Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SULZBURG C.7.

I.

Sulzibergeheim (847), Sulziberg (993), Sultzburg (1482). Der Siedlungsname (»Behausung am Sulzberg«) könnte auf Salzquellen oder morastiges Gelände verweisen. - Kl. und Stadt im Markgräflerland, Diöz. → Konstanz - Mgft. Hachberg, Teil der Mgft. Baden(-Durlach). - Seit 1010 Besitz des Bf.s von → Basel; als basl. Lehensträger verfügten 1388-1415 die Mgf.en von Hachberg (Nebenlinie der Mgf.en von Baden), seit 1415 die Mgf.en von Baden (Hauptlinie, ab 1515 ernestin.Linie, später Baden-Durlach) über S. - Das Hauptgebäude des mgfl. Schlosses befand sich in Randlage an der südl. Stadtmauer. Der unter Mgf. Georg Friedrich († 1638) erweiterte Schloßbezirk nahm den Großteil des südl. der Mittelachse (Marktstraße) S.s. gelegenen Stadtgebiets ein. Zeitweilig Res. der Mgf.en Ernst von Baden (1515-35, † 1553) und Georg Friedrich von Baden-Durlach (1599-1604). - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Freiburg, Kr. Breisgau-Hochschwarzwald.

II.

S. liegt am Rand des Schwarzwaldes im unteren Sulzbachtal. Die erste Erwähnung S.s findet sich zu 847 im »Codex Laureshamensis«. Auf Bitten des Breisgaugf.en Birchtilo schenkte Otto III. 993 der Kirche St. Cyriak in der villa S. den im S.er Tal gelegenen Königsbesitz. Durch die Verleihung eines Marktrechts (mit Zoll und Königsbann) in dem abgegangenen Breisgauort Rincka sicherte Heinrich II. auf Fürsprache des → Basler Bf.s 1004 die Ausstattung des Kl.s, das Birchtilo hier initiierte und sich als Grablegeeinrichtete. 1010 übertrug Birchtilo das Nonnenkl. St. Cyriak an den → Basler Bf. Die Klostervogtei lag wahrscheinl. bereits im 12. Jh. in Händen der Herren von Üsenberg (erst 1224 sicher bezeugt), die das Basler Schenkenamt innehatten.

Die wirtschaftl. Entwicklung der abseits größerer Verkehrswege gelegenen Siedlung war geprägt vom Bergbau (v. a. auf Blei und Silber), der im S.er Tal schon in röm. Zeit betrieben wurde. Im Zusammenhang mit der Verleihung der Bergrechte im Breisgau an den → Basler Bf. ist der Silberbergbau in valle Sulzberc 1028 erstmals urkundl. bezeugt. Die Bergwerke im S.er Tal waren damals aber sicher schon längere Zeit in Betrieb. Die Siedlung der Klosterleute entwickelte sich unter den Üsenbergern vermutl. kurz vor 1283 zur Stadt (1283 Stadtsiegel mitBergbaudarstellung). 1294 sind neben Hesso IV. von Üsenberg als vogt des tales zu Sultzberg erstmals Schultheiß und Rat bezeugt. Der stadtherrl. Schultheiß, der sowohl für die Stadt als auch für das außerhalb der Stadtmauer (erstmals 1371 gen.) befindl. Kl. zuständig war, übernahm die Aufgabe des Amtmanns, der zuvor die Klostervögte im S.er Tal vertreten hatte. 1366-88 war die Stadt S. an die Herren von Staufen verpfändet. Als Johann von Üsenberg 1370 eine Bergordnung für das Münstertal (nördl. des S.er Tales) erließ, trat er als Landrichter im Breisgau und Herr zu S.auf. Im darauffolgenden Jahr gelangten Stadtherrlichkeit und Vogtei an Gf. Egino von Freiburg und 1388 schließl. an Mgf. Hesso von Hachberg, der die verpfändete Stadt für 500 Mark Silber auslöste. Mit dem Aufkauf der Mgft. Hachberg durch Mgf. Bernhard I. von Baden († 1431) gelangte S. 1415 an die Hauptlinie der Mgf.en von Baden.

Nördl. oberhalb S.s befand sich auf dem »Schloßberg« eine Burganlage (noch 1479 bezeugt), die viell. bereits im hohen MA als Sitz des Klostervogtes errichtet wurde. Kg. → Friedrich III. gestattete 1442 die Abhaltung zweier Jahrmärkte und erneuerte einen älteren S.er Wochenmarkt. Bemerkenswert ist der seit dem frühen 16. Jh. relativ große Anteil jüd. Bevölkerung (1546 Synagoge). Infolge der Teilung der Mgft. unter den Söhnen Mgf. Christophs I. von Baden († 1527) residierte Mgf. Ernst (später »zu Pforzheim«), der die Herrschaften → Hachberg,→ Rötteln und Sausenberg erhalten hatte, seit 1515 in S. Als ihm nach dem Tod seines Bruders Mgf. Philipp I. († 1533) → Pforzheim zufiel, verlegte er 1535 seine Res. dorthin. Mgf. Ernst bemühte sich erfolgr. um den Bergbau (1530 Einführung der maximiliane. Bergordnung), der im 16. Jh. noch einmal eine Blütezeit erlebte.

