ZIEROTIN
I.
Die Z.er waren ein Herren- und später ein Gf.engeschlecht, dessen Bestehen mit der Mgft. Mähren eng verbunden war. Lediglich dank dem Kolíner Familienzweig bzw. anhand der sich im Besitz von Johann d.Ä. von Z. befindlichen Herrschaft Brandeis an der Adler (Brandýs nad Orlicí) konnten sie ihren Einfluß begrenzt auch im Kgr. Böhmen geltend machen. Der Ursprung des Adelsgeschlechts wird in der Regel mit dem Ort Žerotín in Verbindung gebracht, einem im N Mährens unweit von Olmütz (Olomouc) bzw. von Mähr.- → Sternberg (Šternberk) liegenden Dorf. In der Form Žirotín (žir, Leben, Speise, Futter) hat sich der Name der Gmd. auf die Dauer erst nach 1290 und in der heutigen Form Žerotín noch etwas später herausgebildet. Der grundsätzliche Aufstieg des Adelsgeschlechtes hängt zeitlich mit der Epoche nach den Hussiten-Kriegen zusammen; in der damaligen Atmosphäre des sich herausbildenden Ständesystems und der sich abschwächenden Herrschermacht kann man übrigens Keime des Aufstieges zahlr. namhafter böhm. und mähr. Adelsfamilien feststellen. In den Quellen wird meist die tsch. Form des Familiennamens, also Žerotín, angeführt, in dt.sprachigen Quellen oder Quellen aus der jüngeren Zeit findet man auch die eingedeutschte Form Z. bzw. die Variante Zerotin. Die Z.er haben während mehrerer Jh.e die Geschichte Mährens und Mitteleuropas mitgestaltet, die Höhepunkte ihrer politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Aktivitäten sind jedoch in die Epoche zwischen 1570 und 1620 einzuordnen, in die Blütezeit des mähr. Ständewesens. In diesem Zeitraum verzweigten sich die aufstrebenden Z.er, ihre Res.en und Besitzungen erstreckten sich praktisch über ganz Mähren und Angehörige der Dynastie übten die bedeutendsten Ständefunktionen des Landes aus. In der Zeit nach der Schlacht am Weißen Berg (1620) kam es zu einem Niedergang der Dynastie, die Mitglieder der Zweige von Groß-Ullersdorf (Velké Losiny) und von Wallachisch-Meseritsch (Valašské Meziříčí), die nach Erlassen der Erneuerten Landesordnung zum Katholizismus übergetreten waren, konnten innerhalb der mähr. Aristokratie nach wie vor eine durchaus wichtige Stellung einnehmen, und dies bis in die neuere Geschichte, d.h. bis ins 19. und zum Anfang des 20. Jh.s hinein. Das letzte Mitglied des Ullersdorfer Zweiges, Karl Emmanuel Z., verstarb am 26. Dez. 1934.
Die ältere mähr. Historiographie dat. die Anfänge der Dynastie bereits an die Wende des 12. zum 13. Jh.; zu diesem Zeitpunkt wird einer der Urahnen, Blud von Blauda (Bludov), erwähnt, auch sollte sich die Familie, ursprgl. eine Ritterfamilie, bereits verzweigt haben. Eine andere Gestalt, bei der man nicht genau zwischen Wirklichkeit und Mythos unterscheiden kann, ist ein weiterer angeblicher Begründer der Adelsfamilie, Plichta von Z.
Der historisch belegte Aufstieg der Z.er noch als Vertreter des niederen Adels ist mit Apard (1290), später mit Vítek von Z. und Jeschek von Z. (1384-1406) verknüpft. Der Aufschwung der Z.er als Herrschaftshaus wird in die zweite Hälfte des 15. Jh.s gelegt, in die Zeit der Kriege zwischen dem böhm. Kg. Georg von Podiebrady und dem ungarischen Kg. Matthias Corvinus. Im Jahr 1478 wurde das Adelsgeschlecht in den Herrenstand erhoben. Dem an den Heerzügen beteiligten Johann von Z. hat Kg. Georg von Podiebrad außerdem das Dominium Fulneck (→ Fulnek) in der Gegend von Troppau (Opava) als Unterpfand zugesprochen und ermöglichte ihm gleichzeitig, seine Herrschaft von dem Troppauer Land abzutrennen. Johann von Z. nahm dieses Recht wahr, und Fulneck wurde so zum Dominium, das zur Mgft. Mähren gehörte, geogr. jedoch tief in das Gebiet des Troppauer Fsm.s hineinreichte. Die Gegend von Fulneck wurde gleichzeitig zum Antrittsraum für weitere Zugewinne der Z.er, die in der nachfolgenden Zeit dank ihrem Streben als »junges und draufgängerisches herrschaftliches Geschlecht« bezeichnet wurden.
