Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STABLO (-MALMEDY) C.4.1. (Stavelot-Malmédy)

I.

Stabelacus (c. 650, 692), Stabelaus (ca. 650, 937-954), Stablaus (652-653), Stabulaus (663, 862), Stablau (ca. 681), Stabulau (755, 956), Stabulao (770-779), Stablao (814), Stablensis (1257), Stabletensis (1378), Stavelov (13. Jh.), Stavlout (1225-14. Jh.), Stavelot(1272, 14. Jh.), Stavlou (1275), Stavloit (1275), Staules (1315), Staveloo (1526), Stavel, Stavell (1549).

Abtei und Stadt in den Ardennen, auf dem rechten Ufer der Amblève; Bm. → Lüttich; Residenzstadt der Fürstäbte von St.-M. In den Jahren 1525 bis 1528 erbautes Schloß zw. St. und M.; Res. ledigl. im 16. und Anfang des 17. Jh.s. - B, Prov. Lüttich, Stavelot.

II.

Auf dem rechten Ufer der Amblève in unmittelbarer Nähe des Wassers gelegen, verfügte die Abtei über mehrere Mühlen. 1576 wurde eine Steinbrücke erbaut, die eine 1534 durch das Wasser zerstörte Holzbrücke ersetzte. Das Schloß lag stromaufwärts, auf einem felsigen Steilhang auf dem linken Flußufer.

Der kleine Marktflecken St. war um die Abtei herum gewachsen. Bei einem Brand i. J. 1232 wurden 156 Häuser zerstört. 1544, bei einer Volkszählung anläßl. der Bezahlung einer außerordentl. Abgabe für den Krieg gegen die Türken, zählte die Stadt St. 263 Familien. Die bescheidene Pfarrkirche St. Sebastian, in der Nähe der Teiche gelegen, war seit 1172 den Mönchen zugesprochen. Am 30. Mai 1340 wurde ein Hospital gegr. Der Abt Poppon hatte bereits 1040 einen jährl. Markt eingeführt. Auf dem Marktplatz erhob sich wahrscheinl. der Perron (archival. Erwähnung um 1700), Symbol derFreiheitsrechte, die durch den Abt Wibald anerkannt waren (12. Jh.). Das Handwerk produzierte Stoffe und Spitzen, seit dem 16. Jh. ist auch Gerberei belegt. Befestigungsmauern wurden nicht vor 1621 errichtet; etwa Mitte des 17. Jh.s wurden sie von den Franzosen wieder eingerissen.

Der Bürgermeister und die Amtsträger der Stadtgemeinde wurden von den Bürgern gewählt und waren die Vertreter der Gemeinde in der Gerichtsversammlung unter dem Vorsitz des Meiers, dem Stellvertreter des Fürstabts. Ihr gehörten auch die Gerichtsschöffen an; sie hatten dort jedoch nur wenige Befugnisse.

III.

Kirche und Klostergebäude wurden unter dem Abt Poppo (1021-48; Weihung der Kirche i. J. 1040) an der Stelle der vorher dort gelegenen Kirchen (eine erste Kirche wurde 685 unter dem Abt Goduin geweiht) wiedererrichtet. Zw. diesem Datum und dem 16. Jh. werden in den Archiven keine Wiederaufbauarbeiten größeren Umfangs erwähnt. 1522 läßt Wilhelm von Manderscheid den arvô errichten, einen von einem Kreuzgewölbe überdachten Durchgang, der den Zugang zum ersten Hof der Abtei eröffnet. In diesem ersten Hof beherbergte der Westflügel in seinemNordteil die Pferdeställe, die Brauerei und die Bäckerei, im Südteil den Provinzialrat. Im Südflügel befanden sich die Unterkünfte für die Fremden, später mit Quartier du Prince bezeichnet. Auf einem Stich des Zeichners und Kupferstechers Gabriel Bodenehr (Augsburg 1673-1766), der wahrscheinl. aus der Zeit zw. 1715 und 1717 dat. und eine Ansicht dieses Gebäudes vor seinem Wiederaufbau 1718 gibt, ist ein Gebäude mit zwei Etagen zu erkennen, die mit einer Bandleiste von Steinen an der Fassade hervorgehoben sind; die Fenstereinfassungen sind ebenfalls aus Stein. Dieser Hofwird im N von der Kirche begrenzt. Die Klostergebäude fassen einen zweiten Hof ein; an seiner südl. Seite befindet sich in dem Flügel, der direkt an der Amblève liegt, das Refektorium, im Ostflügel der Kapitelsaal, das Auditorium, das Noviziat, der Krankensaal (ausgestattet mit einer Kapelle und mit einem neuen 1563 geweihten Altar) und im Obergeschoß die Bibliothek und der Schlafsaal der Mönche.

