PASSAU, BF.E VON
I.
Bm. seit spätestens 739, Hochstift seit 1217 bzw. 1220. Der Fbf. von P. gehörte zur Gruppe der geistl. Rfs.en, war Mitglied des Bayerischen Reichskreises (seit 1521). Er wurde vom Domkapitel gewählt, vom Kg./Ks. investiert, vom Papst ernannt und in der Regel vom → Salzburger Ebf. geweiht. Er gehörte der bayer. Kirchenprov. an, wenngleich sein Bm. zu mehr als der Hälfte bis 1783/85 im heutigen → Österreich lag.
Das Bm. reichte grob gesprochen vom Inn zw. P. und Altötting ausgehend nach O bis zum Leithagebirge in Niederösterreich und nördl. der Donau bis zum Gebirgskamm nach → Böhmen. Das Hochstift dagegen war wesentl. kleiner. Hervorgegangen aus der von Kl. Niedernburg übernommenen Nordwaldschenkung (1161/93), die 1217 als Gft. im Ilzgau an die P.er Bfe. ging und späterhin mit einigen Arrondierungen als Land der Abtei fungierte. Kleinere Herrschaften und verschiedene Schenkungen rundeten das bis dahin durchlöcherte Abteiland ab. Der Ausbau des fürstbfl. Territoriums gelang durchsichernden Burgenbau, Marktgründungen und Siedlungsfreiungen. Das Hochstift war, abgesehen von Streubesitz an der Donau, Waldland, das gerodet und besiedelt werden mußte, manchmal auch in Konkurrenz mit anderen Siedlungsunternehmern. 1803/06 mußte der Hochstiftsbesitz aufgegeben werden, nachdem das Bm. bereits mehrere Male verkleinert worden war (Stadtbm. → Wien, → Wiener Neustadt, bzw. heutige Bm. → Linz, St. Pölten, → Wien ausgegliedert).
Wenngleich es einzelne bfl. Absenzen gab, so gelang es den P.ern weithin, in der Stadt P. zu residieren. Eine Ausnahme hiervon machte ledigl. Bf. Altmann (1070-91), der sich im Investiturstreit nach Göttweig bzw. Zeiselmauer zurückzog. In der Neuzeit sind es Fürstbfe. wie Kard. Lamberg, die in ksl. Diensten stehend mehrmals ihre Res. verließen, allerdings freiwillig und mit dem gesicherten Bewußtsein, daß sie jederzeit zurückkehren konnten.
War das Hochstiftsgebiet aufgrund seiner Randlage von keinem größeren machtpolit. Interesse, so machte die Bistumsausdehnung manchen Kummer. Die österr. Babenberger und später → Habsburger trugen sich immer wieder mit dem Gedanken, das auf ihrem Territorium liegende P.er Diözesangebiet abzutrennen und einen eigenen Diözesanverband einzurichten. Wie brisant dieses Unternehmen war, zeigt die Ausstrahlungskraft P.s, die sich zunächst über → Wien bis nach Budapest in den Donauosten erstreckte und zu manchen Rivalitäten mit → Salzburg führte. Einen Höhepunkterreichte diese Rivalität unter Bf. Otto von Lonsdorf, als mit den sog. Lorcher Fälschungen der Anspruch auf den Donauosten untermauert werden sollte. Dabei sollte der Bistumstransfer von Lorch nach P. nachgewiesen und damit eine Kontinuität in die spätantike Zeit hergestellt werden, um → Salzburg an Anciennität zu überbieten. Der Versuch scheiterte, zeigt aber die Ambitionen der P.er noch um die Mitte des 13. Jh.s auf. Der Gedanke einer Beherrschung des Donauostens klang immer wieder in der P.er Geschichte nach.
Im wohl unter Bf. Konrad auf Bf. Pilgrim (971-91) zurückdatierten Nibelungenlied wird um 1190/1200 vom Empfang der Burgunder am P.er Hof gesprochen. 1444 besuchte Piccolomini P. und zeigte sich beeindruckt, allerdings mehr von den Bauten und weniger von der Hofgesellschaft. Die P.er Domschule, die in der Wiener Univ. auf Diözesangebiet Konkurrenz bekam, konnte sich seit dem 12. Jh. kaum mehr in Szene setzen, wenn es auch Verbindungen mit → Wien gab (Paul Wann).
