Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STEUERWALD C.3.

I.

Sturewolt (1313); Sturwolt (1315); Sturewolde (1321); Sturewald (1363); Sturwolde (1458); Sturwolt (1553); Steuerwolde (1557); Steuerwaldt (1800) - Der Sinn ist offenbar: Hilfe (Steuer) gegen die eigenmächtige Gewalt der Hildesheimer Bürger - Hochstift Hildesheim - Res. 1311-1802. - D, Niedersachsen, Reg.bez. Hannover, Kr. Hildesheim.

II.

Das unter Bf. Heinrich II. (1310-18) erbaute Schloß zwang dem »Chronicon Hildesheimense« zufolge schon 1311 die aufständ. Hildesheimer Bürger zum Einlenken und wurde in der Folgezeit der übl. Aufenthaltsort der Bf.e. Dieser Wandel von der Zwingburg zur Burg der Hofhaltung war erst durch die Baumaßnahmen Bf. Ottos II. (1319-31), der sich häufig in S. aufhielt, mögl. geworden. Bezeichnenderweise wurde S. mit einer Ausnahme anfangs des 15. Jh.s auch nicht verpfändet. In der Fehde nach der strittigen Bischofswahl von 1471 wurde es von beiden Seiten alsMittelpunkt der Herrschaft umkämpft. Auch als die Hildesheimer Bürger nach 1482 ihren Bf. befehdeten, wurde die Veste belagert.

Als Bf. Henning von Haus 1480 das Bm. Hildesheim resignierte, drückte er dies rückblikkend - nach den Worten des Chronisten Henning Brandis - so aus: Da ich vom Steuerwalde weggeritten, also vom Stift Hildesheim abgetreten war [...] (Brandis 1896). Das entspricht dem, was etwa 1480 und 1486 dezidiert festgestellt wird, wenn die Burg S. als unsers Stifts Herz und Residenz bezeichnet wird.

III.

Die im sumpfigen Ufergelände der Innerste angelegte Burg war durch zwei von einem Wall getrennte Ringgräben gesichert. Ursprgl. bestand die Schloßanlage aus vier um einen Binnenhof gruppierten Flügel dessen Herrschaftsmittelpunkt ein starker, im Untergeschoß von zwei Meter dicken Mauern gesicherter Turm war. Aus der Gründungszeit stammt der Pallas, ein drei- bis viergeschossiger Winkelbau, vorwiegend aus Buntsandstein mit einem Hauptflügel im W und einem Nebenflügel im O. Über die weitere Baugeschichte der zur Vierflügelanlage ausgestalteten Veste informiertdas »Chronicon Hildesheimense«, wonach der Nachfolger Heinrichs II., Otto II., neben dem palacium antiquum von Grund auf die Anlage unter großen Kosten mit solempnibus et inexpugnabilibus edificiis u. a. mit dem Burgturm vervollständigen ließ. Der Bau einer Schloßkapelle mit dreiseitigem Chorschluß ist durch den Wappenschild Bf. Johanns IV. (von → Sachsen-Lauenburg) mit der Jahreszahl 1507 dat.

Quellen

Chronicon Hildesheimense, in: MGH SS VII, 1846, S. 850-873, hier S. 845-873, 869f.

Henning Brandis' Diarium. Hildesheimer Geschichten aus den Jahren 1471-1528, hg. von Ludwig Haenselmann, Hildesheim 1896. - Die Kunstdenkmale des Landkreises Hildesheim, bearb. von Heiner Jürgens, Hans Lütgens, Arnold Nöldeke und Joachim Freiherr von Welck, Hannover 1938 (Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover, 24), S. 203-213.