Freiheit hinaus nie wirklich zu einer Stadt entwickeln, war jedoch an den Landständen beteiligt.

(6) B. war die zweite Stammburg der Herren von Berg und eine wichtige Residenz im Spätmittelalter. Adelige oder ministerialische Geschlechter wanderten mit der Verlegung der Residenz nach Düsseldorf aus dem Ort ab ohne Spuren zu hinterlassen. So entwickelte sich B. zu einer unbedeutenden bergischen Siedlung.

(7) Archivalien zur Geschichte Burgs an der Wupper befinden sowohl sich im Stadtarchiv Solingen (StadtA Solingen) als auch im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland (LAV NRW R). Die unter (4) angesprochene Karte zählt zum Bestand des Landesarchivs: Landesarchiv NRW - Abteilung Rheinland - Heitersheim III Nr. 23a, Bl. 104a. In: Nicolaus J. Breidenbach, Privatsammlung Quellen & Materialien 2008.

Gilbert, Ludwig Wilhelm: Handbuch für Reisende durch Deutschland, 2. Teil, Leipzig 1792, S. 223f.

Lacomblet, Theodor, Harless, Waldemar: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 7 Bde., Köln 1831-1870. - Lacomblet, Theodor: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Kleve und Mark und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden, 4 Bde., Düsseldorf 1840-1857. - Vollmer, Bernhard: Ausgewählte Quellen zur Geschichte von Schloß, Amt und Freiheit Burg an der Wupper in Abbildungen, Opladen 1958.

(8)Mering, Friedrich Everhard von: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden und den Provinzen Jülich, Cleve, Berg und Westphalen, Heft 9, Köln 1853, S. 38-78. - Fischer, Gerhard August: Schloss Burg an der Wupper. Die Burgen des Mittelalters und das Leben auf denselben, Barmen 1892 (ND Remscheid 1980). - Werth, Adolf: Das alte bergische Residenzschloß zu Burg an der Wupper, in: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 8 (1894) S. 45-54. - Luchtenberg, Paul: Schloß Burg an der Wupper. Seine Geschichte und Entwicklung, Ratingen 1957 (Rheinisches Bilderbuch, 9). - Reinmöller, Lore: Geschichte des Schloßbauvereins Burg an der Wupper 1887-1962, Neustadt/Aisch 1962. - Weber, H.: Die Freiheit Burg, ein »wüster, abgelegener Ort«, in: Die Heimat (Jan./Feb. 1975) S. 2-4. - Gerling, Renate: Burg, in: Rheinischer Städteatlas, Lfg. VIII, Nr. 44, Köln 1985. - Gerling, Renate: Die Freiheit Burg an der Wupper und das Schloß der Bergischen Landesherren, in: »Für Kaiser, Volk und Vaterland«. Der spätromantische Wiederaufbau von Schloß Burg seit 1887. Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Schloßbauvereins Burg an der Wupper, Köln 1987, S. 14-22. - Soechting, Dirk: Adels Schloß und Ritter Burg. Rundgang durch Schloß Burg und seine spannende Geschichte, Essen 31991. - Roth, Rudolf: Schloß Burg an der Wupper. Seine Geschichte und Entwicklung, Burg a.d. Wupper. o.J. - Soechting, Dirk: Schloß Burg an der Wupper, in: Romerike Berge 48, 1 (1998) S. 35-38. - Soechting, Dirk: Schloss Burg an der Wupper, Erfurt 2004. - Soechting, Dirk: Schloss Burg an der Wupper (Solingen) (Rheinische Kunststätten, 494), Köln 2005. - Dehio, Georg: Rheinland, München/Berlin 2005 (Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen, 1), S. 1107-1109. - Birkenbeul, Axel: Mühlen, Kotten und Hämmer in Solingen, Erfurt 2014. - Krumpen, Julia: Mythos Schloss Burg: von den Anfängen bis zur Gegenwart, Remscheid 2014. - Schyma, Angelika: Schloss Burg an der Wupper. Die »rheinische Artburg«, in: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege 44 (2014) S. 307-319. - Schloss Burg an der Wupper, hg. von Norbert Kühn, Köln 2015. - Geschichte des Bergischen Landes, Bd. 1: Bis zum Ende des Herzogtums 1806, hg. von Stefan Gorissen, Horst Sassin, Kurt Wesoly, Bielefeld 22016.

Anja Kircher-Kannemann