Erst in der Neuzeit ist der P.er Hof etwas mehr ins Licht gerückt. So wurde 1552 der Passauer Vertrag im Schatten der P.er Domkirche abgeschlossen.
II.
Im 12. Jh. begegnen in den Urk.n vereinzelte Hofämter: camerarii (1138-1148 bzw. 1180-1190), dapifer (1110-47), marschalhus (1110-30), pincerna (1121-38). Seit der ersten Hälfte des 13. Jh.s waren diese Hofämter wohl ständig besetzt und weitgehend erbl., überdies im sog. Landtag (Hoftag) von 1256 festgeschrieben. Als weitere Hofämter begegnen Ende des 18. Jh.s:
Dem Marschallamt zugeordnet Hofkavaliere, Leibmedicus, Hofmedicus, Apotheker, Chirurgen, Truchsesse, Fortiere, Leib- und Kammerdiener, Verpflegungs- und Versorgungsbeamte, die Angestellten des Garderoben-amtes, Hofmusiker, Hofgärtner und Hofbibliothekare.
Unter dem Oberststallmeisteramt: Rechnungsführer, Sattelknechte, Hof- und Feldtrompeter, Hofpauker, Büchsenspanner, Lakaien, Kammerheizer, Haiduken und Hofhausknechte.
Dem Obristjägermeisteramt unterstanden: Oberlandesforstmeister, Waldmeister, Kanzlisten, Forstmeister, Oberjäger.
Der Obristsilberkämmerer beaufsichtigte Silberdiener, Tafeldecker und die Beschäftigten in der Konfektstube.
Dem Obristküchenmeister unterstanden schließl. Kontrolors, Küchenschreiber, Mundköche, Hofköche, Hoftischlieferanten und Hofmetzger. Diese ausgedehnte Organisation war erst nach und nach entstanden, ohne daß wir viele Nachrichten davon haben. Die Grundzüge waren im 13. Jh. gelegt worden.
Nachdem seit 739 die Verwaltung des Bm.s im Vordergrund stand (Domkapitel (erstmals erwähnt 796) und 798 die Zuordnung zur → Salzburger Kirchenprovinz festgeschrieben wurde, gelang es dem Domkapitel, sich von der Gemeinschaft mit dem Bf. Schritt für Schritt frei zu machen (Anfang des 12. Jh.s eigene Geschäftsfähigkeit, Kooptationsrecht, Absicherung gegenüber dem Bf. beim heim. Adel und bei den Ministerialen). Die Kapitulationsinstrumente von 1213, 1216, 1252, 1342, 1363/64 schrieben dem Kapitel immer weitere Rechte zu, so daß ein Historiker im Nachhinein feststellen konnte: »Ähnlichder Verselbständigung des Hochstiftsterritoriums, die kaum irgendwo weiter fortgeschritten war als in Passau, war auch die Stellung des Domkapitels gegenüber dem Bischof besonders stark«.
Das Domkapitel besaß am Ende dieser Entwicklung, spätestens seit dem 15. Jh., neben dem Bischofswahlrecht das Konsensrecht für die bfl. Amtsgeschäfte und die rechtl. gesicherte Garantie, bei Sedisvakanzen die Regimentsgeschäfte bis zur Neuwahl zu übernehmen. Damit war nicht nur die Kontinuität in einem Wahlfsm. weitgehend gesichert, sondern auch ein unentbehrl. und unumgängl. Partner an der Seite des Fbf. in kirchl. und fsl. Angelegenheiten installiert und benannt.
An dieser geistl. Konkurrenz mußte sich die hochstift. Verwaltung messen lassen. Kanzleitätigkeiten, am P.er Hof seit dem 8. Jh. in Urkundenausfertigungen indirekt belegt, gelangten in die Hände des Kapitels.