Unter Mgf. Georg Friedrich († 1638), dem 1584 bei der Dreiteilung der baden-durlach. Besitzungen zunächst → Rötteln, Sausenberg und Badenweiler zugewiesen wurden, trat S. erneut als mgfl. Res. hervor. Nachdem Georg Friedrich aus dem Erbe seines 1590 verstorbenen Bruders Jakob III. die Herrschaft Hachberg mit S. zugefallen war, diente ihm S. seit 1599 als Res. S. wurde dadurch Sitz der Regierungsbehörden und der Generalintendentur der oberen mgfl. Lande. Die S.er Schloßanlage ließ Georg Friedrich repräsentativ ausbauen, außerdem richtete er im ehemaligen, mitEinführung der Reformation (1556) aufgehobenen Kl. eine Lateinschule ein. 1604 beerbte Georg Friedrich auch seinen Bruder Ernst Friedrich und erlangte dadurch die Herrschaft über die gesamte Mgft. Baden-Durlach sowie den Anspruch auf das 1594 usurpierte baden-bad. Gebiet. Daher verließ er S. und bezog das mgfl. Residenzschloß Karlsburg in → Durlach. Die Erschöpfung der einst reichen Lagerstätten des S.er Bergreviers und v. a. die Kriege des 17. Jh.s, in deren Verlauf Schloß und Stadt zerstört wurden, führten zum wirtschaftl. Niedergang der Stadt, von dem sie sich erst im 18. Jh.erholte. Die Erträge des unter Mgf. Karl Wilhelm († 1738) wiederbelebten Bergbaus blieben trotz intensiver mgfl. Bemühungen hinter den hochgespannten Erwartungen zurück.

III.

Mgf. Ernst kaufte in S. vier Häuser auf, um ab 1515 an deren Stelle sein Residenzschloß errichten zu lassen. Unter Mgf. Georg Friedrich wurde der Fachwerkbau zu einem massiven Steingebäude mit Treppengiebeln umgestaltet. Dem dreigeschossigen, mit seiner südl Längsfront im Zug der Stadtmauer stehenden Hauptgebäude (über 60 m Länge und 16,5 m Breite) war im N auf der stadtzugewandten Seite ein sechseckiger Treppenturm angefügt. Ein weiterer Treppenturm an der südwestl. Gebäudeecke stellte den Zugang zum tiefer gelegenen Lustgarten im W her. Daneben entstandenein Saalbau (mit großem Weinkeller, Küche im Erdgeschoß und Saal im Obergeschoß), ein Ballhaus und ein Dienerbau. Außerdem ließ Georg Friedrich zw. 1600 und 1610 auch die Schloßkirche (zugl. evangel. Stadtkirche, 1834-38 Neubau, heute Landesbergbaumuseum) umbauen, die nun vollständig in den erweiterten Schloßkomplex (180 × 42 m) einbezogen wurde. 1612 wird von einem schönen Pallast von Zimmet-Gärten, Springbrunnen, einem lustigen großen Hof und anderen zierl. Gebäuwen, dem Herrn Markgrafen zugehörig berichtet. Einunvollständig erhaltener Zierbrunnen aus dem Schloßgarten trägt das Allianzwappen des Mgf. Georg Friedrich und seiner ersten Gemahlin, der Wild- und Rheingräfin Juliana Ursula (heute im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe). Abgesehen von seiner Bedeutung als zeitweiliges Residenzschloß der Mgf.en Ernst und Georg Friedrich diente das Schloß der dritten Gemahlin Mgf. Ernsts, Anna Bombast von Hohenheim († 1574), die in der S.er Stadtkirche auch ihre letzte Ruhestätte fand, als Witwensitz (1659-76 Sitz der Elisabeth Eusebia von Fürstenberg, Wwe. Mgf. Friedrichs V.). Das Hauptgebäude desSchlosses brannte im Dreißigjährigen Krieg ab und wurde nicht mehr aufgebaut (1833-36 Errichtung eines privaten Wohngebäudes, seit 1960 Rathaus). 1834 kaufte die Gemeinde die noch bestehenden Gebäude auf. Im ehemaligen O-Flügel des Schlosses wurden städt. Behörden untergebracht.

Quellen

GLA Karlsruhe. - StA Sulzburg. - Regesten der Markgrafen von Baden, 1-4, 1900-15.

Duch, Arno: Georg Friedrich Markgraf von Baden-Durlach, in: NDB VI, 1964, S. 197-199. - Grosspietsch, Jost: Sulzburg. Ehemalige markgräfliche Residenz. Eine Darstellung in alten Plänen und Ansichten, in: Das Markgräflerland 2 (1991) S. 5-15. - Martini, Eduard C.: Sulzburg. Eine Stadt-, Bergwerks- und Waldgeschichte, Freiburg i. Br. 1880. - Müller, Anneliese/Grosspietsch, Jost: Geschichte der Stadt Sulzburg, Bd. 1: Von denAnfängen bis zum ausgehenden Mittelalter, Freiburg i. Br. 1993. - Rott 1917. - Zettler, Alfons: Sulzburg, in: LexMA VIII, 1997, Sp. 305.