Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ST. ANDRÄ IM LAVANTTAL C.3.

I.

ad Lubantam (860), Laventa (888), Lauenta (888), ad Lauenatam (891); ad Labantam aecclesiam sancti Andreae (*890), vom vorslaw. Wort *Ablanta, die Weißglänzende, Weißenbach. der Name der Stadt ist vom Patrozinium der Hauptkirche abgeleitet, Andrê als mhd. Lehnform mit Endbetonung. slaw. Ândrež geht hingegen auf ahd. andrês mitErstbetonung zurück. Stadt und Burg der Ebf.e von Salzburg. Bf.e von Lavant - Hauptres. - A, Kärnten.

II.

Die Bf.e des »Winkelbistums« Lavant, des kleinsten und bescheidensten der vier Salzburger Eigenbm.er, waren die einzigen, die zumindest zeitw. an ihrem offiziellen Bischofssitz residierten. Ähnl. wie die Bf.e von Seckau, deren Res. auf Burg → Seggau den Teil einer ebfl. Burganlage bildete und im Salzburger Markt Leibnitz lag, befand sich auch der Sitz der Bf.e von Lavant in einer ebfl. Stadt, St. A. im Lavanttal. Damit standen auch die Bf.e von Lavant unter Aufsicht der dort tätigen Salzburger Beamten.

Der Besitz im Lavanttal war bereits 860 mit der großen Schenkung Kg. Ludwigs des Deutschen an das Ebm. Salzburg gekommen. Er grenzte im N an den großen Güterkomplex des Bm.s → Bamberg mit den Städten St. Leonhard und Wolfsberg, wo der bamberg. Vizedom seinen Sitz hatte, im S an den Besitz der Abtei St. Paul im Lavanttal, einer Familienstiftung der Spanheimer aus dem Jahre 1091. Um die einzelnen Güter und Herrschaften im weiteren Umkreis, die vom erzbfl. Urbaramt in St. A. i. L. verwaltet wurden, entspr. zu sichern, errichteten die Ebf.e eine Reihe von Burgen, zu denen sie später nochweitere von der Abtei St. Paul hinzuerwarben.

Der Ort St. A. entstand um den ebfl. Hof, der 1183 in der Nachbarschaft zur Kirche Erwähnung findet. Die Siedlung wird 1234 als Markt (forum) bezeichnet und entwickelte sich im 14. Jh. zur Stadt. Nachdem Hg. Albrecht II. von Österreich als Kärntner Landesfs. dem Salzburger Ebf. Heinrich von Pirnbrunn 1339 das Recht erteilt hatte, den Markt St. A. zu befestigen, tritt 1385 erstmals ein Stadtrichter urkundl. auf. Ks. Friedrich III. verlieh 1458 der Stadt einen Wochenmarkt am Donnerstag und einen Jahrmarkt am Fest des hl. Augustinus. Den Salzburger Ebf.en gelang eszwar nicht, auch für ihre Güter im Lavanttal das Hochgericht zu erwerben - sie unterstanden dem Bamberger Landrichter zu Hartneidstein - aber sie konnten sich für alle wichtigen Güter einen eigenen Burgfried und damit das Niedergericht sichern. Zuständig dafür war der ebfl. Pfleger, der seinen Sitz im Pfleghof beim St.-Pauler-Tor am südl. Ende der Stadt hatte.

Die starke Befestigung der Stadt mit Mauern, Gräben und Türmen bot der Bevölkerung während der Einfälle der Osmanen im 15. und 16. Jh. Schutz. Im »Ungarischen Krieg« war die Stadt 1479-90 von ksl. Söldnern besetzt und erlitt schweren Schaden. Ebf. Leonhard von Keutschach (1495-1519) erwarb die Stadt zurück und ließ die Befestigungen wieder herstellen. Neben der Domkirche und der bfl. Res. bildeten der bfl. Amtshof, der seit 1619 als Rathaus diente, das Haus des Pflegers, das meist als »Salzburger Hof« bezeichnet wurde, und das Spital die wichtigsten Bauten der Stadt. Der LavanterBf. Franz Kaspar von Stadion (1673-1704) ließ 1687 nördl. von St. A. die stattl. Wallfahrtskirche Maria Loretto errichten.

Die Gebäude des Augustiner-Chorherrenstiftes, das seit der Bistumsgründung zugl. das Domkapitel bildete, waren im S an die Stifts- und Domkirche St. Andreas angebaut. Trotz der räuml. Nähe des Bf.s zum Domkapitel kam es nur selten zu Konflikten, da sich die Bf.e häufig auswärts aufhielten: In ihrem Haus in Wolfsberg, auf Burg Lavant auf dem Friesacher Petersberg, im Lavanter Hof am Metropolitansitz Salzburg oder in den Diensten des Landesfs.en am Hofe der → Habsburger. Außerdem war die Position der Bf.e von Lavant dadurch gestärkt, daß sie in der frühen Neuzeit auch alsGeneralvikare des Ebm.s Salzburg in Ober- und Unterkärnten fungierten.

