Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ZABERN C.3. (Saverne)

I.

Tres Tabernae, Tabernis (3. Jh.), Zabern (842), Saverne (1869). Stadt, Bm. Straßburg, Res. der Straßburger Bf.e im SpätMA. - F, Dep. Bas-Rhin.

II.

Am Fuß der sog. Z.er Steige gelegen, 40 km von → Straßburg entfernt, in nordwestl. Richtung, entstand die Ortschaft in röm. Zeit; das »Itinerarium Antonini« erwähnt dieses auf einem Gebirgsvorsprung aufgebautes Castrum, das 357 Ks. Julian als Stützpunkt für seinen Feldzug gegen die Alemannen benutzte. Kg. Heinrich I. entriß kurz nach 923 den Ort dem Bf. von → Metz und vereinigte ihn mit dem Hzm. Schwaben-Elsaß. Später verschaffte sich das Bm. Straßburg Rechte und Besitz in Z.; 1236 wurden diese vertragl. mitKs. → Friedrich II. festgelegt. Bf. Burkart kaufte 1170 den Burgberg, südwestl. von Z. um seine Feste, castrum sanctae Mariae, auszubauen; er bekundete damit wie wichtig ihm Z. als Station an der Hauptstraße nach → Lothringen erschien. Wahrscheinl. baute er ungefähr zur selben Zeit innerhalb der bereits 310 errichteten Stadtmauer eine Burg, im nordöstl. Winkel der röm. Festung. Ob schon früher ein für den Aufenthalt des Bf.s bestimmtes, befestigtes Gebäude errichtet worden war, wissen wir nicht. Civitas wird Z. erst 1235gen.; zur selben Zeit ist von einer universitas die Rede; erst 1393 erscheinen die nun über Freiheiten verfügende burgenses. Dem 14köpfigen Rat stand der gewählte Unterschultheiß vor; den Oberschultheiß ernannte der Bf., dessen Rechte er vertrat. Erst in den letzten Jahren des 14. Jh.s wurde Z. die gewöhnliche Res. des Bf.s, der für seine sich im 15. Jh. ausbildenden Regierungsbehörden die notwendigen Gebäude errichten ließ. Die am 15. Mai 1525 in die Stadt eingedrungenen Bauern zwang der Hzg. von → Lothringen zurKapitulation; seine Söldner plünderten Z. aus und töteten 300 Einw. Die Befestigung wurde zu Beginn des 17. Jh.s modernisiert; die Stadt litt jedoch sehr während des Dreißigjährigen Krieges.

III.

Obwohl es erst 1387 in den Quellen erwähnt wird, wurde das sog. untere Schloß sehr wahrscheinl. im Laufe des 12. Jh.s erbaut. Der hohe quadratförmige Bergfried, der erst im 18. Jh. abgetragen wurde, stand wohl zuerst in der Mitte einer befestigten Anlage, die aber zu Beginn des 13. Jh.s in Zuge einer Erneuerung nach S verschoben wurde, so daß der Turm nun in der südwestl. Ecke der viereckigen, nach frz. Muster modifizierten Anlage sich befand. Von der Stadt trennte das Schloß auf der südl. und der westl. Seite ein sehr breiter, bewässerter Graben. 1506 ließBf. Wilhelm von Honstein die Gebäude so umwandeln, daß es sich darin komfortabel leben ließ; ein Bad wurde eingerichtet und ein Garten angelegt. Der lothring. Chronist Volcyr, der 1525 in Z. den Hzg. begleitete, spricht vom château neuf. In den Inventaren von 1541 und 1568 erscheinen ein Saal, eine Schatzkammer und eine Kapelle. Im 17. und bes. im 18. Jh. wurde dieses Schloß durch den Palais, den der Kard. Louis-René de Rohan-Gueméné sehr prachtvoll gestaltete, ersetzt.

Den »Oberhof«, auch »Schlössel« gen., auf der Südseite der höher gelegenen Pfarr- und Stiftskirche, hat sehr wahrscheinl. Bf. Wilhelm von Diest 1417 erbauen lassen. Es handelt sich um einen eher schlichten Bau, der an die alte Stadtmauer angelehnt war. Albrecht von Bayern ordnete Erneuerungs- und Verschönerungsarbeiten an, die etwa in letzten Zehntel des 15. Jh.s unternommen wurden. 1506 ließ Wilhelm von Honstein die Stallungen erneuern. Ein Teil der Räume wurde der bfl. Kanzlei zur Verfügung gestellt. Da Volcyr vom vieil Palais spricht, kann man annehmen, daßder Bf. lieber im unteren Schloß residierte und der Oberhof v. a. die Verwaltung beherbergte. 1539 wurde hinter dem Chor der Stiftskirche die Verbindung zw. dem »Oberhof« und der seit dem 14. Jh. bestehenden St. Michaelskapelle hergestellt; in diesem neuen Gebäude wurde die Bibliothek des Bf.s untergebracht; im Erdgeschoß befand sich in einer Galerie ein Ölberg. Zu Beginn des 17. Jh.s zog der Bf. vor, im »Oberhof« zu wohnen. Ein Inventar aus dem Jahr 1615 führt mehr als 30 Säle, Kammern und Zimmern auf.

In der außerhalb der Stadt auf einem Felsengrat sich befindende Feste Hoh-Barr, hält sich auch bereits im 14. Jh. der Bf. auf. Sie galt als oculus Alsatie. Als Wilhelm von Diest sich angebl. anschickte, sie dem Hzg. von → Lothringen zu verpfänden, ließen ihn das Domkapitel und die Stadt → Straßburg festnehmen und strengten gegen ihn einen Prozeß vor dem Konstanzer Konzil an (1415-17). Johann von Manderscheid modernisierte die Wehranlage, verbesserte ihre Bestückung und ließ eine Wohnung einrichten, über deren Räume undAusstattung Inventare aus den Jahren 1592, 1599 und um 1600 Auskunft geben.

Quellen

Beemelmans, Wilhelm: Ein Inventar des im Jahre 1615 im bischöflichen Oberschlosse zu Zabern vorhanden gewesenen Hausrat, in: Elsässische Monatsschrift für Geschichte und Volkskunde (1911) S. 625-635. - Ungerer, Edmund: Elsässische Altertümer in Burg und Haus, in Kloster und Kirche. Inventare vom Anfang des Mittelalters bis zum dreißigjährigen Kriege aus Stadt und Bistum Straßburg. Die Schätze und Schlösser der Bischöfe, Straßburg, 1909, S. 7-20, 33-68.

Grodecke, Catherine: La galerie du Mont des Oliviers et la bibliothèque de l'évêque Guillaume de Honstein à Saverne (1539-1541), in: Pays d'Alsace. Société d'histoire et d'archéologie de Saverne et environs 77 (1972) S. 1-8. - Inventaire général des Monuments et richesses artistiques de la France, Bas-Rhin, canton Saverne, Paris 1978, S. 302-304, 332f., 336, 361-365, 444f. - Rudrauf, Jean-Michel: Le château médiéval de Saverne, in: Pays d'Alsace. Société d'histoire et d'archéologiede Saverne et environs 19 (2000) S. 5-10. - Wollbrett, Alphonse: Le château de Saverne, Zabern 1969, S. 13-19.