Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SÄCKINGEN C.4.2.

I.

Seckinga (878), Sechingensis (11. Jh., bezogen auf 926), Sekchinga (965), Sichingis (950-70), Sechoniensis (um 970) Seccinga (975), Secanense (1173), Seconia (1207), Seckingen (1253), Seconis (1272); palatium regale (um 970, bezogen auf das späte 9. Jh.), Hof der Abtei (15. Jh.), Alter Hof(16. Jh.), Abteigebäude (seit 16. Jh.). - D, Baden-Württemberg, Kr. Waldshut, Bad S.

II.

Das Kanonissenstift S. wurde auf einer Insel im Rhein ca. 30 km flußaufwärts von → Basel gegr. An dieser Stelle kreuzt eine vom Fricktal, → Baden und → Zürich nach dem Breisgau und dem Elsaß führende Straße den Fluß. Ein Brücke verband die Insel schon vor 1272 mit dem nördl. Ufer, eine zweite Brücke nach S wurde spätestens im 15. Jh. erbaut. Die Orientierung nach N wird durch die Zugehörigkeit zum Bm. → Konstanz unterstrichen. Der nördl. Rheinarm versandete während des 18. Jh.s und wurde 1830 zugeschüttet.

Die ältesten Siedlungsspuren auf der Insel gehören der Wende von der älteren zur jüngeren Urnenfelderzeit an (Ha A 2/B 1). Aus der Eisen- und Latènezeit gibt es wenige Befunde. Eine röm. Besiedlung gab es wahrscheinl. nicht, Funde aus dem FrühMA sind spärlich, Siedlungsbefunde fehlen. Am nördl. Rheinufer fanden sich merowingerzeitl. Gräber. Wohl zw. dem 7. und dem 9. Jh. wurde eine geistl. Gemeinschaft auf der Insel gegr. Die ältesten bisher beobachteten Siedlungsbefunde dürften im oder vor dem 10. Jh. entstanden sein und gehören zieml. sicher zu den Gebäuden dieser Gemeinschaft. Denältesten erhaltenen Teil der Stiftskirche baute man vermutl. im frühen 11. Jh.: eine Krypta in den Formen des 9. und 10. Jh.s.

Die Frühzeit der Stadt liegt im Dunkeln. Sicher besteht ein Zusammenhang mit der Entwicklung der geistl. Gemeinschaft. Der Rat ist erstmals 1316 belegt. Eine Stadtmauer dürfte es im späten 13. Jh. gegeben haben. Ein Brand von 1272 vernichtete wohl einen Großteil der Häuser, bislang gibt es keine bauhistor. Beobachtungen zu dieser Frage. Von einer Vorstadt auf dem nördl. Ufer sind keine genauen Vorstellungen zu gewinnen, dort dürften sich die Mühlen und eine viell. schon seit röm. Zeit bekannte Thermalquelle befunden haben.

Die Insellage bedingte die große räuml. Nähe zw. dem im Grdr. etwa dreieckigen Stiftsgelände und der Siedlung auf dessen Südwest- und Nordseite. Differenzen über die Nutzung der stiftischen Grenzen führten 1343 zu einem Schiedsspruch der Agnes von Ungarn, der Schwester des Vogtes Hzg. Albrecht II. von Österreich. 1416 wurde der Abbruch der Pfarrkirche Liebfrauen und die Neunutzung der Stiftskirche als städt. Pfarrkirche besiegelt.

III.

In der Geschichte des Kl.s/Stiftes wurden verschiedene Bauten als Res. genutzt. Die früh- und hochma. Gebäude sind in Standort und Größe unbekannt. Das um 970 genannte palatium regale wird westl. der heutigen, von SW nach NO ausgerichteten Kirche vermutet, archäolog. Hinweise gibt es nicht.

Vermutl. im späten 16. Jh. fand eine größere Umgestaltung der südöstl. Bereiche der Insel statt, die archäolog. an mehreren Stellen entlang der Rheinfront in Form von Aufschüttungen von 1,5 bis 2,6 m erfaßt wurde und die wohl die Aufgabe von älterer Bebauung mit sich brachte.

Erstmalig erwähnt wird der Hove unser Abtey 1347. Seine Errichtung wird im Zusammenhang mit der Erhebung der Äbtissin Elisabeth von Bussnang in den Reichsstand 1307 gesehen. Aufgrund von 1507 am Alten Hof ausgeführten Bauarbeiten muß es zu diesem Zeitpunkt bereits einen neuen Hof gegeben haben, für den 1512/13 ohne Erwähnung eines Standortes Ausgaben nachzuweisen sind. 1558 findet sich die Bestätigung der Neunutzung des Alten Hofes: die konvertierte Äbtissin Magdalena von Hausen wohnte seit 1549 dort.

