REMIREMONT C.4.2.
I.
R., dt. Romberg. - F., Dep. Vosges, arr. Epinal.
II.
Um 620 gründete ein austras. Aristokrat, Romaric, ein Frauenkl. im Massiv der Vogesen. Kurze Zeit später übersiedelte der junge Konvent auf einen benachbarten befestigten Gipfel, das Castrum Habendum. Der Ort wechselte mit der Zeit den Namen und wurde zu Romarici Mons oder, auf frz., R. Um 820, nach dem Konzil von Aix, fand ein erneuter Umzug statt, der die Nonnen ins Tal führte. Das Kl., das sie von nun an bewohnten, behielt den Namen R., obwohl es sich nun nicht mehr auf einer Erhebung befand. DasCastrum, das sie hinterlassen hatten, trug fortan den Namen Saint-Mont (Rombech im Vulgärfrz., was eine Abwandlung des ursprgl. Romberg ist) und beherbergte eine Gemeinschaft von Mönchen. Die Abtei R. stand an der Spitze eines weitläufigen weltl. Besitzes, dessen Ursprung unbekannt ist. Er kann nicht im Besitz des Gründers Romaric gewesen sein und auch nicht mit dem kgl. Fiskus, der in dieser Region v. a. aus Wäldern bestand, in Verbindung gebracht werden. Eine Überlieferung behauptet in der Tat, daßdiese immensen Besitzungen ursprgl. eine Schenkung des Souveräns gewesen seien. Unter diesen Umständen und angesichts der vielen Besuche der Souveräne im 9. Jh. hielt man R. schnell für den Sitz eines karoling. Palastes. Dies glaubte man umso bereitwilliger, als zwei Urk.n Kg. Lothars auf den »Palast von Remiremont« dat. sind (849, MGH DD Lothar I.). Jedoch handelt es sich möglicherweise um Fälschungen. Man sollte bescheidener sein. Als Karl der Große sich 805 in dieser Region zur Jagd aufhielt, gab er den Auftakt zu einer Serie von kgl. Besuchen: 821, 825, 831, 834, 836, 843, 849, 854. Eshandelte sich aber ledigl. um kurze Besuche zum Jagen oder Fischen und keinesfalls um die Präsenz des Hofes, der lieber in Tusey, Gondreville oder Diedenhofen Station machte. Man muß also einräumen, daß R. seinen illustren Besuchern einen schönen Rahmen für die Jagdsaison oder, in anderen Fällen, eine Zwischenstation zw. dem Moseltal und dem benachbarten Burgund bot. Im 9. Jh. hielt sich Ks. Ludwig der Fromme häufig in den Res.en der Moselachse auf; er ließ dort Bauarbeiten vornehmen und stand in Verbindung mit der Äbtissin Teutilde von R. Vermutl. wurde zu dieser Zeit der Abtei derFiskus übertragen und den Schwestern erst hier wirkl. die bedeutendsten Schenkungen gemacht. Die letzten Gelegenheiten, R. in Zusammenhang mit der polit. Geschichte dieser Region zu erwähnen, stammen aus dem Ende des 9. Jh.s. Ein Jh. später planen die Ks.innen und Kg.innen ein Treffen an diesem Ort, das letztl. nie stattfand, aber doch daran erinnert, daß der Name R. eine bes. Resonanz im polit. Milieu fand. Abschließend muß man jedoch feststellen, daß es einen karoling. Palast an dieser Stelle nie gegeben hat.
III.
Die heutigen Abteigebäude stammen aus dem 18. Jh. Die Kirche wurde 1051 geweiht, doch wurde sie erst im 13. Jh. fertiggestellt. In die Krypta aus dem 11. Jh. befinden sich die Grablegen einiger Äbtissinen. Die Wohngebäude der Abtei, die heute ein Haupt-, ein Hof und ein Bibliotheksgebäude umfassen, stammen aus der Mitte des 18. Jh.s und wurden 1871 nach einem Feuer wieder errichtet. Allerdings erinnern die Gebäude in der Anordnung und in ihrem Stil durchaus noch an die ursprgl. Anlage. Einige Häuser von Kanonissen, die aus dem 17. und 18. Jh. stammen, sindebenfalls noch erhalten.