In seinem Buch Spiegel der berühmten Markgrafschaft Mähren (1593) läßt Bartholomäus Paprotzky von Glogol die Z.er freilich nicht unerwähnt. Er betonte die russische Herkunft der Familie, die der Fs.enfamilie der Ruriker entstammen sollte. Die dortigen Kriege hätten sie nach Mitteleuropa vertrieben, wo dann Vorfahren von Karl d.Ä. von Z. in die Dienste der Kg.e von Böhmen traten. An einzelnen Episoden versucht der poln. Ahnenforscher, sowohl die Verbindungen der Z.er zu der russischen Herrscherdynastie als auch ihren Dienst für die böhm. Kg.e zu beleuchten. Er war bemüht, die Geschichte des Wappens und des Namens Z. darzulegen, um so ihre altüberlieferte Abstammung nachzuweisen. Auf diese Weise entstand eine etwas verworrene Familienlegende, die ältere Darstellungen, in deren Mittelpunkt Blud von Blauda stand, außer Acht ließ und im Gegenteil die russische Herkunft der Dynastie hervorhob. Demnach lebte im 10. Jh. ein Urahn der Z.er namens Kolga, lt. Paprotzky ein Bruder des russischen Fs.en Jaropelt. Kolgas Sohn habe angesichts der in Rußland herrschenden »schrecklichen Tyrannei« auf den Fs.entitel verzichtet und sei nach Böhmen gegangen, um der hiesigen Herrscherdynastie zu dienen. Aus der einstigen Heimat soll er allerdings sein Wappen mit dem schwarzen Löwen im roten Feld mitgebracht haben, damals das Symbol der russischen Fs.en. Sonstige die Abstammung der Z.er belegende Urk.n seien in Rußland geblieben und bei den zahlr. kriegerischen Auseinandersetzungen vernichtet worden. Die nachfolgenden Genealogen der Z.er griffen die Familienlegende in der dargelegten Form auf, anstelle von Jaropelt haben sie jedoch die Rolle des russischen Fs.en Wladimir hervorgehoben, vermutlich wg. seiner Rolle bei der Christianisierung.
II.
Die wichtigsten hochrangigen Stellungen und Ämter konnten Angehörige der Dynastie Z. v.a. in der Epoche seit Mitte des 16. Jh.s bis 1620 bekleiden. Etwa seit 1550 erlangten einige Familienmitglieder die Würde des Landes-Unterkämmerers bzw. des Landeskämmerers, ein Vorzeichen nicht nur für den späteren Aufstieg der Dynastie insgesamt, sondern auch für Einzelkarrieren der Familienmitglieder. Dies betraf in erster Linie Johann von Z. auf Straßnitz (Strážnice). Das Aufstreben der Dynastie verkörperten allerdings nur einige wenige Persönlichkeiten, denen es im Rahmen der damaligen, anhand der Stände definierten Gesellschaft gelang, bes. hohe Rangstellungen zu erreichen. Auf diese Art und Weise konnten sie die Landesgeschichte bedeutend mitgestalten. Unter ihnen war Johann d.Ä. von Z. auf Rossitz (Rosice) und Namiest (Náměšť nad Oslavou), der i.J. 1562 Stellvertreter des Landesrichters und 1569 Landes-Unterkämmerer wurde. Das Amt des Landeshauptmanns, die höchste Würde im Land, hatten in der neuzeitlichen Geschichte Mährens lediglich drei Z.er inne. Friedrich d.Ä. von Z. auf Seelowitz (Židlochovice), ein Onkel Karl d.Ä., bekleidete das Amt in den Jahren 1594-1598; seine Amtsausübung stand v.a. im Zeichen der Kriege gegen die Türken auf dem ungarischen Schlachtfeld. Den zweiten Landeshauptmann stellten die Z.er in Gestalt Karls d.Ä. (1564-1636), der sein Amt von 1608 bis 1615 ausübte. Sein Amt erlangte er dank seiner Stellungnahme im Bruderzwist im Haus Habsburg, als er sich auf die Seite Matthias' von Habsburg schlug, begleitet wurde sein Agieren durch Bemühungen um die Erhaltung der Ständefreiheiten und der religiösen Toleranz. Dritter Landeshauptmann aus dem Haus Z. war Ladislaus Velen, der sein Amt in der unruhigen Zeit des Ständeaufstandes (1619 bis 1621) samt dessen Begleiterscheinungen ausübte. Danach folgte ein Niedergang der Dynastie, und zwar trotz des Umstandes, daß einige der Familienmitglieder nach der Schlacht am Weißen Berg mit Erfolg zum Katholizismus übergetreten waren und daher einige wichtige Ämter bekleiden konnten. Einer von ihnen war Karls Schützling und unmittelbarer Nachfolger Balthasar von Z. auf Wallachisch-Meseritsch und Prerau (Přerov), der 1643 Oberster Landesrichter wurde.