Das heute »Alte Hof« genannte, südöstl. der Kirche am Rand des durch den Rhein begrenzten Stiftsbezirkes stehende Gebäude wurde im späten 16. Jh. tiefgreifend umgestaltet, die beobachteten Befunde aus älterer Zeit wurden nicht eigens publiziert. Merian bildete es um 1640 prominent ab. Es ist ein im Grdr. fast quadratisches, heute dreigeschossiges Steingebäude mit quer zum Rhein ausgerichtetem Krüppelwalmdach und Fachwerkgiebelwänden. Über dem 1975 entfernten Gewölbekeller erhebt sich ein durch niedrige zweiteilige Fenster in seiner opt. Wirkung untergeordnetes Erdgeschoß. Das ersteObergeschoß mit drei Fensterachsen je Fassade ist auf seiner Schauseite mit dreiteiligen Staffelfenstern ausgezeichnet. Die heutige Außengestaltung der Fassaden mit Betonung der Gebäudeecken durch anthrazitfarbene, diamantbossenbesetzte gemalte Quader wurde nach den Befunden des ausgehenden 16. Jh.s ausgeführt.

Der Nachfolger dieses »Alten Hofes«, die Res. des 16. Jh.s ist nicht bekannt. Das 1570 von Agatha Hegenzer von Wasserstelz begonnene und von Jakobea von Sulzbach fertiggestellte, bis zur Auflösung 1806 als Res. genutzte Gebäude südl. der Kirche nahe der Westtürme enthält einen älteren Kern vermutl. gleicher Funktion. Erbaut wurde es von Baumeister Peter Bey, der auch den Umbau der Münstertürme und andere Aufträge für Stift und Stadt ausführte. Seine Größe steht möglicherw. im Zusammenhang mit der kurz vor Baubeginn erfolgten Statutenrevision, nach der den Kanonissen ein gemeinsamerHaushalt vorgeschrieben wurde. Es ist von längsrechteckigem Grdr., über einem Gewölbekeller erheben sich drei Geschosse, mit einem steilen Treppengiebel überragt es die Häuser der Umgebung. Auch das Portal in spätgot. Formen betont den repräsentativen Charakter. Durch Umbauten im 18. und. 19. Jh. wurde das Innere stark verändert. Zur Zeit der Auflösung war die Res. umgeben von stift. Wirtschaftsgebäuden, zw. ihr und der Kirche befand sich die Kanzlei und die Schaffnei, das bis heute als Rathaus der Stadt genutzte Gebäude. Heute wird die Abtei vom Straßenbauamt genutzt.

Quellen

Baeriswyl, Suse: Die Schriftquellen zur Baugeschichte bis 1600, in: Schmaedecke, Felicia: Das Münster Sankt Fridolin in Säckingen, Stuttgart 1999 (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg, 24), S. 255-306. - Bosshart/Gartner /Salzmann 1986. - Pörnbacher, Mechthild: Vita Sancti Fridolini. Leben und Wunder des heiligen Fridolin von Säckingen, Sigmaringen1997.

Baeriswyl, Suse: Zu baulichen Veränderungen auf dem Gelände des ehemaligen Damenstiftes Säckingen zwischen 1550 und 1600, in: Münster und Stift in Säkkingen. Baugeschichte und Archäologie, hg. von Dieter Geuenich (in Vorb.). - Jehle, Fridolin/Enderle-Jehle, Adelheid: Die Geschichte des Stiftes Säckingen, Aarau 1993 (Beiträge zur Aargauer Geschichte, 4). - Jenisch,Bertram/Bigott, Boris: Bad Säckingen, Stuttgart 2000 (Archäologisches Stadtkataster Baden-Württemberg, 5). - Maise, Christian/Enderle, Adelheid: Einem Haus auf der Spur ..., in: Vom Jura zum Schwarzwald, 73 (1999) S. 13-20. - Schmaedecke, Felicia: Das Münster Sankt Fridolin in Säckingen, Stuttgart 1999 (Forschungen und Berichte des Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg, 24), S. 9-254. - Wörner, Judith und Jakob: Zur Baugeschichte undFassadenmalerei des Alten Hofes in Säckingen, Der Alte Hof. Dokumentation einer Sanierung, o. O. o. J. (1976).