STRASSBURG C.3. Bf.e von Gurk
I.
Strazburch (1147). Der Name von Burg und Stadt ist von den dt. Worten Straße und Burg abgeleitet und bedeutet so viel wie »Burg an der Straße« (des Bf.s von Gurk). Im Gegensatz dazu stammt der Name des Bm.s Gurk vom slaw. Wort Kŕka (898 Gurka), das vom indogerm. Wort *Orqa, die Gurgelnde kommt. Burg und Stadt der Bf.e von Gurk im Hzm. und Land Kärnten (im Gurktal südwestl. von Friesach); Bf.e. von Gurk - Hauptres. - A, Kärnten.
II.
Das Gebiet von S. befand sich durch eine Schenkung Ks. Arnolfs seit 898 im Besitz der Vorfahren der hl. Hemma von Gurk. Gemeinsam mit dem benachbarten Lieding, wo Hemmas Großmutter Imma 975 mit dem Bau eines Kl.s begonnen hatte, kam das Gebiet von S. an das 1143 gegründete Nonnenkl. Gurk und nach dessen Aufhebung an das 1072 errichtete Salzburger Eigenbm. Gurk. Bf. Roman I. (1131-67) erbaute die Feste S., die 1147 erstmals gen. wird und den Verkehrsweg durch das Gurktal beherrschte. Anlaß dafür war die Errichtung eines Domkapitels in Gurk, das den Platz beimDom einnahm und sich häufig im Gegensatz zum Bf. befand, und die Verlegung des Bischöflich-Gurker Marktes → Friesach an den Fuß des Petersberges, der von der Burg der Salzburger Ebf.e beherrscht wurde.
Da die Rechte der Bf.e von Gurk in Friesach trotz aller Bemühungen an die Ebf.e. von Salzburg verloren gingen, ließ Bf. Walter von Vatz (1200-13) den Ort am Fuß der Burg, der um 1200 erstmals als Markt (forum) bezeichnet wird, planmäßig ausbauen und mit Mauern umgeben. Obwohl die Siedlung nur aus der beidseitig verbauten, zu einem Straßenmarkt erweiterten Durchzugsstraße und dem Platz vor der 1169 erstmals genannten Nikolauskirche bestand, machten die Bf.e von Gurk nach dem endgültigen Verlust von Friesach im 14. Jh. den Markt S. zur Stadt. Unter Bf. Gerold von Gurk(1326-33), der um 1330 ein Kollegiatkapitel an der St.-Nikolaus-Kirche errichtete und ein Armenspital westl. der Stadt gründete, tritt 1333 ein bürgerl. Stadtrichter auf. Ein Stadtrat ist i. J. 1382 bezeugt, ein Stadtrecht in erweiterter Form - nachdem ein älteres viell. bei einem Brand verloren gegangen war - aus dem Jahr 1402 überliefert. Es war auch das Mutterrecht für die Märkte Grades und Weitensfeld. Teils auf der Burg, teils in der und um die Stadt waren bfl. Ministerialen ansässig, die als Bgf.en, Vizedome und Hauptleute fungierten, aber auch die seit dem 12. Jh. bezeugten Hofämter derBf.e wahrnahmen. Dazu kamen der Markt- bzw. Stadtrichter, der bfl. Amtmann, neben dem es seit dem 14. Jh. einen Hofamtmann gab, der Kellermeister und seit der Verleihung des Blutbanns durch Kg. → Rudolf von Habsburg 1280 auch der Landrichter im Gurktal.
Die Nennung von Juden im 13. und 14. Jh. weist auf die wirtschaftl. Bedeutung der Stadt hin, die durch ihre Lage an einer Handelsroute und durch die bfl. Maut gegeben war. Ks. → Friedrich III., der 1444 nach S. kam, verlieh der Stadt 1455 einen Jahrmarkt am Fest des hl. Laurentius (10. Aug.). An der zw. 1439 und 1460 im Stil der Spätgotik neu erbauten Nikolauskirche wurde die Grablege der Gurker Bf.e eingerichtet, woran bis heute zahlr. prunkvolle Grab- und Gedenksteine erinnern. Bf. Andreas Gf. Spaur (1573-1603) errichtete in S. ein Priesterseminar. Das dafür von Bf. Joseph Anton Gf.von Auersperg (1772-83) um 1780 erbaute Alumnatsgebäude neben der Nikolauskirche ist heute das markanteste Bauwerk der kleinen Stadt. Mit der Verlegung des Bischofssitzes nach Klagenfurt verlor S. seine Funktion als bfl. »Hauptstadt« und blieb bis in die Gegenwart nur eine bescheidene Siedlung mit Stadtrecht und Teilen der ma. Stadtmauern.
III.
Die älteste, vor 1147 errichtete Burg besaß bereits die heutige Größe mit einer Längserstreckung von ca. 70 m. Sie bestand zunächst nur aus einer ovalen Ringmauer mit einem Tor in der Nordwestecke und einem zweigeschossigem Wohngebäude in der Form des »festen Hauses« an der Ostseite. An Stelle einer älteren Kapelle wurde um 1200 die heute in der Südostecke der Hauptburg gelegene Kapelle errichtet. In der ersten Hälfte des 13. Jh.s entstand als bedeutende Erweiterung der Anlage nach S im Anschluß an die Kapelle der ca. 30 m lange und 13 m breite Palas alsimposanter Repräsentativbau. Er wurde im 17. Jh. umgestaltet, stürzte jedoch 1911/15 ein.