Neben den bereits erwähnten Z.ern, die die höchsten ständischen Ämter bekleidet haben, sollen noch einige weitere führende Angehörige der Dynastie gen. werden. In der älteren Zeit handelte es sich v.a. um Johann d.Ä. von Z. auf Fulneck. Ein anderer bedeutender Repräsentant der Begründergeneration war Peter von Z. auf Mähr.-Schönberg (Šumperk) (1488-1521). Seine Gemahlin war Machna von P. (Pernštejn); dank dieser Verbindung waren die Z.er mit einem der bedeutendsten mähr. Adelsgeschlechter des späten MAs verwandt. Peter von Z. galt überdies als Stammvater der meisten wichtigen Zweige der folgenden Zeit. Drei Vertreter Mährens, die in der Zeit vor der Schlacht am Weißen Berg gewirkt haben, Johann d.J. von Z. auf Straßnitz (Strážnice) (1542-1582), Karl von Z. auf → Alt-Titschein (Starý Jičín) (1557-1593) und Johann d.J. von Z. auf Groß-Ullersdorf (1555-1608), waren nicht nur führende Angehörige dreier wichtiger Stammeslinien, sondern auch Repräsentanten jener mähr. Ständepolitik und -kultur, die mit der evangelischen Reformation bzw. mit der Reformation im Sinne der Böhm.en Brüder verknüpft war. Karl von Z. auf → Alt-Titschein war beispielweise Herausgeber Jakub Kunvaldskýs Schriften. Der Begründer der Linie von Namiest und Rossitz, Johann d.Ä. von Z., unterhielt auf seiner Veste in Kralitz (Kralice nad Oslavou) eine Druckerei der Böhm.en Brüder und gab hier die berühmte Kralitzer Bibel heraus. Sein in Seelowitz lebender Verwandter Friedrich d.Ä. von Z. machte sich um die Verteidigung des Landes und der gesamten Monarchie im Kampf gegen die Türken verdient. Der hervorragendste Vertreter der Kultur seiner Zeit war Karl d.Ä. von Z. auf Rossitz, der u. a. der erste Mäzen Jan Amos Komenskýs (Comenius) war. Von den Generationen, die nach 1620 kamen, sei Přemyslav II. von Z. auf Groß-Ullersdorf (1590-1652) gen. Sein Schwiegervater war Joachim Andreas → Schlick, einer der Hauptanführer des Ständeaufstandes. Möglicherw. war dies der Grund, warum es Přemyslav II. abgelehnt hatte, zum Katholizismus überzutreten. Er verpflichtete sich jedoch, seine Kinder im katholischen Glauben zu erziehen, was seine Linie vor einer erzwungenen Emigration gerettet hat. Sein Sohn Přemyslav III. von Z. (1629-1673) und sein Enkel Johann Joachim von Z. (1667-1716) waren bereits typische Repräsentanten der katholischen Kultur der Barockzeit.
Ein Blick auf die Landkarte Mährens aus der damaligen Zeit verrät, daß die Z.er Ende des 16. Jh.s tatsächlich zu den reichsten Adelsfamilien Mährens zählten. Ihre Besitzungen erstreckten sich praktisch über das gesamte Land. Den historischen Kern der Dominien bildeten weite Teile im N und NO Mährens. Das kleine Gehöft Žerotín, mit dessen Namen das Adelsgeschlecht untrennbar verbunden war, liegt unweit der kleinen nordmähr. Stadt Mähr.- → Sternberg (Šternberk). Die Gmd. selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück, die ersten schriftlichen Erwähnungen stammen aus den 30er Jahren des 12. Jh.s. Die Vorfahren Karls d.Ä. haben den Dorfnamen als Prädikat spätestens seit Beginn des 15. Jh.s geführt, vermutlich aber schon viel früher. Eine ähnlich wichtige Rolle spielte im Leben der Herren von Z. der Ort Blauda (Bludov) in der Gegend von Mähr.-Schönberg (Šumperk). Sein Name taucht in einer Familienlegende auf, in der ein Blud von Blauda als Urahn bezeichnet wird, das Dorf selbst wird in der Familiengeschichte, wenn auch mit einigen unterschiedlich langen Pausen, bis zur ersten Hälfte des 20. Jh.s wiederholt erwähnt. Die ma. Burg soll direkt nach einem der Träger des Namens Blud benannt worden sein. Daher ist gerade in die Gegend zwischen Mähr.- → Sternberg und Mähr.-Schönberg als Wiege der Adelsfamilie und als Ausgangspunkt für ihre Entfaltung zu betrachten.
Das Dorf, nach dem die Dynastie benannt wurde, ging den Z.ern bereits in den 30er Jahren des 15. Jh.s verlustig, Mähr.-Schönberg hat sich 1562 von der Untertänigkeit losgekauft und wurde im gleichen Jahr zur Kammerstadt, Blauda jedoch wurde 1589 aufs neue zu den Besitzungen zugekauft und an die nordmähr. Dominien angeschlossen. Von den Dominien spielten Groß-Ullersdorf und Wiesenberg (Vízmberk/Loučná) mit ihren neu erbauten, prächtigen Renaissanceschlössern eine bes. wichtige Rolle. An der Wende des 16. zum 17. Jh. gehörten Angehörige des Ullersdorfer Zweiges zu den führenden Persönlichkeiten der Familiendynastie, u. a. dank ihren unternehmerischen Aktivitäten bei der Erz- und Holzförderung sowie der in Groß-Ullersdorf angesiedelten Papierherstellung. Die hiesigen Z.er waren evangelischen Glaubens und ließen auf ihrer Herrschaft u. a. eine sehenswürdige lutherische Kirche erbauen. Wie bereits erwähnt war Přemyslav II. von Z. und auf Groß-Ullersdorf dank seiner Vermählung sogar mit Joachim Andreas → Schlick verwandt, einem der Anführer des böhm. Ständeaufstandes. Trotzdem waren es gerade die Ullersdorfer Z.er, die dank ihres um die Mitte des 17. Jh.s vollzogenen Glaubenswechsels das gesamte Adelsgeschlecht in die »neue« Zeit, die nach der Schlacht am Weißen Berg ausbrach, hinüberretten konnten. In der Barockzeit wurde die Herrschaft Groß-Ullersdorf zum bedeutendsten Besitztum der Z.er, unrühmlich bekannt wurde sie allerdings Ende des 17. Jh.s durch die in der Gegend veranstalteten Hexenprozesse. Zieht man außerdem in Betracht, daß verwandte Familien sich bereits in der frühen Neuzeit im Besitz der angrenzenden Herrschaften, darunter von Goldenstein (Kolštejn/Branná) und Freudental (Bruntál), befanden, ist offenkundig, daß die Z.er ihren Einfluß in diesem Landesteil noch lange aufrecht erhalten konnten.