Die fsl. Herrschaft im Hochstift, einsetzend mit den Burghutdiensten, faßbar im Lonsdorfer Codex (Mitte des 13. Jh.s), beruhte nach Ludwig Veit nicht auf den Grafschafts-, sondern auf den Grundherrschaftsrechten. Damit waren die laikalen fürstbfl. Verwaltungsämter weniger bedeutsam als die Mitregierung des Domkapitels. Die anfangs für ein Jahr vom Fbf. in Dienst genommenen castellani mit ihrer Mannschaft hatten die Burghut übertragen erhalten, ein Geschäft auf Vertragsbasis. Wann dieses Lohn- Dienstgeschäft abgelöst wurde, läßt sich nicht genauer datieren, muß aberwohl ein länger währender Prozeß gewesen sein.
Erst im 16. Jh. gelang es den Fbf.en, ein geschlossenes Herrschaftssystem durch Aufkauf von Herrschafts- und Grundrechten, Burgenbau, Marktgründungen und Siedlungskampagnen einzurichten. Nunmehr gab es sechs Pflegschaftsrichter, die einem Landrichter auf Oberhaus (bereits seit 1341) zugeordnet wurden.
Neben dem iudex epsicopi (seit 999) existierte seit 1272 ein iudex civitatis in der Stadt. Beide Tätigkeiten wurden 1298/99 zusammengelegt. Hier blieb der bfl. Einfluß neben der Kontrolle des Stadtrats bis zur Auflösung des Hochstifts präsent.
Schon in den Inventarlisten und Beschreibungen der Res.en war immer wieder von camerae die Rede, ein Hinweis darauf, daß die Finanzgeschäfte zunehmend ein wesentl. Element der bfl. Herrschaft waren. Bildeten zunächst Kirchenzehnten, Einkünfte aus Schenkungen, Kirchenabgaben und ähnl. die Grundlage, so kamen im 10. Jh. Maut-, Zoll-, Markt-, Münz- und Gerichtseinnahmen im städt. Bereich hinzu, ehe 1217/20 die Grafschaftsrechte weitere Einnahmen garantierten. Gingen die städt. Einnahmen seit Piligrim in die bfl. Kassen, und ist damit auch eine Finanzverwaltung zupostulieren, so ist dieses wohl zunächst den städt. Ämtern zuzuordnen, ehe es seit der Mitte des 12. Jh. auch am bfl. Hofe begegnet.
Einen größeren Bereich müßten wir mit dem Bauwesen anschneiden. Das roman. Dombauprojekt Bf. Piligrims, von dem wir noch zu wenig wissen, kurz vor der Jahrtausendwende, dürfte wohl auch Baumaßnahmen am Domkl. mitumfaßt haben. Darüber streitet die Forschung allerdings noch, wenngleich es einige Indizien für diese Hypothese gibt. Ein verheerender Brand vernichtete die Bischofskirche 1181 weitgehend und führte zu einem Neubauunternehmen, das 1264 noch nicht vollendet war. In diese Jahre zw. 1180 und 1260 datieren die Kunsthistoriker und Bauarchäologen die ersten Spuren eines Residenzenbaus,die in der heutigen Alten Res. noch sichtbar sind. Bischofskirche und Bischofspalast scheinen ein architekton. Ensemble gewesen zu sein, so daß auch an beiden Bauwerken jeweils nahezu gleichzeitig Auf- und Umbauten erfolgten. Bauschulen oder gar Künstlernamen sind uns für diese frühe Zeit nicht erhalten, die Existenz einer Dombauhütte kann aber angesichts der langen Bauzeit als gesichert gelten. Im 15. Jh. kam es zu got. inspirierten Umbauten am Langhaus der Bischofskirche und zu einem Neubau des got. Ostchors. Als fördernde Bauherren werden Otto von Lonsdorf und Bernhard von Prambach gen. Im15. Jh. lancierten Georg von Hohenlohe (1393-1423) die Bautätigkeit mit dem Bau des Ostchors (1407ff.) oder auch Christoph Schachner (1490-1500) mit dem Umbau der Hofkapelle St. Marien (1491). Letztere als Grablege für den