Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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MONTFORT

C. Tettnang

I.

Schloß T. (1246 castrum Tetinanc); am Rand der T.er Terrasse oberhalb der Schussenniederung, etwa 8 km nördlich des Bodenseeufers in 466 m Seehöhe gelegen, Zentrum der Gft. T.

II.

Erstmals wird 882 in einer Urk. des Kl.s St. Gallen die Siedlung Tetinanc gen., in den 50er Jahren des 12. Jh.s scheint ein genealogisch nicht zuzuordnender Gf. Couno von T. auf, woraus auf die Existenz eines Gf.ensitzes zu schließen ist. Im 13. Jh. sind Burg und Siedlung, die an der von Ulm über Ravensburg nach Lindau verlaufenden Fernstraße lagen, im Besitz der Gf.en von → Montfort, Hugo II. (gest. 1260) urkundete 1246 im castrum Tetinanc, zu dem auch ein Ministerialengeschlecht gehörte. Im Zug der Teilung von ca. 1270 kam die Burg mit ihrem Zubehör an Hugo III. (gest. 1309), der die T.er Linie des Geschlechts begründete. In den folgenden Jahren entstand im Vorfeld der Burg eine planmäßig angelegte städtische Siedlung mit etwa 75 Hofstätten und zwei Straßenzügen. Das alte Dorf T. mit der 1246 erstmals gen. Pfarrkirche zum Hl. Gallus (Diöz. Konstanz) blieb außerhalb der Stadtanlage, die nach der Zerstörung 1322 durch Hzg. Leopold von Österreich im Thronstreit zwischen Friedrich dem Schönen und Ludwig dem Bayern neu errichtet und befestigt wurde. Noch im MA schloß sich eine unregelmäßig strukturierte Vorstadt an den ursprgl. Bestand an.

1291 werden erstmals cives in Taettenank gen. 1297 bewidmete Kg. Adolf die Stadt auf Bitten Hugos III. mit Lindauer Stadtrecht. Kg. Albrecht bestätigte 1304 das Privileg und verlieh der Stadt außerdem einen Wochenmarkt. Im 14. bzw. 15. Jh. kamen noch zwei Jahrmärkte hinzu. Grundsätzlich aber bildete die Landwirtschaft über das MA hinaus das ökonomische Rückgrat der Bürgerschaft. Eine erste Ansiedlung von Juden dat. in die 20er Jahre des 15. Jh.s, ein zweite in die Jahre von 1551-1574. Für die wirtschaftliche Entwicklung der Kleinstadt – T. zählte um 1450 127 Hofstätten mit etwa 650 Einw.n – war auch das Privileg von 1476 von Bedeutung, das der Bürgerschaft erlaubte, eine gemeine Schlachtbank, ein Waag- und Kornhaus zu bauen sowie eine Leinwandschau einzurichten.

Das Stadtprivileg Gf. Heinrichs IV. (gest. 1408) von 1379 fixierte die jährl. Stadtsteuer, bestimmte, daß darüber hinaus keine weiteren ordentlichen oder außerordentlichen Steuern erhoben werden sollten, gestand den Bürgern das freie Erbrecht sowie die Aufnahme von Neubürgern zu, soweit es sich nicht um gfl. Eigen- und Vogtleute handelte, und befreite sie von auswärtigen Gerichten. Ein eigenes Stadtsiegel – es zeigt eine rechts aufspringende Bracke – verwendeten die T.er erstmals 1409, in die ersten Jahrzehnte des 15. Jh.s gehört das undatierte, wohl unter Wilhelm V. (gest. 1438) erlassene Stadtrecht. 1462 erließ die Herrschaft den Bürgern den Todfall und das Fasnachtshuhn, zwei typische Hörigenabgaben. Bis 1578 blieben sie aber leibeigen, dann kaufte sich der Großteil der Bürger los, die sich fortan »Freibürger« nannten. Organe der städtischen Verwaltung waren der vom Stadtherrn eingesetzte Ammann und der zwölfköpfige, von den Bürgern gewählte Rat, der auch Schöffenkollegium war. 1462 wurde das Amt des Bürgermeisters eingeführt, seine Wahl erfolgte jährl. durch die Bürgergemeinde – allerdings auf Vorschlag des Ammanns. Dem Rat gehörten in der frühen Neuzeit überwiegend Gastwirte und Handwerker an.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde T. weitgehend zerstört und verlor einen erheblichen Teil seiner Einw.

III.

Das vor 1150 entstandene castrum T. scheint 1246 erstmalig urkundlich auf, es befand sich an der Stelle des heutigen Neuen Schlosses an der südwestlichen Schmalseite der ma. Stadtanlage. Nach einem Brand i.J. 1488 wiedererrichtet, brannte die Burg 1633 neuerlich aus und wurde abgetragen. Über Aussehen bzw. Baubestand liegen keine Nachrichten vor.

Als Res. der Gf.en von → Montfort-T. folgte zunächst unweit davon das Alte Schloß (heute Rathaus), 1667 unter Gf. Johann. X. (gest. 1686) vermutlich von Michael Kuen errichtet.

