UNTERMASSFELD C.7.
I.
Ein Ort namens Mahesfeld im Grabfeldgau ist erstmals 837 in fuld. Überlieferung belegt (Zickgraf 1944, S. 40 nach Codex Diplomaticus Fuldensis, hg. von Ernst Friedrich Johann Dronke, Aalen 1962 [ND der Ausg. Kassel 1850], S. 221 f. Nr. 503). 1151 war der Gf. von Henneberg im Besitz des Dorfes (Mahelvelt, wohl verschrieben aus Mahesvelt: RDHT I, 1896, Nr. 1668). Eine Zuweisung der frühen Belege zu einem der beiden Maßfeld-Orte istzunächst nicht möglich. Ein Zusatz, die eine Unterscheidung zw. Ober- und U. zuläßt, erscheint erstmals 1230: Masvelt inferius (MB 47, S. 232 Nr. 219). Im Werratal 5 km oberhalb Meiningen. Gft. Henneberg-Schleusingen. Niederungsburg. Nach 1547 für kurze Zeit Res. der Gf.en von Henneberg-Schleusingen und Sitz der Verwaltung. - D, Thüringen, Kr. Schmalkalden-Meiningen.
II.
In den Wiesen des Werratales gelegen. Im werraaufwärts gelegenen Obermaßfeld quert die aus Franken kommende, über Kl. Rohr auf der Wasserscheide zum Paß bei Oberhof und weiter in das Thüringer Becken verlaufende Straße die Werra (Zickgraf 1944, S. 14); die Werrabrücke in Obermaßfeld wurde zw. 1531 und 1534 errichtet (Krug 1963, S. 42).
Ein Zoll zu Obermaßfeld ist 1358 belegt (ThStAM Hennebergica aus Gotha Urk. Nr. 1133). 1378 erneuerte Kg. → Wenzel dem Gf.en Heinrich von Henneberg das Recht zur Zollerhebung bei verschiedenen Festen, u. a. zu Ober- und U. (HUB III, 1857, S. 98 Nr. 143). U. lag 837 im Grabfeldgau (s. o.). Diöz. → Würzburg, Landkapitel Mellrichstadt (Bendel 1934).
In den urkundl. Belegen des 13. Jh.s ist noch nicht von einer Burg die Rede. Eine solche wird erstmals am 1. Febr. 1350 erwähnt, als vier Brüder, Truchsessen von Henneberg, einen von ihnen begonnenen burklichen buwe ze Nidern Masfelt zum Offenhaus des Bf.s von → Würzburg machten und die Genehmigung erhielten, ihn zu Ende zu führen (MB 41, S. 428, Nr. 154). Bei einer Auseinandersetzung mit dem Gf.en von Henneberg sollte die Burg neutral bleiben. Es lag im Interesse des Grafenhauses, diese Burg möglichst schnell in die eigene Hand zu bekommen. Im Mai1358 verpfändete Gf. Johann dem Dietrich Truchseß den Zoll zu Obermaßfeld (ThStAM Hennebergica aus Gotha Urk. Nr. 1133); eine Gegenleistung geht aus der Urk. nicht hervor. Am 25. Mai 1375 war die Burg bereits im Besitz der Gf.en von H.; damals wurde bei einer Teilung unter den Brüdern Heinrich und Berthold die Feste Nyedern Masfelt letzterem zugesprochen (HUB V, 1866, Nr. 129); Berthold starb 1416. In den folgenden Jahrzehnten entstand in Zusammenfassung verschiedener Herrschaftsteile das Amt (Unter-) Maßfeld (Okt. 1447: ThStAM Hennebergica aus Gotha Urk. Nr. 1175/2);darin ging u. a. die Vogtei Henneberg auf (Zickgraf 1944, S. 208ff.; die in der 1438 einsetzenden Amtleute-Liste bei Zickgraf 1944, S. 233 genannten Männer trugen den Titel eines Vogtes).
Die zugehörige Siedlung hat ihren dörfl. Charakter nie verloren.
III.
Den ältesten, wohl noch aus dem 14. Jh. stammenden Kern der Burg bildete ein von einem Turm überragter Mittelbau, der 1982 nach einem Brand abgetragen wurde. Seit dem 15. Jh. wurde die Burg, die nun Mittelpunkt eines größeren Amtes war, von den Gf.en von Henneberg systemat. ausgebaut. Es entstand der heute noch vorhandene Mauerring mit sieben Geschütztürmen, darin mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Die Kosten für diese Baumaßnahmen können den 1456 einsetzenden, nahezu lückenlosen Amtsrechnungen entnommen werden; allerdings ist es häufig nicht möglich, dieseregelmäßig erscheinenden Ausgabepositionen konkreten Bauteilen zuzuweisen. Erhalten gebliebene Wappensteine stehen wohl im Zusammenhang mit größeren Baumaßnahmen: ein Allianzwappen Henneberg-Schleusingen/Hanau mit einer Jahreszahl, die sowohl 1443 wie 1446 gelesen werden kann (ThStAM Ms. Juncker, Bd. 1, Bl. 166v: 1443; Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, 1904, S. 540: 1446), sowie ein Wappen Henneberg-Schleusingens aus dem 16. Jh. (nach Juncker aus dem Jahr 1538).
