SCHÖNBERG C.3.
I.
Sconenberge (1219), Sconeberg (1264), Schonenberghe (1328) und ähnlich, Res. der Bf.e von → Ratzeburg, ca. 16 km östl. von Lübeck an der Maurine. Nach der »Lista episcoporum« (s. u.) verlegte zuerst Bf. Marquard von Jesow (1309-35), endgültig dann Bf. Wipert von Blücher (1356-67) die Res. dorthin. Es erfolgte der Ausbau zur Wasserburg, später zum Schloß. Seit dem zweiten Viertel des 16. Jh.s hielten sich viele Bf.e bzw. (seit 1554) Administratoren des Bm.s nicht mehr regelmäßig in S.auf: Bf. Georg von Blumenthal (1524-50), zugl. Bf. von → Lebus, weilte häufig in der Mark → Brandenburg, und auch der Administrator Christoph von Mecklenburg (1554-92) befand sich als Koadjutor des Ebf.s von → Riga bis 1569 meist außer Landes, nutzte S. danach aber wieder als Res. Sein Nachfolger als Administrator, Karl von Mecklenburg (1592-1610), weilte in S. vornehml. im Sommer, um dort zu jagen. Ab 1603 (Regierungsantritt Karls in Mecklenburg-Güstrow) wohl nur noch vereinzelte Aufenthalte der Administratoren. Seine Residenzfunktion verlor S. endgültig mit derSäkularisierung des Stifts 1648/52 (Umwandlung in ein weltl. Fsm., mecklenburg. Verwaltung fortan auf dem Domhof in → Ratzeburg). 1753-56 war S. Witwensitz der Hzg.in Dorothea Sophie von Mecklenburg-Strelitz. - D, Mecklenburg-Vorpommern, Kr. Nordwestmecklenburg.
II.
S. liegt in der Niederung der Maurine im Land Boitin (Ratzeburger Stiftsland) an der Straße Lübeck-Schwerin. Der Siedlungskern mit der Pfarrkirche war auf einer Erhebung zw. dem sumpfigen Ufergelände der Maurine und dem Oberteich angelegt (künstl. Sicherung nur im SW durch Wall und Graben und durch Tore an den Ortsausgängen). Erstmals erwähnt ist S. 1219 als Ausstellungsort einer Urk. des Ratzeburger Bf.s Heinrich. Auch 1235 und 1256 urkundeten Bf.e in S. Im Laufe der Zeit siedelten sich neben den Bauern auch Handwerker und Gewerbetreibende an. 1588 sind zweiBürgermeister belegt. Der nur wenige hundert Einw. zählende Ort wurde im 16. Jh. als »Städtchen« bezeichnet, ohne jedoch Stadtrecht zu erhalten (Stadterhebung erst 1822). Die Pfarrkirche (vollständiger Umbau nach 1324) wurde 1422 den Tafelgütern des Domkapitels inkorporiert.
Die nördl. der Siedlung gelegene Burg war von Wasser (Maurine und Oberteich) umgeben. Zu Beginn des 15. Jh.s verpfändete sie der Bf. an den Lübecker Jordan von Pleskow - das Domkapitel löste sie aus. In einer Fehde zw. → Mecklenburg und Lübeck räumte der Bf. 1506 dem mecklenburg. Hzg. die Burg ein. Zwei Jahre später mußten Bf. und Domkapitel dem Hzg. das Öffnungsrecht gewähren, das anscheinend bald wieder aufgehoben wurde. 1576 wurde in S. eine Münzstätte eingerichtet (sporad. Nutzung bis 1623).
III.
Das Schloß wurde zu Beginn des 19. Jh.s großenteils abgebrochen, die Reste wurden 1832 entfernt. Wichtigste Quelle für die Baugeschichte des 13. bis frühen 16. Jh.s ist die »Lista episcoporum ecclesiae Raceburgensis et eorum facta«, eine Geschichte der Bf.e bis zu Christoph von Mecklenburg.
