Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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Leitomischl, Bf.e von

I.

Den Bezirk der Diöz. bildeten vier Dekanate in Ostböhmen, die aus der Prager Diöz. ausgegliedert worden waren und zwei Dekanate in Nordwestmähren, die früher der Diöz. → Olmütz angehört hatten. Der Bezirk befand sich in einer überwiegend gebirgigen Gegend mit einer Ausdehnung von ca. 125 × 40 km. Die Residenzstadt des Bf.s war das zentral gelegene L.

II.

Das Bm. wurde auf Anregung Kg. → Karls IV. erst i. J. 1344 gegr. Zur Grundlage der materiellen Ausstattung wurden die Güter des bisherigen Prämonstratenserstiftes L. Ein Teilder Konventsmitglieder bildete das Domkapitel, mit dem die Reste des Konvents allmähl. verschmelzen sollten; es bestand bis in die 90er Jahre des 14. Jh.s. Zu unmittelbarem Besitz des Bf.s wurde die Stadt L. selbst und 40 Dörfer, die v. a. am Fluß Loučná ausnahmlos innerhalb der Diöz. lagen und von denen viele verpfändet waren. Streitigkeiten über die Besitzrechte zw. dem Bf. und seinem Kapitel hielten seit der Entstehung des Bm.s an, zu deren Beilegung zahlr. Vereinbarungen getroffen wurden, insbes. am Ende der 60er Jahre, mitendgültiger Wirkung aber erst 1398. Das weder bedeutsame noch reiche Bm. diente eher den polit. Plänen → Karls IV. und als Karrierestation für Personen aus seinem Umkreis. Nach dem ersten Bf. - das Amt versah der Prämonstratenserabt - übernahm den Stuhl Johann von Neumarkt (1353-64). Da er in der kgl. Kanzlei tätig war, übergab er die Leitung der noch nicht konstituierten Diöz. Administratoren. Auch die sich schnell ablösenden Nachfolger Johanns vermochten es nicht, das Bm. zu stabilisieren geschweige denn einen beständigen bfl. Hof zu gründen. Eine Stabilisierung des Bm.s in einerschon veränderten Situation gelang erst unter dem langen Episkopat von Johann dem Eisernen (1389-1418).

Seit den 50er Jahren existieren Belege über einzelne Mitglieder der geistl. Verwaltung der Diöz., die die Leitung in Vertretung des abwesenden Bf.s inne hatten. Regelmäßig erscheint während der Zeit des Bestehens des Bm.s nur der Offizial, der manchmal auch gleichzeitig die Aufgaben des Generalvikars besorgte. Gleichzeitig erfahren wir auch von Schreibern. Nach dem Untergang des größten Teils des Schriftguts läßt sich aber nichts näheres über die zweifellos existierende Kanzlei sagen.

Erst im weiteren Verlauf ist es mögl., der Überlieferung Anzeichen für das Vorhandensein einer höf. Umgebung des Bf.s von L. zu entnehmen. Es ist die Zeit Albrechs von Sternberg (1364-68, erneuert 1371-80), für die das Amt des Hofmeisters belegt ist, offensichtl. in Analogie zum Hof → Karls IV. Da einzelne Personen, die als Albrechts Höflinge erscheinen, evtl. auch mit festen Funktionen, mit Albrecht sogar von L. nach → Schwerin oder → Magdeburg gingen, ist die Annahme erlaubt, daß sein Hof in der Tat den Hof eines bedeutenden Adligen darstellte,aber nicht den wirkl. Hof eines Bf.s.