Zu ihren ältesten Dominien gehörte auch eine Anzahl von Herrschaften im NO des Landes. Fulneck befand sich im Besitz der Z.er zwischen 1481 und 1541 und die Stadt Neu-Titschein, ein natürliches Zentrum dieser Region, gehörte ihnen von 1500 bis 1558. Dann aber hat es sich von der Untertänigkeit losgekauft und wurde, ähnlich wie auch das nordmähr. Mähr.-Schönberg, Kammerstadt, die dem Herrscher und seiner Hofkammer direkt unterstellt war. Allerdings besaßen die Z.er in diesem Teil des Landes nach wie vor außerordentlich wichtige Güter. In erster Linie sei das Gut → Alt-Titschein (Starý Jičín) gen., in dessen Mitte sich auf einem Berg, dem strategischen Höhepunkt der Gegend, eine altehrwürdige Burg befand. Für die Z.er, die in Ostmähren ansässig waren, war Alt-Titschein vermutlich symbolträchtig, denn sie ließen die alte, nicht bes. gut zugängliche Burg im modernen Renaissancestil umbauen. Sie konnten sie bis zum Beginn des Konfiszierungsprozesses behalten; dieser wurde nach 1620 eingeleitet und betraf auch den Titscheiner Friedrich Wilhelm von Z. → Alt-Titschein bildete gemeinsam mit dem bereits erwähnten Fulnek, Neu-Titschein und Hustopeče nad Bečvou eine Handvoll von Anwesen, die die hiesigen Z.er während der ersten Etappe ihres Aufwärtsstrebens, also um 1500, in ihren Besitz bringen konnten. Etwa fünfzig Jahre später konnten sie ihre Eigentümer in diesem Teil Mährens wesentlich vergrößern, was ihnen half, den kurz zuvor erfolgten Verlust von → Fulnek und den nachfolgenden Verlust von Neu-Titschein auszugleichen. Bei den Neuerwerbungen handelte es sich um die Herrschaft Wallachisch-Meseritsch samt Krásno sowie um das unweit liegende Rožnov pod Radhoštěm. Beide Dominien konnte die Familie sehr lange Zeit behalten, Rožnov pod Radhoštěm bis 1818 und Wallachisch-Meseritsch sogar bis 1927. Der letztgenannte Besitz war für die ostmähr. Z.er von mehrfacher Bedeutung. Er bestand aus zwei Teilen, einem alodialen und einem Lehenteil. Die Z.er agierten somit in zwei Rechtssystemen, die in Mähren existierten, wobei im ersten Fall die Mgft. den Rahmen bildete und der andere Besitzteil dem Lehensystem des Bm.s Olmütz (Olomouc) unterstellt war.
Die Herrschaft Wallachisch-Meseritsch sollte überdies als Ausgangspunkt und Antrittsraum für ein weiteres Vorrücken der in Ostmähren ansässigen Z.er dienen, und zwar in südlicher Richtung entlang der Grenze mit Ungarn, also nach Straßnitz (Strážnice) und Lundenburg (Břeclav). Die erstgenannte Herrschaft erwarben die Z.er i.J. 1501, also praktisch zur gleichen Zeit wie → Alt- und Neu-Titschein. Straßnitz wurde in der Zeit vor der Schlacht am Weißen Berg zur wichtigen Grenzregion und gleichzeitig eine der größten Städte Mährens. Ende des 16. Jh.s trafen hier regelmäßig Angehörige sämtlicher Dynastiezweige zusammen, wobei Weinfeste, Jagd oder Erholung im nahen Kurort Petrov der Anlaß waren. Außerdem machten hier die Z.er Rast bei ihren Feldzügen auf das ungarische Schlachtfeld oder bei Reisen in slowakische Kurbäder. Etwas südlicher, in Lundenburg, erstreckte sich ein weiteres Z.-Dominium, dessen Besitzer enge Verwandte der Straßnitzer waren.