1713 wurde – an der Stelle der ma. Burg – im Auftrag Antons III. (gest. 1733) nach Plänen von Christoph Gessinger mit dem Bau des Neuen Schlosses begonnen, einer großzügig dimensionierten dreigeschossigen Vierflügelanlage mit diagonal gestellten Ecktürmen. An der Innenausstattung arbeiteten die Freskanten Johann Michael Rottmayr, Johann Rudolf Byss und der Stuckateur Dominikus Zimmermann. Nach fünfzehnjähriger Bauzeit mußten die Arbeiten wg. Überschuldung eingestellt werden. 1753 brannte das Schloß aus, der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren bis 1770, an der Dekoration der Innenräume waren Joseph Anton Feuchtmayr, Johann Georg Dirr, Andreas Moosbrugger, Johann Kaspar Gigl, Franz Martin Kuen, Andreas Brugger, Johann Josef Kauffmann und seine Tochter Angelika beteiligt. Zum 1990/1991 grundlegend renovierten Neuen Schloß gehören die Wachthäuser und das Schießhaus.

An der nordöstlichen Schmalseite der Stadt befindet sich das so gen. Torschloß, eine mehrteilige Baugruppe, die aus einem viergeschossigen, annähernd quadratischen Turm samt zwei Verlängerungstrakten, dem 1464 errichteten Torturm und einer Kapelle besteht.

Quellen

Siehe A. Monfort.

Siehe auch unter A. und B. Monfort. – Bilgeri, Benedikt: Bregenz. Eine siedlungsgeschichtliche Untersuchung, Dornbirn 1948 (Schriften zur Vorarlberger Landeskunde, 1). – Bilgeri, Benedikt: Bregenz. Geschichte der Stadt. Politik – Verfassung – Wirtschaft, Wien u. a. 1980. – Bilgeri, Benedikt: Politik, Wirtschaft, Verfassung der Stadt Feldkirch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in: Geschichte der Stadt Feldkirch, hg. von Karlheinz Albrecht. Bd. 1, Sigmaringen 1987, S. 75-387. – Bitschnau, Martin: Burg Bregenz. Bauanalyse und Baugeschichte der Burg auf dem Gebhardsberg, in: Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins (1984) S. 13-41. – Burg und Dom zu Feldkirch. Neue Forschungen zur Geschichte der Schattenburg und der Dompfarre St. Nikolaus, hg. von Manfred A. Getzner, Feldkirch 2009 (Schriftenreihe der Rheticus-Gesellschaft, 50) – Burmeister, Karl Heinz: Geschichte der Stadt Tettnang, Konstanz 1997. – Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs, Voralberg, bearb. von Gert Ammann, Wien 1983. – Helbok, Adolf: Die Bevölkerung der Stadt Bregenz am Bodensee vom 14. bis zum Beginne des 18. Jahrhunderts, Innsbruck 1912. – Immenstadt im Allgäu, hg. von Rudolf Vogel, Immenstadt 1996. – Klagian, Thomas: Die Entwicklung von Bregenz von den Anfängen bis in die frühe Neuzeit, in: Montfort 51 (1999) S. 155-175. – Die Kunstdenkmäler des Kreises Tettnang, bearb. von Werner von Matthey und Adolf Schahl, Stuttgart, Berlin 1937 (Die Kunstdenkmäler in Württemberg). – Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Feldkirch, bearb. von Dagobert Frey, Wien 1958 (Österreichische Kunsttopographie, 32). – Die Kunstdenkmäler von Schwaben, Bd. 7: Landkr. Sonthofen, bearb. von Michael Petzet, München 1964 (Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Schwaben, 7). – Merten, Klaus: Die Burgen und Schlösser der Grafen von Montfort-Tettnang und Rothenfels, in: Die Grafen von Montfort. Geschichte und Kultur, hg. von Bernd Wiedemann, Friedrichshafen 1982 (Kunst am See, 8), S. 140-148. – Niederstätter, Alois: Die Bregenzer Stadtammänner bis zum Jahre 1523, in: Alemannisches Jahrbuch (1981/1983) S. 183-214. – Niederstätter, Alois: Die Martinskapelle im Spiegel der schriftlichen Überlieferung und ihre Funktion im Rahmen der Bregenzer Stadtentwicklung, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 59/2 (2005) S. 124-129. – Niederstätter, Alois: Die Städte der Grafen von Montfort und von Werdenberg. Ein strukturgeschichtlicher Vergleich, in: Stadtarchiv und Stadtgeschichte. Festschrift für Fritz Mayrhofer zur Vollendung seines 60. Lebensjahrs, Linz 2004, S. 677-695. – Niederstätter, Alois: Feldkirch, Wien 2000 (Österreichischer Städteatlas, 6. Lieferung). – Niederstätter, Alois: Neue Forschungen zu Graf Hugo I. von Montfort sowie zur Gründung der Stadt Bregenz, in: Montfort 46 (1994) S. 271-281. – Noack, Werner: Die Stadtanlage von Feldkirch, in: Alemannisches Jahrbuch (1956) S. 273-282. – Die Städte Vorarlbergs, red. von Franz Baltzarek und Johanne Pradel, Wien 1973 (Österreichisches Städtebuch, 3). – Uhl, Stefan: Die Burgruine Hugofels, in: ARX-Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol 17,1 (1995) S. 441-450. – Zösmair, Josef: Über Schloß Bregenz, in: Schriften der Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 26 (1897) S. 7-21.