Bf. zunächst ausgelegt, überrascht durch eine hochaufragende Halle. Die noch erhaltene Bauinschrift bezeugt den Baubeginn 1491 und behauptet überdies, daß die Fundamente dieser Kapelle auf denen eines Vorgängerbaus ruhen. Möglicherw. ist dieser der 1173 erwähnte Bau, der anläßl. eines Urkundengeschäfts als Capella gen. wurde. Was es mit diesemVorgängerbau genau auf sich hatte, ist aber aufgrund widersprüchl. Nachrichten in den Quellen und ungenauer archäolog. Ermittlungen nicht näher zu präzisieren. Er mag als Kapelle, als Kanzlei oder als Repräsentationsraum für feierl. Urkundenverleihungen gedient haben. Mit dem Neubau unter Schachner sollte diesem Raum die Funktion einer Grablege zugewiesen werden, ein Angebot, daß die Nachfolger auf der Kathedra allerdings nicht nutzten. Sie suchten ihre Grablege im Domkreuzgang und im darin befindl. Kapellenkranz. Fbf. Johann Philipp von Lamberg beauftragte Johann Baptist Carlone, dreineue Altäre in barocker Manier für die Schachnerkapelle zu gestalten. Carl Anton Bussy erhielt den Auftrag, die Kapelle nach Barockmanier auszumalen, nachdem die architekton. Barockisierung mit dem Einzug einer gewölbten Decke, mit der Umgestaltung der Fenstergewände und v. a. mit der Errichtung eines barocken Portals abgeschlossen worden war. (Bauabrechnungen). Die Stadtbrände von 1662 und 1680 zogen diese Innenausstattung schwer in Mitleidenschaft. Eine umfassende Neugestaltung kam wohl nicht mehr in Betracht. Heute stehen noch die got. Außenmauern und das barocke Portal, wenngleich der Baueinem anderen Zweck zugeführt wurde. Zwischenzeitl. könnten hier die Preziosen des Bm.s gelagert worden sein (Schatzkammer). Diese mehrmals ansetzenden Baukonjunkturen sahen seit dem Jahre 1407 eine fast durchlaufende Tradition P.er Dombaumeister, zu denen etwa auch ein Hans Krumenauer gehörte.
Dem Geheimen Rat gehörten zw. 1767 und 1795 16 bis 24 Mitglieder an. Einer der bekanntesten dürfte Philipp Wilhelm von Hörnigk (1640-1714) gewesen sein, ein Kameralist, der in bfl. Diensten nicht nur das Wirtschaftsleben des Hochstifts zu reorganisieren verstand, sondern sich auch Verdienste um die P.er Geschichtsschreibung erwarb und zugl. das Hochstiftsarchiv neu ordnete, das demnach in der Res. untergebracht war.
Die Stadt lebte in erster Linie vom Handel (Sklaven, Salz, Getreide, Holz). Aus dem Niederlags- und Zollrecht erwuchs ein gewisser Reichtum, den die Fbf.e abzuschöpfen wußten. Im späteren MA und in der Neuzeit kam ein ausgeprägtes Handwerksleben hinzu. Allerdings mußte sich die Stadt zunehmend der Konkurrenz der territorialen Nachbarn → Bayern und → Österreich erwehren und verlor letztl. diesen Wettstreit, wie verschiedene Rechtsvergleiche zeigen (1368 Österreichischer Spruchbrief, Laudum Bavaricum = LB 1535). Mit der kath. Reformation seit den 1560erJahren erlitt die Stadt einen Aderlaß, der die wirtschafl. Spitzen aus P.vertrieb. Die Stadtbrände von 1662 und 1680 taten ein übriges. Daraufhin stellte sich eine auf den Hof zentrierte Wirtschaft ein, die die Stadt vom Hofe mit den Hörnigk'schen Reformen abhängig machte, so schildert es zumindest später der Aufklärer Riesbeck. Die Wirtschaftskraft erlahmte, der Hof lebte neben den landesherrl. Einkünften bes. von den kirchl. Einkünften (Wallfahrt, Zehnten, Kirchengebühren).
