Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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TER HORST C.3.

I.

Horst (1178), Hurst (1186), Hůrste (1190), Harst (1227), ter Horst (1310), apud Horst (1315) - Schloß - Stift Utrecht (Nedersticht); Bf.e von Utrecht - Hauptres. des Bf.s seit dem Anfang des 13. Jh.s, ab 1459 abgelöst durch → Wijk bij Duurstede - Ter Horst liegt im Weiler Achterberg am Fuß des Grebbeberges nordöstl. der Stadt Rhenen (Prov. Utrecht an der Grenze zu → Geldern) - NL, Prov. Utrecht.

II.

Bf. Gottfried von Rhenen (1156-78) baute die Schlösser Montfoort, Woerden und → Vollenhove, um die Grenzen zu Holland und den Friesen zu markieren. Aus dem gleichen Grunde baute er an der Grenze zu → Geldern ein neues Schloß in Horst bei Rhenen, wo sein Vater schon Anfang des 12. Jh.s ein castrum errichtet hatte, das wahrscheinl. 1163 von den Geldernschen verbrannt worden war. Borchmannen oder borchluden, die dafür ein Amtslehen erhielten, bewachten das Schloß. Anfang des13. Jh.s verlegte der Bf. seine Hauptres. von → Utrecht, das zu unabhängig wurde und wo der Bf. innerhalb der Mauern der Stadt gleichsam gefangen war, nach T. H. Er wählte wahrscheinl. dieses Schloß, weil es nahe zu Rhenen und dem Fluß Lek lag und weiter entfernt von Holland als Montfoort und Woerden. Auch gab es dort keine mächtigen ministerial. Kastelein, viell. gerade deshalb, weil der Bf. kontinuierlich die Kontrolle über T. H. ausgeübt hatte. Seit 1227 wurden in T. H. bfl. Urk.n angefertigt, und ab der Mitte dieses Jh.s immer häufiger. In dieser Zeitentstand auch das Amt des Marschalls des Nedersticht, der die hohe Gerichtsbarkeit verwaltete. Seit dem Anfang des 14. Jh.s war es übl., daß der Marschall auch Kastelein von T. H. war; von 1396-1413 war er durch eine Aufteilung seines Amtes nur Marschall des Overkwartier, d. h. dem SO des Nedersticht. Oft war der Kastelein auch Schultheiß der benachbarten Stadt Rhenen und Rat des Bf.s. Zur Zeit Bf. Rudolfs von Diepholt (1423-55) wurde die Münze, weil T. H.nahe zu Rhenen lag, nach Rhenen selbst verlagert. Das Schloß hatte eine dem hl. Pankratius geweihte Kapelle, die Bf. Johann van Arkel in ein Burgstift verwandelte (1347). Die Kanoniker hatten jedoch das Schloß zu verteidigen, wenn es belagert werden sollte. Die Datierung war jedoch unzureichend und erst 1481 schritt Bf. David ein und finanzierte für das Stift vier Kanoniker.

1459 erhielt der Bf. die Herrschaft über Stadt und Schloß → Wijk bij Duurstede. Seitdem war T. H. nur noch vereinzelt vom Bf. bewohnt. Die Besatzung war nun auch kleiner und bestand 1459 aus einem Kastelein, einem Kaplan, einem Torhüter, einem Wächter, einem, der für die Verpflegung zuständig war, und einem Diener. Nach der Säkularisierung 1528 hatte der Ks. keine Verwendung mehr für T. H., das noch kurze Zeit zuvor von den Geldrischen besetzt worden war. Demzufolge wurde damit begonnen, das Schloß abzureißen. Die Tuffsteine wurden für den Bauder Zwingburg Vredenburg zu → Utrecht verwendet.

III.

Da das Schloß schon 1528-29 abgerissen wurde und es keine zuverlässigen Abb.en gibt, kennen wir vieles nur durch eine kleinere Ausgrabung vom Jahre 1942. T. H. hatte zwei Gräben, zwei Brücken und eine Vor- und Hauptburg. Eine zwölfeckige, backsteinerne Mauer von kaum einem Meter Dicke umgab ein Areal von 42 × 58 m, dahinter gab es eine zweite Mauer, die eine Fläche von 40 × 45 m umfaßte; viell. waren beide Mauern deshalb gebaut, um eine abgeflachte Motte zu umschließen (13. Jh.?), wie das auch in Borssele (Zeeland)und Bergh der Fall war. Im Inneren befand sich ein starker, tuffsteinerner Donjon (12. Jh.?) und auch wohl ein Huus. 1330-32 hatte dieser Donjon ein niederes und ein Oberzimmer des Bf.s, ein Zimmer für dessen Brüder, ein Zimmer für den Kleriker-Sekretär und ein Gefängnis, wo der Pfarrer von Groede eingesperrt wurde. Der Bf. und sein Falkner hielten sich auch für die Jagd mit Falken in T. H. auf. Ein Jh. später weilte in T. H. der bfl. Jäger mit seinem Diener und den Jagdhunden einige Monaten lang, bevor sie im Herbst nach Salland fuhren. Auch wohnte in T. H. die jüngsteTochter des Bf.s mit ihrem Jungfrauen (1332). Weiter gab es dort einen Teich mit Hechten.

1427/28 ging Bf. Rudolf von Diepholt zu T. H. aus einer Auseinandersetzung mit seinen Gegnern Zweder von Culemborg und den Gelderschen siegreich hervor. Danach wurden der Donjon und das Torhaus ebenso wie der Bauernhof (in der Vorburg?) mit dem Hühnerhaus renoviert. Auch die Pferdeställe wurden renoviert und mit zwei Dachkammern für Pagen versehen. Das Zimmer des Bf.s und der Saal wurden geweißt und teilw. ebenso wie die Küche mit neuen Platten versehen, die rußigen Kamine wurden abgetragen. Am Kamin des Saales wurde ein Stein mit dem Wappen des Bf.s angebracht. Weiter gab es einkleines Zimmer für den Bf., eine Kellerei und eine Wendeltreppe zur Schreibstube. Auch stellte man den singelhof (Grabengarten) wieder her und pflanzte dort 44 Bäume und säte den Gemüsegarten wieder ein. Bemerkenswert waren der Weingarten und ein Schlagballplatz. Auf der Vorburg war ein Lagerplatz für Torf, der in der Gegend gestochen wurde. Dazu wurde auch ein neuer Graben ins Moor gezogen, dessen Aushub für die Erhöhung des Weges (zum Schloß?) verwendet wurde.

Quellen

Registers en rekeningen van het bisdom Utrecht, 1-2, 1889-91. - Rekeningen van het bisdom Utrecht, 1-3, 1926-32.

1000 jaar kastelen in Nederland, 1996. - Kastelen en ridderhofsteden, 1995 - Muller 1914. - Muller, Samuel: De borchluden van Ter Horst, in: Verslagen en mededeelingen van de Vereeniging tot uitgave der bronnen van het oude vaderlandsche recht 5 (1909) S. 118-145. - Rutgers 1970.