Der Lundenburger Ladislaus Velen von Z. hatte bei seinen Bemühungen um Neuerwerbungen weitere Teile des Landes im Visier, und zwar Gebiete im NW Mährens. Im Jahr 1589 erwarb er das wichtige Dominium Mähr.-Trübau (Moravská Třebová), das einst den Herren von → Boskowitz gehörte und eines der ältesten Zentren der Renaissance in Mähren war. Ladislaus Velen führte Anfang des 17. Jh.s einen großzügigen Um- und Ausbau des hiesigen Schlosses im Stil der Spätrenaissance durch und schuf hier außerdem einen sehenswürdigen manieristischen Hof. Als Vorbild dienten ihm sowohl der Prager Hofstaat Ks. Rudolfs II. als auch der Hof Peter Voks von → Rosenberg in → Wittingau (Třeboň). Um die höfischen Freudenfeste noch üppiger gestalten zu können, kaufte Velen das nahe Gut Tatenice dazu und ließ die dortige Veste in ein im Renaissancestil gehaltenes Jagdschlösschen umbauen. Zu einem Ganzen schloß sich der das gesamte Land umfassende Ring zusammen, als Ladislaus Velen Hohenstadt (Zábřeh) und Eisenberg (Ruda na Moravě) erwarb, zwei Orte, die unterhalb des Gesenke-Gebirgszuges (Jeseníky) liegen und im SW an Groß-Ullersdorf grenzen.
Die Z.er waren freilich bemüht, nicht nur in den Grenzregionen, sondern auch im Landesinneren Fuß zu fassen. Besitzungen wie Namiest, Prerau, Seelowitz und Dřevohostice waren mit jenem Familienzweig verknüpft, der meist als Brandeiser Zweig oder Zweig von Namiest-Rossitz bezeichnet wird. Als seine namhaften Repräsentanten galten im letzten Drittel des 16. Jh.s v.a. Johann d.Ä. und sein Sohn Karl d.Ä. von Z. Symbolträchtiges Dominium dieses Dynastiezweigs blieb jedoch nach wie vor eine Herrschaft, die allerdings nicht in der Mgft. Mähren lag, nämlich das ostböhm. Brandeis an der Adler.
Im Kgr. Böhmen konnte sich sonst nur eine, und zwar weniger bedeutsame Z.-Linie behaupten, der Kolíner Zweig, der neben dem Anwesen Kolín v.a. die ostböhm. Herrschaft Staré Dvory zu seinen Besitzungen zählte.
III.
Die am öftesten vorkommende Darstellung des Familienwappens der Z.er ist ein schwarzer einschwänziger Löwe mit Krone im Sprung im roten Feld, über drei in Blau gehaltenen Bergen stehend. Bartholomäus Paprotzky von Glogol leitet das Wappen vom angenommenen Originalwappen der russischen Ruriker ab und interpretiert es u. a. im Zusammenhang mit der Stadt Lemberg (Lwow, was mit dem Wort für »Löwe« in den slaw. Sprachen zusammenhängt). Allerdings kommen bei dem böhm. und mähr. Adel aus der Zeit nach den Hussiten-Kriegen Wappen, die einen Löwen als Wappentier führen, relativ oft vor (z. B. das Adelsgeschlecht Waldstein), wobei sie eher die Beziehung der betreffenden Adelsfamilie zur böhm. Herrscherdynastie widerspiegeln. Das Grundwappen der Z.er existierte während des gesamten Bestehens des Adelsgeschlechtes praktisch ohne größere Änderungen und Besserungen, auch nachdem die Z.er in den Gf.enstand erhoben wurden. Dies belegen seine zahlr. historischen Darstellungen sowohl in Form von Bücherilluminationen (Mähr. Landtafeln), Wandverzierungen (Wappensaal im Schloß Rossitz) oder Reliefplastiken (Tympanon des Schlosses in Namiest). Sämtliche Linien verwendeten auch eine mehr oder weniger einheitliche Verzierung des Wappens mit Helmdecke und Helmkleinod. Üblich waren bei den Z.ern Formen wie Allianzwappen (mit Libsteinsky von Kolowraty in Eisenberg, mit Slawata in Rossitz), bzw. als gespaltenes Wappen (Krajíř von Krajek in Rossitz). Seit dem 16. Jh. sind Darstellungen mit Wappenträgern erhalten, in Übereinstimmung mit dem Familienwappen sind dies üblicherweise Löwen, die das Wappenschild mit den Vorderpranken abstützen (Tympanon des Schlosses in Rossitz). Der Z.-Löwe, der symbolhaft auch die ikonographische Darstellung der Macht und der Stärke des Adelsgeschlechts verkörpert, wird – oft in einer modifizierten Form – auch bei anderen Zierelementen verwendet, also nicht nur bei den mit der Wappenkunde zusammenhängenden architektonischen Elementen oder bei künstl. bzw. handwerklichen Details (Postamente der Arkadensäulen, Kaminsäulen, Türklinken, Sarggriffe), die die Res.en der Z.er schmückten. Am Tympanon des Schlosses in Namiest ist das Familienwappen durch den persönlichen und (Familien-) Wahlspruch Johanns d.Ä. von Z. ergänzt. Dieser lautet: In domino confido.
