WIEN C.1. / C.7.
I.
Lat. Vindobona, ad Uueniam (881, nach dem gleichnamigen Fluß), Vienni (1013), Wine (1135) Winna (1140), Wienne (ca. 1150). - Stadt an der Donau östl. des Wienerwalds - Hztm. → Österreich - (Erz)Hzg.e von Österreich, zeitweilige Kg.s- bzw. Kaiserres. Rudolfs I. (1218-91, Kg. 1273), Albrechts I. (1255-1308, Kg. 1298), Friedrichs des Schönen (1289-1330, Kg. 1314), Albrechts II. (1397-1439, Kg. 1438), Friedrichs III.(1415-93, Kg. 1440, Ks. 1452), und Maximilians I. (1459-1519, Kg. 1486, Ks. 1508); unter Ferdinand I. (1503-64, Kg. 1531, Ks. 1556) ab 1533 ksl. Hoflager, seit 1611/12 ständige Res. der Habsburger als Landesfs.en sowie als Ks. 1485-90 stand W. unter der Herrschaft des ungar. Kg.s Matthias Corvinus. - A, Hauptstadt.
II.
Östl. des Durchbruchs der Donau durch den Wienerwald liegt W. auf einer Schotterterrasse oberhalb des Flusses (heute Donaukanal). Wichtige Donauübergänge befanden sich deutl. stromauf- bzw. abwärts (Klosterneuburg-Korneuburg, Deutsch Altenburg-Hainburg), 1439 Errichtung einer Donaubrücke, Fähren bei Nußdorf und Stadlau. Unweit von W. verlief der alte Fernhandelsweg nach Ungarn. Ende des ersten Jh.s wurde auf dem Plateau des Hohen Marktes das steinerne Legionslager Vindobona errichtet, dem sich im heutigen dritten Bezirk eine Zivilsiedlung(mit Stadtrecht) anschloß. In der Spätantike zog sich die Bevölkerung in den Lagerbereich zurück. Der Fortbestand einer Restsiedlung unter langobard. und später awar. Herrschaft gilt als gesichert. Viell. noch in vorkaroling. Zeit entstand im Bereich des Ruprechtsplatzes eine befestigte Anlage. Zu Beginn des 10. Jh.s kam W. für Jahrzehnte unter die Herrschaft der Ungarn, die die Siedlung Bécs nannten. Nach der Rückeroberung erlangte W. als kgl. Burgplatz zur Sicherung der Ungarngrenze Bedeutung. Um 1100 bestanden mehrere Siedlungszellen sowohl im Bereichdes röm. Lagerareals wie in dessen Vorfeld. Seit der Mitte des 12. Jh.s bauten die Hzg.e von Österreich (Babenberger) W. zur Res. aus, was rasches Wachstum und ständige Erweiterung des Siedlungsraums zur Folge hatte. Um 1200 wurde der gesamte Siedlungsbereich mit einer mehr als 3,5 km langen Ringmauer umgeben. Es entstanden nach und nach mehrere Plätze, bereits im frühen 13. Jh. wurde die Stadt organisator. in Viertel gegliedert (Stuben-, Schotten-, Widmer- und Kärntnerviertel). Im ausgehenden MA wuchs die Stadt durch die Verdichtung der innerurbanen Strukturen und die Anlage weiterervorstädtischer, zum Teil durch eigene Befestigungen gesicherter Siedlungen (Oberes und Unteres Wird, Margareten, Neustift). Der »Albertinische Plan« (ca. 1421) sowie Ansichten des Albrechtsmeisters (um 1440) und des Schottenmeisters (um 1470) lassen das spätma. Siedlungsbild erschließen. Im Zuge der Türkenbelagerung 1529 wurden alle vorstädt. Siedlungen zerstört, die Wiederbesiedlung erfolgte nur allmählich. Von den dreißiger Jahren des 16. bis in die zweite Hälfte des 17. Jh.s erhielt die Stadt neue Befestigungsanlagen (s. etwa Stadtplan von Bonifaz Wolmuet 1547; Stadtansicht von JacobHoefnagel 1609, Abb. bei Kühnel 1971; Stadtansicht bei Mattheus Merian 1649, Abb. bei Opll 1982). Im 14. und 15. Jh. dürften etwa 20 000 Menschen in W. gelebt haben, 1566 wurden in der Stadt 1205 Häuser gezählt, 1664 1116. Seit dem letzten Jahrzehnt des 12. Jh.s bildete sich in W. eine kulturell und ökonom. bedeutende jüd. Gemeinde, die ihren Siedlungsschwerpunkt im Bereich Judenplatz/Wipplingergasse hatte. Sie fiel 1420 einer von Hzg. Albrecht V., dem späteren Kg., initiierten Verfolgung zum Opfer.
