Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SOEST C.2.

I.

Sozat (864), Sosat (DO III 22), Sosatium (10. Jh.), Suosat (1014), Sosaet (1047), Sosaz (1068), später Susatia, Sosatia, Susa, Sosa, Suosat, Sosat. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Arnsberg, Landkr. S.

II.

S. liegt nördl. des Haarstrangs am Hellweg in einer mit Löß bedeckten fruchtbaren Bördenlandschaft. Ferner sind im Ort salzhaltige Quellen zu finden, die schon seit dem Früh- MA zur Salzgewinnung genutzt wurden. Außerdem lag S. am Hellweg, der eine O-W-Verbindung darstellte und von überregionaler Bedeutung war. Die Verbindung von S nach N, von Frankfurt nach → Münster war zunächst weniger bedeutend und entwickelte sich erst später zu einem wichtigeren Handelsstrang. Über den Hellweg erreichten S.er Kaufleute schon früh den Rhein und→ Köln und → Magdeburg oder Lübeck und fanden Anschluß an den Ostseehandel. S.er Kaufleute dehnten ihre Handelsreisen seit dem 12. Jh. bis nach Wisby und Livland im NO und nach → Brabant und Flandern mit Brügge und London aus. Schon vor dem 12. Jh. blühte die Stadt auf und erreichte im SpätMA wohl an die 10 000 Einw. Die dort lebenden Kaufleute v. a. gelangten infolge ihres weit gespannten Handels zu großem Wohlstand. Der Aufschwung kam auch der ansässigen Bevölkerung, insbes. den Handwerkern, zugute.

Seit dem 6. Jh. ist mit einer festen Ansiedlung im Bereich der späteren Stadt S. zu rechnen. Ob die Kölner Kirche damals schon Rechte in S. besaß, ist unsicher. Jedenfalls haben die → Kölner Ebf.e seit der Ottonenzeit ihren Einfluß und ihre Herrschaft in S. ausbauen können. Neben dem von Ebf. Bruno gegründeten Patroklistift entstand eine ebfl. Pfalz. Beide zusammen mit einer Siedlung wurden noch im 9. Jh. mit einer Mauer umgeben. Philipp von Heinsberg (1167-91) schließl. ließ das gesamte Gebiet mit einem Markt und anderen Siedlungsinseln samt dem Patrokliviertel befestigen. Diese102 Hektar große Fläche reichte für die Stadt bis weit in die Neuzeit hinein. In der Stadt hatten die Ebf.e Münz-, Zoll- und Gerichtsrechte und andere finanziell ausbeutbare Rechte. Infolge ihrer ökonom. Stärke entwickelten die Bewohner eigene Institutionen wie den im frühen 13. Jh. bezeugten Rat und den Bürgermeister und ein eigenes Recht. Schon seit dem 13. Jh. versuchten die S.er sich von der Herrschaft der Ebf.e zu lösen. 1444 erkannten sie schließl. den Hzg. von → Kleve als ihren Herrn an und schieden nach heftigen krieger. Auseinandersetzungen aus dem Verband des kurköln.Westfalens aus.

Die Pfalz neben St. Patrokli scheint klein gewesen zu sein und bestand wohl im wesentl. aus einem festen Turm, der im 12. Jh. Teil eines Spitals geworden ist. Nach der Ummauerung zur Zeit Philipps von Heinsberg errichtete der Ebf. seinen Palast im O bei St. Thomae auf einem Gelände, auf dem wohl schon vorher ein ebfl. Hof gestanden hat. Das feste Haus bei St. Thomae zerstörten die S.er 1225, bauten es aber wieder als unbefestigte Pfalz auf. Dieser Bischofshof diente den Ebf.en als Domizil, wenn sie den östl. Teil ihres Herrschaftsgebiets, das kurköln. Westfalen, besuchen wollten. ZurInstandhaltung des Hauses waren Handwerker und Diener mit bes. Lehen versehen, die sie zu speziellen Diensten an der Pfalz und in der Kapelle verpflichteten. Außerdem hatten Lehensträger den Ebf. und sein Gefolge nach einer Aufzeichnung von 1272 mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen und zu bedienen.

S. galt als die wichtigste Stadt des Hzm.s Westfalen, als clavis ducatus Westfalie, war und blieb jedoch eine Nebenres., die die Ebf.e seit dem 13. Jh. allenfalls einmal i. J. für wenige Tage aufsuchten, wenn sie in ihr westfäl. Territorium ritten. Entsprechend war auch die Pfalz mit einem Saal und einer Kapelle nicht immer im besten baul. Zustand. Dazu kam, daß Walram von Jülich und Wilhelm von Gennep das kurköln. Westfalen kaum jemals aufsuchten. Friedrich von Saarwerden mied bereits S., während sein Nachfolger Dietrich von Moers wieder in der Stadt weilte, sie abernach 1444 nicht mehr betrat. Mit dem Ausscheiden S.s aus dem kurköln. Territorium verlor der Ort seine Residenzfunktion für den Ebf. Da die Ebf.e den Verlust nicht verschmerzen konnten, versuchten sie, die Stadt zurückzuerobern, wenngleich ohne Erfolg. An die Stelle S.s war schon vor 1444 → Arnsberg getreten.

Isenberg, Gabriele: Soest und die Kölner Erzbischöfe aus archäologischer Sicht, in: Soester Zeitschrift 104 (1992) S. 4-15. - Soest. Geschichte der Stadt, Bd. 2: Die Welt der Bürger, Politik, Gesellschaft und Kultur im spätmittelalterlichen Soest, hg. von Heinz-Dieter Heimann und Wilfried Ehbrecht, Soest 1996 - Soest. Stadt - Territorium - Reich. Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Vereins für Geschichte und Heimatpflege Soest mit Beiträgen zur Stadt-, Landes- undHansegeschichte, hg. von Gerhard Köhn, Soest 1981 (Soester Zeitschrift, 92/93; Soester Beiträge, 41).