In der frühen Neuzeit entstanden gleich mehrere umfassende literarische und in Bildern dargestellte Präsentationen der Z.er. Sie erfüllten den Repräsentationszweck, sollten zur besseren Rangstellung in der gesellschaftlichen Hierarchie verhelfen und dienten der Apologie der Z.er als Adelsgeschlecht, welches sowohl der Herrscherdynastie als auch dem katholischen Glauben die Treue gehalten hat. Ausgangspunkt der Werke war in der Regel die von Bartholomäus Paprotzkys von Glogol dargelegte Auffassung, auch wenn in seinem glanzvollen Spiegel der berühmten Markgrafschaft Mähren die katholischen Adelsfamilien einen höheren Stellenwert erlangten als die nicht-katholischen Zweige der Z.er. Visuelle heraldische Darstellungen sind v.a. in Form von zwei Wappenreihen festgehalten, und zwar auf Schlössern, die sich im Besitz Johanns d.Ä. befanden. Sie entstanden in den 70er (Namiest) und 80er Jahren (Rossitz) des 16. Jh.s. Im wachsenden Interesse Karls d.Ä. an der eigenen Familiengeschichte verbarg sich möglicherw. eine gewisse ablehnende Reaktion auf die Darstellung der Z.er aus der Feder Paprotzkys. Den Höhepunkt stellt die auf Pergament angefertigte Wappenahnentafel.dar (um 1605), die wahrscheinlich auch zur Grundlage für die heraldische Darstellung im Wappensaal des Schlosses zu Rossitz wurde. Literarisches Gegenstück zu den heraldischen Darstellungen bilden in erster Linie die Korrespondenz Karls d.Ä. von Z. und verschiedene genealogische Tabulatorien. Krönenden Abschluß dieser Präsentationetappe bildet ein historisch-genealogisches Werk von Jan Amos Komenský, das mit größter Wahrscheinlichkeit im Verlauf der 20er Jahre des 17. Jh.s entstand, heute allerdings nur noch dank einer Erwähnung des mähr. Historiographen der Barockzeit Thomas Pessina von Czechorod (Tomáš Pešina von Čechorod) und eines kurzen Vermerks im Familienarchiv der Z.er bekannt ist. Die zweite Etappe der Präsentation der Dynastie ist mit ihrem in Groß-Ullersdorf ansässigen Zweig verknüpft und fällt zeitlich in die zweite Hälfte des 17. Jh.s. Grund für die Initiative war höchstwahrscheinlich die Rekatholisierung der Familie und daher die Bemühung, die Familiengeschichte in einem möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen. Das erste Barockwerk dieser Art entstand 1669, sein Autor ist der Kg.sgrätzer Jesuite Georg Crugerius. Seine Schrift, die mit keinem Titel versehen ist, wurde 1683 in das Buch Franz Dominik Calins von Marienberg Virtus leonina aufgenommen, welches gedrucktes Wort mit Bildern kombiniert. Virtus leonina erschien in dreifacher Ausführung – als gedrucktes Buch, als Manuskript mit symbolträchtigen Bildern und heraldischen Tafeln und als großflächige genealogische Wandkarte.
Was authentische Bildnisse der Mitglieder der Z.-Dynastie aus der spätma. und frühen neuzeitlichen Epoche anbelangt, sind heute nicht mehr viele vorhanden, auch wenn in den Quellen Hinweise auf – heute nicht mehr vorhandene – Porträts und repräsentative, auf die Dynastie bezogene Abbildungen zu finden sind. Die größte Kollektion der Porträts, die Mitglieder des nordmähr. Zweigs der Z.er zeigen, blieb auf Schloß Groß-Ullersdorf erhalten. Die Sammlung beginnt mit dem Porträt Johanns d.Ä. von Z., das jedoch für eine »Porträtsmystifikation« gehalten wird. Die meisten Abbildungen aus der Serie sind jedoch authentisch und stammen aus dem Anfang des 17. Jh.s. Ihr Autor ist der Nürnberger Maler Christopher Amon, der als Hofporträtist der Ullersdorfer Z.er bezeichnet werden kann. Dies gilt in erster Linie für Bildnisse, die Johann Jetřich von Z. sowie Přemysl II. von Z. und dessen Gemahlin Anna Marie Sidonie → Schlick zeigen. Im Zusammenhang mit dem gen. Familienzweig soll neben einem symbolträchtigen Gemälde, das die Hochzeit von Johann Jetřich auf dem Schloß zu Opotschno (Opočno) in Bild festhält, auch eine Serie in Farbe ausgeführter Epitaphe. erwähnt werden. Porträts der Z.er entstanden in Groß-Ullersdorf auch in der Barockzeit. Das Porträt Karls d.Ä., des wohl bekanntesten Dynastiemitglieds, zeigt einen etwa dreißigjährigen Edelmann. Das Gemälde entstand vermutlich in Prag im Umfeld des ksl. Porträtisten Jacob Seisseneger. Es stellt einen jungen Mann in einfacher schwarzer, der damaligen Zeit entspr. Kleidung dar, die Z.s einfachen Lebensstil bekunden soll. Dieser richtete sich nach den strikten Regeln der Einheit der Böhm.en Brüder, die ihr Vorbild damals in den Genfer, Basler bzw. Straßburger kalvinistischen Gemeinden suchte. Das Originalgemälde war Teil des Nachlasses Z.s zu Gunsten der Maria-Magdalena-Kirche in Breslau, später wurde es Bestandteil der Sammlung der Breslauer Stadtbibliothek. Vermutlich am Ende des 2. Weltkrieges ging das Bild verloren und gilt bis heute als verschollen. In den 70er Jahren des 20. Jh.s wurde eine Bildkopie angefertigt, die sich heute in den Schloßsammlungen in Groß-Ullersdorf befindet, eine weitere Kopie jüngeren Datums ist in der Mähr. Landesbibliothek in Brünn zu sehen. Lt. einigen Autoren entstanden zu Beginn des 17. Jh.s noch weitere Porträts, die Karl d.Ä. und seine Frau Katharina von Waldstein zeigen sollen. Undirekt weisen daraufhin graphische Porträts, die Bestandteil neuzeitlicher Genealogien und Gemäldesammlungen der Z.er sind. Eher strittig ist möglicherw. die Authentizität des Porträts des Anführers des Ständeaufstandes in Mähren, Ladislaus Velen von Z.