Wie die Raffelstetter Mautordnung ausweist, war der Fernhandel an und auf der Donau sehr lukrativ. An diesem Fernhandel zu partizipieren war das große Anliegen der P.er, wenngleich es mit → Österreich und → Bayern bald ernsthafte Konkurrenten gab. Ein anderes sehr einträgl. Geschäft war der Salzhandel, den P. am Inn abzuschöpfen suchte. Darüber hinaus besaß P. die geläufigen Nahmarktfunktionen wohl schon zu Zeiten der Römer als Grenzort zweier röm. Provinzen (Fischmarkt, Heumarkt, Roßmarkt als Ortsnamen). Maut-, Zoll-, Münz- und Marktrechte machten einen Großteil derEinnahmen aus, standen aber hinter den Einkünften aus dem Fernhandel zurück (vgl. Mautbücher 1400-02). Der sog. Goldene Steig durch das Hochstiftsgebiet, auf dem Salz nach → Böhmen gebracht wurde, der durch Niederlage und Transit reich machte, trug seinen Namen zurecht, ehe → Bayern und → Österreich Ausweichrouten durch ihre Territorien legten und den Handel umleiteten. (LB 1535). Gerade nach Regulierungen und Neuordnungen anfallender Kompetenzstreitigkeiten im Handel mit diesen Nachbarn initiierten die Fbf.e meist Neubauprojekte, ein Indiz für den Konnexzw. Handel und Reichtum auch des Stadtherrn (um 1000, 1250, nach 1364, 1535, um 1600, nach 1680).
Bes. Schutz genossen lange Zeit die Juden in P., denen wie Piccolomini versichert, 1444 ein oppidulum Judaeorum im Schatten der bfl. Burgen Ober- und Niederhaus eingerichtet wurde, ehe sie nach einem sog. Hostienfrevel die Stadt verlassen mußten (1476). Das letztgenannte Ereignis war ein Indiz dafür, daß seit dem 16. Jh. mit der Straffung und Neuorganisation des Hochstifts (Landtage, Pflegämter) weitere finanzielle Quellen erschlossen wurden, die nunmehr auf ein regelmäßiges Steuerwesen hinausliefen (mehrere Landtage mit diesem Thema im 16. Jh.). Erst mit diesemUmschwung in der Erschließung von Geldquellen für den fürstbfl. Haushalt wurden Verwaltungsämter bei Hofe angesiedelt.
Einen weiteren Aufschwung nahm diese Tendenz, als mit Philipp Wilhelm von Hörnigk ein Kameralist dem P.er Fbf. zur Seite trat, der die in der Schrift »Österreich über alles, wann es nur will« ausgeführten Maßnahmen eines kameralist. Herrschaftssystems nunmehr in P. umzusetzen suchte und leitend organisierte. Aufbau einer Manufakturwirtschaft, Erschließung der Bodenschätze, Zentralisierung der Verwaltung, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch Bauten, Geldumlaufbeschleunigung durch Handel, regelmäßige Steuern, statist. Auswertung der Unterlagen zur Geltendmachung von finanziellen Forderungen(Ausstände), bis hin zur Schaffung eines selbstbewußten »Wirbewußtseins«, Ankurbelung der Wirtschaft durch den Ausbau etwa des Wallfahrtswesens.
Aus der Zahl der Fbf.e auf der P.er Kathedra sollten auf jeden Fall die folgenden Bfe. herausgehoben werden, wenn auch mit je unterschiedl. Gründen:
Piligrim, Altmann, Konrad von Babenberg, Wolfger von Erla, Otto von Lonsdorf, Bernhard von Prambach, Kard. Georg von Hohenlohe, Georg Hessler, BA. Ernst von Wittelsbach, Wolfgang von Salm, Wolfgang von Closen, Urban von Trenbach, Leopold von Habsburg, Leopold Wilhelm von Habsburg, Johann Philipp von Lamberg, Kard. Joseph Dominikus von Lamberg.
