Hör-Abenteuer Wort: Podcasts zu drei Forschungsprojekten

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Wie erfasst man eine fast vergessene Sprache? Warum ist es für unsere Gesellschaft so wichtig, sich mit Wörtern zu beschäftigen? Und wieso wird eines der am häufigsten ausgelegten Bücher der Bibel neu ediert? Antworten darauf finden Sie in drei Podcasts, in denen die Forschungsprojekte „Wörterbuch des Altuigurischen“, „Wortgeschichte Digital“ und die „Editio critica maior des griechischen Psalters“ zu wissenschaftlichen Hör-Abenteuern werden. Die Rundfunkjournalisten Frederik Schulz-Greve und Saba Gebreyesus haben die Audio-Serie produziert und vermitteln geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung so mitreißend, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Möglich wurden diese ersten Podcasts unserer Akademie dank einer besonderen Förderung des Landes Niedersachsen für die Öffentlichkeitsarbeit. Und natürlich auch durch das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei Projekte, die neben ihrer Forschung an den zeitaufwendigen Produktionen mitgewirkt haben.

Der Podcast über das Wörterbuch des Altuigurischen führt auf eine Reise entlang der Seidenstraße, wo buddhistische, manichäische und christliche Gemeinschaften über Jahrhunderte hinweg eine erstaunlich offene, polyglotte Kultur prägten. Das Langzeitforschungsprojekt an der Akademie will nicht nur eine Sprache rekonstruieren, sondern ein bedrohtes Kulturerbe sichtbar machen. Was die Forschenden in alten Quellen finden, zeigt: Die Geschichte der Turksprachen ist keineswegs geradlinig, sondern vielmehr ein Geflecht aus unterschiedlichen Begegnungen und Einflüssen. Die alten Uiguren waren Schriftgelehrte, Übersetzer sowie Mittler zwischen verschiedenen Welten. Ihre Sprache erzählt von einer Vielfalt, die in den heutigen turkophonen Staaten so nicht mehr vorhanden ist.

In dem Podcast zum Projekt „Wortgeschichte Digital“ geht es um Wörter im Wandel, darum, wie Sprache unsere Geschichte erzählt. Sprache ist kein statischer Spiegel der Realität. Sie verändert sich in ihren Bedeutungen im Zusammenspiel mit der Gesellschaft. Der Wandel zeigt sich besonders deutlich an einzelnen Wörtern. Wenn „Krieg“ in einem anderen Land „militärische Spezialoperation“ genannt wird, wirkt die Sprache auf die gesellschaftliche Wahrnehmung des Geschehens zurück. Ein anderes Beispiel ist das Wort „asozial“: Es taucht in politischen Debatten auf, in den Medien, im Alltag – und jeder scheint etwas anderes damit zu meinen. Das Forschungsprojekt beschreibt, wie zentrale Wörter seit dem 17. Jahrhundert entstehen, wie sie sich verändern und wie sie mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammenhängen.

In dem Podcast über das Psalter-Projekt dreht sich alles um die Frage, wie der ursprüngliche Wortlaut der Psalmen, die über Jahrtausende immer wieder übersetzt und korrigiert wurden, wiederhergestellt werden kann. Wie lässt sich ein Text rekonstruieren, der in Hunderten von Handschriften, Palimpsesten und verschollenen Kommentaren überliefert ist? Welche Geschichten erzählen uns Fehler, Varianten und Lücken? Die Forschenden tauchen tief in die Überlieferung ein, vergleichen über 1.300 Manuskripte und entziffern alte Handschriften, deren ursprünglicher Text abgewaschen und später neu überschrieben wurde. Erst mit moderner Bildtechnik werden diese verborgenen Schichten wieder sichtbar. Jede Entdeckung – von verkohlten Fragmenten bis zu schwer zugänglichen Klosterhandschriften – wird zum Puzzlestein einer jahrtausendealten Textgeschichte.

Sie finden die Podcasts in unserer Mediathek.