IV.
Wie bereits erwähnt, war es zu Beginn des 17. Jh.s Karl d.Ä. von Z., der in Zusammenarbeit mit Komenský bemüht war, eine Genealogie seiner Dynastie zu verfassen. Nach einer gewissen Cäsur knüpfte in der zweiten Hälfte des 17. Jh.s an die Bestrebungen Franz Dominik Calin von Marienberg an. Von seiner Arbeit, die in der Endphase die Form einer großflächigen genealogischen Wandkarte hatte, blieb außerdem eine umfangr. Sammlung von Archivexzerpten und genealogischen Vermerken erhalten. Eine weitere ausführliche genealogische Tafel entstand nach Mitte des 19. Jh.s. Diese und ähnliche, wenn auch weniger ausführliche Quellen, bzw. auch das Urk.nmaterial stellten außerdem den Ausgangspunkt für Forschungen der späteren Ahnenforscher der Z.er, v.a. für August Sedláček, Jan Tenora und Jan Slavík, dar. Slavík leitete die Genealogie der Adelsfamilie von Blud von Blauda als Stammvater ab (dieser wird in den Quellen im Zeitraum zwischen 1195 und 1215 erwähnt). Blud sollte Anfang des 13. Jh.s Bgf. in Prerau (Přerov) sein, seine Söhne hießen Onesch (1209-1249), Vítek (1215-1239) und Blud (1228-1235). Auch in den späteren Generationen haben die Familienangehörigen angesehene Ämter bekleidet. Den Quellen nach erbte Vítek von seinem Vater die Prerauer Bgft., Oneschs Sohn Zpytat (1236-1239) wurde in den Quellen als Hofjägermeister und später als Untertruchseß angeführt. Um 1230 verzweigte sich die Familie und begann verschiedene Prädikate zu führen, meist nach mehreren nordmähr. Lokalitäten gewählt, also u. a. von Blauda, von Kniebitz (Pňovice), von Koschitz (Košice), von Titschein, von Cítov, von Schönwald (Šumvald), von Sukolom und bereits auch schon von Z. Manche Familienangehörige haben im Laufe der Zeit offensichtlich gleich mehrere Prädikate geführt. Im Allg. läßt sich sagen, daß die verwandtschaftlichen Querbeziehungen zwischen den einzelnen Familienangehörigen, wie sie in verschiedenen Quellen angeführt werden, im MA eher unklar sind; die Angaben wurden aus der älteren genealogischen Literatur übernommen, und die moderne Historiographie konnte sie bis heute nicht verläßlich erforschen. Übersichtlicher wird die Situation erst ab der zweiten Hälfte des 14. Jh.s; die Familienangehörigen waren nach wie vor in Nordmähren ansässig und trotz Verwendung verschiedener Prädikate setzte sich allmählich der Familiename »von Z.« durch. Im Jahr 1438 kaufte Bernhard von Z. (erwähnt zwischen 1415 und 1457) von anderen Familienmitgliedern die Besitzungen in Z. auf. Seit dieser Zeit werden die Namen Bernhard, Peter, Johann, Jetřich, Karl und Přemek zu den meist gegebenen Vornamen in der Familie. Die Nachkommen von Bernhard beginnen, zwei Linien zu bilden, von Napajedl (Napajedla) und von Fulnek. Die Spaltung in Linien, Zweige und Äste, die Hand in Hand mit der Vergrößerung und Differenzierung der Familiendominien und -res.en einhergeht, wurde typisch für die Z.er; diesem Phänomen begegnet man während der ganzen frühzeitlichen Epoche.
