Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

Zurück zur Liste

Bensberg

Bensberg

(1) Etwa 15 km östlich von Köln liegt B. (1139 Benesburg, heutige Namensform erstmals 1396) am Nordrand eines Königsforstes. Seit 1975 ist B. ein Stadtteil von Bergisch Gladbach. In der Nähe B.s verläuft der Mauspfad, ein früherer Handelsweg, der den Rheingau mit dem Hellweg verband. Flüsse oder andere Verkehrswege finden sich hingegen nicht. Ein für das Jahr 957 erwähntes castrum banni im Bereich des Königsforstes steht offenbar nicht in direkter Verbindung zur späteren Burg und Ansiedlung B.

Ursprünglich gehörte das Gebiet den Grafen von Meer, kam dann in den Besitz der Erzbischöfe von Köln, die es in geistlichen Besitz umwandelten und die Vogteirechte den Herren von Berg übertrugen. Nach dem Aussterben der Limburger Linie des Hauses Berg fiel B. gemeinsam mit der Grafschaft 1348 an eine Nebenlinie der Grafen von Jülich. 1423 erfolgte die Vereinigung mit dem Herzogtum Jülich und 1521 mit dem Herzogtum Kleve. Einen erneuten Herrschaftswechsel gab es im Jahre 1614, als durch den Vertrag von Xanten der um das Herzogtum entstandene Erbfolgestreit dahingehend beendet wurde, dass B. mit dem ehemaligen Territorium Jülich-Berg an das Haus Pfalz-Neuburg fiel.

Ebf. Engelbert I. von Köln (†1225), gleichzeitig als Engelbert I. Graf von Berg, nutzte die Burg B. als Sitz, da er von hier beide Territorien regieren konnte. Sowohl Graf Wilhelm I. (†1308) als auch Graf Wilhelm II. (†1408) feierten in B. ihre Hochzeiten (1296 bzw. 1369). Unter Herzog Adolf VII. (†1437) wurde die Stadt zu einem Bollwerk gegen das Erzbistum Köln ausgebaut und dennoch sowohl von Adolf als auch von Gerhard II. (†1475) mehrfach verpfändet. Im Verlauf des Spätmittelalters diente B. gelegentlich als Witwensitz, so für Sibylle von Brandenburg (†1524), Ehefrau Wilhelms III. (†1511). Anscheinend sollte es im 18. Jahrhundert auch Witwensitz der Kfs.in Elisabeth Auguste von der Pfalz (†1794) werden. Mit der Verlegung der jülich-kleve-bergischen Residenz nach Düsseldorf im Jahr 1521 verlor B. an Bedeutung, zählte aber laut der Hofordnung von 1534 zu den vier gewöhnlichen Hoflagern des Hzm.s. Einen erneuten Bedeutungsgewinn erlangte die Stadt erst wieder zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Herzog Johann Wilhelm II. (†1716) ein Jagdschloss errichten ließ.

(2) Die Siedlung B. entstand im Mittelalter um eine Burganlage, die noch heute als Altes Schloss erhalten ist. Die um die Burg lebenden Einwohner saßen auf zinspflichtigem Eigengut des Burgherrn, viele Hofstellen im Umland wurden als Lehen an die jeweils drei bis sieben Burgmannen B.s ausgegeben. 1406 wurden Siedlung und Schloss durch einen Brand stark zerstört und danach erneut aufgebaut. Formal besaß B. den Status einer Freiheit, 1413 erstmals belegt.

Schloss und Freiheit mitsamt der Pfarrkirche gehörten dem Landesherrn. Als Grundherrn gehörte ihm zudem weiterer Grundbesitz sowie die Schatzgelder, Fruchtrenten, Pachtabgaben, Holzrechte und der Zehnt. Ein Amtmann ist seit 1139 belegt und seit etwa 1363 bzw. 1387 ist das Amt B. nachweisbar, zu dem 13 weitere Ortschaften gehörten.

Die Verwaltung sowohl der Freiheit als auch der Honschaft, d.h. der im Niederrheinischen verbreiteten untersten ländlichen Verwaltungseinheit, erfolgte durch einen jährlich gewählten Freiheitsbürgermeister, einen Dorfrichter, dem die Nachbarschaftsgerichte unterstanden, und ein bis zwei weitere Personen. Die zahlreichen Burglehen zählten nicht zur Freiheit.

