ZWEIBRÜCKEN C.7.
I.
Zweinbrüke (1180); Zweigenbrugge (1281); Zweybrucken (1307); Zwayenbrücken (1555); Zwaibrvck (1564); Zweibrucken (1590) - Burg und Stadt - Gft., seit 1410 Fsm. Pfalz-Z. - Hauptres. - D, Rheinland-Pfalz, Reg.bez. Rheinhessen-Pfalz, kreisfr. Stadt.
II.
Burg und Kern der späteren Siedlung Z. lagen auf einer Insel im Schwarzbach zw. den zwei Brücken der hier das Tal querenden Straße. Nach 1150 entstand eine Burg der Gf.en von Saarbrücken zur Sicherung ihrer Hornbacher Klostervogtei. Bei der Teilung des saarländ. Besitzes erhielt Gf. Heinrich die Herrschaft Z. und nannte sich seit 1199 nach ihr. In der ersten Hälfte des 13. Jh.s wurde die Siedlung ummauert. 1244 stiftete Gf. Heinrich II. eine Kapelle und übergab sie dem neugegründeten Reuerinnenkl. 1352 verlieh Ks. → Karl IV. Z. Stadtrechte nach demRecht von Hagenau. Die Schulden der Gf.en brachte Z. wiederholt in fremde Hände. 1333 war es an den Ebf. Balduin von Trier, 1366 an die Gf.en von Veldenz verpfändet. Der kinderlose letzte Gf. von Z., Eberhard, verkaufte 1385 seinen gesamten Besitz an den pfälz. Kfs.en Ruprecht I. Die Gft. Z. wurde 1393 an → Lothringen verpfändet. Bei der pfälz. Erbteilung unter den Söhnen Ruprechts III. von der Pfalz erhielt Pfgf. Stephan 1410 neben Gebieten im Hunsrück, am Donnersberg und in der Vorderpfalz, den Reichspfandschaften Annweiler und Kirkel das Recht, die verpfändeten Gebietewieder auszulösen, was er 1416 erreichte. Stephan residierte in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Regierung zumeist in Simmern im Hunsrück, nach dem Anfall des Veldenzer Erbes (1444) in → Meisenheim. In Z. hielt er sich nur selten auf. 1448 ließ er das bisher kirchl. von Ixheim abhängige Z. zur selbständigen Pfarrei erheben und dotierte diese mit den Gütern des aufgehobenen Reuerinnenkl.s.
Viell. wäre → Meisenheim die Haupt- und Residenzstadt Pfalz-Zweibrückens geblieben, wäre es nicht in den krieger. Auseinandersetzungen zw. Ludwig I. und Friedrich dem Siegreichen 1461 erhebl. zerstört worden. Nun tritt Z. zunehmend in den Vordergrund und wird im letzten Viertel des 15. Jh.s Residenzstadt. So wurde die Kanzlei 1463 nach Z. verlegt, wo sie sich im Grafenschloß befand. Ludwig I. wohnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Z., sondern abwechselnd in verschiedenen Schlössern und Burgen seines Territoriums, darunter lange auf Burg Lichtenberg. 1477 bezog er die alteGrafenburg, und von diesem Zeitpunkt an kann Z. als Residenzstadt gelten. Ludwig I. ordnete das Zunftwesen und verlieh 1483 der Stadt, die 1470 durch Brand weitgehend vernichtet worden war, den Großen Freiheitsbrief. Zum Ausgleich für die schweren Kriegslasten der letzten Jahre wurde die Hörigkeit aufgehoben, aber der Stadt keine Selbstverwaltung gewährt. Der Freiheitsbrief bildete die Grundlage für die folgenden Privilegien.
Der Zustand der alten Grafenburg blieb bis zum Ende des 15. Jh.s unv. Erweiterungen der Burg erfolgten im 16. und 17. Jh. Unter der Regierung Ludwigs II. (1514-32) entstand ein teilweiser Neubau, der sog. Ludwigsbau. Danach errichtete Wolfgang (1532-69) einen neuen Schloßbau, den sog. Wolfgangsbau, der bis 1589 als Residenzschloß diente. Johann I. (1569-1604) ließ durch die frz. Baumeister Monereau und Rochefort den sog. »Langen Bau am Wasser« mit Schloßmühle und Bibliothek als Residenzschloß errichten, der 1589 bezogen wurde. Die Zentralbehörden wurden in den ebenfalls von JohannI. errichteten »Neuen-Münz-Bau« verlegt. Sein Sohn Johann II. (1604-35) erweiterte den »Langen Bau« nach S. Diesen Teil, den sog. Prinzenbau, bewohnte die hzgl. Familie. 1631 wurde die Verwaltung in den »Wolfgangsbau« zurückverlegt. Als letztes Gebäude fügte Friedrich (1635-61) der alten Burg den sog. Friedrichsbau an. 1677 ging beim Abzug der Franzosen die Burg in Flammen auf; ledigl. der »Lange Bau am Wasser« und der Friedrichsbau waren weitgehend erhalten geblieben.
Pfgf. Alexander ließ zw. 1493 und 1514 die heute nach ihm benannte spätgot. Kirche als Hofkirche erbauen. Als Baumeister gilt Philipp von Gmünd, der zuvor - wie erwähnt - auch den Bau der Schloßkirche in → Meisenheim geplant und geleitet hat. Die Alexanderkirche diente seit 1514 als Begräbnisstätte der zweibrück. Wittelsbacher.