1461 wurden Reparaturarbeiten an der Kemenate durchgeführt; 1474 wird in der Amtsrechnung ein hoher Turm gen.; 1481 wurde an der Futtermauer gearbeitet, 1506/07 an der Zugangsseite (W) eine Bastion errichtet (Hübscher 1997, S. 70 f.). Aus dem Jahr 1507 stammt das älteste Inventar der Burg (ThStAM GHA Sektion III Nr. 148). Eine vom Gf.en veranlaßte sytemat. Erfassung der Altschulden und der laufenden Kosten für den Hof führte offenbar zu dem Plan, die Hofhaltung von → Schleusingen nach Maßfeld zu verlegen. Mit dem Jahr 1538 setzen dortgrößere Baumaßnahmen ein. Unter Einbeziehung älterer Bauteile entstand ab 1542 ein neuer Bau, der 1547 eine Ziegeleindeckung erhielt. 1544/45 wurde im zugehörigen Wirtschaftshof eine große Scheune errichtet.
1540 hatten die Landstände als Gegenleistung für ihren Beitrag zur Schuldentilgung eine Reduzierung der Hofhaltung um die Hälfte verlangt (Schultes 1794, S. 215, Nr. 33), 1547 die gfl. Räte in einem Gutachten einschneidende Sparmaßnahmen gefordert. Dies führte dazu, daß 1547 die Res. von → Schleusingen nach Maßfeld verlegt wurde (Ausfeld 1901, S. 31; Hess 1944, S. 66). Konsequent durchgeführt wurde dieser Beschluß allerdings nicht, zumal mit Übernahme aller Schulden durch die Wettiner (Vertragvon Kahla, 1554) ein wesentl. Motiv für die Reduzierung der Kosten entfiel. Ein weiterer Versuch, die gesamte Hofhaltung nach U. zu verlegen, wurde in den 1570er Jahren unternommen. In diesen Zusammenhang gehört eine Berechnung des mit Verlegung der Hofhaltung nach U. verbundenen Einsparpotentials (ThStAM GHA, Sektion III Nr. 22). In den Jahrzehnten nach 1547 wurde deshalb sowohl in → Schleusingen als auch in Maßfeld gebaut: »Nun tauchen in den Rechnungen und Verzeichnissen Baulichkeiten auf, wie sie für eine frühneuzeitliche Residenz typisch sind, so 1560 ein Rennbau, ein Sommerhaus,eine Lusthütte (1574/75) sowie ein Schützenhaus« (Hübscher 1997, S. 73).
Mit dem Erlöschen des Hauses Henneberg (1583) verlor Maßfeld seine Funktion als Res.; es blieb Landesfestung und diente als solche auch im Dreißigjährigen Krieg. In dessen letzten Jahren begann man mit der Entfestigung von Maßfeld; 1683-85 kam es zur Schleifung der äußeren Festungswerke (Hübscher 1997, S. 74-77). Bis in das 19. Jh. diente die Burg als Amtssitz, dann als Gefängnis und Zuchthaus. Diese bis heute fortgesetzte Nutzung bedingte Ein- und Umbauten, die von der Res. des 16. Jh. nur wenig, von deren Ausstattung nichts übriggelassen haben.
Quellen
Siehe die entspr. Angaben im Text. - HUB. - MB. - RDHT. - ThStAM GHA I Nr. 194: Hofordnung für Maßfeld, 1574. - ThStAM GHA III Nr. 22: Begründung warum Maßfeld für die Hofhaltung bequemer sei als Schleusingen, um 1572; Nr. 148: Inventar Maßfeld, 1507. - ThStAM Hennebergica aus Gotha, Urkunden. - ThStAM Ältere Rechnungen, Amt Maßfeld. - ThStAM Hennebergica aus Gotha, Akten Nr. 364-374: Manuskript Christian Juncker, Ehre der gefürsteten Grafschaft Henneberg.
Literatur
Ausfeld 1901. - Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, 1904. - Bendel, Franz F.: Die Würzburger Diözesanmatrikel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 2 (1934) S. I-XXX und 1-46. - Dehio, Kunstdenkmäler, Thüringen, 1998. - Hess 1944. - Hübscher, Norbert: Beiträge zur Geschichte und Baugeschichte der ehemaligen Festung Untermaßfeld, in: Burgen und Schlösser in Thüringen, Weißensee 1997,S. 67-81. - Krug, Berthold: Beiträge zur Ortskunde von Obermaßfeld-Grimmenthal, Obermaßfeld-Grimmenthal 1963 (Typoskript im ThStAM). - Schultes 1788/91. - Schultes 1-2, 1794/1804. - Zickgraf 1944.