Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WENZELSTEIN C.1.

I.

CZ, Region Prag.

II.

Der alternde Kg. Wenzel ließ im letzten Jahrzehnt seines Lebens sein letztes Domizil bauen, das sich nicht ganz 10 km südöstlich des damaligen → Prag (heute eingemeindet) befand. Der Bau begann wohl 1411 durch eine Prag-Neustädter Bauhütte, deren Leiter namentl. bekannt ist (ein gewisser Hertwin). Der erste Aufenthalt des Kg.s ist aus dem Okt. 1412 bekannt. Seidem ist Wenzel hier mind. neunmal urkundl. bezeugt mit über vierzig belegten Aufenthaltstagen, wobei es sicher bedeutend mehr waren. Beim letzten Aufenthalt nach der Nachricht über denNeustädter Fenstersturz starb er wohl an den Folgen eines Herzschlages.

III.

Die Burg wurde nördl. von dem Dorf Kundratitz an einer Felszunge angelegt, die von zwei Seiten durch den Kundratitzer Bach geschützt wurde. Es handelte sich um ein fünfekkiges Areal. Der Innenhof, den der turmartige Palast dominierte, war von Wohngebäuden umgegeben, die in den letzten Jahren Überreste der Schätze Wenzels sowie seine Bibliothek beherbergten. Nach dem Tod des Kg.s wurde die Burg mit → Sigismunds Truppen besetzt und deshalb durch Prager Hussiten im Dez. 1420 belagert und im Jan. des nächsten Jahres, nachdem die Sigismundsche Besatzungdie hoffnungslose Verteidigung aufgegeben hatte, erobert und niedergebrannt. Heute sind die Überreste der Burg fast spurlos verschwunden.

 

Quellen

Laurentius von Březová, Hussit. Chronik, in: Fontes rerum Bohemicarum 5, Prag 1893 [nach Register].

Durdík, Tomáš: Nový hrad u Kunratic (Praha 4), a jeho postavení ve vývoji české hradní architektury, in: Archaeologica Pragensia 5 (1984) S. 173-190. - Durdík, Tomáš: Hrady Václava IV. v pražských městech a jejich nejbližším okolí, in: Documenta Pragensia 6 (1986) S. 24-46. - Hlaváček, Ivan: Wenzels Aufenthalte. Das Urkunden- und Kanzleiwesen des böhmischen und römischen Königs Wenzel (IV.) 1376-1419. Ein Beitrag zur spätmittelalterlichenDiplomatik, Stuttgart 1970 (Schriften der MGH, 23).