Mit der selbständigen Regierung Hzg. Wolfgangs begann 1543 eine erste Blütezeit der Residenzstadt Z., die bis zu den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges andauerte. Die Erweiterungsbauten bei der alten Grafenburg gaben der Stadt nunmehr den Charakter eines Fürstensitzes; Befestigungsbauten dienten der Sicherung. Das Gewerbe der Stadt wurde zunehmend gefördert. Jedoch waren die polit. und milit. Unternehmungen des Hzg.s - er starb 1569 auf einem zugunsten der Hugenotten unternommenen Feldzug in Frankreich - für Stadt und Land eine ebenso schwere finanzielle Belastung wie die aufwendigeHofhaltung seines Nachfolgers Johann I.
III.
Die alte Grafenburg war als Wasserburg innerhalb eines vom Schwarzbach gebildeten Bogens angelegt. Am wenigsten war sie auf der Nordostseite geschützt. Vermutl. wurde dort mit dem Bau einer Ringmauer begonnen. Durch den Schwarzbach und die Ringmauer war die Burg von der Stadt getrennt. Die zur Burg bzw. zur Alten Res. gehörenden Bauten säumten den Alten Markt und den jetzigen Schloßplatz in der Weise, daß an der Ostseite der älteste Burgbau, der Ludwigsbau, die Burgkapelle (nach 1410 erbaut; erste Erwähnung 1446), der Neue Schloß- oderWolfgangsbau, das Ballhaus, die Münze und südl. davon der Friedrichsbau standen. An der Westseite des Platzes befanden sich der »Lange Bau am Wasser« mit Schloßmühle und Bibliothek, südl. schloß sich der Prinzenbau an.
Der Ludwigsbau war »ein Schloßgebäude des 16. Jh.s mit typ. Kennzeichen der frz. Palaisarchitektur« (Schmoll gen. Eisenwerth 1963, S. 49). Der Bau ist nach seiner Zerstörung 1677 wohl nicht mehr instand gesetzt worden. Der Wolfgangbau, ein langgestreckter zweigeschossiger Bau über einem hohen Kellergeschoß, dem in der Mitte der Langseite ein polygonaler Treppenturm vorgestellt war, wurde nach den Kriegsschäden von 1677 zu Beginn des 18. Jh.s wiederhergestellt. Der »Lange Bau am Wasser« war eine langgestreckte, drei Geschossehohe Anlage. Auch dieser Bau hatte einen Treppenturm.
Am Nordende des Baues befand sich im Erdgeschoß die Mühle, im zweiten Obergeschoß die Schloßkapelle. Der bei den Zerstörungen der Burg im 17. Jh. erhalten gebliebene Bau ist zu Beginn des 18. Jh.s als Wohnung des Polenkg.s Stanislaus Leszczynski umgestaltet worden. Vermutl. wurden die protestant. Schloßkapelle und die alten Treppenhäuser beseitigt. Nach Schmoll gen. Eisenwerth (Schmoll gen. Eisenwerth 1963, S. 52) muß der von frz. Baumeistern errichtete Bau »den Höhepunkt der französisch orientierten Palastarchitektur Zweibrückensgebildet haben«. Der Bau war in seinen wesentl. Formen bis zu seiner Zerstörung im März 1945 erhalten geblieben. An der Südseite des »Langen Baus am Wasser« war der dreigeschossige Prinzenbau angebaut. Die Giebel waren hohe Treppengiebel, deren Absätze mit Zierformen versehen waren. Der Prinzenbau wurde 1677 wohl schwer beschädigt, in anderer Form wieder aufgebaut und mit dem »Langen Bau am Wasser« unter einem Dach zusammengezogen. Im S daran anschl. wurde 1747 das 1945 zerstörte Archivgebäude errichtet. Der Friedrichsbau, ein hoher und wohl langgestreckter zweigeschossiger Bau,blieb bis Ende des 19. Jh.s weitgehend erhalten; dann wurde er von privater Seite erworben, verändert und ebenfalls 1945 zerstört.
Quellen
Als Quellenwerk wäre ledigl. zu nennen Molitor, Ludwig: Urkundenbuch zur Geschichte der ehemals pfalz-bayerischen Residenzstadt Zweibrücken, Zweibrücken 1888 (genügt aber keineswegs wissenschaftl. Ansprüchen!). Aufgrund des fast vollständigen Kriegsverlusts der älteren zweibrück. Überlieferung im StA Zweibrücken (im März 1945 zerstört) muß auf die ältere ortskundl. Lit. zurückgegriffen werden (bspw. Molitor 1885 oder Pöhlmann 1939 und die Arbeiten von Ernst Drumm), die allerdings inneueren Arbeiten (Schmoll gen. Eisenwerth 1963, Ammerich 1992) berücksichtigt wurde.
Literatur
Ammerich 1992. - Dellwing, Herbert/Kubach, Hans Erich: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des ehemaligen Landkreises Zweibrücken, Mainz 1981 (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, 7,2). - Molitor, Ludwig: Vollständige Geschichte der ehemals pfalz-bayerischen Residenzstadt Zweibrücken von ihren ältesten Zeiten bis zur Vereinigung des Herzogthums Zweibrücken mit der Bayerischen Krone, Zweibrücken 1885. - Pöhlmann, C.:Zweibrücken und Meisenheim, in: Westrich. Heimatblätter 3 (1939) S. 17-19. - Schmoll, J. A. gen. Eisenwerth: Eine unbeachtete alte Darstellung der Stadt Zweibrücken in Göttingen. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Residenzstadt im 16. Jahrhundert, in: Saarbrücker Hefte 17 (1963) S. 40-56.