TROPPAU C.7. (Opava)
I.
Seit 1337 als böhm. Lehen schles. immediates Erbfsm. Seit dem 12. Jh. galt der nordmähr. districtus Holascensis als Versorgungsgut für nachgeborene Přemyslidensöhne und Dotalgebiet der Mgf.innen. Teile dieser Golessicensis provincia dienten zur Morgengabe (wittum) der Gemahlin Przemysl Ottokars Kunigunde von Halitsch und zur Apanage des natürl. Sohn des Kg.s, Nikolaus I. (um 1256-1318). Dem Stiefbruder Kg. Wenzels II. wurden 1278 zwar landesfsl. Rechte in nostra terraOpavie verweigert, doch sein Sohn Nikolaus II. (1318-65) erhielt 1318 ein eigenständiges Fsm. im Troppauischen belehnt. Kg. Johann von Böhmen gewährte der přemysliden. Nebenlinie dieses innerhalb des Reiches exzentr. gelegene Oppaland entlang dem Mohra-Oder-Lauf in Abgrenzung zu Mähren. Hzg. Nikolaus II. heiratete die Schwester Hzg. Leszkos von Ratibor, um im Namen der Gemahlin 1336 deren ratibor. Erbe anzutreten. Da frei ausgehandelte Lehnsverträge die Vererbung in weibl. Linie vorsahen, belehnte Kg. Johann 1337 seinen Verwandten offiziell mit dem Hzm. → Ratibor. Damit tratNikolaus II. in den Kreis der schles. Fs.en ein und bahnte die Wiedereingliederung des T.er Landes in den Oderraum polit. an. In der Erbteilung des ducatus Opaviensis von 1377 meldete der älteste Sohn aus der Ehe mit der Piastin Anna sein Anrecht an: Hzg. Johann I. (1336-80) erhielt das Fsm. → Ratibor (mit Sohrau, Pleß, Loslau, Rybnik) und die Weichbilder → Jägerndorf, Benisch und Freudenthal sowie die Landesburg Fürstenwalde. Ein Teil mit den Landesburgen Grätz und Landeck und das Weichbild T. wurde den Hzg.en Wenzel I. († 1381) undPrzemko (1377-1433) zur gemeinsamen Verwaltung übergeben, Nikolaus III. erhielt die Bergstädte Leobschütz und Zuckmantel mit der Burg Edelstein. Obwohl nur der T.er Teil offiziell als Hzm. galt und die anderen abgeteilten Einheiten als Land bezeichnet wurden, nannten sich doch alle Teilfs.en weiterhin Hzg.e von T. Nach dem Tode seiner Brüder war Przemko der alleinige Herr und vereinigte den größten Teil des Hzm.s. Nach Ausbruch der hussit. Unruhen suchte er aus Sorge vor dem Wegbröckeln der Randgebiete verstärkt den Anschluß an die schles. Fs.en. Bis Anfang des 16. Jh.s hatten sich aus denTeilgebieten zwei Hzm.er entwickelt: T. und → Jägerndorf. Hzg. Wenzel (1433-45/48) mußte die Landesburg Edelstein mit der Stadt Zuckmantel an Bolko von Oppeln als Pfandnehmer abtreten. 1456 verpfändete Hzg. Ernst (1433-64) seinen Anteil am T.er Land den Fs.en von → Oppeln, und weite Teile des hzgl. Besitzes wie das Weichbild von Würben und Freudenthal gingen an mähr. und böhm. Adelige. 1460 erwarb Kg. Georg von Podiebrad große Teile des Fsm.s T. mit Grätz und übertrug diese seinem Sohn Viktorin. Matthias Corvinus zog 1474 den → Jägerndorfer Landessteil mitFreudenthal vom Přemysliden Johann IV. (1452-83) ein, der ein Anhänger des Thronprätendenten Wladislaw Jagiello war. 1482 mußte Johann III. Leobschütz mit Hultschin als letzten Teil des Familienvermögens an den Kg. abtreten. Viktorin von Podiebrad, der bis 1485 die Hälfte der oberschles. Länder in seine Hand gebracht hatte und das gesamte Hzm. unter einem Besitzer vereinigte, konnte sich gegen kgl. Eingriffe nicht länger halten. Kg. Matthias übertrug das T.er Land 1485 an seinen illegitimen Sohn Johann Corvin, um damit die Hausmacht eines Nachfolgers aufzubauen. Nach Corvinus' frühem Todblieben die Erwerbungen ohne den Jägerndorfer Teil in den corvin. Händen, doch Ladislaus II. suchte den Sohn seines Rivalen zu verdrängen. 