Erst unter Johann dem Eisernen sollte ein stabiles System entstehen; nach Ausweis der Belege können aber nur vorübergehend feste Funktionszuschreibungen vorgenommen werden. Das einflußreichste Amt am Hof war dasjenige des marscalcus, der auch in die wirtschaftl. Bereiche eingriff, so. anläßl. von Verkäufen. Marscalcus waren die Mitglieder des für gewöhnl. in der Umgebung des Bf.s schon längere Zeit als familiares belegten Kleinadligen. Die Bürger von L. erscheinen als Verwalter (Meister) der Einnahmen sowie des Bgf.en derbeiden bfl. Burgen (L. und Tržek). Eine bes. Stellung nahm der iudex provincialis ein, der als Landvogt Vertreter des Bischofs in den Angelegenheiten der ländl. Untertanen auftrat. Die seit Beginn des 15. Jh.s belegten Stadt- und Dorfrichter sowie der Waldrichter waren ebenfalls bfl. Beamte. Neben der höf. Verwaltung sind auch - v. a. aber auch erst zu Beginn des 15. Jh.s - eine Reihe von Dienstfunktionen am Hof belegt wie cocus, marstaller, huntmeister und Kämmerer als persönl. Diener des Bf.s; dieseDienste versahen aus L. und anderen bfl. Gütern stammende Personen. Als zeremonieller Höfling ist innerhalb dieser Kategorie nur der magister coquinae anzusehen, der sozial zw. dem Kleinadel und der Geistlichkeit einzuordnen ist. Nach dem Jahr 1372 begegnen wir auch einem medicus. Relativ zahlr. und mit Ausnahme der 80er Jahre kontinuierl. belegt ist die Gruppe von kleinadligen familiares rein ostböhm. Herkunft, die die Bedeutung der Umgebung des Bf.s für die Region deutl. macht. Der plötzl. Anstieg der Belege überfamiliares in der Zeit Johann des Eisernen zeigt wiederum, daß erst ab dieser Zeit von einem dauerhaft existierenden Hof in L. gesprochen werden kann, während es sich bis dahin um an die Person des einzigen Bf.s gebundene familiares, die größtenteils von außerhalb L.s stammten, handelte. Eine persönl. Bindung an den Bf. bestand auch bei der nicht häufig belegten Kaplänen, bei denen es nur einmal mögl. ist, zwei von ihnen gleichzeitig zu fassen. Die Quellen reichen hier aber nicht aus, um zu einem gesicherten Urteil zu gelangen. Es wäre illusor.,auf dieser Grundlage eine auch nur ungefähre Angabe der Zahl der am Hof der Bf.e von L. anwesenden Personen treffen zu wollen.

Die Bedeutung des Hofes war auch in der Blütezeit seiner Existenz zu Beginn des 15. Jh.s nur von lokaler Reichweite und berührte keinesfalls eine breitere kulturelle und intellektuelle Ebene. Auch die Bibliothek und die Illuminatorenwerkstatt Johanns von Neumarkt befanden sich in → Prag statt in L. Der Hof als funktionierendes gesellschaftl. Zentrum beschloß seine Existenz offenbar i. J. 1418, als Johann der Eiserne nach → Olmütz ging. In der Folgezeit kam es zu Streitigkeiten um die Besetzung, was den Niedergang schließl. beschleunigte. Ab 1442 verwalteten dasKapitel und Administratoren den mähr. Teil der Diöz. Infolge des Ablebens des letzten Administrators Wolfgang i. J.1554 endete allerdings auch dieser Bereich des Bm.s.

Quellen

CDEM VI-XV, 1854-1903. - Šebánek, Jindrich: Archivy zrušených klášterů moravských a slezských, Bd. 1: Inventář pergamenů z let 1078-1471, Brünn 1932 (Publikace Zemského archivu v Brnì NF 1).

Hledíková, Zdenka: Litomyšlské biskupství, in: Litomyšl. Duchovní tvář českého města, Leitomischl 1994, S. 29-51. - Mezník 1999. - Nejedlý, Zdenìk: Dějiny města Litomyšle a okolí, Bd. 1: Dějiny kláštera a biskupství: Litomyšlského (do r.1421), Leitomischl 1903.