Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WARTBURG C.1.

I.

Wartberg (1080); Wartberc (1137); Wartberch (1185); Warthera (1186). Der Name ist von dem wartenartig aufragenden Burgberg herzuleiten. Markant über der mit der Burg eine Einheit bildenden Stadt → Eisenach gelegene Höhenburg. Eine der Hauptburgen der Ludowinger. Unter Lgf. Ludwig II. (1140-72) prachtvoll ausgebaut (Palas), hatte sie ihre größte Bedeutung als Res. unter Lgf. Heinrich Raspe IV. (1227-47), Kg. seit 1246. - D, Thüringen, Kr. Eisenach.

II.

Auf steilem Berg (Höhe 394 m ü. d. M.) im westl. Thüringen südl. der Hörsel über der späteren Stadt → Eisenach weithin sichtbar gelegen. Die Hörsel fließt in die Werra und wird schon 979 als schiffbar bezeichnet. → Eisenach lag verkehrsgünstig an der Kreuzung der »Weinstraße«, die vom Kamm des Thüringer Waldes kommend hier die Hörsel überschritt, und der via regia oder Hohen Straße, einer Hauptfernverbindung vom Niederrhein über → Kassel einerseits und von Frankfurt andererseits weiter nach Erfurt und→ Magdeburg. Zugl. lag Eisenach zentral innerhalb der ludowing. Besitzungen, die sich zeitweilig von der Saale über Thüringen und Hessen bis zum Niederrhein erstreckten. Vermutl. 1073 im Sachsenkrieg als Raubgründung auf fremdem, vermutl. hersfeld. Boden angelegt, erhielt die W. erst mit dem Bau des Palas unter den ludowing. Burgen eine bes. Bedeutung. Zusammen mit dem Ausbau der W. begann unter Lgf. Ludwig II. die Entwicklung → Eisenachs (Isenacha, Mitte 12. Jh.) zur wichtigsten Stadt der Ludowinger. Eine ältere Marktsiedlung wurde planmäßig erweitert. Münzprägung istseitdem belegt. In der Folgezeit wurde die Stadt mehrfach planmäßig vergrößert. Gründung mehrerer Kirchen und Kl. durch die Lgf.en, (Benediktinerinnen an St. Nikolai 1172-90; Zisterzienserinnen 1208; Franziskaner 1225; Dominikaner 1239/43) von denen das Zisterzienserinnenkl. St. Katharinen die bisherige ludowing. Grablege Kl. Reinhardsbrunn z. T. ablöste (u. a. Bestattungsort des Körpers Heinrich Raspes, sein Herz in der Dominikanerkirche beigesetzt). Bürger und Schultheiß 1196 gen. Die W. ist in den Quellen erst seit den 1220er Jahren als lgfl. Aufenthaltsort nachweisbar. Lgfl. Urk.n sind in→ Eisenach seit 1217, auf der W. erst seit 1229 belegt, während die Ludowinger an anderen Plätzen schon früher urkundeten. Heinrich Raspe konzentrierte seine Herrschaftstätigkeit erst auf → Eisenach und ab 1240 auf die W. Dies kann viell. als erster Schritt zur Ausbildung einer ortsfesten Res. gesehen werden. Mit seinem Tod am 16. 2. 1247 auf der W. starben die Ludowinger in männl. Linie aus. Die W. wurde von edelfreien Vasallen verwaltet, die von 1137-1227 nachweisbar sind; Heinrich Raspe hat auf diese Verwalter verzichtet. Seit 1185 sind Ministeriale aus derBurgmannschaft gen.

III.

Langgestreckte, ca. 170x45 m große, sturmfreie Anlage. Aussehen der Burg vor 1156 unbekannt. Burgkapelle seit der ersten Hälfte des 12. Jh.s nachweisbar. Hauptgebäude der W. ist der viergeschossige, mit reichster Bauskulptur ausgestattete 40x14 m große Palas, der zusammen mit einem Wohnturm (abgegangen) von ca. 1156 bis ca. 1170 unter Lgf. Ludwig II. (1140-72) errichtet wurde. Es handelt sich um den bedeutendsten erhaltenen Profanbau der Stauferzeit in Mitteleuropa. Aus ludowing. Zeit stammen auf der Burg noch die Filterzisterne, Teile der Toranlage (um 1200)und der östl. Ringmauer. Für den Bau des Palas wurden Bauleute vom Niederrhein (Maastricht) engagiert, die auch die Nikolaikirche und den Landgrafenhof, den Stadtsitz der Ludowinger in → Eisenach schufen, von letzterem ist nur ein Kapitell erhalten. Viele Säulenschäfte des Palas wurden aus Kalkablagerungen der röm. Eifel-Wasserleitung hergestellt. Bautätigkeit unter Heinrich Raspe nicht nachweisbar. Die W. verband strateg. Lage mit repräsentativer Ausstattung und fortifikator. Stärke. Umbauten der W. im frühen 14. Jh. durch Lgf. Friedrich den Freidigen und späten15. Jh. (u. a. Zugangsbereich), Verfall im 18. Jh., umfangr. Um- und Neubauten im 19. Jh. (Architekt Hugo von Ritgen), die das heutige Erscheinungsbild wesentl. prägen (Bergfried, Torhalle, Dürnitz). Weltkulturerbe seit 2000.

Quellen

CDSR I,A, 1-3, 1882-98. - Düringische Chronik, 1859. - RDHT I-IV, 1896-1939.

Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. Heft 39, Sachsen-Weimar-Eisenach, A.-Bez. Eisenach, Stadt Eisenach, bearb. von Georg Voss, Jena 1915. Heft 41, Sachsen-Weimar-Eisenach, A.-Bez. Eisenach, Wartburg, bearb. von Georg Voss, Jena 1917. - Hess 1966. - Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen, 1. T., Köln u. a. 1962 (Mitteldeutsche Forschungen, 22/1). - Strickhausen 1998. -Strickhausen, Gerd: Die zentralen Funktionen der Wartburg unter den Ludowingern (ca. 1073-1247), in: Zentrale Funktionen der Burg, Stuttgart 2001, S. 86-96 (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung, Reihe B, Schriften). - Das Wartburg-Werk. Die Wartburg. Ein Denkmal deutscher Geschichte und Kunst, hg. von Max Baumgärtel, Berlin 1907.