Der W.er Markt war im ausgehenden 12. Jh. voll ausgebildet; eine Münzstätte dürfte 1193/94 eingerichtet worden sein. Der W.er Pfennig gewann über Österreich hinaus Bedeutung, seit der zweiten Hälfte des 15. Jh.s wurden auch größerer Gold- und Silbermünzen geprägt. Für das Schlagen der Münzen war das Konsortium der »Münzer Hausgenossen« verantwortlich. Wahrscheinl. schon in babenberg. Zeit wurde die Maut an die Stadt übertragen; seit dem 14. Jh. sind weitere städt. Mautrechte nachgewiesen. Niederlagsprivilegien stammen von 1221 und 1281. 1177 wird erstmals ein W.er Goldschmied gen.,flandr. Tuchfärber scheinen im frühen 13. Jh. auf, wenig später auch andere Gewerbetreibende wie Bäcker, Fleischer, Kürschner, Bogner, Armbruster und Pfeilschnitzer. Bes. Einfluß auf die Entwicklung des Handwerks nahm die dauernde Hofhaltung in der Stadt seit dem frühen 17. Jh., als annähernd 400 Hofhandwerker und -händler tätig waren. Spezielle Exportgewerbe fehlten, überregionale Bedeutung besaß W. im Transithandel sowie als Umschlagplatz für Wein.
Als Mittelpunkt des Hzm.s wurde W. auch ständ. Zentrale: 1513 richteten die Stände Österreichs unter der Enns in der Herrengasse ein »Landhaus« ein, in dem fortan die Landtage zusammentraten.
W. gehörte zum → Passauer Diözesansprengel, die Stadt war Sitz eines Offizials oder Generalvikars, der den Bf. in Verwaltungsangelegenheiten vertrat und später auch richterl. Aufgaben übernahm. Versuche, sich aus der Abhängigkeit von → Passau zu lösen und in W. ein österr. »Landesbistum« einzurichten, reichen ins frühe 13. Jh. zurück. Der domartige Ausbau der Stephanskirche und die Gründung eines Kollegiatskapitels durch Hzg. Rudolf IV. (1339-65) sollten diese Pläne fördern. 1469 erhob Papst Paul II. W. zum Bischofsitz (Promulgation 1480), dem aber nur die Stadtselbst und deren unmittelbares Umland zugehörten.