Jan Slavík, Autor des Stichwortes »von Z.« in der angesehenen Otto-Enzyklopädie, welcher die Gliederung der Z.-Familie in einzelne Linien ausführlich darleg, schreibt, die genealogischen Beziehungen innerhalb einzelner Zweige und zwischen den Einzelpersonen seien in der Zeit, nachdem sich die Familie verzweigt hatte, sehr kompliziert und die Quellen würden nicht immer eine verläßliche Auskunft über einzelne Beziehungen und die Verhältnisse insgesamt geben. Zu einer weiteren Gliederung kommt es, vermutlich im Zusammenhang mit der Erhebung der Z.er in den Herrenstand, im ausklingenden 15. Jh., wobei Peter von Z. die zentrale Persönlichkeit darstellte. Einzelne, seit den 30er Jahren des 16. Jh.s nachzuweisende Familienlinien entsprechen im Wesentlichen den oben angeführten Familiendominien. Die Grundlinie des Adelsgeschlechts bildete der Groß-Ullersdorfer Zweig, ursprgl. aus dem nordmähr. Z., in verschiedenen Epochen war er auch Besitzer von Mähr.-Schönberg, Blauda und von Wiesenberg (Vízmberg/Loučná). Diese Linie, deren Hauptvertreter Přemyslav II. und Přemyslav III. von Z. waren, behielt ihre Kontinuität bis ins erste Drittel des 20. Jh.s. Durch ein starkes Durchsetzungsvermögen zeichnete sich während des Aufstiegs der Z.er in der ersten Hälfte des 16. Jh.s die Linie von Fulnek-Alt-Titschein aus, dies insbes. dank der bereits erwähnten Persönlichkeit Johanns von Z. auf Fulneck. Doch das Potential hat sich bald ausgeschöpft und der Zweig hörte bereits vor der Schlacht am Weißen Berg auf, eine größere Rolle zu spielen, sowohl in der Landes-, als auch der Familiengeschichte. Ohne einen nennenswerten Schaden konnte die mit der Schlacht von 1620 verknüpfte Tragödie die Wallachisch-Meseritscher Linie, bzw. ihr sog. Falkenberger Zweig überwinden. Ihren wichtigsten Repräsentanten, zu denen Johann Jetřich, Balthasar und Bernhard Ferdinand von Fulnek gehörten, gelang es trotzdem nicht, im Verlauf des 17. Jh.s die höchsten Sprossen der gesellschaftlichen Hierarchie zu erklimmen. In der Zeit unmittelbar vor der Schlacht am Weißen Berg setzte sich die Linie von Straßnitz und von Lundenburg, v.a. aber die Brandeiser-Rossitzer Linie markant durch. Aus beiden gingen die bedeutendsten Repräsentanten der Z.-Dynastie einschließlich der Landeshauptleute (Karl d.Ä. und Ladislaus Velen) hervor. Beide Linien existierten allerdings nur in wenigen Generationen und starben während der ersten Hälfte des 17. Jh.s aus, und zwar sowohl in Mähren als auch in der Emigration.
Für die Dynastie der Z.er gilt, daß ihre Mitglieder mittels Heiratspolitik verwandtschaftliche Beziehungen zu den wichtigsten Adelsfamilien in Mähren, Böhmen und begrenzt in ganz Mitteleuropa angeknüpft haben. Nicht nur Familienstammbäume, auch Wappenreihen an Arkaden der Schlösser in Namiest und Rossitz, ferner Familiengruften und in gewissem Maße auch weitere analogische Denkmäler belegen die erwähnten verwandtschaftlichen Verhältnisse. Es ist zu erkennen, daß die Heiratspolitik der Z.er im späten MA und in der frühen Neuzeit gesellschaftliche Wertschätzung mit dem konfessionellen Standpunkt kombinierte, um Familienbande zu knüpfen. Durch zahlr. Vermählungen mit Mitgliedern weiterer Dynastien entstand, gefördert durch Peter Vok von → Rosenberg (Rožmberk), zum bestimmten Zeitpunkt eine starke Formation der Mitstreiter der Böhm.en Brüder, bestehend aus den Familien Z., Krajíř von Krajek und Waldstein (Valdštejn). Vielfache Familienbindungen gab es zu den Herren von Lomnitz (Lomnice) und den Herren von Lipá. Die beiden Adelsgeschlechter spielten im MA eine wichtige Rolle bei der Kolonisation und Vertretung der Politik der Kg.e von Böhmen in Mähren. Die Herren von Leipa erhielten traditiongemäß beispielweise das Amt des Höchsten Marschalls des Kgr.s Böhmen. Mehrfache verwandtschaftliche Bindungen gab es auch zu den Herren von Kunowitz (Kunovice), von → Pernstein (Pernštejn) sowie zu den Familien Švihovský von Riesenburg, Slawata von Chlum, Liebsteinsky (Libštejnský) von Kolowraty und von Waldstein. Unter den Verwandten findet man natürlich auch die Familien → Sternberg (Šternberk), Berka von Dubá, Černohorský von → Boskowitz, die Herren von Zastrizl (Zástřizlové), von Thurn, die Familien Žampach von Potštejn, Hofmann von Grünbüchl und sogar die Fs.en von Münsterberg. In der Barockzeit werden im Zusammenhang mit den Z.ern immer öfter auch ausländische Adelsfamilien wie Herberstein, Schrattenbach, Burghaus, Esterházy, → Fürstenberg, Mannsfeld, Oppersdorf, Lilgenau, Tallenberg, Taxis und → Königsegg gen.
Quellen
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