Die ebfl. Herrschaft endete auch in St. A. mit der Säkularisation des Jahres 1803, die Eingliederung in das Hzm. und Kronland Kärnten erfolgte aber erst nach dem Frieden von Preßburg (1805) und dem Ende des Kurfürstentums Salzburg. Im Gegensatz zu den Bf.en von Gurk-Klagenfurt und Graz-Seckau behielten die Bf.e von Lavant ihren Sitz auch nach den josephin. Reformen 1786 in St. A. bei. Sie wurden dort noch 1821 von der schweren Brandkatastrophe betroffen, die einen Großteil der Stadt, darunter auch das alte Salzburger Pfleghaus, vernichtete. Erst 1859 erfolgte die Verlegung desBischofssitzes nach Marburg an der Drau in der Untersteiermark, heute Maribor in Slowenien. Die ausgedehnte Herrschaft St. A. ging damals im Kaufweg an den dän. Staatsbürger August Theodor Schütte über, der Sitz wurde in das um 1755 errichtete neue Pfleghaus am südl. Stadtrand verlegt, auf dem das Wappen des Bf.s Vinzenz Josef von Schrattenbach (1777-90 und 1795-1800) zu sehen ist.

III.

Die ersten Bf.e von Lavant residierten auf dem Petersberg in Friesach (Schloß Lavant), ihre Nachfolger in einem »Haus am Platz« in der Stadt Wolfsberg, das ihnen der Bf. von → Bamberg als Stadtherr geschenkt hatte. Erst im 14. Jh. dürften die Bf.e von Lavant eine Res. in St. A. errichtet haben. Zumindest wurden damals von Bf. Peter Kröll 40 Pfund Pfennig in den Bau zweier Häuser in Lavant investiert. Der genannte Bf. ist auch der erste, der in St. Andrä begr. wurde. Am 11. Juni 1381 konnte in St. Andrä im neuen Bischofshof eine Synodeabgehalten werden.

Im 16. Jh. plante Bf. Martin Herkules Rettinger einen Neubau der Res. Er kaufte dazu Gartenteile hinter der Stadtmauer, an der Ostseite des Bischofshofes, doch dürfte das Projekt erst unter Bf. Georg Stobäus von Palmburg realisiert worden sein. In dieser Zeit stellte man auch einen Verbindungstrakt zw. der Res. des Bf.s und der Bischofskirche her. Wesentl. Umbauarbeiten und Erneuerungen mit Gestaltung der barocken Fassade erfolgten unter Bf. Albert Priamis (1640-54) und dessen Nachfolger Maximilian Gandolph Frh. von Kuenburg (1654-65). Zu Beginn des 18. Jh.s rettete nach eigenen Angaben Bf.Franz Caspar von Stadion die Rupertikapelle im Bischofshof vor dem Einsturz. Man vermutet, daß diese Kapelle sich im Erdgeschoß der südöstl. turmartigen Gebäudepartie befand. Die Westfassade erhielt ihre bleibende Gestalt unter Bf. Joseph Oswald von Attems (1724-44). Sie zeigt eine Riesenpilasterordnung, die Fenster des Hauptgeschosses sind durch Segment- und Dreiecksgiebel betont. Das große, von Pilasterordnungen gerahmte Portal zeigt zw. Voluten einen Aufsatz mit den Buchstaben IHS. In den Jahren 1766 und 1767 wurde der Bischofshof durch Erdbeben beschädigt undanschl. wiederhergestellt. Im Jahr 1812 stürzte der Verbindungsgang zw. bfl. Res. und Kirche ein, wurde jedoch bald wieder aufgebaut. Mit der Übersiedlung von Bf. Slomšek nach Marburg/Maribor 1859 war die bfl. Res. verwaist.

Im Jahr 1852 wurde die einst von Maria Theresia verfügte Ausweisung der Jesuiten durch die österr. Regierung aufgehoben. Der Orden kaufte zunächst das ehemalige Zisterzinserinnenstift Baumgartenberg in Oberösterreich als Noviziat. Da dieses sich als ungeeignet erwies, erwarben die Jesuiten die ehemalige Bischofsres. in St. A. im Lavanttal. Die Kaufsumme für das Bischofshaus in St. A. und das nahegelegene Schloß Thürn samt zwei Wirtschaftshöfen, 150 000 Gulden, waren eine Spende des Habsburger Ehzg.s Maximilian des Deutschmeisters. Noch im Sommer 1859 konnten Patres und Novizen der Jesuitenihr neues Domizil beziehen. Am Ende des 19. Jh.s wurde die dominierende Stiegenanlage eingebaut und ein viertes Geschoß auf das Gebäude aufgesetzt. Mit Ausnahme der Jahre 1911-17, in denen das Jesuitennoviziat in → Wien untergebracht war, blieb diese Einrichtung bis zur nationalsozialist. Zeit in St. A. bzw. dem 1930 erworbenen nahe gelegenen Schloß Kollegg. Am 19. Febr. 1940 wurde das ehemalige Bischofshaus in St. A. von der Gestapo beschlagnahmt und mußte am 8. März 1940 endgültig geräumt werden. Erst im Sommer 1947 konnte das Noviziat wieder in sein stark verwüstetes Haus in St.A. zurückkehren, in dem zuletzt engl. Soldaten einquartiert gewesen waren. 1968 wurde das Haus von den Jesuiten verkauft und die Novizen übersiedelten nach Kollegg. Im Jahre 2000 erwarb die Caritas die einstige Bischofsres. und baute sie zu einem Altenheim um. Die ehemalige Kathedrale dient heute als Stadtpfarrkirche, das Gebäude des Chorherrenstifts südl. der Kirche als Pfarrhof.