SCHWABSTEDT C.3.
I.
Swauestath (= Wohnstätte des Swavi); Swafestede, in castro Swauestede, Schwabstedt (Kirchdorf mit Feldsteinkirche vom Ende des 12. Jh.s; Anfang 14. Jh. vermutl. Stadtrecht). - Dorf an der Treene, 13 km südöstl. von Husum, - Res. der Bf.e von Schleswig von ca. 1268 bis zum Tod des letzten dort residierenden Bf.s, Hzg. Ulrich (1602-24); der Bischofssitz blieb jedoch in → Schleswig, wo sich ebenfalls ein Bischofshof befand. - Burganlage seit vermutl. 1268. - D,Schleswig-Holstein, Kr. Nordfriesland.
II.
Die Erstausstattung des in der Mitte des 10. Jh.s (948) angelegten Bm.s Schleswig/Haithabu ist unbekannt, die Lage der Bischofskirche unsicher, die Reihe der Bf.e im 10. und 11. Jh. vor dem Beginn gesicherter Überlieferung jedoch zu rekonstruieren. Im 12. Jh. residierten die Schleswiger Bf.e auf der Burg → Alt- → Gottorf, einer Doppelmotte in strateg. Position am Heerweg wenige Kilometer nordwestl. von → Schleswig, und nach der Einnahme dieser Anlage durch den Kg. 1161 auf der Inselburg → Gottorf in der innersten Schlei; alsdiese Anlage 1268 in einem erzwungenen Gütertausch hzgl. Res. wurde, zogen die Bf.e auf den ihnen überlassenen »Andel« des Hzg.s in der Südergoesharde, eine der drei Geestharden im Nordseeküstenbereich. Dieser »Anteil« wird übereinstimmend als Dorf und Kirchspiel S. verstanden. Die Kurie S. bildete bis zur Aufhebung des Bm.s 1624 das wirtschaftl. und rechtl. Zentrum des Bischofsbesitzes im westl. Teil des Bm.s. Der Ort ist durch seine hochwassersichere Lage auf einem Geestrücken am Unterlauf der Treene gekennzeichnet. Nach Ausweis des erhaltenen Stadtsiegels mit der InschriftSIGILLUM CIVIUM IN SWAVESTATH scheint er im MA Stadtrecht besessen zu haben. Die hochgelegene, vom Friedhof umgebene Kirche ist ein roman. Feldsteinbau, dessen hölzerner Glockenturm auf einem bronzezeitl. Grabhügel steht. Die Flußniederungen der Treene und die Marschlandschaft in der Umgebung des Ortes haben durch Überflutungen vielerlei Veränderungen erfahren.
Die Schleswiger Bf.e waren seit der Mitte des 13. Jh.s nahezu über 200 Jahre in die Machtkämpfe zw. Schleswiger Hzg., Gf.en von Holstein und dän. Königsmacht um die Herrschaft im Hzm. Schleswig einbezogen. Die Burg S. war ein strateg. Schlüssel zum westl. angrenzenden Nordfriesland, ihr Besitz bildete stets ein wichtiges Faustpfand zur Verbesserung der jeweils eigenen Machtposition. Nach ungesicherten Angaben der Lokalforschung war das Dorf S. mit Marktplatz und Kirche in einer Ausdehnung von fast 500 × 250 m durch Wall und Graben in das Befestigungssystem der Res.einbezogen.
Unter Bf. Johannes Bokholt (1307/09-31) wird das Haus S. 1318 zum ersten Mal erwähnt. 1332 wird Bf. Helembert vom Hzg. gezwungen, dat huss to Schwawestede nicht (to) muren, d. h. zu befestigen, vorhandene Wehranlagen sollen bei Bedarf niedergelegt werden. 1372 wurde offenbar trotzdem ein steinerner Turm vor das Haupthaus gebaut. 1395 wurde das Schloß von den holstein. Gf.en erobert, 1406 vom Bf. an die dän. Kg.in verpfändet und 1410 erneut von den Holsteinern erobert und geschleift. Bf. Nikolaus Wulf löste das Schloß 1430 für 980 Mark wieder ein. Nach derReformation 1542 wurde 1551 Fbf. Friedrich, Sohn des dän. Kg.s Friedrich I., Inhaber der Bischofsgüter. Ihm folgten Hzg. Adolf (1556-86), Kg. Friedrich II., und nach dem Tod des letzten Schleswiger Bf.s, Hzg. Ulrich (1602-24), fiel das Bischofsgut zuerst an den Kg. und ab 1658 wieder an den Hzg.
Die bfl. Besitzungen - Einkünfteregister bestehen u. a. aus den Jahren 1463, 1509 und 1523 - wurden nach 1624 zum Amt S. zusammengefaßt und unter die Verwaltung eines Amtmannes gelegt, der im Schloß residierte, bis der Bau nach der Vereinigung der Ämter S. und Husum 1701 i. J. 1705 niedergelegt wurde.
III.
Über das Aussehen der ersten Gebäude wie auch des gesamten ma. Baukomplexes ist nichts sicher bekannt. Die Gesamtanlage war im O und N von einem doppelten Festungsgraben umzogen, im S von der Treene und im W vom Stadtgraben gesichert.
