Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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THANN C.7.

I.

Tanne (1202), ze Tanne (1250), villicus opidi Thanne (1304), ze Tann (1361), gen Tan (1378), ze tanne (1394), Tanne (1471), dan (1513), Pinetum (1521), Dan (1576) - Stadt und Herrschaft T. - F, Oberelsaß, Dep. Haut-Rhin.

II.

Am Fuße der Vogesen beim Austritt des Thurtales (St. Amarinstal und Bußnangpaß), einer Handels- und Wallfahrtsstraße nach Lothringen gelegene Stadt im Elsaß. T. ist der Legende nach aufgrund der Translation des Daumens des hl. Theobald, Bf. von Gubbio, i. J. 1160 entstanden. Links der Thur und am Fuße der Engelsburg bestand aber bereits eine kleine Ansiedlung mit Namen Kattenbach aus den Burgmannensitzen, Fischern und Rebleuten, bevor rechts der Thur 1304 erstmals ein oppidum erwähnt wurde. Die Siedlung wurde durch die Einrichtung einerZollstation durch → Friedrich II. begünstigt. Seit Ende 13. Jh. Wallfahrtsort mit Zollrecht, der durch Heirat Hzg. → Albrechts mit der Erbtochter Johanna von Pfirt 1324 mit der Gft. Pfirt habsburg. wurde. 1360 wurde T. zur Stadt erhoben, 1364 sind Stadtmauern, 1387 die Einrichtung einer Münzstätte bezeugt. Seit dem 14. Jh. sind ein herrschaftl. Schaffner, ein von der Bürgerschaft gewählter St. Theobaldsbaumeister und Stadtbaumeister, Stadtschreiber und acht Räte als Magistrat belegt. Stadt und Herrschaft waren verschiedentl. als habsburg. Amtspfandschaft vergeben und1469-74 zusammen mit Elsaß, Sundgau und den vier Waldstädten an Karl Hzg. von Burgund verpfändet. Seit 1486 bzw. 1570 ist T. Legstadt der vorderösterr. Landstände für Elsaß und Sundgau, zweitgrößte vorderösterr. Stadt nach Freiburg, wurde 1625 endgültig von Ensisheim als Münzprägestätte abgelöst und ging 1648 an die frz. Krone über.

Die Burg wurde häufig bei Aufenthalten der Landesfs.en genutzt, wie z. B. von Leopold IV. (1394, 1395, 1398, 1399-1404), seiner Gattin bzw. Wwe. Katharina (zw. 1415 und 1425), → Friedrich III. (1442), Hzg. Sigmund (1467, 1469) und seiner Gattin Eleonora (1467), wobei auch Landtage auf der Burg in Gegenwart des Landesfs.en bzw. seiner Gattin abgehalten wurden. 1565 wurde T. wg. seiner großen Einkünfte als Res. für geeignet erachtet.

III.

Die Engelsburg über T. wurde 1224-30 erbaut, war ursprgl. gfl.-dagsburg., dann kgl., dann zw. den Gf.en von Pfirt und dem Bf. von → Straßburg umstritten. 1251 erhielt Gf. Ulrich I. von Pfirt die Burg, die seit 1270 Wohnsitz der Gf.en von Pfirt war, als straßburg.-bfl. Lehen. Neben der seit 1308 belegten Katharinenkapelle sind ein runder, separat stehender Bergfried, ein größerer Wohntrakt, sowie eine Vorburg bekannt. Die Burg wurde im Bauernkrieg 1525 vergebl. belagert, 1571 und 1593-1601 zur Garnison erweitert, im Dreißigjährigen Kriegsiebenmal erobert und 1674 gesprengt.

Bes. Bedeutung hat das städt. St. Theobaldsmünster, begonnen auf Vorgängerbauten um 1320 mit einer letzten Erweiterung von 1629. Die Fundamente des Turmes und Chores wurden 1351 gelegt, 1422/24 erfolgte auf Bitten Hzg.in Katharinas durch den Ebf. von → Besançon die Weihe des Chores, 1430-95 der Bau des Nord- und Mittelschiffes und 1442 die Verlegung des St. Amarinsstiftes nach St. Theobald in T. durch → Friedrich III. mit Genehmigung des Baseler Konzils. 1516 fanden die Bauarbeiten des Münsters ihren Abschluß mit dem Turm, der erbaut durch Remigius Fäsch eine denMünstern in → Straßburg und → Freiburg vergleichbare Qualität erreichte.

Quellen

Code historique et diplomatique de la ville de Strasbourg 1.2 (= Chronik des Maternus Berler), Straßburg 1843. - Comptes du Domaine de Cathérine de Bourgogne, 1907. - Documents relatifs à Cathérine de Bourgogne, 1907.

Bischoff 1982. - Bischoff 1997. - Le Haut-Rhin, 3, 1982, S. 1473-97. - Le patrimoine, 2, 1998, S. 1278-1305. - Quarthal 1991. - Reichsland Elsaß-Lothringen, 1901-03, S. 1110-13. - Speck 1994. - Stouff, Louis: Cathérine de Bourgogne et la Féodalité de l'Alsace autrichienne ou un Essai des Ducs de Bourgogne pour constituer une Seignerie bouguignonne en Alsace (1411-1426). 2 Tl.e, Dijon u. a. 1913 (Revue Bourguignonne,23). - Vorderösterreich, 2000.