Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STOUTENBURG C.3.

I.

Stouthenburg (1259), Stautenberg (1263), Stoltenbergh (1322), Stoutenberch (1325) - Schloß - Stift Utrecht (Nedersticht); Bf.e von Utrecht - Nebenres. und Aufenthaltsort der Bf.e (ca. 1316-Anfang 15. Jh.), meistens auf dem Weg von → Utrecht zur Mündung des Flusses Eem und dann weiter mit dem Schiff nach dem Oversticht. - NL, Prov. Utrecht.

II.

Schloß, einige Kilometer östl. von Amersfoort und nördl. von Leusden im Nedersticht. Die Ministerialen der Familie van Amersfoort waren Erbvögte der bfl. Domäne in dem nördl. Eemland und Schultheißen in Amersfoort, wo sie wahrscheinl. den bfl. Hof bewohnten. 1259 gab Bf. Heinrich von Vianden Amersfoort Stadtrecht; am gleichen Tag gab Walter von Amersfoort dem Bf. sein Schloß zu S., gerade im Bau, zum Lehen und offenem Haus. Wahrscheinl. hatte der Bf. seinen Ministerialen gezwungen, seine Position in Amersfoort aufzugeben, um so selbstbesser das Eemland kontrollieren zu können und eine Ausbreitung der Macht seines Ministerialen zu verhindern. Er hat ihn wahrscheinl. mit Geld entschädigt und so den Bau des Schlosses ermöglicht. Seit 1271 nannte diese Familie sich oft van S. Finanzielle Probleme ruinierten sie. So konnte Bf. Guido von Avesnes 1315-16 das Schloß und die S.er Lehen kaufen, die mit weiterem Besitz vermehrt wurden. Dies ermöglichte ihm, Teile des Hofbesitzes in Amersfoort dem dortigen Pfarrer zu schenken (1317). Zw. 1325 und 1352 war S. mit dem Amt des Schultheißen (Marschall) in Amersfoort und Eemlandausgestattet, jedoch zumeist verpfändet. Mit Geld der Stadt → Utrecht konnte der Bf. S. auslösen; dadurch konnten nur Utrechter Bürger oder durch → Utrecht vorgeschlagene Personen Kastelein werden. Das neue Schloß Ter Eem, seit 1354 in Händen des Bf.s, übernahm jedoch die Funktionen S.s. So wurde das Amt des Marschalls in Eemland getrennt von der Bgft. S. (nach 1383 und vor 1393). Auch hatte S. kaum milit. Bedeutung mehr, obwohl es noch 1404 und 1408/09 verstärkt wurde und im Krieg von 1421 15 Mann Besatzung hatte. Seit 1457 war das Schloß, nachSchwierigkeiten zw. Amersfoort und dem Kastelein, verpachtet. 1495 wurde S. von geldr. Soldaten gestürmt und zusammen mit zwei Bauernhäusern verbrannt; der Bf. wollte mehr als 3000 rhein. Goldgulden Schaden erlitten haben. 1466 und 1524 wurde S. wg. der Verpachtung nicht mehr zu den Schlössern des Bm.s gezählt, obschon → Utrecht dagegen 1479 protestierte. 1540 entschied die neue habsburg. Verwaltung, das Schloß abzureißen und die Tuffsteine für den Bau der Zwingburg Vredenburg zu → Utrecht zu verwenden (1542-43).

Der Bf. benutzte das Schloß meist, um auf dem Weg von → Utrecht über die Zuiderzee nach dem Oversticht oder der Veluwe einzukehren oder zu übernachten. Deshalb hatte das Schloß 1379 die gleiche Organisation wie der Hof in → Utrecht mit coeken, pentrye, bottelrië, camer, forije und ghemeynen saken (Rekeningen van het bisdom Utrecht, 1-3, 1926-32, S. XIV, 204-221). Auch hielten dort zuweilen ein Falkner und der Jäger des Bf.s. auf. Viel wurde in Amersfoort gekauft oder in → Utrecht besorgt. S.war jedoch in dieser Zeit vorallem eine curtis, wo Hafer, Roggen und Torf empfangen und nach → Utrecht geschickt wurden. Auch wurde in S. Bier für den Bf. gebraut und zu ihm gesendet. Der Braukessel, der 1377/78 aus Ter Eem kam, war so groß, daß er nicht durch das Tor paßte. Der Gemüsegarten wurde 1378/79 mit Zwiebeln, Petersilie, Rüben, Salat und Spinat bepflanzt.

III.

Da S. schon 1542-43 abgerissen wurde und es keine Abbildungen mehr gibt, bleibt vieles unbekannt. Das Schloß hatte eine Vor- und eine Hauptburg, jede mit einer eigenen Brücke. In der Hauptburg gab es wahrscheinl. ein großes, unterkellertes Saalhaus mit einem Wehrgang, gläsernen Fenstern, Schieferdach und Strebepfeilern (1333/34). Dort befanden sich ein großer Saal, eine Küche, ein Zimmer für den Bf. und verschiedene andere Zimmer. Das overste huus und das steenhuse waren viell. Einzelhäuser in der Hauptburg.In der Vorburg befanden sich ein Haus und wahrscheinl. die Butterei und die Bottlerei, eine Torfscheune und eine Roßmühle und viell. auch die zwei 1495 genannten Bauernhäuser.

Quellen

Registers en rekeningen van het bisdom Utrecht, 1-2, 1889-91. - Rekeningen van het bisdom Utrecht, 1-3, 1926-32.

Emmens, Karel: De Sint-Joriskerk te Amersfoort. Van hofkapel tot kapittelkerk, Amersfoort 1998 (Amersfortia reeks, 11). - janssen, Hans L.: Het verdwenen bisschoppelijk kasteel Stoutenburg bij Amersfoort (1259-1543), in: Castellogica. Mededelingen van de Nederlandse Kastelenstichting 2 (1990) S. 121-139. - Kastelen en ridderhofsteden, 1995.