Piligrim gilt als Begründer der bfl. Stadtherrschaft, Bauherr des roman. Domes und nach dem Nibelungenlied als Gastgeber der Burgunder. Altmann war eine zentrale Figur im Investiturstreit, der für die von Rom propagierten Reformen eintrat und später dafür zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Konrad von Babenberg ging ebenfalls als Reformer in die Kirchengeschichte ein, er war aber auch für die Trennung von Domkl. und Bischofspalast in P. verantwortl. und sicherte die Domimmunität als Stadtzentrum ab. Wolfger von Erla, der spätere Patriarch von → Aquileia ging in dieLiteraturgeschichte als derjenige ein, der Walther von der Vogelweide einen Pelzrock schenkte und dies in seinen Aufzeichnungen auch festhalten ließ (eines der wenigen Zeugnisse zu Walther). Zugl. scheint sich unter Wolfger eine Art Musenhof gebildet zu haben, denn er wird auch mit Albrecht von Johannsdorf in Verbindung gebracht, und soll später Thomasin von Zerklaere gefördert haben. Unter Wolfgers Regentschaft soll das Nibelungenlied im P.er Raum niedergeschrieben worden sein. Otto von Lonsdorf dagegen erwarb sich unübersehbare Verdienste um das P.er Hochstift, indem er dieBesitzverhältnisse aufzeichnen ließ (Lonsdorfer Codex). Bernhard von Prambach machte sich als Bauherr um P. verdient, ebenso wie Georg von Hohenlohe. Georg Hessler bereitete dem österr. Einfluß den Weg auf die P.er Kathedra. Ernst von Wittelsbach, der in der bayer. Primogeniturordnung zu kurz Gekommene, begann die zentralisierende Verwaltung des Hochstifts aufzubauen und kümmerte sich um den Ausbau der wirtschaftl. Ressourcen des Hochstifts (Unternehmen im Bergbau). Zugl. wehrte er den Anfängen der Reformation (Täufer). Wolfgang von Salm, der die Gesandten und Unterhändler des P.er Vertragesempfing und beherbergte (1552), Wolfgang von Closen, der die Gegenreformation in P. einläutete und Urban von Trenbach, der die Gegenreformation rigoros vorantrieb, sorgten dafür, daß P. kathol. blieb. Die beiden → Habsburger nahmen P. unter den österr. Einfluß, während die Lambergs dafür sorgten, daß die Tradition österr. Hochadliger auf der P.er Kathedra nicht mehr abriß und die Stadt den Charakter einer barocken Residenzstadt aufgeprägt bekam, ein Umstand, der den Aufklärer Riesbeck zu bissigen Kommentaren hinriß.
Zu den bekannten Persönlichkeiten am P.er Hof gehörten in erster Linie Maler und Architekten, so Wolf Huber (ca. 1480-1553); Nicolaus Gerhaert; Jörg Gartner, in der barocken Phase die Dombaumeister Carlone, die Residenzbaumeister Melchior von Hefele. Zu den Musikern und Komponisten zählen Urban Loth († 1636); Georg Muffat (1653-1704); Benedikt Anton Aufschnaitter (1665-1742): zu den Humanisten Angelus Rumpler; Jakob Ziegler; Paul Wann; Joachim Lüntaler.
Als Gäste und Besucher am Hofe sind herauszuheben: Enea Silvio Piccolomini 1444; ein wichtiger Teil der Rfs.en 1552; Ks. Leopold I. (1676) und seine Gemahlin Eleonore; Prinz Eugen von Savoyen (1676).
Das Stadtwappen ist der P.er Wolf, ein roter, nach rechts gewendeter aufrechtstehender Wolf auf silbernem Grund.
Da wir vom Hofleben noch wenig wissen und die Quellenlage etwas schütter ist, ist auf die kirchl. Feste zurückzugreifen. Zu den Hauptobliegenheiten des bfl. Hofes zählten die kirchl. Feiern und in deren Rahmen bes. die Prozessionen. Dazu nutzte man nicht nur die Domkirche, sondern die gesamte Domimmunität. Am heutigen Domplatz siedelten sich seit 1155 die Domkapitulare an, die sich bes. seit dem 16. Jh. Palais erbauten, die teilw. heute noch das Stadtbild um den Dom herum prägen (so etwa das barock gestaltete Lambergpalais). Daneben gab es seit dem 17. Jh. ein vom bfl. Hof lebhaftbeeinflußtes Wallfahrtswesen nach Maria-Hilf bei P. Weitere herausragende Ereignisse waren wohl der Passauer Vertrag von 1552; die Kaiserhochzeit Leopolds mit Eleonore 1676; die Wallfahrten nach Mariahilf seit 1683 (Ritterturnier in Hacklberg 1358). Erst 1783 wurde ein fürstbfl. Theater eingerichtet, das nach Umbauten auch heute noch bespielt wird. Zu den eigentl. Repräsentationen des Hofes gibt es bisher kaum histor. Forschungen, so daß wir uns auf diese geringen Angaben beschränken müssen.