Die erste Nennung W.s erfolgte 881, stabilere Verhältnisse kehrten jedoch erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 und der Einrichtung der Mgft. Österreich unter den Babenbergern 976 ein. Seit 1137 ist die Herrschaft der Mgf.en von Österreich über W. belegt, mit einer protostädt. Entwicklung ist von der Mitte des 12. Jh.s an zu rechnen, 1221 erhielt W. seine erste Stadtrechtsurkunde, das älteste Stadtsiegel stammt aus der Zeit um 1220-30. Eine rechtl. handlungsfähige Bürgerschaft ist in den siebziger Jahren des 12. Jh.s belegt. Oberstes Organ war der von der Herrschaft - seit 1237 unterMitwirkung der Bürger - ernannte Stadtrichter (1192 erstmals urkundl. erwähnt, seit 1296 Mitglied des Rates). Der ursprgl. 24-, später 20köpfige Rat scheint 1221 erstmals auf. Dazu kamen das 100 bzw. 200 und mehr Männer umfassende Gremium der »Genannten«, die v. a. als Zeugen fungierten, sowie von 1356 an der äußere Rat mit 40 Mitgliedern. Um 1280 entstand das Amt des Bürgermeisters. Seit 1386 nahm der Stadtanwalt als Vertreter der Herrschaft an den Ratssitzungen teil. Aufgrund von Streitigkeiten wurde Ende des 14. Jh.s festgelegt, daß der Rat zu je einem Drittel vonErbbürgern, Kaufleuten und Handwerken besetzt werden sollte. 1526 reorganisierte Ferdinand I. die städt. Verwaltung: zwölfköpfiger innerer Rat ohne Beteiligung der Handwerker, 100köpfiger äußerer Rat, zwölf Stadtgerichtsgeschworene. Als Hilfsorgane des Bürgermeisters amtierten die vier Viertelmeister. Mit einem eigenen Rathaus wird seit dem ausgehenden 13. Jh. gerechnet. Der Stadtrichter übte die niedere Gerichtsbarkeit sowie kraft landesfsl. Belehnung die Blutgerichtsbarkeit aus. Sein Amtssprengel deckte sich zwar mit dem Burgfried der Stadt, doch blieb die Abgrenzung zu anderenGerichtsrechten im vorstädt. Bereich fließend.
Nachdem W. bereits 1237/38 und 1247-50 unter die Herrschaft des Reiches genommen worden war, bestätigte Kg. Rudolf 1278 - nach dem Zwischenspiel der Herrschaft Otakars II. von Böhmen 1251-76 - diesen Zustand. Er endete mit dem Zusammenbruch des Aufstandes der W.er gegen Hzg. Albrecht I. 1288. Während die Spannungen zw. der Bürgerschaft und dem Fs.en in frühhabsburg. Zeit vornehml. von obrigkeitl. Maßnahmen zur Beschneidung der städt. Autonomie ausgelöst wurden, hingen sie in der Wende im ausgehenden 14. und im 15. Jh. mit dynastieinternen Zwistigkeiten zusammen, wobei auch sozialeSpannungen zw. Patriziern und Handwerkern zum Tragen kamen. 1461 wurde Ks. Friedrich III. mit seiner Familie sieben Wochen lang von der von Hzg. Albrecht VI. (1418-63), dem Bruder des Ks.s, unterstützten W.er Bürgerschaft in der Hofburg belagert. Nach dem Tod Maximilians I. beteiligte sich die Stadt W. 1519 am Vorgehen der Stände gegen das vom Ks. eingesetzte Regiment, worauf Ferdinand I. 1522 mit dem »Wiener Neustädter Blutgericht« reagierte: Sechs führende W.er Bürger wurden als Aufständ. hingerichtet, Stadtverfassung und -verwaltung neu geordnet. Mit der dauerhaften Installierungder Hofhaltung in W. und der Einrichtung von Zentralbehörden wuchs der Hofstaat rasch an. Ein erhebl. Teil der Hofbediensteten wurde auf Grund der Hofquartierpflicht in Bürgerhäusern untergebracht, außerdem entstanden zu Lasten des bürgerl. Hausbesitzes zahlr. adelige Wohnsitze und weitere Verwaltungsgebäude.
III.