Ein erstes steinernes Gebäude wurde unter Bf. Ulrich von Blücher (1257-84) aufgeführt. Bf. Marquard von Jesow (1309-35) ließ ein zweites steinernes Haus mit einem Sommerraum und einem heizbaren Raum für den Winter errichten. Der Ausbau der Befestigungsanlagen führte ab 1324 zu Konflikten mit Lübeck (Angaben zu den vorhandenen Bauten in einer Urk. von 1328). Ein 1330 geschlossener Vergleich vermochte die Bf.e langfristig an fortifikator. Maßnahmen nicht zu hindern. Erweiterungen der Anlage erfolgten unter den Bf.en Wipert von Blücher (1356-67), Heinrich von Wittorp (1367-88) und Gerhard vonHoltorp (1388-95). Die Kapelle mußte unter Bf. Johannes Proel (1440-54) nach einem Brand wiederhergestellt werden. Mit dieser unregelmäßigen, mehrteiligen Gebäudegruppe scheint gegen Ende des 14. Jh.s für den Teil der Anlage, der den Wohnzwecken des Bf.s diente, im wesentl. der Bestand erreicht gewesen zu sein, wie er sich bis ins 16. Jh. hinein darstellte. 1526 wurde noch ein hölzerner Umgang mit Fenstern angebracht sowie in einem Turm ein Gemach für den Bf. eingerichtet.
Umfangreichere Bauten erfolgten wahrscheinl. nach 1569 unter Christoph von Mecklenburg. 1578 sind größere Bauvorhaben belegt (Lisch 1840, S. 62, Anm. 2), und in einer Rechnung von 1582 wird vom newen hause gesprochen. Soweit die Quellenlage Aussagen zuläßt, scheinen vorhandene Gebäude, die vermutl. ebenfalls Veränderungen erfuhren, durch neue Bauten zu einer Vierflügelanlage ergänzt worden zu sein. Mind. zwei Flügel wiesen zum Innenhof Arkadenöffnungen in drei Geschossen auf, zu sehen auf einer Ansicht des frühen 19. Jh.s, die das Schloßin stark ruinösem Zustand nach Abbruch großer Teile der Anlage zeigt (Abb. bei Krüger 1934, S. 185; die Darstellung des Schlosses auf der Karte des Hans Frese vom Ende des 16. Jh.s, Abb. bei Krüger 1934, S. 184, hat stark summar. Charakter; heranzuziehen sind außerdem ein Grundplan von 1795, Umzeichnung bei Krüger 1934, S. 189, und Inventare des 17. und 18. Jh.s).
Im Umfeld befanden sich Wirtschaftsgebäude. In der Zeit des Bf.s Johannes Stalkoper (1466-79) wird ein Brauhaus erwähnt. Der Bauhof, etwas abseits gelegen und erstmals unter Bf. Johannes Proel (1440-54) gen., diente der grundherrschaftl. Verwaltung und der Versorgung des Hofes.
Quellen
LHA Schwerin, 2.12-1/26 Hofstaatssachen, IX. Fürstliche Schlösser und Häuser, Nr. 728 (darin die erwähnte Rechnung von 1582). - Lista episcoporum ecclesiae Raceburgensis et eorum facta: LHA Schwerin, 4.2-1 Regierung des Fürstentums Ratzeburg, B. Kapitelsachen, Domherren (häufig zitiert bei Masch 1835). - Auszüge aus Inventaren von 1649, 1693 und 1707 bei Schmidt, Max: Das Bischofsschloß zu Schönberg, in: Mitteilungen des Heimatbundes für das Fürstentum Ratzeburg 4 (1922) Nr. 1, S. 5-9. Weitere Inventare desspäten 16. und des 17. Jahrhunderts: LHA Schwerin, 4.2-1 Regierung des Fürstentums Ratzeburg, E. Ämter und Orte/Amt Schönberg, Inventare. - MUB.
Literatur
Frimodig, Heidemarie/Wende, Dorothea/Brauns, Siegfried: Schönberg. Chronik einer Stadt in Mecklenburg, Schwerin 1994. - Hofmeister 1927. - Krüger 1934. - Lisch, Georg Christian Friedrich: Geschichte der fürstlichen Residenz-Schlösser zu Wismar, Schwerin und Gadebusch, in: Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde 5 (1840) S. 1-73. -Masch 1835. - Ringeling, Gerhard: Zur Errichtung des Bischofsitzes in Schönberg, in: Mecklenburg. Zeitschrift des Heimatbundes Mecklenburg 8 (1913) S. 40-43.