1501 wurde das Land an den Bruder des poln. Prinzen Sigismund pfandweise übergeben, der 1506 zum poln. Kg. gewählt wurde. 1511 fiel es an die böhm. Krone zurück mit dem Versprechen, daß der Kg. und seine Nachfolger das Land unter keinem Vorwand je veräußern oder verpfänden werden. Leobschütz wurde 1503 ebenfalls an den verdienten Günstling des Hofes verliehen, die Herrschaft von Freudenthal 1506 und 1516 mit allen fsl. Rechten an die Herren von Würbenverkauft und endgültig abgetrennt. Mit dem körperl. behinderten Prinzen Valentin von Ratibor, einem Sohn Hzg. Johanns V. (1456-93), erlosch 1521 der T.er Seitenzweig der Přemysliden. 1507 versprach Kg. Ladislaus II. seinem Neffen Mgf. Georg von Brandenburg-Ansbach die Anwartschaft auf die Hzm.er → Oppeln-Ratibor. Nach dem Tode des Oppelner Piasten Johann II. (1476-1532) ging es als erledigtes Lehen an die Krone → Böhmens zurück. Karl von Liechtenstein bekam die Herrschaft 1614 in die Hand und wurde 1623 mit dem eingezogenen Hzm. belehnt. - CZ, Moravia-Silesia.
II.
Für das Areal unweit des Zusammenflusses von Oppa und Mohra an einer altslaw. Furt nahe dem Altvatergebirge sind für 1195 Kaufmannssiedlung und Burgstätte bezeugt. Aus der slaw. Siedlung entwickelte sich der Hauptort um Marienkirche, Judengasse, Oberring, Niederring und Viehmarkt herum. Um 1215 erhielten die Büger städt. Statuten, nach 1224 Meilenrecht und Zollfreiheit, 1284 Stapelrecht und danach Münze, seit 1304 Magdeburger Recht sowie 1325 Blutgerichtsbarkeit und ab 1481 ein Wappenrecht. In der Heiliggeistkirche des Minoritenkl.s wurde eine Krypta für diesterbl. Überreste der T.er Přemysliden angelegt. Im Konvent hielt Ottokar II. 1256 einen Königstag ab, im 15. Jh. versammelten sich Landtag und Landgericht regelmäßig dort.
III.
In der got. Feste Grätz auf dem Felsvorsprung über dem Flüßchen Mohra lag bereits seit 1060 eine Burgstätte des Holaschitzer Stammes, die als Gradice Golensicezke 1155 zum → Breslauer Bm. zählte. Kg.in Kunigunde hatte an diesem Ort 1280 ihren Witwensitz genommen, doch die Hzg.e übersiedelten Anfang des 15. Jh.s nach T. Hzg. Przemek hatte nordwestl. des Stadtgebietes einen Fürstenhof errichtet, dessen Schloßbau 1431 Opfer einer Feuersbrunst wurde.
Literatur
Chocholatý, František: Herzog Przemko von Troppau (1365-1433) im Lichte seiner Zeit, in: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 13 (1983-85) S. 299-306. - Köbler 1988, S. 565. - Menzel, Josef: Joachim: Art. »Troppau«, in: LexMA VIII, 1997, Sp. 1045. - Müller, Karel: Troppau, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 16, 1998, S. 625-631. - Seidel, Elmar: Das Troppauer Land zwischen den fünfSüdgrenzen Schlesiens. Grundzüge der politischenund territorialen Geschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Berlin 1992 (Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien. Landeskundliche Reihe, 1). - Slezko v Dĕjinách Českého statu, Troppau 1998. - Wegener, Wilhelm: Die Herzöge von Troppau, Göttingen 1964 (Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, 2).