Den Kern der W.er Residenzarchitektur bildet die weitläufige Hofburg im heutigen ersten Bezirk zw. Josefsplatz, Michaelerplatz und Burgring. Die ursprgl. babenberg. Pfalz hatte sich seit der Mitte des 12. Jh.s am Hof befunden. Später übernahm ein Neubau am höchsten Punkt der Stadt beim Widmertor (seit dem frühen 16. Jh. Burgtor) deren Funktion. Die enge Übereinstimmung der neuen Burg (urkundl. erstmals 1279 als castrum Wiennensi) mit Anlagen Ks. Friedrichs II. in Italien sowie einige architekton. Details lassen den Schluß zu, daß derBaubeginn in die Zeit des Aufenthalts Friedrichs in W. 1237 fällt, während unter Otakar II. von Böhmen die Arbeiten vor 1275 wieder aufgenommen wurden. Es handelte sich um eine annähernd quadrat. Anlage mit vier teilw. flankierenden Ecktürmen und einem rechteckigen Innenhof. Sie verbirgt sich heute in den Baulichkeiten, die den »Schweizertrakt« der Hofburg bilden. Anläßl. der Aufteilung der Burg zw. Ks. Friedrich III. und den Hzg.en Albrecht VI. und Sigismund (1427-96) 1458 wird über die Raumaufteilung berichtet: Der Ks. erhielt den Ostteil mit beiden Türmen, eine Küche und den Altan, einZimmer bei der Kapelle, eine große Kammer und zwei Stuben; Albrecht und Sigismund den Westteil mit dem Widmertorturm und dem Südturm, zwei Küchen, eine Gesindestube und das »Mueshaus«. Zum Inventar gehörten u. a. kostbare Umhänge sowie türk. Teppiche. In den sechziger Jahren des 15. Jh.s machten die im Zuge der Belagerung und Beschießung der Burg durch die W.er verursachten Schäden umfangr. Sanierungsmaßnahmen erforderlich.
Der eigentl. Ausbau der Burg setzte 1533 ein, nachdem Ferdinand I. seine Res. nach W. verlegt hatte: 1549-51 und 1551-54 erfolgten die Umgestaltung des SW- und des Nordtraktes (mit dem Schweizertor von Pietro Ferrabosco, 1552) im Renaissancestil mit vorgelagerten Arkaden und Erweiterung, der Anbau eines Gebäudes an den Nordwestturm (ausgemalt von Pietro Ferrabosco) und die Verdopplung des Nordosttraktes nach außen (Pläne von Sigmund de Preda, Ausführung Benedikt Kölbl). In der Alten Burg war ein Tanzsaal vorhanden, zur Ausstattung der köngl. Wohnzimmer gehörten Tapisserien,Landschaftsbilder und Porträts. 1559-63 entstand die dreigeschossige Stallburg mit Arkadenhof, ursprgl. als Wohntrakt für Ks. → Maximilian II. konzipiert, dann zum Hofstallgebäude umgestaltet, 1575 eine gedeckte Reitschule am Roßtummelplatz (heute Josefsplatz). 1575-77 folgte die erste Bauphase der Rudolfs-, später Amalienburg (fertiggestellt 1610, Baumeister Pietro Ferabosco, Anton de Muys, Hans Schneider), 1582 der Bau eines Sommerhauses für Tanzveranstaltungen bei der Bastei, an das 1583-85 das »Kunsthaus« angeschlossen wurde, und nach 1600 die Aufstockung der Alten Burg.Unter Ferdinand III. (1608-57, Kg. 1636, Ks. 1637) entstanden weitere Zu- und Umbauten, u. a. das ksl. Leibbad im Burggarten. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Hofburg durch die barocken Bauwerke der zweiten Hälfte des 17. und des 18. Jh.s (Leopoldinischer Trakt, Reichskanzleitrakt, Winterreitschule, Hofbibliothek) sowie durch den Michaelertrakt und die Neue Burg an der Wende vom 19./20. Jh. Während der ersten Türkenbelagerung W.s 1529 bewährte sich die Hofburg als Teil der Stadtbefestigung, 1535 wurden ihr die Burgbastei und der »Spanier«, ein Befestigungsturm, vorgelagert.
Residenzfunktion besaß auch das »Neugebäude«, eine von Maximilian II. entworfene und 1569-76 in mehreren Phasen in Simmering, unweit des Jagdschloßes Ebersdorf und der Donau errichtete Renaissanceanlage mit Tiergarten, Weiher und weitläufigen Gärten.