Bereits 1161 wurde Ebf. Eberhard I. von Salzburg auf der S. empfangen. In den Auseinandersetzungen der Bf.e von Gurk mit den Ebf.en von Salzburg wurde die Burg 1179 und 1180 von Kard. Konrad von Wittelsbach eingenommen, 1180 auch die Siedlung S. zerstört. In einem neuerl. Krieg stellte sich 1231 der Gurker Bgf. und Vizedom Hartwig aus dem Geschlecht der Buzzonen gegen Bf. Ulrich I. und besetzte die Burg. Seine Söhne, Engelram und Engelbert, brachten 1247 erneut die Burg an sich, raubten den bfl. Schatz und verwüsteten Güter des Bm.s. Auch nach dem Ende der Buzzonen im 14. Jh. saßen mit denHerren von Liechtenstein-Murau, den Herren von Saurau, den Welzern und den Khevenhüllern Angehörige bedeutender Geschlechter als Bgf.en, Hauptleute und Statthalter auf der S.
Der das Burgtor flankierende Faulturm aus dem späten 12. Jh. diente als Bergfried und Wohnsitz von bfl. Ministerialen, die mit der Verwaltung bzw. milit. Bewachung der Burg betraut waren. Um die Mitte des 14. Jh.s, jedenfalls vor 1368, fiel ein Großteil der Burg samt dem Archiv einem Brand zum Opfer. Im Verlauf des Wiederaufbaus sowie mehrfacher Um- und Ausbauten der S. entstanden die Türme an der Ringmauer. 1583/84 errichtete der aus Gandria am Luganer See stammende Architekt Johann Anton Verda im NW der Burg das große Stall- und Kastengebäude mit einem großen Saal im drittenGeschoß. Nach einer Zeit des Verfalls im 17. Jh. ließ Kard. Johann von Goëss um 1685 die S. zu einer barocken Res. ausgestalten. Den älteren Bauteilen wurden im Hof einheitliche, zweigeschossige Arkadengänge vorgelegt, die dem Schloßhof ein renaissanceartiges Aussehen verleihen. Neben dem damals geschaffenen Barockportal, das in den Zwinger führte, ist auch die prächtige Ausgestaltung der Kapelle zu erwähnen. Auf der Burg wurde schon seit Fbf. Johann Jakob Frh. von Lamberg (1603-30) ital. Musik gepflegt, unter Bf. Jakob Maximilian Gf. Thun (1709-41) existierte auch ein Schloßtheater. Auf derS. fand auch die feierl. Übergabe der Temporalien an den neuernannten Bf. von Gurk statt. Nach der Einsetzung am Vortag im Dom zu Gurk versammelten sich die Gurker Beamten, Abordnungen der Stadt S. und des bfl. Marktes Grades sowie der Untertanen des Bm.s, um der Übergabezeremonie der Schlüssel des Residenzhaupttores und des bfl. Urbars durch Kommissäre des Landesfs.en und des Salzburger Ebf.s an den neuen Bf. beizuwohnen.
Durch die häufige Abwesenheit der Gurker Bf.e verfiel die Burganlage im 18. Jh. Am 21. Nov. 1767 beschädigte ein Erdbeben die S. schwer, worauf Bf. Joseph Anton Gf. von Auersperg die Res. zunächst nach Zwischenwässern in das neu errichtete Schloß Pöckstein verlegte; seit 1786/87 befindet sich der Bischofssitz in Klagenfurt. Versuche zur Rettung der S. im 19. Jh. blieben erfolglos. Nachdem 1856 ein Blitzschlag das hölzerne Dach vernichtet hatte, wurde die Ruine zum Steinbruch. Sanierungsarbeiten, die 1956 einsetzten und anlässl. der Hemma-Ausstellung 1988 abgeschlossen wurden, führten zurWiederherstellung und Rettung der Burg, die für Ausstellungen und Aufführungen genutzt wird.
Quellen
Monumenta historica ducatus Carinthiae, 1-11, 1896-1972.
Literatur
Dehio, Kunstdenkmäler Österreichs: Kärnten, 1981, S. 684-692. - Federhofer, Hellmut: Italien. Musik am Hofe des Fürstbischofs von Gurk, Johann Jakob von Lamberg (1603-1630), in: Collectanea Historiae Musicae 2 (1956) S. 163ff. - Fräss-Ehrfeld, Claudia: Straßburg - Fürstenresidenz und Bischofsstadt, in: Hemma von Gurk, 1988, S. 305-314. - Jaksch, August: Schloß Straßburg in Kärnten, Straßburg 1924. -Quitt, Johann: Beiträge zur Bau- und Kunstgeschichte des Schlosses Straßburg, in: Carinthia I, 95 (1905) S. 78-93. - Wendel, Albrecht: Die Straßburg. Eine bauanalytische Betrachtung, in: Hemma von Gurk, 1988, S. 315-323. - Wiessner, Hermann/Seebach, Gerhard: Burgen und Schlösser um Friesach, St. Veit, Wolfsberg, 2. Aufl., Wien 1977 (Burgen und Schlösser Kärntens Bd. 2) S. 120-124. - Zechner 1938, S. 117-125.