Das vom Landesherrn verliehene Freiheitsrecht umfasste die Befreiung von landesherrlichen Zöllen sowie von Steuern, Schutzgeldzahlungen, Fruchtrenten, Pachtgeldern für Wald und Mühlen und Akzisezahlungen. Die Bewohner waren aber für die Abholung und Verpflegung der Gefangenen im Amtsbezirk zuständig sowie für deren Bewachung in der Burg und zum Burgdienst. Diese Privilegien galten nicht für die Einwohner der Honschaft. 1575 verlieh Herzog Wilhelm der Reiche (†1592) der Ortschaft das freie Burgrecht, d.h. offenbar Dienstfreiheit, sowie zusätzliche Privilegien am Königsforst. Diese wurden bis 1700 mehrfach bestätigt. Eine Exemtion von der Tabaksteuer erfolgte 1742, von der Bier- und Branntweinsteuer 1749 und 1778 von den Waldgerechtigkeiten.

Ein Burggericht existierte wohl bereits vor dem Jahr 1166. In diesem Jahr wurden diesem mehrere Hofgerichte unterstellt. In der Folge stieg das Burggericht B. zum Land- bzw. Obergericht auf. Mit der Verlegung des Amtssitzes nach Porz im Jahr 1555 wurde auch das Hauptgericht dorthin verlegt. Einzig der Sitz des Kellners verblieb in B.

Um 1450 lebten etwa 200 Einwohner in B., verteilt auf 40 Wohnhäuser. Bis 1650 war der Ort auf etwa 60 Häuser angewachsen. Erst im 18. Jahrhundert erfolgte ein nennenswerter Anstieg der Einwohnerzahl, 1770 gab es 627 Einwohner in 138 Häusern. Dieser Aufschwung stand im Zusammenhang mit dem Bau des Neuen Schlosses, in dessen Zuge der Ort durch neue Verkehrswege erschlossen wurde.

Wirtschaftliche Bedeutung kam nur dem Wald zu. Eine von Herzog Wilhelm V. (†1592) erteilte Konzession zur Papierherstellung für Gladbach förderte auch B., da wegen der großen Nähe zwischen beiden Orten (nur drei Kilometer Abstand) das Wachstum sich auch hier niederschlug. Ab ca. 1740 erfolgte ein weiterer wirtschaftlicher Aufschwung durch den Abbau von Quecksilber.

(3) Die erste nachweisbare Kirche wurde für die Burgsassen errichtet und befand sich am Burggraben. Hinzu kam eine Burgkapelle, die zwei Kapläne hatte. Die Pfarre B., 1155 erstmalig erwähnt, bildete mit der Kapelle in Gladbach einen Pfarrverband. Das Kirchenvermögen unterstand dem Patronats-, also dem Landesherrn.

Hzg. Wilhelm V., der B. förderte, schenkte der Gemeinde 1553 einen Bauplatz für eine Kirche. 1554 wurde mit dem Bau der neuen Pfarrkirche St. Nikolaus begonnen. 1690 schenkte Herzog Johann Wilhelm II. (†1716) der Kirche eine aufwendige barocke Monstranz. Die im Jahr 1532 neu erbaute Schlosskapelle überließ der Herzog zeitweilig den protestantischen Einwohnern als Ort für ihre Gottesdienste. 1565 wurde sie erneut katholisch konsekriert.

1648 war B. wieder vollständig katholisch, nachdem zuvor die Konfessionszugehörigkeit der Einwohner mehrfach gewechselt hatte. Spätestens 1693 wurden die alten Pfarrrechte wiederhergestellt und ein neues Pfarrhaus errichtet. Bereits 1681 und 1685 war eine Schulvikarie gestiftet worden. Geistliche Gemeinschaften gab es weder in der Freiheit noch in der Honschaft.

Auf Grundbesitz der Kirchengemeinde entstand ab 1703 das Jagdschloss, die Kirchengemeinde erhielt eine Entschädigung.