1503 scheint ein Burggarten mit einem Vogelhaus auf, 1536 erfolgte die Fertigstellung des von Ferdinand I. in Auftrag gegebenen oberen und unteren Lustgartens (Hofgärtner Maximilian von Putt) mit dem Ballhaus (1540 Hans Karanko und Benedikt Kölbl), 1549 wird der Lustgarten unter dem Nordostturm erwähnt. Später scheint der »alte« Burggarten als Sommerreitschule auf. Das »Paradeisgartl« befand sich am Michaelerplatz. Ein »Irr-« und »Wurzgarten« befand sich im 16. Jh. im Bereich des heutigen Josefsplatzes. Im Burggraben wurden Haus- und Wildtiere gehalten. Der Renn- undTurnierplatz lag vor der Burg (nunmehr Innerer Burghof, Darstellung von Hans Sebald Lautensack 1560, Abb. bei Kühnel 1959).
Hzg. Albrecht II. (1298-1358) konzentrierte in der ersten Hälfte des 14. Jh.s das bewegl. Vermögen der Habsburger in der W.er Burg, ein eigenes Schatzgewölbe (im Sagrär, der Sakristei der Burgkapelle) ist seit 1423 bezeugt. Weitere Kleinodien befanden sich im 15. Jh. im türnlein über dem Burgtor. Ferdinand I. ließ die noch zum Schatz gehörenden Buchbestände in die Hofbibliothek, eine Sammlung von Rüstungen in die Harnischkammer aussondern und eine Münzssammlung anlegen. 1563 wird die ksl. Kunstkammer erwähnt, 1608 verfügte Ehzg. Matthias(1557-1619, Ks. 1612) die Unterbringung der geistl. und weltl. Schatzkammer im kurz zuvor erbauten »Kunsthaus«.
1493 rief Maximilian I. eine Hofmusikkapelle ins Leben, die fortan einen kulturellen Mittelpunkt des Hoflebens bildete. Vom 17. Jh. an befaßte sie sich v. a. mit der Aufführung von Opern, für die 1630 in der Hofburg ein Tanz- und Theatersaal errichtet wurde. Theateraufführungen sind auch auf dem Roßtummelplatz bei der Burg belegt.
Vorläufer einer Hofbibliothek bestanden bereits im 14. Jh., zu Beginn des 15. Jh.s wurden die Handschriften im unteren Sagrär verwahrt, später im türnlein auf dem Burgtor. Wichtige Impulse gingen von Ferdinand I. aus, der um 1526 Bücher aus Klosterbeständen und den Nebenres.en nach W. bringen ließ. Urkundl. belegt ist diese neue Hofbibliothek ab 1558. Sie befand sich vorerst im Minoritenkl., dann in der Kammerbuchhalterei sowie im Harrachschen Haus. 1579 umfaßte sie 9000 Bde., davon 1600 Handschriften. Im 14. und 15. Jh. wurden große Teile derlandesfsl. Archivbestände in der W.er Burg konzentriert, als Archivraum dienten zunächst der Sagrär der Burgkapelle, im 16. Jh. das erste Geschoß des Westturms der Burg. Als eigene Verwaltungsstellen in W., → Graz und → Innsbruck entstanden, erfolgte 1564 eine Aufteilung der Archivalien. Daneben entstand als ältestes Behördenarchiv das Hofkammerarchiv.
In der Alten Burg schloß sich dem Südostturm eine über zwei Geschosse reichende Burgkapelle an, nach einer Erweiterung 1424/26 wurde ihr unter Friedrich III. 1447/49 ein über die Mauerflucht des Kastells hinausragender Chor angefügt. 1356 ließ Hzg. Rudolf IV. sein Geburtszimmer im Widmertorturm zu einer Allerheiligenkapelle umgestalten und zu einer Kollegiatkirche mit einem Kapitel erheben. Nach der Übertragung des Kapitels nach St. Stephan verschwand diese Kapelle jedoch wieder. 1629 scheint die im Auftrag → Ferdinands II. in der alten Burg erbaute CapellaCaesarea oder Capella Superior in Aula erstmals auf.
Durch landesfsl. Stiftungen eng mit der Res. verbunden waren die Kl. der Augustiner-Eremiten (1327 auf Veranlassung Kg. Friedrichs des Schönen in der Nähe der Burg errichtet, 1550-53 Schaffung eines unmittelbaren Zugangs), der Minoriten (Grablege der Isabella von Aragón, Frau Kg. Friedrichs des Schönen, und der Blanche von Frankreich, Frau Hzg. Rudolfs III., 1281-1307) sowie der Klarissen (Grablege Annas, der Tochter Friedrichs des Schönen). 1554 berief Ferdinand I. die Jesuiten als Träger der Gegenreformation.
