Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SAGAN C.7. (Żagań)

I.

Seit 1329 als böhm. Lehen schles. Mediatfsm. Ab 1252 Teil von → Glogau, war es zwischenzeitl. an die Mgf.en von → Brandenburg verpfändet und wurde 1413 als selbständiges Hzm. aus dem Glogauischen herausgelöst. Hanns II. verkaufte es 1472 an die sächs. → Wettiner (Albertiner), von denen es 1549 durch Tausch an → Habsburg und ab 1588 an den Pfandherrn Seifried von Promnitz auf Sohrau kam. Ks. → Ferdinand II. belehnte 1628 Albrecht von Wallenstein zum Hzg. von Friedland, S. und → Mecklenburg;seit 1646 stand das Land dem Fs.en Wenzel Eusebius von Lobkowitz zu. - PL, Wojewodschaft Lubuskie.

II.

Die Kastellaneiburg auf dem Galgenberg nordöstl. des slaw. Dörfchens Aldensagan am Terrassenrand nahe dem Boberfluß war seit 1202 Sitz des Burghauptmannes. Der erste Hzg. von S., Przemko, erbaute 1273/74 ein steinernes und hölzernes Haus neben der Pfarrkirche am Westrand des seit 1230 bestehenden Marktortes, der um 1260 deutschrechtl. bewidmet wurde. Nach der Stadterweiterung im Planschema wurde dieser offenbar provisor. Fürstensitz kurz vor 1284 an die noch unbebaute Südostekke der Stadt verlegt, die Gebäude der alten Burg 1299 anNaumburger Augustinerchorherren, die seit 1284 an der alten Pfarrkirche ansässig waren, zur Gründung eines Stiftes verschenkt. Im St. Marien befindet sich der Grabstein Hzg. Heinrichs IV. von Glogau († 1342).

III.

Nach Vermessung der Gründungsstadt zog die Piastenburg vom rechtem Boberufer um etwa 400 m ostwärts an das Nordostende der Siedlung um. Seit 1504 ersetzte Hzg. Albrecht von Sachsen den Altbau durch einen unregelmäßigen von vier Gebäudekörpern umgebenen Hof mit rundem Turm am Nordwesteck. Georg von Sachsen-Wettin befestigte die Anlage durch Wälle, Gräben und Basteien bis 1512. Der ksl. Generalissimus Wallenstein ließ 1631 das Piastenschloß unter Einbeziehung zweier alter Flügel mit Innenhof und drei Ecktürmen durch den ital. Baumeister Boccacci imRenaissancestil verändern. Ab 1674 errichtete Fs. Lobkowitz durch den Architekten Antonio de la Porta eine stattl. barocke Zweiflügelanlage in Hufeisenform.

Quellen

Catalogus abbatum Saganensium, in: Scriptores rerum Silesiacarum, Bd. 1, hg. von Gustav Adolf Stenzel, Breslau 1835, S. 173-528.

Schlesisches Städtebuch, 1995, S. 377-381. - Burgen, Schlösser und Gutshäuser in Schlesien, 1, 1982, S. 29; Bd. 2: Schlösser und feste Häuser der Renaissance, bearb. und erw. von Dieter Grossmann, Würzburg 1987 (Bau- und Kunstdenkmäler im östlichen Mitteleuropa, 3), S. 10f. - Köbler 1988, S. 177f. - Machilek, Franz: Ludolf von Sagan und seine Stellung in der Auseinandersetzung um Konziliarismus und Humanismus, München 1967. - Menzel, Josef Joachim: Art.»Sagan«, in: LexMA VII, 1995, Sp. 1254. - Pilvousek, Josef: Art. »Sagan«, in: LThK VIII, 1999, Sp. 1462. - Sagan und Sprottau, hg. von Werner Bein, Würzburg 1992. - Steller, Georg: Grund- und Gutsherren im Fürstentum Sagan 1400-1940, Sagan 1940. - Steller, Georg: Sagan, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 15, 1977, S. 462-467. - Żagań, in: Drabina, Historia, 2000, S. 118-129.