PINEROLO C.7. (Pignerol)
I.
Lat. Pinarolium. Festung, seit dem 14. Jh. von strateg. wichtiger Bedeutung. - Spätestens ab 1295 bis 1418 häufig besuchter Sitz der Fs.en von Achaia, der jüngeren Seitenlinie der Gf.en von Savoyen. Die Gf.en von Savoyen hatten 1232 → Chambéry erworben, das mit P. Hauptort von Savoyen war. - 30. Nov. 1411 Ort der Heirat Ludwigs III. des Bärtigen, Kfs. von der Pfalz (* 23. Jan. 1378, † 30. Dez. 1436; reg. 1410-36), mit Mathilde von Savoyen (* ca. 1390, † 14. Mai 1438). 1390 starb in P. die späterheiliggesprochene (23. Nov.) Dominikanerin Mgf.in Margarete von Savoyen. - I, Prov. Turin.
II.
P., »Nizza des Piemonts«, liegt am Eingang der beiden Täler Chisone und Germanasca auf einem Bergrücken im nördl. Piemont bei Turin. Erstmals 981 als Besitz der Bf.e von Turin erwähnt; ab 1078 gehörte die Stadt der Benediktinerabtei S. Maria di P. Unter frz. Besetzung 1536-44 (während der Besetzung Savoyens durch Frankreich bis 1559 war Turin statt → Chambéry Hauptort von Savoyen) und ab 1631, seitdem zur Grenzfestung ausgebaut und als Staatsgefängnis genutzt (berühmte Insassen waren Nicolas Fouquet, De Caumont und der »Mann mit dereisernen Maske«), 1696 geschleift. - Der Dom San Donato wird bereits 1044 gen. und wurde im 15. Jh. unter Verwendung des roman. Kampanile zur spätgot. Basilika ausgebaut. Die spätgot. Backsteinkirche San Maurizio von 1078 wurde 1470 erneuert, nachdem bereits 1336 der Kampanile erneuert worden war; Fürstengruft des Hauses Savoyen. - Ab 1748 als Suffraganbm. von Turin auch Bischofssitz. - Thomas I. von Savoyen hatte die Burg P. 1188 besetzt und 1246 anerkannte die Stadt P. die Hoheit der Savoyer. - Der Palazzo dei Principi d'Acaja wurde 1318 unter Philipp von Achaia begonnen, einem SohnThomas' III. von Savoyen, der P. 1295 übernommen hatte. Beim Ausbau im 15. Jh. erfolgte die Ausmalung des Palastes mit einem monochromen Zyklus zur Geschichte des Hauses Savoyen.
Quellen
Inventari die manoscritti delle biblioteche d'Italia, begr. von Giuseppe Mazzatinti, Bd. 60: Pescia, Modigliana, Forli, Trani, Pinerolo, Florenz 1935. ND 1968, S. 137ff.
Literatur
Calliero, Marco: Pinerolo: il borgo nell'anno 1428, Pinerolo u. a. 1998. - Carutti, Domenico: Storia della città di Pinerolo, Pinerolo 1893. ND Bologna 1988. - Giordano, M. C.: Pagine di storia pinerolese, Pinerolo 1957. - Köbler 1988, S. 371, 541. - Pittavino, Arnaldo: Storia di Pinerolo e del Pinerolese, 2. Aufl., Mailand 1964. - Schomann, Heinz: Piemont - Ligurien - Aosta- Tal.Kunstdenkmäler und Museen, Stuttgart 1985 (Reclams Kunstführer Italien, 1,2), S. 326f.