Über ma. Bauarbeiten fehlt so gut wie jede Überlieferung. Vorhandene Ansichten stammen von Landkarten von 1559 und um 1600. Den besten Eindruck des Gebäudebestandes mit seinem bewegl. Inhalt gibt ein Inventar von 1541, dem Todesjahr des letzten kathol. Bf.s, Gottschalk von Ahlefeld. Der Besitzgeschichte nach zu urteilen, dürfte der Baubestand erst der Zeit nach etwa 1400 zugehören. Möglicherw. stammt er, wie der Schleswiger Bischofshof, aus der Zeit Bf. Nikolaus Wulfs. Nach der Ansicht um 1600 waren dem Palasgebäude innerhalb einer Hofmauer westl. ein kleiner giebelständiger Anbau und aufder Ostseite ein mehrere Räume enthaltender Bau vorgelagert. Zw. den Nebengebäuden stand ein runder Turm mit zwiebelförmigem Dach. Der mit Treppengiebeln verzierte Hauptbau war 46 m lang, 15 m breit und und bis zum First 18 m hoch. Im niedrigen Erdgeschoß befanden sich die Wirtschaftsräume: Küche, Backhaus und Bierkeller sowie eine Gefangenenzelle, das Obergeschoß nahm den repräsentativen Saal, die bfl. Wohnräume und Kammern auf, im Dachgeschoß lagen weitere Kammern. Im Turm befanden sich der Treppenaufgang zum großen Saal und ein Söllerzimmer als Waffenkammer. Die beidenNebengebäuden beherbergten offenbar die wichtigsten Bediensteten, Hausvogt, Stiftschreiber und Burgschreiber.
Seit 1585 ließ Fbf. Hzg. Adolf am Schloß Reparaturen durchführen, u. a. wurden acht Kachelöfen eingebaut. Aus dieser Zeit oder eher den Jahren Hzg. Ulrichs (1602-24) haben sich Teile der Bauplastik erhalten, darunter fünf rechtwinklige, 0,7 m hohe Giebel aus Wesersandstein, in den Feldern je eine Halbfigur als Relief: zwei Kg.e und drei bärtige Männer mit Turban, sowie zwei mit Löwenköpfen verzierte Bänke aus Sandstein.
Zum Schloß und zum Wirtschaftsbetrieb gehörten ein nach frz. Art angelegter Ziergarten, ein Gemüsegarten und ein Baumgarten.
Letzte Reparaturen 1703 (u. a. Dachdeckung, Einbau von Scherwänden, Stützarbeiten am Kellergewölbe) gingen dem Abbruch 1705 voraus. Vor dem Abbruch wurden durch den Baumeister der Festung Tönning, Zacharias Wolf, Rißzeichnungen gefertigt. Der Materialwert betrug 2359 Reichstaler und 5 Schillinge. 1706 waren alle Gebäude abgetragen. Die Fundamentsteine wurden 1845 zum Straßenbau verwandt.
Die im Zinsbuch von 1463 mehrfach erwähnte bfl. Marien-Kapelle befand sich über 300 m außerhalb des Schloßgeländes und auch außerhalb des Befestigungsgrabens um das Dorf. Der etwa 8 × 14 m große Saal lag über einer steinzeitl. Grabanlage, von der auch die Feldsteinfundamente stammen. Eine vor dem Altar angelegte Bestattung reicht in die vorgeschichtl. Grabanlage hinein. Aufgefundene Architekturreste datieren den Bau offenbar in das Ende des 13. Jh.s. Nach dem Inventar von 1541 befanden sich in einer Vorkammer Abendmahlsgefäße, im Kirchenraum eine Truhe mit der bfl.Sakralkleidung und auf dem Altar neben Kerzenhaltern, Kreuz und Kelchen weitere Meßgewandung. Das Gebäude wurde nach der Reformation niedergelegt, die dem Unterhalt der Kapellane dienenden Ländereien fielen an die Dorfkirche St. Jacob. Die Vorkammer blieb bis zum Abbruch 1835 Dienstgebäude der Kirchspielsschreiber.
Quellen
LA Schleswig A XVII Nr. 320 (verfallener Zustand 1586); A XX Nr. 2458 (Abbruch 1703-05; mit Rißzeichnungen »Relation von dem Zustande des Hauses Schwabstedt« vom 1. Sept. 1703). - Quellen zur Geschichte des Bistums Schleswig, 1904.
Literatur
Brauer, Heinrich/Scheffler, Wolfgang/Weber, Hans: Die Kunstdenkmäler des Kreises Husum, Berlin 1939 (Die Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein, 1). - La Cour, Vilhelm: Sønderjyllands Historie, Bd. 2, Kopenhagen 1930/31. - Meyer, Hans: Das Schwabstedter Bischofsschloß nicht 1730, sondern 1705 abgebrochen, in: Die Heimat 60 (1953) S. 165-167. - Meyer, Hans:Schwabstedt. 5000 Jahre Schwabstedter Geschichte, 2. Aufl., Schwabstedt 1986. - Panten, Albert: Die Nordfriesen im Mittelalter, in: Geschichte Nordfrieslands, 2. Aufl., Heide 1996, S. 59-102. - Peters, Lorenz C.: Nordfriesland, Husum 1929. ND Kiel 1975.