Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LÜBECK, BF.E VON

I.

Bf.e von L. ab 1154 mit Amtssitz in L. und Res. ab etwa 1310 in Eutin; Fbf.e ab 1586; Reichsunmittelbarkeit 1274. Herrschaftsgebiet: Oldenburg/Holstein, Bosau (Plöner See) und Eutin mit umliegenden Dörfern und Grundbesitz.

II.

1156 gab Gf. Adolf II. von Holstein auf Druck Heinrichs des Löwen Bf. Gerold (1154-63) dem Bm. Oldenburg/Holstein als wirtschaftl. Grundlage 300 Hufen Land. Dieser Grundbesitz bestand aus drei nicht zusammenhängenden Gebieten in Ostholstein: Oldenburg, Bosau (Plöner See) und als Mittelpunkt Eutin mit umliegendem Land. Auf Anraten Bf. Gerolds ließ Heinrich der Löwe schon vier Jahre später den Sitz von Oldenburg nach L. verlegen und dort den Bau des Domes beginnen. Der Dom diente in den folgenden Jh.en auch als Grablege der Bf.e und Fbf.e. Um 1257 erhieltJohannes II. von Diest (1253-59) die Stadtrechte für Eutin, und sein Nachfolger Johannes III. von Tralau (1260-76) konnte 1274 gegen die Gf.en von → Holstein die Landeshoheit durchsetzen. Von Kg. → Rudolf von Habsburg erlangte er die kgl. Bestätigung seiner landesherrl. Rechte; damit wurde Eutin reichsunmittelbar und bald darauf Fürstensitz der L.er Bf.e.

Bf. Burkhard von Serkem (1276-1317) mußte um 1300 aufgrund von Streitigkeiten mit den L.er Bürgern während seiner Amtszeit L. zweimal für insgesamt mehr als 20 Jahre verlassen und suchte in Eutin Zuflucht. In dieser Zeit erweiterte er die Res. und gründete 1309 in Eutin das einzige noch heute bestehende Kollegiatstift Schleswig-Holsteins mit einem Propst und sechs Kapitelherren. Mit der Stiftsgründung ging eine Vergrößerung der roman. Pfarrkirche einher.

Serkems Nachfolger Heinrich II. von Bockholt (1317-41) vergrößerte die bfl. Grundherrschaft durch den Aufkauf zahlr. Dörfer im Umkreis Eutins und ließ sich um 1340 ein kunsthistor. bedeutendes lebensgroßes, vollplast. Bronzegrabmal im L.er Dom anfertigen.

Nikolaus II. Sachau (1439-49) legte den Grundstock für die Bibliothek, die der äußerst gelehrte Bf. Arnold Westphal (1449-66) maßgebl. erweiterte. Der ehrgeizige und prachtliebende Albert II. von Krummendiek (1466-89) überschritt bei seinen Ausgaben den bfl. Etat weit, was letztl. 1486 zur Verpfändung des gesamten Schlosses und der bfl. Tafelgüter führte. Krummendiek war es auch, der 1471 den Bildschnitzer Bernd Notke mit der Herstellung eines Triumphkreuzes für den L.er Dom beauftragte, das ihn als Bf. zeigt.

Heinrich III. von Bockholt (1523-35) war der letzte kathol. Bf. in L., der sich der nahenden Reformation zu widersetzen suchte. In den Wirren um die Mitte des 16. Jh.s lösten die Bf.e einander in rascher Folge ab, ohne daß sie bedeutend wirken konnten; der letzte kathol. Bf. in L. war schließl. Johannes Tiedemann (1559-61).

Aufgrund der Teilung Schleswig und Holsteins in kgl. und hzgl. Gebiete erhoben sowohl der Kg. von Dänemark als auch der Hzg. von → Schleswig- → Holstein- → Gottorf nach dem Tod Bf. Eberhards von Holle Anspruch auf die Herrschaft im L.er Bm. Hzg. Adolf gelang es, das Bm. für einen seiner jüngeren Söhne zu sichern. Johann Adolf (1586-1607) und später sein Bruder Johann Friedrich (1607-34) waren die ersten Fbf.e aus den Hause → Schleswig- → Holstein- → Gottorf. Die Geschichte des Fbm.s L. ist somit untrennbar mit der Linie dieser Hzg.esowie dem Hof in → Schleswig verbunden.

Mit dem Westfälischen Frieden konnte das Bm. seine Eigenständigkeit bewahren und blieb künftig das einzige rein evangel. Bm. im Reich. Das Wappen des Bf.s von L. zeigt ein griech. Kreuz mit Bischofshut.

Obwohl der Hof der Bf.e von L. und die Res. Eutin häufig das Interesse der Forschung fand, sind die archival. Quellen immer noch nicht erschöpfend ausgewertet.

Quellen

LA Schleswig-Holstein, Abt. 260: Regierung des Bistums/Fürstentums/Landesteils Lübeck zu Eutin (Find- buch Nordmann/Prange/Wenn 1997); Abt. 268: Lübecker Domkapitel (Findbuch Prange 1975); Abt. 269: Kollegiatstift Eutin 1565-1804 (Findbuch als Typoskript, Schleswig 1976); Abt. 400 IV: Handschriften des Bistums Lübeck (Findbuch als Typoskript, Schleswig 1993). - Schleswig-Holsteinische Regestenund Urkunden, 11-16, 1990-97. - Urkundenbuch des Bisthums Lübeck, hg. von Wilhelm Leverkus, Bd. 1: 1154-1341, Oldenburg 1856 (Codex diplomaticus Lubecensis, 1) (unveränd. ND der Ausg. von 1856 Neumünster 1994 [Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, 35]).

800 Jahre Dom zu Lübeck, 1973. - Kollmann 1901. - Nordmann/Prange/Wenn 1997. - Prange, Wolfgang: Das Lübecker Domkapitel, in: Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte. Reihe 1, 24 (1973) S. 109-129. - Prange, Wolfgang: Johannes Tiedemann, der letzte katholische Bischof von Lübeck, in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 54 (1974)S. 7-41. - Prange 1975. - Prange 1987. - Radtke, Wolfgang: Die Herrschaft des Bischofs von Lübeck. Ein Beitrag zur Verfassungs- und Sozialgeschichte, Hamburg 1968. - Röpcke 1977. - Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, 2/2, 1978.