Der in sich geschlossene Kreuzgang des Kl.s umgab einen Garten. An seiner nordwestl. Ecke schloß er die Kapelle St. Vith ein, die nach dem Grdr. der Heiligen Sophia in Konstantinopel unter dem Abt Wibald erbaut wurde (geweiht am 26. Juli 1159) und in der die Urk.n des Kl.s verwahrt wurden. Sie wurde 1789 von den Mönchen selbst niedergelegt. Der Zeitraum, in dem die auf dem Stich Bodenehrs sichtbaren Gebäude errichtet wurden, läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Sie stammen wahrscheinl. nicht alle aus dem 11. Jh. 1534 begann Wilhelm von Manderscheid mit dem Wiederaufbau derKlosterkirche, indem er an der Stelle eines im 15. Jh. eingestürzten Vorbaus einen Westturm errichten ließ, der mit einer Turmspitze gekrönt war. Die Arbeiten wurden später im Kirchenschiff weitergeführt, dessen Mauern wiederaufgerichtet wurden und das mit einem Kreuzgewölbe versehen wurde. Der Grdr. der Kirche des 11. Jh.s wurde bewahrt. Diese Arbeiten, die den Chor der Kirche und ihre äußere östl. Krypta nicht berührten, wurden unter dem Abt Ernst von Bayern (1581-1612) mit der Weihe der Kirche i. J. 1607 abgeschlossen. Das Kl. war von Mauern umgeben, die ab 1567 erbaut wurden.

Wilhelm und Christoph von Manderscheid (1499-1546; 1547-76) wählten das Schloß, das Wilhelm zw. 1525 und 1636 auf einer Anhöhe zw. St. und M. erbauen ließ, zu ihrer Res. Da es über ein gewisses Maß an Komfort verfügte, beherbergte es im Mai 1540 für einige Tage den böhm. Kg. → Ferdinand I., Bruder → Karls V. Auch der Gerichtshof wurde dort eingerichtet, jedoch wurden ab 1588 die Versammlungen im Kl. von St. abgehalten. Im Schloß wurden darüber hinaus der Schatz der Abtei und die zivilen Urk.n des Fsm.s verwahrt. Aufgrund seiner Lage und seiner Bauweise war es alsFestung schlecht geeignet. Die Nachfolger der Manderscheids residierten ebenfalls in diesem Schloß, waren aber nur selten im Fsm. anwesend; das Schloß diente als Gefängnis oder zur Beherbergung von Truppen. Bereits mehr oder weniger aufgegeben, verfiel es schnell zu einer Ruine. Dieses Schloß, dessen Grdr. ein unregelmäßiges Fünfeck darstellt, war aus Steinen erbaut, wie man sie in der Region findet, und hatte zwei große, von Gebäuden eingefaßte Höfe. Der Eingang im S wurde durch einen großen runden Turm verteidigt und eröffnete den Zugang zu einem dreieckigen bzw. unteren Hof.Die fsl. Gemächer, erhellt durch große Fenster mit Fensterkreuzen, lagen an der Nordseite des vierekkigen oder oberen Hofes. Zwei große Türme rahmten diesen Flügel ein, der mehr als 70 m über der Amblève lag. Die Wirtschaftsgebäude (Küchen, Pferdeställe, die Brauerei, der Weinkeller, etc.) waren in den schlichter gehaltenen Gebäuden untergebracht, die diesen viereckigen Hof im O und im W säumten.