Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SCHWEIDNITZ C.7. (Świdnica)

I.

Seit 1368 bzw. 1392 als böhm. Lehen schles. immediates Erbfsm. Der Südteil des Hzm.s → Breslau (ab 1248) ging mit Gebieten von → Jauer und Fürstenberg an Hzg. Bolko I. († 1301), der ab 1291 ein eigenständiges Fsm. ausformte. Dessen älterer Sohn Bernhard überließ 1312 → Jauer seinem Bruder Heinrich I. und 1322 → Münsterberg seinem Bruder Bolko. Bolko II. (1326-68) nahm die Titulatur seines Vorgängers Bernhard (1308-26), des Herrn von Fürstenberg auf und residierte auf seiner Hauptburg Fürstenstein und im Hzm. Jauer,das unter der Alleinherrschaft des Hzg.s mit dem ducatus Silesiae Swidnicensis 1346 vereinigt wurde. Anna (1338/39-62), einzige Tochter Heinrichs II. von S. († um 1345/45) und Katharina († wohl 1355), einer Tochter Karl Roberts II. von Anjou, versprach als präsumtive Erbnichte ganz Osteuropas durch die Ehe mit Ks. → Karl IV. eine Anwartschaft auf den Nachlaß beim Tod des kinderlosen Onkels Bolko II. und ihrer Tante Agnes (1392). Die Hauptstadt der S.er Bolkonen, deren Nebenzweig mit dem Tode Annas 1362 ausgelaufen war, unterstand als Erbfsm.unmittelbar dem böhm. Kg. (→ Böhmen), dessen Landeshauptmann Sitz auf der Burg nahm. Ohne aus der Nähe regierende Landesherren rückten die bürgerl. Stände auf und wählten zw. 1409 und 1500 Landeshauptleute. - PL, Wojewodschaft Dolnośląskie.

II.

Die neben → Breslau »zweite Hauptstadt der schlesischen Städte« hebt Merian mit eigenem Panoramaplan hervor. Nach dt. Recht an der Weistritz zw. 1243 und 1250 gegr., erhielt das Weichbild mit Meilenrecht 1260 Neumarkter Recht. Münzstätte und Münzgerechtigkeit waren 1290 vorhanden, ein Rat wurde 1293 und die Ratsherrenwahl 1355 erwähnt, seit 1389/1407 war ebenso der Handwerkerstand in der Bürgergemeinde vertreten. Die niedere Gerichtsbarkeit lag seit 1274 bei der Erbvogtei, die 1370 wie auch 1434 die Landvogtei von dercivitas erworben wurde. Wappenschilde und Stadtfarben zeigen einen purpurnen Greif und einen silbernen Keiler mit zwei Kronen. Der Bau einer starken Steinmauer mit sieben Toren erfolgte bis 1345. Im NW der Stadt sind 1295 eine curia und 1326 ein castrum belegt. Die alte hzgl. Burg an der höchstgelegene Stelle der Stadt am Striegauer Tor wurde von Bolko I. gegr. und von Bernhard 1313 nach einem Brand erneuert. Mit Turm wurde der Sitz eines Burghauptmannes 1330 in die Stadtbefestigung einbezogen. Wg. der Erbverträge handeltendie hervortretenden Stände 1369 weitreichende Landesprivilegien aus.

III.

Nach dem Erwerb von S.er Gebietsteilen wurde Hzg. Bolko I. 1290 Herr von Fürstenberg und saß in Burg Fürstenstein auf einem Grat über dem Hellebach nahe Freiburg. Diese Höhenburg ohne Siedlungsrückhalt blieb Stammburg und bevorzugter Sitz der Hzg.e von S., obwohl nach Bolkos I. Tod als Fürstenres. auch die Stadt S. bezogen wurde. Die von Bolko I. erbaute Hauptburg, erst Fürstenberg gen. und 1393 als Fürstenstein bezeugt, verblieb im Hausgut der S.-Jauerschen Hzg.e, bis die letzte Fs.in Agnes sie 1361 veräußerte. Georg von Podiebrad erwarb 1464 denFürstenstein, verlor ihn aber an einen Heerführer von Matthias Corvinus, dessen S.er Hauptmann auf dem Gebirgszug residierte. Im Hauptort verfiel das ruinöse Burggelände nach einem Brand von 1528 allmählich. Die verwahrlosten Gebäude waren endgültig 1676 bis auf zwei Türme verschwunden. Die hzgl. Bauten wurden 1680 Kapuzinermönchen übergeben, die einzig das Portalgewände der Renaissance von 1537 beim Klosterneubau verwendeten.

Quellen

Matthaeus Merian: Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae, Frankfurt am Main 1650. - Swidnicensis A. D. 1600, anonymer Autor, Muzeum Dawnego Kupiectwa w Świdnicy.

Burgen, Schlösser und Gutshäuser in Schlesien, 1, 1982, S. 98f.; 2, 1987, S. 48. - Gawlas, Sławomir: Art. »Schweidnitz«, in: LexMA VII, 1995, Sp. 1638. - Goliński, Mateusz: Wokól socjotopografii póznosrednoiwiecznej Świdnicy, Breslau 2000 (Acta Universitatis Wratislaviensis. Historia, 141). - Gottschalk, Joseph: Anna von Schweidnitz, die einzige Schlesierin mit Kaiserinnenkrone, in: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau 17 (1972) S. 25-42.- Köbler 1988, S. 512. - Protasiuk, Andrzej: Świdnica, Warschau 1995. - Radler, Leonhard: Schweidnitz, in Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 15, 1977, S. 491-496. - Schweidnitz im Wandel der Zeiten, bearb. von Werner Bein und Ulrich Schmilewski, Würzburg 1990, S. 72-77, 161-171, 317-322. - Schweidnitz. Kleine Stadtgeschichte in Bildern, hg. von Werner Bein, Würzburg 1997. - Schlesisches Städtebuch, 1995, S.396-403. - Świdnica, in: Drabina, Historia, 2000, S. 238-255. - Świdnica. Zarys monografii miasta, Red. Wacław Korta, Schweidnitz 1995 (Monografie Regionalne Dolnego Śląska). - Świebodzice. Zarys monografii miasta, Wrocław, Freiburg/Schlesien 2001 (Monografie Regionalne Dolnego Śląska). - Veldtrup, Dieter: Ehen aus Staatsräson. Die Familien- und Heiratspolitik Johanns von Böhmen, in: Jean d'Aveugle, comte de Luxembourg, roi de Bohême. Actes des 9es journéesLotharingiennes, hg. von Michel Pauly, Luxemburg 1997 (Publications de la section historique de l'Institut grand-ducal de Luxembourg, 115), S. 483-543. - Veldtrup, Dieter: Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Warendorf 1990 (Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit, 2). - Zamek Książ, Red. Romuald M. Łucyński, Hirschberg 2000.