(4) Neben der Burg und der ab 1554 neu erbauten Pfarrkirche ist das von Herzog Johann Wilhelm II. (†1716) erbaute Neue Schloss das einzig landesherrliche Gebäude des Ortes. Erst unter Kurfürst Karl Theodor (†1799) kam mit einem Gefängnis ein weiteres landesherrliches Gebäude hinzu. Unter Karl Theodor wurde zudem das Straßennetz weiter ausgebaut. Es gab offenbar ein Rathaus, über das sich jedoch keine Aussagen machen lassen.

(5) Über nennenswerte Rechte im Umland verfügte B. nicht. Erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts erfolgte ein allmählicher Aufschwung des Ortes.

Im Spätmittelalter war der Freiheitsort zunächst Sitz eines Amtmanns, später noch eines Kellners. Eine Residenzfunktion, wie etwa Düsseldorf, erlangte B. nie. Dies resultiert nicht zuletzt aus der wechselhaften Geschichte des Territoriums, die eine klassische Residenzausbildung wie in anderen Territorien nicht zuließ.

(6) Unter den Residenzorten der Grafschaft und des späteren Hzm.s Jülich-(Kleve)-Berg kommt B., trotz der begrenzten Einwohnerzahl und dem Fehlen wichtiger herrschaftlich-repräsentativer Bestandteile, eine herausgehobene Stellung zu, die vor allem durch zwei Tatsachen belegt wird: zum einen durch die 1534 entstandene Hofordnung, die B. zu den vier gewöhnlichen Hoflagern des Hzm.s zählte und zum anderen durch den Bau des Neuen Schlosses und den regelmäßigen Aufenthalten der Landesherren bis hin zu Herzog Johann Wilhelm II. So behielt das ehemalige Hoflager, zumindest als Jagdresidenz, bis zum Wegzug des Hofes nach Heidelberg im Jahr 1716, eine Sonderstellung unter den Orten des Hzm.s. Über personelle Verflechtungen zwischen Hof und Kommune ist nichts bekannt.

(7) Archivalien befinden sich im Stadtarchiv von Bergisch Gladbach, im Kreisarchiv des Rheinisch-Bergischen Kreises und im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland (LAV NRW R). Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden, Steuerbücher, Kellnereibücher und weitere Materialien finden sich hauptsächlich im Landesarchiv NRW.

Das Staatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, bearb. von Friedrich Wilhelm Oediger, Bd. 1: Landes- und Gerichtsarchive von Jülich-Berg, Kleve-Mark, Moers und Geldern. Bestandsübersichten, Siegburg 1957. - Lacomblet, Theodor, Harless, Waldemar: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 7 Bde., Köln 1831-1870. - Lacomblet, Theodor: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Kleve und Mark und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden, 4 Bde., Düsseldorf 1840-1857.

(8)Becker, Eugen: Name und Burg Bensberg, Elberfeld 1902. - Dobisch, Werner: Das Neue Schloß zu Bensberg, Düsseldorf 1935 (Rheinische Kunststätten, Reihe 12: Das Bergische Land, 3). - Opladen, Peter: Die Geschichte der Pfarre Bensberg, Bergisch Gladbach 1946. - Schmitz, Hans Jakob: Die alte Graf- und Herzogsresidenz Bensberg, Bergisch Gladbach 1950 (Bergische Heimatführer, 2). - Kluxen, Kurt: Geschichte von Bensberg, Paderborn 1976. - Fritzen, Willi: Die alte Grafen- und Herzogsresidenz Bensberg. Bergisch Gladbach 1985. - Daubenbüchel, Willy: Das alte Schloß Bensberg und der letzte Domainenrath Kobell, Bensberg 1993. - Hoffmann, Godehard: Das neue Schloß in Bensberg als preußisches Kadettenhaus, in: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 97 (1995/96) S. 149-176. - Precht von Taboritzki, Barbara: Das Neue Schloß Bensberg in Bergisch Gladbach, Neuss 1996 (Rheinische Kunststätten, 418). - Speer, Lothar: Die Erstnennung Bensbergs in der Urkunde von 1138/1139. Wem gehörte die Burg Bensberg im 12. Jahrhundert?, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn 12 (2005) S. 4-8. - Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte, hg. Albert Esser, Bergisch Gladbach 2006.

Anja Kircher-Kannemann