Seit dem frühen 14. Jh. ließen die → Habsburger die W.er St. Stephanskirche zum geistlich-repräsentativen Mittelpunkt ihrer Herrschaft ausbauen. Um 1360 gab Hzg. Rudolf IV. den Bau der Fürstengruft unter dem Hochaltar in Auftrag, in der außer dem Stifter und seiner Frau Katharina von Böhmen im 14. und 15. Jh. noch weitere Angehörige des Hauses beigesetzt wurden (u. a. die Hzg.e Albrecht III., 1349/50-93, Albrecht IV.,1377-1404, und Albrecht VI.). Im Apostelchor von St. Stephan befindet sich das 1467-1513 geschaffene Hochgrab Ks. Friedrichs III. Von 1633 an wurde die Gruft unterder 1622 begonnen Kapuzinerkirche die Familiengrablage der → Habsburger (erste Bestattung 1633, Ks. Matthias und seine Frau Anna). In der Gruft von St. Stephan wurden fortan die Intestinen der Habsburger beigesetzt, die Herzgruft befindet sich in der Lorettokapelle der Augustinerkirche.
1365 genehmigte Papst Urban V. die von Hzg. Rudolf IV. initiierte Gründung der Universität W. (artist., jurist. und medizin. Fakultät, theolog. ab 1384). Organisator. Basis der Hochschule war die traditionsreiche Pfarrschule bei St. Stephan. Die Alma Mater Rudolphina nahm alsbald einen bedeutenden Aufschwung, zw. 1377 und 1520 wurden etwa 50 000 Studenten in die Universitätsmatrikel eingetragen. Seit dem 16. Jh. trat die W.er Universität verstärkt in den Dienst der Konsolidierung der Landesherrschaft und der Schaffung der konfessionellen Einheit.
Während des SpätMA war W. in erster Linie »Hauptstadt« des Hzm. Österreich und allmähl. ständiger Sitz landesfsl. Behörden: Seit Albrecht II. trat das Hofgericht meist in W. zusammen, wo auch die Rechnungslegung der Amtleute vor einer Hofkommission stattfand. 1391 erhielt die österr. Herzogskanzlei in W. ein eigenes Haus. Nach den kurzlebigen, aber richtungweisenden Verwaltungsreformen Maximilians I. schuf die »Hofstaatsordnung« Ferdinands I. von 1527 dauerhaftere Verhältnisse. Die weitgehende Verlagerung der landesfsl. Zentralverwaltung nach W. war aber erst von 1619/1665 anmöglich, nachdem → Innsbruck und → Graz ihre Residenzfunktion verloren hatten. Seit 1533 war W. - abgesehen von einer Unterbrechung, als Rudolf II. die Res. 1578 nach → Prag verlegte - Sitz des röm. Ks.s sowie zentraler Reichsbehörden, insbes. des Reichshofrates und der Reichshofkanzlei. Freilich lassen sich aufgrund der personellen und funktionalen Überschneidungen die landesfsl. und die ksl. Aspekte der Residenzstadt W. kaum sinnvoll trennen.
Quellen
Csendes, Peter: Die Rechtsquellen der Stadt Wien, Wien 1986 (FRAU III/IX). - Jaritz, Gerhard/Brauneder, Wilhelm: Die Wiener Stadtbücher 1395-1430, Bd. 1, Wien 1989 (FRAU III/X). - Lohrmann, Klaus/Opll, Ferdinand: Regesten zu Frühgeschichte von Wien, Wien 1981 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 10). - Opll, Ferdinand: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien, Wien u. a. 1995. -Opll, Ferdinand: Das große Wiener Stadtbuch, genannt »Eisenbuch«. Inhaltliche Erschließung, Wien 1999 (Veröffentlichung des Wiener Stadt- und Landesarchivs. A, 3,4). - Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, Wien 1895-1921.
Literatur
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