Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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Olmütz, Bf.e von

I.

Zwar wurde das wahrscheinl. im Jahr 973 gegründete Bm. → Prag, ebenso wie das gleichzeitig entstandene mährische Bm. O. dem Ebm. → Mainz eingegliedert und blieb bis zum Jahr 1344, als das Ebm. → Prag entstand, formell im Verband der Mainzer Metropolie. In der Praxis aber war die böhm. Kirche unabhängig, und der → Mainzer Ebf. ernannte stets die von den Prager Fs.en bestimmten Bf.e.

II.

Als bedeutende geistige Würdenträger betätigten sich die O.er Bf.e in unterschiedl. Maße am tschech. Königsshof. Manche Bf.e bekamen ihr Amt dank der direkten Intervention des Herrschers, denn obwohl das Kapitel seit dem Jahre 1207 selbst das Recht der Bischofswahl hatte, unterstand es meistens den Einflüssen des Prager Königshofs und der Papstkurie. Die Reihe von bfl. Höflingen beginnt mit Petrus Angeli von Pontecorvo (1311-16), der Propst in → Prag und Vyšehrad, Kanzler der böhm. Königskanzlei (bis zum Jahre 1315), Domherr in → Breslauund in Sadska war. Er hielt sich in O. nicht lange auf und wurde bei der St. Veitkirche in → Prag begr. Zum Liebling des Kg.s Johann von Luxemburg wurde auch Bf. Konrad (1316-26), sein Berater und ein Vertrauter der Kg.in Elisabeth. Dem Bf. Heinrich Berka von Duba stand angebl. das mähr. Klima im Wege, er verweilte am Königshof und starb in → Prag. Ein unehel. Sprößling der → Přemysliden, Jan der VII. Volek (Bf. 1333-51), war Reichskanzler, Probst in Vyšehrad und Domherr in → Prag und O. Er hielt sich in Mähren deutl. länger auf. Das giltwiederum nicht für Johann VIII. Očko von Vlašim (1351-64), der Probst bei Allen Heiligen auf der Prager Burg und Domherr in → Breslau war. Er blieb oft in → Prag, so von Aug. bis Sept. 1355; im Herbst 1356 begleitete er → Karl IV. nach → Metz, im Frühling 1357 war er mit ihm auf der Burg → Karlstein und mit → Karl IV. hielt er sich auch drei Monate (Juni bis Aug. 1358) im Reich auf. 1359 war er auf → Karlstein, nahm an dem Feldzug gegen die Gf.en von → Württemberg am Sommerende 1360 teil usw.Bf. Johann IX. von Neumarkt (1364-80) wurde für seine erfolgreiche Arbeit in der Kanzlei mit dem Titel »Graf der königlichen böhmischen Kapelle« belohnt. Lt. Privileg gehörte den O.er Bf.en das Recht, an den feierl. Gottesdiensten das Evangelium nach dem dritten Agnus den böhm. Kg.en zur Kußhand zu reichen, und in der Abwesenheit des Prager Ebf.s die Pontifikalmesse zu zelebrieren. In dem Amt des Kanzlers ersetzte ihn der → Eichstätter Bf. Bertold, nach seinem Tod im Sept. 1365 kehrte Johann von Neumarkt jedoch als Kanzler zurück und blieb häufig am Hof. Im Dez. 1374verzichtete er auf die Funktion des Kanzlers und zog sich nach Mähren zurück. Seine Nachfolger hielten sich nur teilw. in → Prag auf. Ledigl. Bf. Nikolaus von Riesenburg (1388-97) bekam am 18. April 1395 vom Mgf.en → Jobst sein Haus unter der Prager Burg auf der Kleinseite, und er starb in der Festung in Dřevčice bei → Prag. O.er Bf.e engagierten sich amEnde des 14. Jh.s verstärkt in mähr. Angelegenheiten, wo überdies die brudermörder. Kämpfe zw. den verfeindeten Parteien der Mgf.en → Jobst und Prokop wüteten. Den O.er Bf.en boten sich mehrere Gelegenheiten zum Aufenthalt am Königsshof nach dem Tod des Mgf.en → Jobst (1411) unter den Bf.en Konrad von Vechta (1408-12) und Wenzel Kralík von Buřenice (1412-16), aber durch den Ausbruch der Hussitenkriege wurde diesen Fahrten zum Hof ein entschiedenes Ende gemacht. Die zerrissenen Beziehungen zu → Prag und denböhm. Kg.en nahm erst Stanislav Thurzo wieder auf (1497-1540), der als Königsgesandter an den Landtagen in → Böhmen (im Juli 1508, im Jan. 1514, im Juli 1524) teilnahm. Am 17. Febr. 1509 krönte er im St. Veitsdom Ludwig Jagiello zum Kg., am 1. Juni 1522 Ludwigs Ehefrau Marie von Habsburg und im Febr. 1527 nahm er an den Krönungsfesten aktiv teil (am 24. Febr. las er die Messe zur Krönung → Ferdinands I. und am 25. Febr. 1527 krönte er die Kg.in Anna). Damals war → Prag aber nicht mehr die Hauptres. der böhm. Kg.e, es war vielmehr Budin und seit dem Jahre 1526→ Wien.

Die meisten O.er Bf.e hatten für die Aufenthalte in → Prag keine eigenen Unterkünfte. Nur Bf. Nikolaus von Riesenburg erhielt am 18. Apr. 1395 ein Haus auf der Kleinseite von Mgf. → Jobst; sein weiteres Schicksal kennen wir jedoch nicht. In der Nähe von → Prag in Dřevčice (17,5 km nordöstl. von → Prag) gehörte dem Bf. eine Festung. Sie gehörte schon Johann von Neumarkt als Privateigentum und Johanns Verwandter Heinrich von Bělá verkaufte die Festung i. J. 1382 an den O.er Bf. Peter Jelito (Wurst) (1380-87), der sie den Tafelgütern des Bm.sanschloß. Nach Peters Tod (1387) hielten dessen Feinde für einige Zeit die Festung, gegen 1392 wurde sie jedoch zurückgewonnen und Bf. Nikolaus von Riesenburg starb hier i. J. 1397. Seit dem Jahre 1412 war die Festung Dřevčice verpfändet; Stanislav Thurzo hatte gar versucht, sich Dřevčice auszahlen zu lassen, aber ihm ist nur die Verpfändung bestätigt worden (1500, 1503 und 1524).

Europas Mitte um 1000, 2000. - Hlobil, Ivo/Kohout, Štěpán: Olomoučtí biskupové od Lacka z Kravař po Jana Dubravia, in: Od gotiky k renesanci, výtvarná kultura Moravy a Slezska 1400-1500, hg. von Kaliopi Chamonikola, Bd. 3, Olmütz 1999, S. 27-33. - Kavka 1993. - Matzke, Josef: Das Bistum Olmütz von 1281-1578, Königstein 1975 (Schriftenreihe des Sudetendeutschen Priesterwerkes Königstein, 20). -Medek, Václav: Osudy moravské církve do konce 14. věku, Prag 1971 (Dìjiny olomoucké arcidiecéze, 1). - Peřinka 1913. - Wolný, Gregor: Kirchliche Topographie von Mähren, meist nach Urkunden und Handschriften. Abt. 1: Olmützer Erzdiöcese, Bd. 1, Brünn 1855.