Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ROTTENBURG AM NECKAR C.7.

I.

Rotenburg (1264, 1286), Rotenburch (1282), Rotinburch (1291), Schloß und Stadt R. - Gft. Hohenberg, Teil Vös; 1454-82 Res. Mechthilds Pfgf.in bei Rhein, Gattin Ehzg. Albrechts VI., seit 1463 Witwensitz; danach Sitz von Landvögten und Statthaltern. - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Tübingen, Kreis Tübingen.

II.

Links der Neckarfurt existierte bereits eine Vorgängersiedlung mit Marktrecht als 1274/80 Albrecht II. Gf. von Hohenburg (Nebenlinie der Zollern), Schwager Kg. → Rudolfs I., als Rechtsnachfolger der Edelfreien von Rotenburg inmitten der untergegangenen Römerstadt Sumelocenna R. zur Stadt (1274 civis, 1280 nova civitas) und zum Verwaltungsmittelpunkt ausbaute. Die Siedlung rechts des Neckars führte den Namen Ehingen, beide Teile wuchsen zu einer Stadt mit Tübinger Recht zusammen. Das seit1296 belegte Stadtgericht wurde von fremden Gerichten befreit, 1378 mit dem vorher in Wendelsheim tagenden Landgericht aus Schultheiß und zwölf adeligen Beisitzern vereint und hatte zu Mechthilds Zeiten die Funktion eines Hof- und Appellationsgerichtes. Seit Ende des 16. Jh.s war R. Direktorialstadt der schwäb.-österr. Landstände und wurde durch den Stadtbrand von 1644 weitgehend vernichtet.

1381 wurde die Gft. Hohenberg samt Stadt R. an die Hzg.e von Österreich verkauft. Nach wechselnden Pfandgeschäften war die Gft. Hohenberg 1410-54 an die schwäb. Reichsstädte mit dem Vorbehalt habsburg. Lehensoberhoheit verpfändet. Bei der Eheschließung Hzg. Albrechts VI. mit der verwitweten Pfgf.in Mechthild wurde dieser R. als Witwensitz verschrieben, weshalb Albrecht die Rücklösung R.s von den Reichsstädten 1454 erzwang. R. diente zunächst Albrecht und Mechthild einige Wochen gemeinsam, dann Mechthild als alleinige Res. und seit 1463 bis zu ihrem Tod 1482 als ihr Witwensitz. Der VersuchMechthilds, die Gft. Hohenberg ihrem Sohn aus erster Ehe, Eberhard von Württemberg zukommen zu lassen, mißlang.

III.

Das hohenberg. Schloß in R. war Wohnsitz Pfgf.in Mechthilds und der später folgenden österr. Landvögte. Das Schloß galt bereits 1565 als ungeeignet für eine Res. Zu Beginn des 18. Jhs sollte das baufällige Gebäude durch eine vierflügelige Anlage nach einem Entwurf von Georg Anton Gumpp (1728) in Anlehnung an Wiener Palaisvorbilder ersetzt werden, was jedoch nicht realisiert wurde. 1779 ging das Schloß in bürgerl. Hände über, wurde teilw. abgebrochen und im 19. Jh durch eine Strafvollzugsanstalt ersetzt.

R. war mehrfach Aufenthaltsort z. B. Leopolds IV. (1397, 1405, 1406, 1407, 1408) genutzt, erhielt jedoch erst als Residenzort eine größere Bedeutung unter Mechthild, mit ihrem ideellen literar. Hof, an dem Ritterdichtung und Humanismus eine Blüte erlebten. Zu diesem Kreis sind Hermann von Sachsenheim, Nikolaus von Wyle, Johannes Vergenhans und Anton von Pforr zu rechnen. Mechthild unterhielt in R. zudem einen üppigen Hofstaat und feierte schon von Zeitgenossen gerühmte Fastnachten und Hoffeste.

Quellen

Quellen zur Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte der Grafschaft Hohenberg. Vom Übergang an Österreich (1381) bis zum Ende der Reichsstädtischen Pfandschaft (1454), hg. von Karl Otto Müller, 2 Bde., Stuttgart 1953 und 1959 (Württembergische Geschichtsquellen, 24; Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe A, 4).

Baum, Wilhelm: Albrecht VI. († 1463): Erzherzog von Österreich, in: Der Sülchgau 31 (1987) S. 1-63; 32 (1988) S. 25-60. - Eberhard und Mechthild, 1994. - Martin, Ernst: Erzherzogin Mechthild, Gemahlin Albrechts VI. von Oesterreich. Versuch einer Lebensgeschichte (mit Regesten), in: Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Alterthums- und Volkskunde 2 (1870-72) S. 145-271. - Quarthal, Franz: Landstände und landständisches Steuerwesen in Schwäbisch-Österreich,Stuttgart 1980 (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 16). - Rottenburg und die österreichische Grafschaft Hohenberg 1381-1981. Ausstellung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart und der Großen Kreisstadt Rottenburg am Neckar zur Erinnerung an den Übergang der Grafschaft Hohenberg an Österreich vor 600 Jahren. Katalog, bearb. von Bernhard Theil, Stuttgart 1981. - Stolz 1943 - Strauch, Phillipp: Pfalzgraefin Mechthild in ihren litterarischen Beziehungen. Ein Bild aus der schwäbischen Litteraturgeschichte des15. Jahrhunderts, Tübingen 1883. - Theil, Bernhard: Literatur und Literaten am Hof der Erzherzogin Mechthild in Rottenburg, in: ZWLG 42 (1983) S. 125-144. - Vorderösterreich, 1995. - Vorderösterreich, 2000.