Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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PRÜM C.4.1.

I.

Ursprgl. nur Flußname (721: monasterium ca. fluvio Prumia), aber schon bald auch Name des Kl.s (761: monasterium qui dicitur Prumia); mhd. Prümm, seit dem 16. Jh. zunehmend auch P. Formal Res. als Sitz eines gefürsteten Abtes seit dem 10. Jh. bis 1576. - D, Rheinland-Pfalz, Kr. Bitburg-P.

II.

Lage im Tal der P., eines Nebenflusses der Sauer; infolge der Kalkböden in diesem Flußtal und damit der Möglichkeit von Ackerbau erfolgte hier, im Gegensatz zum Umland, frühzeitig eine intensivere Siedlungserschließung.

Die Klostergründung 721 erfolgte im Carosgau, einem Untergau des Bitgaues, in der Gemarkung der bereits existenten Pfarrei Rommersheim, die infolge ihres Maximinpatroziniums auf die Missionierung durch Bf. Nicetius von Trier um 560 zurückgehen dürfte. Das Kl. berührte eine Römerstraße, lag im Bm. → Trier, jedoch hart an der Grenze zum Bm. → Lüttich und war Bestandteil des Landkapitels Kyllburg-Bitburg. An seinem Standort kreuzten sich bis zum späten MA die polit. Einflußzonen → Kurtriers und → Kurkölns, daneben machten sich hier bis Ende des 14. Jh.sauch Einflüsse der Maasgegend, v. a. des Bm.s → Lüttich, geltend.

Die Gründung des Kl.s erfolgte an einem unbesiedelten Ort. Infolge der Größe der Abtei im 9. und 10. Jh. und der hiermit verbundenen Bedürfnisse entstand vor deren Bereich eine Siedlung, die bis 1016 soweit angewachsen war, daß das Kl. für deren pastorale Betreuung ein Kollegiatsstift gründete. Dadurch wurde die Siedlung Prüm aus dem Pfarreiverband Rommersheim ausgegliedert und zu einem späteren, nicht exakt feststellbaren Zeitpunkt die 861 der Abtei verliehenen Zoll- und Münzrechte übertragen. Bes. die P.er Märkte gewannen im MA und in der frühen Neuzeit wirtschaftl. Bedeutung, doch bliebdie Entwicklung der Gemeinde infolge ihres kargen Umlandes und wg. dem unglückl. Verlauf der Klostergeschichte wesentl. bescheidener, als dies in ähnl. Siedlungen vor den Klosterpforten der Fall war. Zwistigkeiten der, erst im 19. Jh. zur Stadt erhobenen Gemeinde mit der Abtei sind nicht bekannt.    

III.

Bei der Neugründung der Abtei 762 durch Pippin wurde der alte Standort auf den Platz verlegt, auf dem sich die Klostergebäude noch heute befinden. Die 761 neu errichtete Kirche, die wg. ihrer Ausstattung schon bald als die »goldene Kirche« bezeichnet wurde, könnte ein Zentralbau nach Aachener Vorbild gewesen sein, wie dies eine Darstellung im P.er Urbar nahelegt. Wie die gesamte Klosteranlage fiel sie im späten 9. Jh. der Zerstörung durch die Normannen anheim. Ebenso vernichtete 1143 ein Brand die Kloster- und Kirchenanlagen des 10. und 11. Jh.s, die wohlnur in der Abbildung auf dem Vorderdeckel des Goldenen Buches einen Niederschlag gefunden haben. Aber auch die roman. Neuanlage hernach ist heute kaum mehr zu rekonstruieren. Seit 1361 berichten die Quellen von dem baufälligen Zustand des Kl.s mitsamt der Kirche, der soweit ging, daß um 1540 die Hälfte der Kirche abgetragen werden mußte und daß von der früheren Anlage heute nur noch ein Turm erhalten ist. Endgültig abgebrochen und durch den barocken Neubau ersetzt wurde die 1582 nochmals restaurierte Kirche schließl. 1719. Ähnl., wie bei der Kirche, setzte im 14. Jh. auch derVerfall der romanischen, um 1250 mit Toren und Mauern bewehrten Klosteranlage ein. Unter Abt Ruprecht von Virneburg (1476-1513) läßt sich hier zuerst das Abtshaus nachweisen, ein später als »Burg der Äbte« bezeichnetes einfaches spätgot. Wohnhaus außerhalb der Abtei, mit der es durch einen Gang verbunden war. Eine wesentl. Änderung der im allgemeinen tristen Wohnverhältnisse trat erst durch den qualitätsvollen Neubau der Konventsgebäude ein, den zw. 1735 und 1756 der Baumeister Johann Georg Seiz und sein Sohn Johann durchführten, dessen Treppenhaus schließl. 1780 Januarius Zick mit Gemäldeversah. Durch diese Ausstattung war die Fürstabtei bis zu ihrer Aufhebung 1801 gleichsam zur Res. ohne Regenten geworden.

Im Hinblick auf eine Residenzfunktion, womit in Kl.n sicherl. die Hofhaltung und die Wohngebäude des Abtes, nicht aber Einrichtungen und Gebäude des Konvents gemeint sein können, lassen bezügl. der Abtei P. keine weiteren Feststellungen machen, da diese seit 1576 infolge der Inkorporation in das → Trierer Erzstift diesen Residenzcharakter verloren hatte und zuvor zumindest im 16. Jh. auch nur einige wenige Mönche in zieml. ruinösen Baulichkeiten wohnten, während ihre Äbte zumeist abwesend waren.