Quellen
Bruschius, Caspar: De Laureaco veteri admodumque celebri olim in Norico civitate et de Patavia Germanico utriusque loci archiepiscopis ac episcopis omnibus, libri duo, Basel 1553. - Hochfürstlich Passauerischer Kirchen- und Hofkalender für die Jahre 1785. 1786. 1787. 1795. 1798. 1802.
Literatur
Barge, Hermann: Die Verhandlungen zu Linz und Passau und der Vertrag von Passau im Jahre 1552, Stralsund 1893. - Dischinger, Barbara: Der fürstbischöfliche Hof zu Passau unter Wolfgang von Salm (1540-1555) als Zentrum von Wissenschaft, Kunst und Kultur, unveröff. Ms. Zulassungsarbeit für das Lehramt an Gymnasien, Regensburg 1975. - Furtner, Alois: Der fürstbischöfliche Hof zu Passau am Vorabend der Säkularisa-tion, in Ostbairische Grenzmarken 14 (1972) S. 49-59. - Weißes Gold. Vom Reichtum einer europäischen Stadt (Ausstellungskatalog), hg. von Herbert W. Wurster, Max Brunner, Richard Loibl und Alois Brunner, Passau 1995. - Karnowka, Georg Hubertus: Prozessionen am Passauer Dom im 15. und 16. Jahrhundert, in: Ostbairische Grenzmarken 14 (1972) S. 60-71. - Krems, Elisabeth:Musikkultur von den Anfängen bis zur Auflösung des geistlichen Fürstentums (1803), in: Ostbairische Grenzmarken 4 (1960) S. 155-169; 5 (1961) S. 130-143. - Lanzinner, Maximilian: Passau als geistliches Fürstentum am Beginn der Neuzeit, in: Ostbairische Grenzmarken 36 (1994) S. 95-106. - Leidl, August: Die Bischöfe von Passau 739-1968 in Kurzbiographien, 2. Aufl., Passau 1978 (Neue Veröffentlichungen des Instituts für Ostbairische Heimatforschung der Universität Passau, 38). - Leidl, August: Das HochstiftPassau im 18. Jahrhundert. Die Entwicklung des reichsunmittelbaren Territoriums bis zur Auflösung des Fürstentums, in: Ostbairische Grenzmarken 23 (1981) S. 74-84. - Leidl, August: Die Residenz der Bischöfe von Passau. Eine Stätte der Kunst, Kultur und Kirchengeschichte, in: Ostbairische Grenzmarken 32 (1990) S. 139-144. - Kunst in Passau. Von der Romanik zur Gegenwart, hg. von Karl Möseneder, Passau 1993. - Ott 1961. - Ringelmann, Edith: Die Säkularisation des Hochstifts und desDomkapitels Passau. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Stadt Passau, Passau 1939 (Veröffentlichungen des Instituts für Ostbairische Heimatforschung, 18). - Schmitz, Heinz-Walter: Passauer Musikgeschichte. Die Kirchenmusik zur Zeit der Fürstbischöfe und der Klöster St. Nikola, Vornbach und Fürstenzell, Passau 1999. - Veit, Ludwig: Passau. Das Hochstift, Kallmünz 1978 (Historischer Atlas von Bayern. Altbayern, 35). - Weiss, Rudolf: Das Bistum Passau unter Kardinal Joseph Dominikus von Lamberg(1723-1761). Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Kryptoprotestantismus in Oberösterreich, St. Ottilien 1979 (Münchener theologische Studien, 1: Historische Abteilung, 21). - Wolfger von Erla. Bischof von Passau (1191-1204) und Patriarch von Aquileja (1204-1218) als Kirchenfürst und Literaturmäzen, hg. von Egon Boshof und Fritz-Peter Knapp, Heidelberg 1994 (Germanistische Bibliothek, 20).